of 96/96
KLINIK SEESCHAU AM BODENSEE ORTHOPÄDIE AN DER KLINIK SEESCHAU

Kompendium Orthopädie

  • View
    482

  • Download
    1

Embed Size (px)

Text of Kompendium Orthopädie

  • KLINIK SEESCHAUA M B O D E N S E E

    orthopdie an DER KLInIK SEESCHaU

  • 2

  • 3orthopdie an dER KLInIK SEESCHaU

  • 4

  • 5InHaLt

    06 EdItoRIaL

    10 dIE VoRtEILE dER GanzHEItLICHKEIt

    12 oRtHopdIE

    18 SCHULtER

    26 ELLEnboGEn

    31 Hand

    38 HftE

    46 KnIEGELEnK

    53 SpRUnGGELEnK

    59 fUSS

    67 KIndERoRtHopdIE

    78 SpoRtmEdIzIn

    79 aRtHRoSKopIE

    82 EndopRotHEtIK

    87 poRtRaIt dER KLInIK SEESCHaU

    91 SaCHwoRtREGIStER

  • 6oRtHopdIE | EdItoRIaL

    EDItoRIaL

    Christian Juchli direktor und Verwaltungsratsprsident der Klinik Seeschau

    Kompetenz und Qualitt fr individuelle BedrfnisseFokussierte Kompetenz, eine ganzheitliche Betrachtungsweise, eine nachhaltige Betreuung, feinfhlige Menschlichkeit an der Klinik Seeschau finden diese Aspekte zusammen. Und gewhrleisten eine hohe Behandlungsqualitt.

    Orthopdische Behandlungen sind eine zentrale und tragende Sule im Leistungsspektrum der Klinik Seeschau. Ein engagier-tes und kompetentes Team aus spezialisierten Belegrzten sorgt dafr, dass die medizinische und die menschliche Qualitt auf konstant hohem Niveau liegen. Ergnzt und bereichert werden die rztlichen Fhigkeiten durch eine ebenso professionelle wie vertrauensvolle Pflege, eine lckenlose Betreuung, ein behagli-ches Ambiente und eine hochwertige Hotellerie und Gastrono-mie. Auch in der Orthopdie richtet sich das gesamte Tun an der Klinik Seeschau nach dem bergeordneten Ziel dem Wohlbe-finden der Patientinnen und Patienten.

    dr. med. Sami Khurifacharzt fmH fr orthopdische Chirurgie und traumatologie des bewegungsapparatesbelegarzt und rztlicher Leiter der Klinik Seeschau

  • 7Dieses Kompendium kann und soll nicht smtliche Erkrankun-gen, Verletzungen und Fehlstellungen abdecken, die im breit gefcherten Fachgebiet der Orthopdie behandelt werden. Viel-mehr soll es einen berblick verschaffen und zentrale Aspekte im Bewusstsein verankern. Als informatives Nachschlagewerk konzipiert, kann das Kompendium jedoch das persnliche Ge-sprch mit Ihrem Arzt keinesfalls ersetzen. Dazu laden wir Sie herzlich ein gerne auch, bevor es zur Notwendigkeit wird, etwa im Rahmen einer routinemssigen Untersuchung oder eines Be-ratungsgesprchs. Wir danken fr Ihr Interesse und wnschen Ihnen eine informative Lektre.

    Dr. med. Sami Khuri Facharzt FMH fr Orthopdische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparatesrztlicher Leiter der Klinik Seeschau

    Christian JuchliDirektor und Verwaltungsrats- prsident der Klinik Seeschau

    oRtHopdIE | EdItoRIaL

  • 8

  • 9

  • 10

    DIE VoRtEILE DER GanzHEItLICHKEIt

    Genau hinschauen und gleichzeitig das grosse Ganze stets im Blick haben diese Verbindung aus gewissenhafter Przision und Ganzheitlichkeit ist entscheidend fr die medizinische und menschliche Qualitt einer Behandlung.

    Gerade im Fachbereich Orthopdie ist es wichtig, den Be-trachtungswinkel mglichst weit zu whlen. Dies betrifft ei-nerseits die Patientin oder den Patienten an sich, denn von einer ganzheitlichen Behandlung unter Einbezug aller sozia-len und krperlichen Aspekte der Persnlichkeit kann der be-troffene Mensch zweifellos am meisten profitieren.

    Andererseits ist der weit geffnete Blickwinkel auch zent-ral im Hinblick auf die gesamte Lebenszeit eines Menschen, denn die orthopdische Behandlung kann in allen Lebensab-schnitten eine wichtige Rolle spielen. Bereits bei Neugebo-renen sind fundierte orthopdische Untersuchungen enorm wertvoll und entscheidend, um allfllige Fehlstellungen oder Erkrankungen frhzeitig erkennen zu knnen und bei Be-darf einer Behandlung zuzufhren. In allen weiteren Lebens-

    oRtHopdIE | dIE VoRtEILE dER GanzHEItLICHKEIt

    in der praxis erstellt Ihr arzt die diagnose und

    schlgt die behandlung vor.

    Ganzheitlichkeit bedeutet auch, dass ihr Arzt Sie ber den gesamten Behandlungszeitraum persnlich begleitet.

