DVFA-Rating Standards und DVFA-Validierungsstandards

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  • 1. DVFA-Finanzschriften_ Nr. 04/06DVFA-Rating Standards und DVFA-ValidierungsstandardsDeutsche Vereinigung fr Finanzanalyse und Asset Management

2. Impressum: DVFA Einsteinstrae 5 63303 Dreieich Tel.: +49 (0)6103 - 58 33-0 Fax: +49 (0)6103 - 58 33-34 Mail: info@dvfa.de Web: www.dvfa.de Das Werk einschlielich all seiner Teile ist urheberrechlich geschtzt. Jegliche Verwertung auerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetz ist ohne Zustimmung der DVFA unzulssig und strafbar. Das gilt insbesondere fr Vervielfltigungen, bersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. 3. DVFA-Rating Standards undDVFA-ValidierungsstandardsDVFA-Committee Rating Standards 2006 DVFA1 4. Zusammenfassung Die anhaltende Internationalisierung und Expansion der globalen Finanzmrkte hat in den letzten Jahren das Informationsbedrfnis der Finanzmarktteilnehmer nach vergleichbaren und prgnanten Aussagen zur Beurteilung von Unternehmen stark ansteigen lassen. Zudem hat sich infolge der Verabschiedung und Verffentlichung der endgltigen Fassung der Rahmenvereinbarung zur Eigenkapitalunterlegung fr Kreditinstitute kurz Basel II des Baseler Ausschusses fr Bankenaufsicht im Juni 2004 und die dazugehrigen Entwrfe seit Januar 2001 ein vielfltiges Angebot an externen Rating-Dienstleistungen entwickelt. Vor diesem Hintergrund hat sich die Deutsche Vereinigung fr Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) als Berufsverband der Investment Professionals das Ziel gesetzt, Standards zu entwickeln, die eine Evaluierung der verschiedenen Ratingverfahren ermglichen. Im Mittelpunkt steht dabei die Sicherung der Informationstransparenz, um dem erhhten Informationsbedrfnis der Marktteilnehmer im Hinblick auf das Unternehmensrating nachzukommen. Im Jahr 2000 hat die DVFA hierzu das Committee Rating Standards unter Vorsitz von Prof. Dr. Jens Leker (Universitt Mnster) eingerichtet. Zur Entwicklung der Rating Standards sind vom Committee vier Expertgroups gebildet worden, die von Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Jrg Baetge (Universitt Mnster), Herrn Prof. Dr. Harald Krehl (DATEV eG), Herrn WP/StB Dieter Pape (URA Unternehmens Ratingagentur AG) und Herrn Prof. Dr. Heinrich Rommelfanger (Universitt Frankfurt) geleitet werden. Weitere Mitglieder des Committees sind Vertreter verschiedener Ratingagenturen, Bankinstitute, Investmentgesellschaften, Wirtschaftsprfungsgesellschaften, Beratungsunternehmen und Hochschulen. Im Jahr 2001 konnten als erstes Ergebnis die DFVA Rating Standards verffentlicht werden (FinanzBetrieb, 2001, Heft 4). Als Reaktion auf die sich verstrkenden internationalen Tendenzen an den Kapitalmrkten und die endgltige Fassung von Basel II, hat sich das Committee Rating Standards dazu entschlossen, die DVFA Rating Standards zu internationalisieren und an die vernderten Bedingungen von Basel II anzupassen. Die neuen Rating Standards umfassen allgemeine Standards fr das Unternehmensrating und besondere Standards fr die Validierung von Ratingverfahren. Die allgemeinen Standards behandeln Grundsatzfragen des Unternehmensratings und der einzelnen Phasen des Ratingprozesses. Dabei werden sowohl Begriffsdefinitionen des Unternehmensratings als auch Anforderungen an allgemeine Angaben sowie an die Informationsbasis