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Wie viel Ich-Zeit braucht ein Mensch? Glück ?· Ein Veränderungswille muss erkennbar sein und somit…

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    Choco: Sind Sie ein glcklicher Mensch?Ernst Wyrsch: Auf jeden Fall! Ich habe immer mit wenig Aufwand viel erreicht und das als selbstverstndlich ge-sehen, bis ich feststellte, dass die meisten Menschen das Umgekehrte erleben. Danach hab ich mich mit meinen Leben auseinandergesetzt und herausgefunden, was mein Glck ausmacht. Nun will ich es meinen Mitmen-schen weitergeben.

    Wie kann ein unglcklicher Mensch glcklich werden? Ein Vernderungswille muss erkennbar sein und somit die Bereitschaft, an sich zu arbeiten. Wenn ein Mensch keine nderung mchte, dann soll man ihn auch lassen, dann ist er noch nicht reif dafr und kann dieses Leiden noch weiter ertragen (siehe Box). Deshalb sind auch so viele Menschen gerne ungesund (krperlich und geis-tig). In diesem Zustand bekommen sie dann Aufmerk-

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    Ernst Aschi Wyrsch hat auf dem Zenit seines Erfolges neue Wege eingeschlagen. Der ehemalige Hotelier hat 15 Jahre erfolgreich und mit viel Engagement und Herzblut das Grandhotel Belvdre in Davos gefhrt und war somit auch Gastgeber der internationalen Prominenz am World Economic Forum. Seinen 50. Geburtstag nahm er zum Anlass, sich beru! ich neu auszurichten. ber sein Erfolgsgeheimnis als Fnfsternhotelier und wie Zufrie denheit und Glck fr den beruf-lichen und privaten Alltag umgesetzt werden knnen, erzhlt er im Gesprch mit Choco.Text: Katja Bopp | Fotos: Marcel Giger und Choco

    Glck

    samkeit und Mitgefhl, und gleichzeitig werden sie dem Leistungsdruck entzogen. Um aus diesem Zustand he-rauszukommen, muss man diese Opferrolle bewusst verlassen.

    Wie merkt man, dass man glcklich ist?Indem man nicht im Neidrad steckt. Das heisst, man hat nicht stndig das Gefhl, alle anderen seien besser und htten viel mehr man ist rundum zufrieden mit sich und seinem Leben.

    Heute ist vielfach alles im berfluss vorhandenund trotzdem scheint es, dass die Gesellschaft im Allgemeinen unglcklicher ist als frherGenau dieses bermass an Allem ist das Problem: Auf dem WC noch Mails beantworten, Radio beim Einschla-fen hren, beim Essen Zeitung lesen und dabei noch Gesprche fhren so kommen wir nie in die Entspan-

    nungsphase, aber jeder Mensch braucht seine Ich-Zeit, in der er etwas nur fr sich tut und niemandem darber Rechenschaft abgeben muss, was er macht.

    Wie viel Ich-Zeit braucht ein Mensch?Das ist ganz individuell. Menschen, die sich innerlich ruhig und ausgeglichen fhlen, haben gengend Ich-Zeit. Wer permanent genervt ist und an Wochenenden arbeitet, weil ihn sonst das schlechte Gewissen plagt, hat zu wenig davon.

    Beeinflusst der Medienkonsum das Glck-Empfinden?Viele Menschen sind berlastet mit der Reizberflutung im Informationsbereich, die negativen Nachrichten ma-chen ihnen Angst. Wer eine Vernderung mchte, sollte den Medien konsum bewusst reduzieren und Ttigkeiten nachgehen, die ihn positiv beeinflussen: Ein Weinlieb-haber liest Bcher ber Wein oder ein Tierliebhaber schaut Tiersendungen.