    Arztpraxen Zuweisende

    Grundversicherer

    der gleiche Arzt nimmt einen all flligen operativen Eingriff in der Klinik Seeschau vor.

    Facharztpraxis Belegarzt

    Klinik Seeschau

    Klinik Seeschau

  • 11

    oRtHopdIE | dIE VoRtEILE dER GanzHEItLICHKEIt

    phasen kann der menschliche Krper von Verletzungen oder krankhaften Vernderungen betroffen sein, denen die Ortho-pdie mit konservativen oder operativen Massnahmen zu begegnen weiss. Die Diagnosen reichen von Wachstumsst-rungen in der Kindheit ber Knochenbrche oder Sehnenris-se beim Sport bis zu Verschleisserscheinungen an Gelenken im fortgeschrittenen Alter. Und in jeder Zeitspanne sowie zu jedem Zeitpunkt sind die orthopdischen Fachrzte der Klinik Seeschau fr Sie da persnlich, verlsslich, mit ho-her fachlicher und interdisziplinrer Kompetenz sowie lang-jhriger Erfahrung.

    Durch diese rztliche Konstanz und durchgngige Betreu-ung bieten sich den Patientinnen und Patienten wertvolle Vorteile. Auf der persnlichen Ebene entstehen ein strkeres Vertrauen und eine offenere Kommunikationskultur. In me-dizinischer Hinsicht fhrt derweil die Tatsache, dass sich die Arzt-Patienten-Beziehung zum Teil ber viele Jahre erstreckt, zu vertieften Kenntnissen der Situation, zu mehr Sicherheit und einer hheren Behandlungsqualitt.

    Arztpraxen Zuweisende Grundversicherer

    Bei ihrem Aufenthalt in der Klinik Seeschau ist

    Ihr arzt auch im Rahmen der Visite fr Sie da.

    Nach der Behandlung erfolgt die nachkontrolle in der praxis Ihres arztes.

    Facharztpraxis Belegarzt

    Klinik Seeschau

    Klinik Seeschau

  • 12

    oRtHopdIE

    oRtHopDIE

    Das Fachgebiet der Orthopdie umfasst die Behandlung der Erkrankungen und der Verletzungen des Bewegungsapparates. Beide knnen das Skelett, die Muskeln, die Sehnen, Bnder oder auch Knorpel betreffen.

    Unsere Gesellschaft ist einer stetigen Vernderung unterwor-fen. Die Lebenserwartung steigt, wir drfen unsere Aktivi-tten auch bis ins hohe Alter fortsetzen und sind vermehrt bereit, bei Freizeit, Sport und Arbeit Risiken auf uns zu neh-men. Auf der anderen Seite kann die moderne Lebensweise zu Bewegungsmangel fhren, durch die hhere Lebenser-wartung wchst auch die Multimorbiditt an. Zu den Folgen dieser Vernderungen zhlt auch die Zunahme der abnt-zungsbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates, zum Beispiel die Arthrosen der belasteten Gelenke, aber auch Verletzungsfolgen. Beschwerden, die von angeborenen oder erworbenen Fehlstellungen, von Verschleiss oder berbean-spruchung sowie von Verletzungen herrhren, werden durch den Facharzt fr Orthopdische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates abgeklrt und behandelt.

  • 13

    oRtHopdIE

    diagnose als BasisJede gute Behandlung setzt eine akkurate Diagnose voraus. Diese beruht auf den exakten Kenntnissen der Anatomie, der physiologischen und pathologischen Vernderungen, einer przisen Anamnese und der sorgfltigen klinischen Unter-suchung durch Ihren Facharzt. Wichtig sind aber auch radio-logische Abklrungen wie das konventionelle Rntgen, die Kernspintomographie (MRT), Computertomographie (CT), der Ultraschall oder auch nuklear medizinische Methoden wie die Szintigraphie.

    Ist die Diagnose einmal gestellt, muss der Entscheid ber das weitere therapeutische Vorgehen in der Gesamtschau al-ler Resultate gefllt werden. In der Regel versucht man, das Beschwerdebild zuerst mit nicht-operativen (konservativen) Massnahmen zu beseitigen. Hierzu gehren die Physiothe-rapie, die medikamentse Behandlung (u.a. Infiltrationen mit Kortison, Botox, Hyaluronsuren usw.), die orthopdisch-technische Versorgung, die Stosswellentherapie sowie die Komplementrmedizin. Bei fehlendem Ansprechen auf kon-servative Methoden oder bei gewissen mechanischen Pro-blemen muss die Indikation fr einen operativen Eingriff diskutiert werden.

  • 14

    Breites operationsspektrumBei den operativen Massnahmen kennt man verschiede-ne Gruppen. Zu den minimal-invasiven Operationen geh-ren insbesondere die endoskopischen Verfahren wie etwa die Arthroskopie, aber auch minimal-invasive Versorgungs-mglichkeiten, zum Beispiel in der Prothetik. Daneben gibt es gelenkserhaltende operative Mglichkeiten, die von einem Gelenksersatz abzugrenzen sind.