und -verarbeitung im Ratingprozess dargestellt. Darber hinaus wurden besondere Kriterien zur Beurteilung mathematisch-statistischer Ratingmethoden entwickelt. Die durch die Expertgroup 2 unter Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Jrg Baetge entwickelten Validierungsstandards behandeln ausgewhlte Fragen der Validittssicherung bei der Entwicklung von Ratingverfahren. Gegenstand dieser Standards sind begriffliche Grundlagen der Validierung, die besonderen Aspekte mathematisch-statistischer Validierungstechniken und der Aufbau des Validierungsprozesses. Die Validierungsstandards gelten fr alle Ratingverfahren, wie den IRB-Ansatz, aber auch fr RatingChecks, Rating-Software und Rating-Systeme, vor allem gelten sie auch fr alle extern erstellten Ratings. Die Standards sind als ein Fragen- und Informationskatalog entwickelt worden, die eine Evaluierung von Methode und Aussage der betrachteten Ratingverfahren erlauben. Ihre Akzeptanz wird durch die Bercksichtigung der Fachexpertise verschiedener Finanzmarktakteure und Institutionen gewhrleistet. Zielsetzung des Committees ist nicht die Bewertung der am Markt angebotenen externen oder in den Banken eingesetzten internen Ratingverfahren. Sie versteht sich vielmehr als Kommunikationsplattform fr alle am Ratingprozess beteiligten Finanzmarktakteure und die interessierte Fachffentlichkeit. Durch die Einhaltung der Rating Standards soll die Transparenz und die Informationsbasis im Rahmen der kritischen Evaluierung von Ratingverfahren durch Finanzmarktakteure und Aufsichtsbehrden gestrkt werden. 2006 DVFA2 5. Teil I: DVFA-Rating Standards Transparenz fr das Unternehmensrating 6. A Definitionen 1UnternehmensratingRating bezeichnet im Allgemeinen Verfahren, welche die Ausprgung bestimmter Merkmale anhand vorgegebener Kategorien einschtzen und in eine Rangordnung berfhren. Mit Blick auf die am Markt existierenden Ratingverfahren lassen sich verschiedene Arten von Ratings unterschieden. Beispielhaft seien das Credit-Rating eines Wertpapieremittenten, das Credit-Rating eines Finanztitels, das Credit-Rating einer Kunden- bzw. Lieferantenbeziehung oder das Equity-Rating genannt. Die Kommission beschrnkt den Geltungsbereich der Rating Standards auf das Credit-Rating als Unternehmensrating, das der Beurteilung der Kreditwrdigkeit bzw. Ertragskraft einer Unternehmung dient. Es umfasst unter Einbeziehung aller verfgbaren und als relevant eingestuften Informationen die ganzheitliche Analyse eines Unternehmens mit dem Ziel, eine Schtzung der Ausfallwahrscheinlichkeit gem der nachfolgenden Referenz-Ausfalldefinition vorzunehmen.2AusfallDie Angabe vergleichbarer Ausfallwahrscheinlichkeiten erfordert eine einheitliche Definition des Ausfallbegriffs. Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung schlgt vor, die Verwendung nachfolgender Referenz-Ausfalldefinition vorzuschreiben.1 Der Kreditausfall im Hinblick auf einen spezifischen Schuldner gilt als gegeben, wenn eines oder beide der folgenden Ereignisse eingetreten sind: Die Bank geht davon aus, dass der Schuldner seinen Kreditverpflichtungen gegenber der Bankengruppe mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in voller Hhe nachkommen wird, ohne dass die Bank auf Manahmen wie beispielsweise die Verwertung von Sicherheiten (soweit vorhanden) zurckgreift.Eine wesentliche Verbindlichkeit des Schuldners gegenber