    Die Glcksforschung sagt, Glck ist zu 50Prozent genetisch bedingt, 10Prozent sind Lebensumstnde (Bildung, Einkommen, Familienstand) und 40 Prozent machen das Verhalten und die Gedanken aus. Warum legen wir zu wenig den Fokus auf diese 40Prozent?Wir mssen realisieren, dass wir das Glck beeinflussen knnen. Zunchst sollte jeder seine innere Entwicklung hinterfragen und an ihr arbeiten. Die Analyse der eige-nen Gedanken ist wichtig: Habe ich wirklich ein Problem mit dem Nachbarn oder woher kommen die negativen Gefhle in seiner Gegenwart? Was genau nervt mich gerade und warum? Mit diesen Fragen kommen Sie zu Ihrem Problem und zu der ntigen Einstellungsvern-derung und -entwicklung. Das Wort entwickeln kommt vom Gegenwort verwickeln. Wir kommen als freie Menschen auf die Welt und werden durch Erziehung, Aus bildung und Lebensumstnde verwickelt. Und pltz-lich stellen wir fest, dass wir eine Rolle leben, welche nicht (mehr) zu uns passt. Unzufriedenheit entsteht auch, wenn wir nicht alles ausleben knnen, was wir gerne mchten und dafr sind die 40 Prozent eine wichtige Hilfe.

    Life-Balance ist in aller Munde, wie erreicht man diese? Das Verhltnis zwischen der Ich-, der Sozial- und der Arbeitszeit ist entscheidend. Man muss lernen, bewusst zwischen den verschiedenen Zeiten umzuschalten.

    Arbeiten die Menschen heutzutage zu viel?Generell kann der Mensch durchaus so viel arbeiten, wie er heute arbeitet oder sogar noch mehr. Aber nur, wenn das nicht zu Lasten der Ich-Zeit geht. Sonst knnen zum Beispiel Schlafstrungen die Folge sein. Dadurch leistet man e" ektiv weniger und muss noch mehr arbeiten das ist ein Teufelskreis.

    Jeder kann sein Glck Jeder kann sein Glck Jeder kann sein Glck

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    Vernderungenangehen,

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    Der Lebensplan eines Menschen Ich glaube nicht an Zuflle sondern an Schicksale (Heilsweg). In meiner Lebenskonzeption kommt ein Mensch auf die Welt mit ei-nem Plan, der Selbstverwirklichung heisst. D.h. alles was in die-sem Plan de ! niert ist, will man erleben. Jeder Mensch mchte die verschiedenen Rollen spielen wie Opfer oder Tter, in einer aktiven oder passiven Rolle. Somit ist die je weilige Rolle, wo ein Mensch drinsteckt, sein selbst auferlegter Auftrag, wo er nicht einfach rauskommt. Ausser wenn er sich selber nicht mehr wohl fhlt, sollte er dies als Wendepunkt sehen und etwas verndern. Und wer einen wichtigen Beitrag fr die Gesellschaft bringen mchte, hat zuerst den Auftrag, dass es ihm selber gut gehen muss. Denn eine Belastung sind fr die Gesellschaft diejenigen Menschen, welche un zufrieden sind, kritisieren und nrgeln. Der Mensch, der fr die Gesellschaft ein Gewinn ist, ist der zufriede-ne und glckliche Mensch. Derjenige, welcher den Weg zur Erfl-lung gefunden hat oder auf der Suche ist. Das erreicht er, wenn er seine Ich-Zeit ausbaut. D.h. in erster Linie muss er zu sich sel-ber schauen, wie kann er sich glcklich machen. Erst dann ist er in der Lage seinen Partner, seine Kinder, seine Arbeitskollegen und Freunde glcklich zu machen. Wenn ich ausbalanciert bin, bin ich fr andere Menschen ein Gewinn, weil ich positiv auf sie einwir-ken kann. Das ist zwar eine etwas radikale Sicht, doch wenn man sie begreift, ist das ein wichtiger Erkenntnisschritt und fhrt den Mensch auf die stimmige Erfolgsspur.