    Fr die Indikationsstellung einer Operation sind neben dem Beschwerdebild, den klinischen und radiologischen Unter-suchungsresultaten auch Faktoren vonseiten der Patienten von entscheidender Bedeutung, unter anderem in Bezug auf Alter, Anspruch und Begleiterkrankungen. Entsprechend verfolgt die Orthopdische Chirurgie nicht nur ein mechanis-tisches Denken. Insbesondere die Indikationsstellung bedeu-tet eine intellektuelle Leistung, die Ihr Facharzt zusammen mit Ihnen erbringt.

    oRtHopdIE

  • 15

    oRtHopdIE

    den ganzen Krper und Menschen im FokusDas Gebiet der Orthopdie umfasst einerseits das Stamm-skelett, die Wirbelsule und das Becken, andererseits die Behandlung der oberen Extremitt mit Schulter, Ellenbogen und Hand, der unteren Extremitt mit Hfte, Knie und Fuss. Auch in der Orthopdischen Chirurgie besteht die Tendenz zur Spezialisierung in einzelnen dieser Gebiete.

    Bei den Verletzungen knnen verschiedene anatomische Strukturen betroffen sein, dies isoliert oder in Kombination. Am hufigsten treten Knochenverletzungen und Brche auf, ebenso Sehnenverletzungen, Bandverletzungen, Knorpelver-letzungen sowie Weichteil- und Nervenverletzungen.

    Bei den krankheitsbedingten Vernderungen sind vor allem Abntzungen des Knorpelberzuges der Gelenke (Arthrose), Sehnenvernderungen bis Sehnenrisse und Folgen von Fehl-stellungen zu behandeln.

    In den folgenden Kapiteln gehen wir auf einzelne Krankheits-bilder, Verletzungsfolgen und deren Abklrung und Thera-pie ein.

  • 16

  • 17

    InHaLt oRtHopDIE

    18 SCHULtER

    26 ELLEnboGEn

    31 Hand

    38 HftE

    46 KnIEGELEnK

    53 SpRUnGGELEnK

    59 fUSS

    67 KIndERoRtHopdIE

    78 SpoRtmEdIzIn

    79 aRtHRoSKopIE

    82 EndopRotHEtIK

  • 18

    oRtHopdIE | SCHULtER

    SCHULtER

    Schlsselbein (Clavicula)

    Schulterdach (acromion)

    Rabenschnabelfortsatz (processus coracoideus)

    oberarmknochenkopf (Caput humeri)

    Gelenkpfanne (Glenoid)

    oberarmknochen (Humerus)

    Schulterblatt (Scapula)

    Rippenbogen (Costae)

    Wie kein anderes Gelenk erlaubt das Schultergelenk einen enormen Bewegungsradius. Dies liegt unter anderem auch daran, dass es in mehrere Anteile gegliedert ist und nicht in einem festen Knochengerst gefhrt wird. Vielmehr ist es ein komplexes System mit Muskeln, Kapsel und Bn-dern, das die Stabilitt dieses lockeren Gelenkes gewhrleis-tet. Entsprechend ist die Schulter auch anfllig auf Probleme, die einer orthopdischen Behandlung bedrfen. Im Mittel-punkt stehen dabei die Wiederherstellung nach Sehnenris-sen der Rotatorenmanschette, Stabilisationsoperationen bei Schultergelenksinstabilitten, der knstliche Gelenksersatz bei Arthrose sowie die Versorgung von Knochenbrchen im Schultergelenksbereich.

  • 19

    oRtHopdIE | SCHULtER

    rotatorenmanschetten-rupturSehnengewebe ist sogenannt bradytrophes Gewebe, das heisst schlecht durchblutet. Es regeneriert deshalb langsam und ist den Abntzungs- und Alterungsprozessen strker aus-gesetzt als andere Gewebe unseres Krpers. Entsprechend hufig sind Sehnenprobleme die Ursache von Beschwerden. Das Schultergelenk hat ein sehr grosses Bewegungsausmass, besteht aus einem Schultergelenkskopf und einer kleinen Pfanne und wird stabilisiert durch die Rotatorenmanschet-te, Kapsel und Bnder. Die Rotatorenmanschette ist eine seh-nige Struktur, welche den Oberarmkopf umgibt und in der Gelenkspfanne zentriert. Aufgrund von Alterungs- und Ab-ntzungsprozessen kann es in den Sehnen zu teilweisen oder vollstndigen Rissen kommen, ebenfalls durch Sturzer-eignisse oder Ausrenkungen der Schulter. Die Folgen sind bewegungsabhngige Schmerzen sowie Ruheschmerzen, ins-besondere in der Nacht. Das Liegen auf der betroffenen Seite ist praktisch nicht mehr mglich, die Beweglichkeit ist einge-schrnkt, eventuell ist die Schulter instabil.

    Rotatorenmanschette

    Rotatorenmanschetten-Ruptur

  • 20

    DiagnostikEine fachkundige klinische Untersuchung gibt bereits Auf-schluss ber die Problematik. Ergnzt wird diese durch Rntgenbilder, Ultraschalluntersuchung oder Kernspintomo-graphie (MRT), bei Bedarf auch durch eine Computertomo-graphie (CT).