der Bankengruppe ist mehr als 90 Tage berfllig. berziehungen werden als berfllig bezeichnet, wenn der Kreditnehmer ein zugesagtes Limit berschritten hat oder ihm ein geringeres Limit als die aktuelle Inanspruchnahme mitgeteilt wurde.Als Hinweise auf die drohende Zahlungsunfhigkeit gelten: Die Bank bucht eine Wertberichtigung oder Abschreibung aufgrund einer deutlichen Verschlechterung der Kreditqualitt seit der Hereinnahme des Kredits durch die Bank.Die Bank verkauft die Kreditverpflichtung mit einem bedeutenden, bonittsbedingten wirtschaftlichen Verlust.Die Bank stimmt einer unausweichlichen Restrukturierung des Kredits zu, die voraussichtlich zu einer Reduzierung der Schuld durch einen bedeutenden Forderungsverzicht oder Stundung bezogen auf den Nominalbetrag, die Zinsen oder ggf. auf Gebhren fhrt.Die Bank hat Antrag auf Insolvenz des Schuldners gestellt oder eine vergleichbare Manahme in Bezug auf die Kreditverpflichtungen des Schuldners gegenber der jeweiligen Bankengruppe ergriffen.1Die Bank verzichtet auf die laufende Belastung von Zinsen.Der Kreditnehmer hat Insolvenz beantragt oder er wurde unter Glubigerschutz oder einen vergleichbaren Schutz gestellt, so dass Rckzahlungen der Kreditverpflichtung gegenber der Bankengruppe ausgesetzt werden oder verzgert erfolgen.Vgl. auch Baseler Ausschuss fr Bankenaufsicht, berarbeitete Rahmenvereinbarung, bersetzung der Deutschen Bundesbank, Internationale Konvergenz der Kapitalmessung und Eigenkapitalanforderungen, Randnummer 452-453, Juni 2004. 2006 DVFA4 7. B Fragenkatalog 1 1.1 1.1.1Allgemeine Angaben zum Rating Angaben zur Beschreibung des Ratingansatzes Zum Ratingzweck des beurteilenden Unternehmens Welchen Zweck verfolgt das Ratingunternehmen? Ist das Rating den primren Geschftsaktivitten des Unternehmens zuzurechnen oder nicht? Es knnen internes und externes Rating unterschieden werden: 1.1.2Externes Rating: Im Regelfall ist das Rating gleichsam der primre Zweck des Ratingunternehmens. Das Unternehmen wendet sich mit dem Rating als Produktangebot an externe Marktteilnehmer. Internes Rating: Das Rating dient unternehmensinternen Zwecken und ist nicht primrer Unternehmenszweck. Das Rating wird nicht externen Marktteilnehmern angeboten, sondern dient dazu die Transparenz der eigenen Ratingbeurteilung zu erhhen.Zum Zweck des Ratings Zu welchem Zweck wurde das Rating erstellt? Es knnen folgende Ratingzwecke unterschieden werden: Rating als Basis bei der Gestaltung privatrechtlicher Vertragsbeziehungen,Rating als Zulassungsvoraussetzung bei ffentlichen oder privaten Ausschreibungen,Rating zur Informationsbeschaffung vor dem Aufbau individueller Geschftsbeziehungen oder 1.1.3Rating zur verbesserten Refinanzierung brsennotierter und privater Unternehmen ber den Kapitalmarkt,Rating zur kritischen Beurteilung des eigenen Unternehmens.Zum Ablauf des Ratingprozesses Welche festgelegten Stufen durchluft der Ratingprozess? Der Ratingprozess ist in die folgenden Stufen untergliedert: 1.1.4Keine oder wenige Stufen (Datenerhebung, Datenauswertung) oder Ausfhrlicher Stufenplan (Vorbesprechung, Vertragsabschluss, Datenerhebung, Datenauswertung, Erteilung des Ratings, Verffentlichung des Ratings).Zur Informationsbasis des Ratingsystems Welche Arten von Informationen nutzt das Ratingsystem grundstzlich? Es knnen die folgenden quantitativen und qualitativen Informationen unterschieden we