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    2 3Ernst Wyrsch mit

    1 Muhammad Ali, Frau Sylvia2 Bono, Tony Blair

    und Bill Gates3 Paulo Coelho4 Bill Clinton5 Knig Abdullahs

    Frau Rania

    Ist fr den Spass an der Arbeit jeder selber verantwortlich?In den ersten paar Jahren im Job ist es okay, wenn man nicht nur nach seinem Strkenprofil geht. Danach ist es eine zentrale Sache, dass Menschen nur noch das ma-chen, was auf ihren Strken aufbaut und ihnen Freude bereitet. Dadurch kommen sie in eine ganz andere Liga und sind wirklich gut indem, was sie machen. Wir mssen uns an unseren Strken und nicht an un-seren Schwchen orientieren. Das Lustprinzip ist ganz wichtig, um in der Champions League mitzuspie-len und eine berdurchschnittliche Leistung und Qualitt anbieten zu knnen.

    Wie beeinflussen uns Prestige, Macht und Geld auf dem Weg zum Glck? Das kommt ganz darauf an, wie wichtig diese Themen fr den Ein-zelnen sind. Wenn es fr jeman-den wichtig ist, sollte man darauf eingehen. Ich kann nicht ber das Werteinventar eines Menschen ent-scheiden und sagen, was gut oder schlecht ist. Entscheidend ist, dass

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    Name Ernst Aschi Wyrsch

    Geburtsdatum 2. April 1961 Ostersonntag!

    Geburtsort Dottikon / AG

    Wohnort Davos

    Familie verheiratet mit Sylvia, Kinder: Sandro 20, Jessica 18

    Beruf Dipl. Hotelier SHV/VDH / Dozent St. Gallen Business School

    Werdegang Hotelier 19901996 im Alpenschlosshotel Castell, Zuoz (zusammen mit seiner Frau Sylvia), Hotelier 19962011 im Fnfsterne-haus Grandhotel Belvdre, Davos. Ab 2011 Dozent an der Glcks-akademie (www.gluecksakademie.ch) und an der St. Galler Business School (www.sgbs.ch) mit den Schwerpunkten Motivation, Leader-ship und Glck. 19982003 Prsi-dent Hockey Club Davos, seit 2003 Ehrenprsident. Verwaltungsrat von Lenzerheide Marketing & Support AG, Verwaltungsratsprsident des

    Hotels Arosa Kulm. Mitbegrnder des Jazz Festival Davos sounds good (2009 ausgezeichnet mit Kulturpreis von Davos), Initiant von Jazz- sowie Musical Wander wochen und Initiant der Schlager-, Jass- und Wanderwoche Davos.

    Hobbys Lesen, Gesprche mit Freunden, Jassen

    Sport Golf, Skifahren, Tennis

    Lieblingsstadt New York

    Lieblingsessen Hrnli mit Gehack-tem

    Lieblingsgetrnk Guter italienischer Rotwein

    Schoggi Lindt Kugeln

    Lebensmotto Es gibt kein Weg zum Glck Glcklichsein ist der Weg

    Inspirierende Persnlichkeiten Bill Clinton, Nelson Mandela, Mu-hammad Ali, Jack Welch, Paulo Coelho

    Palmares

    man weiss, wie ein Mensch tickt, um so ein Umfeld zu scha" en, indem er sich wohlfhlt.

    Als Hotelier haben Sie bestimmt viele Menschen glcklich gemacht warum haben Sie diesen Job aufgegeben?Mit 50 Jahren habe ich gemerkt, dass ich noch viel Energie und Tatkraft habe. Ich wollte mich neu orientie-ren und wirklich etwas Neues bewegen. Als Hotelier war ich stationr und jetzt bin ich viel unterwegs und meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich das gibt mir zustz-liche Glckshormone. Ich wollte bewusst die Komfort-zone verlassen!

    Welche Menschen haben Sie am meisten inspiriert?Sehr viele Menschen aus dem VIP-Bereich, aber eben-so viele aus dem tglichen Leben. Von den Portugie-sen, welche seit 15 Jahren Pfannen putzen, habe ich De-mut, Leistungsbereitschaft und Bescheidenheit gelernt. Oder Nelson Mandela, Bill Clinton, Paulo Coelho, die so-genannte Superprominenz, hat mich wiederum in anderen Bereichen angesprochen, z.B. sich zurckneh-men zu knnen. Die Kunst in der M