    TherapieNach Ausschpfen der konservativen Mglichkeiten kommt es in der Regel zur Operation, zumeist per Schulterarthros-kopie. Bei der Gelenksspiegelung mit einer Kamera / Optik ber kleine Hautschnitte wird das Gelenk inspiziert. Mit Ar-beitsinstrumenten kann auch der Raum unter dem Schul-terdach erweitert (subacromiale Dekompression) und die Rotatorenmanschette einerseits beurteilt, andererseits repa-riert werden. Bei der diagnostischen Arthroskopie werden le-diglich die Befunde aufgenommen, bei der therapeutischen Arthroskopie dann auch Massnahmen getroffen, welche der Wiederherstellung der Funktion dienen. So kann die lange Bi-cepssehne, welche durch das Gelenk luft, im Ansatzbereich abgetrennt und im Sulcus fixiert werden (Bicepssehnen-Te-nodese nach Bicepssehnen-Tenotomie). Weiter lsst sich eine Instabilitt der meniskushnlichen Gelenkslippe auf der Gelenkpfanne refixieren (Stabilisierung einer Labrum- oder SLAP-Lsion). Auch ein verdicktes Schultereckgelenk kann reseziert (AC-Gelenksresektion) und die Unterseite des Schulterdaches abgeschliffen werden (Acromioplastik).

    oRtHopdIE | SCHULtER

  • 21

    Daneben eignet sich eine Arthroskopie auch fr die Be-handlung von Kalkschultern sowie zur Entfernung von freien Gelenkskrpern. Dank der Entwicklung neuer Veran-kerungssysteme ist heute auch die Reparatur von vollstndi-gen Rissen der Rotatorenmanschette arthroskopisch mglich (Rotatorenmanschetten-Naht), ebenso die Schulterstabilisie-rungsoperation. Allenfalls werden diese Eingriffe je nach Ausmass der Lsion auch durch einen kleinen offenen Zu-gang operiert (Mini-open-Technik).

    NachbehandlungSofern an der Rotatorenmanschette keine Naht erfolgen musste, kann die Nachbehandlung in der Regel ohne Ru-higstellung auf einer Schiene oder einem Ballon erfolgen. Notwendig ist jedoch eine intensive physiotherapeutische Behandlung.

    Musste die Rotatorenmanschette genht werden, wird der Arm in der Regel fr vier bis sechs Wochen in leicht abge-spreizter Position auf einer Schiene oder einem Ballon ge-lagert, um die Spannung auf die Naht zu reduzieren und die Heilung der Rekonstruktion zu optimieren. Auch hier muss eine intensive physiotherapeutische Rehabilitation durchge-fhrt werden.

    oRtHopdIE | SCHULtER

  • 22

    instabilittBei den Instabilitten unterscheidet man die angeborenen (habituelle Luxationen) von den Instabilitten in Folge eines Unfalls (posttraumatische Instabilitten). Bei beiden kann es zu wiederholten Ausrenkungen (Luxationen) des Schulter-gelenkes kommen, die mehr oder weniger leicht wieder zu reponieren sind und in der Regel auch mit Schmerzen ein-hergehen. Die Ausrenkungen knnen zu Defektbildungen an Pfanne (Bankart-Lsion) und Kopf (Hill-Sachs-Lsion) fhren, die dann das therapeutische Vorgehen beeinflussen.

    DiagnostikAuch hier kommen nach der klinischen Untersuchung Rnt-genbild, Kernspintomographie oder Computertomographie zum Einsatz.

    TherapieEin Grossteil der posttraumatischen Instabilitten kann ar-throskopisch behoben werden. Dabei wird ein eventueller Defekt am meniskushnlichen Aufsatz des Gelenkes (Lab-rum) repariert (Bankart repair), Kapsel und Bnder werden gestrafft (Capsular shift). Bei den angeborenen Instabilitten sind manchmal zustzliche Massnahmen notwendig, zum Beispiel das Verlagern gewisser Knochen und Sehnenanst-ze (z. B. Operation nach Latarjet).

    NachbehandlungDie Nachbehandlung besteht in der Regel aus einer Ruhig-stellung in Neutralposition des Armes. Die Dauer ist abhngig vom vorgenommenen Eingriff. Auch hier muss physiothera-peutisch nachbehandelt werden.

    oRtHopdIE | SCHULtER

  • 23

    ArthroseDie Arthrose des Schultergelenkes fhrt einerseits zu einer Einsteifung, andererseits zu Schmerzen, auch kann es im-mer wieder zu Flssigkeitsansammlungen kommen. Bei der Arthrose unterscheidet man jene Gelenke mit noch funktio-nierender Rotatorenmanschette von jenen mit einer defekten Rotatorenmanschette (Defektarthropathie).

    DiagnostikAuch hier gilt es, die Schulter klinisch genau zu untersuchen, gefolgt von Rntgenbildern, Ultraschalluntersuchung, Kern-spintomographie oder Computertomographie.

    TherapieNach Ausschpfung der gelenkerhaltenden Behandlungsan-stze kommt die Implantation einer Prothese zur Anwendung, wobei verschiedene Prothesentypen unterschieden werden.

    Links: Ein gesundes Schultergelenk

    Rechts: Schultergelenk mit arthrose der fehlende abstand zwischen dem oberarmknochenkopf und der Gelenkpfanne sowie die deformation des oberarmknochenkopfs zeigen deutlich die fehlende (abgenutzte) Knorpelschicht im Gelenk.

    oRtHopdIE | SCHULtER

  • 24

    Bei der Hemiprothese wird ein Prothesenteil nur im Oberarm-knochen fixiert. Dies kann ohne oder mit Zement erfolgen. Bedingung hierfr ist eine intakte Rotatorenmanschette. Bei der Totalprothese wird neben dem Kopf auch die Pfanne durch einen knstlichen Gelenksanteil ersetzt. Die Frakturprothese kommt zum Einsatz, wenn bei komplexen Knochenbrchen der Schulter nicht gelenkserhaltend verfahren werden kann. In diesen Situationen kann primr eine Schulterprothese ein-gesetzt und damit die Funktion wiederhergestellt werden. Sofern die Rotatorenmanschette ihre Funktion nicht mehr ausben kann, muss ein anderer Prothesentyp gewhlt wer-den, die inverse Totalprothese. Diese umgekehrte Prothese ist vom Design her in der Lage, die fehlenden Funktionen der Rotatorenmanschette mindestens teilweise zu kompensieren.

    NachbehandlungIn der Regel erfolgt zu Beginn eine Ruhigstellung des Ober-arms an den Oberkrper mittels einer Schlinge; dies bis zur Schmerzfreiheit. Ansonsten wird eine physiotherapeutische Rehabilitation angestrebt.

    Intaktes Schulterglenk

    Hemiprothese totalprothese Inverse oder deltaprothese

    oRtHopdIE | SCHULtER

  • 25

    FrakturenNach Strzen direkt auf die Schulter kommt es nicht selten zu Brchen. Diese knnen das Schlsselbein oder das Schulter-blatt betreffen, aber auch das Schultereckgelenk (AC-Gelenk) oder den Oberarmknochen (Humerus). In der Regel sind Br-che verbunden mit Schmerzen, Schwellungen, Funktionsst-rungen und eventuell mit Fehlstellungen.

    Diagnostik Neben der klinischen Untersuchung wird schwerpunktms-sig eine radiologische Diagnostik mit Rntgenbildern durch-gefhrt, bei Bedarf ergnzt durch Computertomographie oder Kernspintomographie.

    TherapieBei den Schlsselbeinfrakturen (Clavicula-Frakturen) kann hufig konservativ verfahren werden. Gewisse Bruchtypen neigen aber zu einer fehlenden Heilung, weshalb hier die pri-mre Operation mittels Fixation mit einer Platte empfohlen wird.

    Auch bei Oberarmfrakturen (proximale Humerusfrakturen) kann ein nicht unwesentlicher Teil der Brche ohne Opera-tion versorgt werden, dies bei fehlender Fehlstellung (Dis-lokation). Betroffen sind vor allem Brche der Tubercula (Sehnenansatzstellen am Oberarmkopf) oder jene unterhalb des Oberarmkopfes (subkapitale Humerusfrakturen). Die Kopffrakturen (Humeruskopf-Frakturen) mssen teilweise verschraubt werden, bei schweren Trmmerbrchen ist ge-legentlich aber auch die Indikation zur einer Frakturprothe-se gegeben.

    oRtHopdIE | SCHULtER

  • 26

    Das Ellenbogengelenk bildet die bewegliche Verbindung zwischen Oberarm und Unterarm. Es besteht aus dem Oberarmknochen (Humerus) sowie den beiden Unterarmknochen Elle (Ulna) und Speiche (Radius), welche durch eine Gelenkskapsel verbunden sind.

    Zu den mglichen Erkrankungen und Verletzungen am El-lenbogen zhlen neben der Arthrose auch die bekannten Tennisarm, Tennis- und Golferellenbogen sowie das Sulcus-ulnaris-Syndrom. Fr die Behandlung stehen vielfltige klini-sche Untersuchungen und Therapiemethoden zur Verfgung.

    ELLEnboGEn

    ansicht von vorneansicht seitlich

    oRtHopdIE | ELLEnboGEn

    oberarmknochen (Humerus)

    Speiche (Radius)

    Elle (Ulna)

  • 27

    tennisarmBeim Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis, Schmerzen auf der Aussenseite) sowie beim weniger hufigen Golfer- Ellenbogen (Epicondylitis humeri ulnaris, Schmerzen auf der Innenseite) handelt es sich um Entzndungen im Bereich der Streck- oder Beugemuskulatur des Unterarms und der Hand. Die Ursachen sind nicht abschliessend geklrt, hufig sind jedoch mechanische berbelastungen oder Fehlbelastungen sowie eine berbeanspruchung durch monotone Bewegungs-ablufe auslsende Faktoren. Hauptschliches Symptom ist der Schmerz auf der Ellenbogenaussenseite (Tennisarm) oder an der Ellenbogeninnenseite (Golfer-Ellenbogen), der auf den ganzen Arm bis zur Schulter und zur Hand ausstrahlen kann und die Ausfhrung von alltglichen Bewegungen ein-schrnkt. Im weiteren Verlauf knnen Hand- und Fingermus-kulatur sowie Griffstrke geschwcht werden.

    DiagnostikErgnzend zur klinischen Untersuchung przisieren Rntgen-aufnahmen des Ellenbogens sowie allenfalls Ultraschall, MRT und Laboruntersuchungen die Diagnose. Um eine Nervenl-sion ausschliessen zu knnen, muss bei Bedarf eine Nerven-funktionsprfung beim Neurologen durchgefhrt werden.

    TherapieIn der Regel gengen Ruhe und Schonung des betroffenen Ar-mes, Dehnungsbungen sowie der Einsatz von lokalen ent-zndungshemmenden Salben zur Schmerzlinderung. Auch Bandagen oder Schienen knnen lindernde Wirkung ha-ben. Physiotherapeutische Massnahmen zur Strkung der Muskula tur und lokalen Schmerzbehandlung knnen eben-falls sinnvoll sein. Ein operativer Eingriff ist nur in Aus-nahmefllen notwendig. Dabei werden die betroffenen Sehnenanstze vom Knochen abgelst und die Muskelspan-nung dadurch entlastet. Als neuere Verfahren knnen die

    tennisarm: Entzndungen im bereich der Streck oder beugemuskulatur

    oRtHopdIE | ELLEnboGEn

  • 28

    lokale Stosswellentherapie oder die Infiltration mit Botox ein-gesetzt werden, wobei hier die Kostenbernahme der Kran-kenkasse vorgngig abgeklrt werden muss. Dies gilt auch fr die Behandlung mittels Wachstumsfaktoren aus dem Blut (Eigenbluttherapie PRP).

    UlnarisrinnensyndromDas Ulnarisrinnensyndrom (auch Sulcus-ulnaris-Syndrom oder Kubitaltunnelsyndrom) zhlt zu den Nervenkompres-sionssyndromen und bezeichnet die Reizung des Ellennervs unmittelbar neben dem Ellenbogengelenk auf den Innensei-te beim Narrenbein. Auslser ist hufig eine lokale Druck-schdigung. Mitunter knnen auch Ellenbogenverletzungen, entzndliche Vernderungen oder Gelenkverschleiss zu ei-ner Kompression des Nerven fhren. Anfngliche Symptome sind Kribbeln und Schwchegefhle in Klein- und Ringfinger, was sich auf die ganze Hand ausweiten und die Handmusku-latur beeintrchtigen kann.

    DiagnostikNeben der klinischen Untersuchung kann die Reizung ber eine elektrophysiologische Messung der Nervenleitung be-sttigt werden. Die Nervenleitmessung wird vom Neurolo-gen durchgefhrt.

    TherapieWenn konservative Massnahmen keinen Erfolg erzielt haben und die Symptome sich verstrken, muss der Nerv im Rah-men einer Operation im Ellenbogenkanal entlastet werden. Die verengte Passage wird dabei erweitert. Falls notwendig, kann der Nerv in die Weichteile verlagert werden.

    NachbehandlungNach dem Eingriff bedarf es einer lngerfristigen Ruhigstel-lung, untersttzt durch Gipsschiene und Verband. Danach er-

    Umlagerung des Ulnarisnervs. Gelb: Ursprnglicher nerv orange: Umlagerung in die weichteile

    oRtHopdIE | ELLEnboGEn

  • 29

    folgt ein schrittweises Heranfhren an die Belastungen des Alltags.

    ellenbogeninstabilittDer Ellenbogen ist ein komplexes Konstrukt aus Knochen, Muskeln und Sehnen. Treten Verletzungen (Trauma) oder anhaltende berbelastungen auf, kann dadurch die Stabilitt der Struktur beeintrchtigt werden. Betroffene einer Ellen-bogeninstabilitt verspren in der Regel Schmerzen im El-lenbogengelenk, begleitet von Unsicherheit und mangelnder Kraft bei Bewegungen.

    DiagnostikDruckschmerzen werden an den Bandstrukturen festgestellt. Das Ausmass der Instabilitt wird klinisch sowie allenfalls mittels Rntgenaufnahmen unter Stressung des Ellenbogens dokumentiert. Eine MRI-Untersuchung przisiert die Band-befunde.

    TherapieBei akuten Instabilitten (nach einem Unfall) kommt es nach dem Ausschpfen von konservativen Methoden hufig zu ei-ner Operation, in welcher die geschwchten Bandstrukturen genht oder rekonstruiert werden. Ist die Ellenbogeninstabi-litt chronisch, wird das betroffene Band in der Regel durch eine Sehnenplastik (autologes Transplantat, mit Gewebe vom Patienten selber) ersetzt.

    NachbehandlungNach dem Eingriff muss der Ellenbogen rund acht Wochen lang von einer Schiene gesttzt werden, wobei der Bewe-gungsradius in der Physiotherapie sukzessive gesteigert wird. Stark belastende Sportarten drfen erst nach sechs Mo-naten wieder ausgebt werden.

    oRtHopdIE | ELLEnboGEn

  • 30

    ellenbogenarthroseBei der Ellenbogenarthrose kommt es zu schmerzhaften Be-schwerden und zunehmender Bewegungseinschrnkung, nicht selten gefolgt von Blockierungserscheinungen, Ge-lenksteifigkeit und Nervenreizungen. Neben altersbedingter Abnutzung kann die Ellenbogenarthrose auf rheumatoide Ar-thritis, Bandschdigungen, Fehlstellungen, Hmophilie oder Sptfolgen einer Fraktur zurckzufhren sein.

    DiagnostikErgnzend zur klinischen Untersuchung wird ein Rntgen-bild des Ellenbogens erstellt. Mitunter bedarf es einer ver-tieften Abklrung ber die Computertomographie oder eine MRT-Untersuchung.

    TherapieAm Anfang einer Behandlung stehen stets nicht-operati-ve Massnahmen. Zum Einsatz kommen Physiotherapie, Schmerzmittel, Salbenverbnde, eine lokale Klte- oder Wr-mebehandlung. Auch Bandagen und Schienen sowie Korti-sonspritzen knnen Linderung bringen. Ist die Abntzung bereits zu weit fortgeschritten, kann das Ellenbogengelenk durch eine Prothese ersetzt werden. Bei einem noch nicht all-zu weit fortgeschrittenen Zustand kann ein arthroskopisches oder offenes Entfernen von Knochen-Knorpel-Teilchen Sinn machen (Gelenkstoilette).

    NachbehandlungNach dem Eingriff muss der Ellenbogen bis zur gesicherten Wundheilung eventuell in einer Schiene ruhiggestellt wer-den. Ein passives Bewegen des Ellenbogens ist rasch mg-lich, bermssige Streckungen und Beugungen sind aber in den ersten sechs Wochen nach der Operation zu vermeiden. Danach kann die Belastung sukzessive gesteigert werden.

    arthrotisches Ellenbogengelenk

    oRtHopdIE | ELLEnboGEn

  • 31

    HanD

    Die Hand ist usserst komplex aufgebaut und setzt sich zusammen aus feingliedrigen Knochen sowie dicht beieinander liegenden Strukturen wie Sehnen, Nerven und Gefssen. Entsprechend wichtig sind fundierte anatomische Kenntnisse, die in konservative sowie operative Behandlungen einfliessen. Zu den hufigsten Erkrankungen und Verletzungen zhlen neben Knochenbrchen die Sehnenverletzungen, Nervenkompressionssyndrome sowie krankhafte Vernderungen des Bindegewebes.

    oRtHopdIE | Hand

    das Handskelett

    mittelhandknochen

    Handwurzelknochen

    Elle (Ulna)

    Speiche (Radius)

    fingerknochen (phalangen)

  • 32

    Schnellender FingerIn der Anfangsphase treten oft brennende Schmerzen in der Hohlhand nahe der Fingerbasis auf. Bei Fortschreiten des Lei-dens stellen sich berdies Bewegungsstrungen ein. Manch-mal ist das erste Symptom auch ein zunchst schmerzloses Schnellen des Fingers: Beim Versuch, etwas zu ergreifen, bleibt der betroffene Finger in der Bewegung zurck oder lsst sich aus der gebeugten Haltung spontan nicht mehr strecken, so dass passives Nachhelfen ntig wird. Spter ist diese forcierte Bewegung mit einem heftig einschiessenden und brennenden Schmerz verbunden. Dies fhrt dazu, den betroffenen Finger zu schonen, was zu einem Folgeschaden der kleinen Fingergelenke fhren kann.

    TherapieIn der Regel kommen bei schnellenden Fingern entzndungs-hemmende Massnahmen zur lokalen oder systemischen An-wendung, ebenso eine Steroid-/Kortisoneinspritzung in die Beugesehnengleitlager. Kann die normale Funktion mit kon-servativen Methoden nicht wiederhergestellt werden, muss operiert werden. In Lokalansthesie wird eine Ringbandspal-tung durchgefhrt, um die Verengung im Beugesehnen-Gleit-lager zu beheben.

    NachbehandlungDie Wunde wird im Rahmen des ersten Verbandwechsels nach zwei bis drei Tagen kontrolliert. Fr ein gutes funkti-onelles Ergebnis ist es wichtig, die operierte Hand whrend der ersten Tage postoperativ hochzulagern und sofort mit be-lastungsfreier Mobilisation zu beginnen.

    Entzndlich vernderte beugesehne

    oRtHopdIE | Hand

  • 33

    Ganglion (berbein)Beim Ganglion handelt es sich um eine mehr oder weniger er-habene, teilweise kugelige Vorwlbung ber dem Handgelenk (beuge- oder streckseitig) oder an den Fingern. Manchmal sind derartige berbeine vollkommen schmerzfrei, hufig je-doch treten Schmerzen bei direktem Druck, Be wegung oder Belastung auf. Gelegentlich sind Ganglien in ihrer Grsse va-riabel, beim Ertasten sind Flssigkeitskissen sprbar.

    TherapieBei Auftreten eines Ganglions wird in der Regel zuerst abge-wartet unter Schonung und allflliger Schienung. Oft ist be-reits ohne besondere Behandlung eine spontane Rckbildung mglich. Vorbergehend kann eine Punktion zur Entleerung und damit Druckentlastung dienen. In der Regel fllt sich der noch vorhandene Ganglionbalg aber wieder auf. Dauerhaf-te Erleichterung darf man vornehmlich von einer operativen Entfernung des Ganglionbalgs mit Fensterung der Gelenk-kapsel erwarten. Nimmt das Ganglion seinen Ausgang nicht von der Innenauskleidung des Gelenks, sondern von einer Sehnenscheide, wird entsprechend diese gefenstert.

    NachbehandlungIn Ergnzung der Wundkontrollen findet im Anschluss an die Operation eine frhfunktionelle Nachbehandlung mit langsa-mem Belastungsaufbau statt.

    HandgelenksGanglion

    oRtHopdIE | Hand

  • 34

    dupuytrensche KrankheitBei der Dupuytrenschen Krankheit, auch Morbus Dupuytren oder Dupuytrensche Kontraktur genannt, bilden sich derbe, zuweilen harte Knoten oder Strnge in der Hohlhand oder entlang der Beugeseiten der Finger. Im fortgeschrittenen Sta-dium kommt es zu einem Streckdefizit der Finger, meist im Grund- oder Mittelgelenk. Gelegentlich sind Schmerzen beim Greifen sprbar, vor allem, wenn direkter Druck auf die Kno-ten einwirkt. Bei Mnnern tritt die Dupuytrensche Krankheit deutlich hufiger auf als bei Frauen. Die Ursache der Erkran-kung ist nach wie vor nicht sicher geklrt. Wahrscheinlich be-steht eine genetische Mitverursachung.

    TherapieEine Behandlung des Morbus Dupuytren mit grundstzli-chen konservativen Methoden wie Verbnden, Gymnastik oder Massagen hat kaum Aussicht auf Erfolg. In besonde-ren Fllen ist das punktfrmige Auflsen des Stranges durch Einspritzen von Fermenten mglich. Dabei handelt es sich um ein relativ junges Verfahren ohne Langzeiterkenntnisse. Eine minimal-invasive therapeutische Mglichkeit ist die Na-delfasziotomie, bei welcher die verhrteten Strnge mithilfe spezieller Nadeln teilweise zerstrt und zum Einreissen ge-bracht werden. Ab einem Streckdefizit von 30 bis 45 Grad bietet sich eine operative Entfernung des betroffenen Gewe-bes im Rahmen einer offenen Fasziektomie an. Gegebenen-falls ist dabei eine Hautverschiebung zum Wundverschluss erforderlich. Wie bei allen anderen Therapiemethoden ist auch nach einem operativen Eingriff die Gefahr eines Rck-falls vergleichsweise hoch.

    Strangartige Verdickung in der Hohlhand bei morbus dupuytren

    oRtHopdIE | Hand

  • 35

    Nervenkompressionsyndrome Zu den Nervenkompressionssyndromen zhlen Nerven-druckschden an der Passage durch physiologische Engen wie das bekannte Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk oder das Ulnarisrinnensyndrom (auch Sulcus-ulnaris-Syndrom) am Ellenbogengelenk. Zu den grundstzlichen Symptomen zhlen Gefhlsminderung und Gefhlsverlust, ein hufig be-lastungs- oder haltungsabhngiges Kribbeln, Schmerzen (oft nachts oder in Ruhe) im Versorgungsgebiet der betroffenen Nerven. Auch kann es zu Kraftminderung und Geschicklich-keitsverlust kommen, im fortgeschrittenen Stadium sind Lh-mungen im erkrankten Gebiet mglich.

    TherapieZur Behandlung von Nervenkompressionssyndromen stehen konservative Massnahmen zur Verfgung. Dazu gehren das Ruhigstellen mittels einer oft nachts angelegten Lagerungs-schiene sowie die medikamentse Therapie mit kortison-haltigen Injektionen. Falls dadurch kein Behandlungserfolg erzielt werden kann, erfolgt im Rahmen eines operativen Ein-griffs die Dekompression des erkrankten Nervs. Dabei wird die verengte Passage erweitert und der Nerv bei Bedarf ver-lagert.

    NachbehandlungPostoperativ ist es wichtig, dass die operierte Hand gut hoch-gelagert wird, dies zur Prophylaxe von Schwellung und Blu-tung. Die sofortige belastungsfreie Mobilisation von Fingern und Handgelenk dient der Schwellungsprophylaxe und der Vorbeugung von Adhsionen.

    Karpaltunnel: durchgang fr Sehnen und mittelnerv

    oRtHopdIE | Hand

  • 36

    Arthrose an hand- oder FingergelenkenBei der Arthrose handelt es sich um eine degenerative Ge-lenkvernderung. Bei Hand- und Fingergelenken ist sie oft auf frhere Unflle oder Erkrankungen zurckzufhren, kann aber hufig auch idiopathisch (ohne bekannte Ursache) sein. Zu den Symptomen zhlen Schmerzen und Schwellungen so-wie Bewegungs- und Belastungseinschrnkungen. Subjektiv ist der Verlust von Kraft und Geschicklichkeit sprbar. Arth-rosen an Hand- oder Fingergelenken fhren zumeist zu einer usserlich sichtbaren Verformung.

    TherapieDie Therapie eine Finger- oder Handgelenksarthrose er-folgt in einer ersten Phase zumeist konservativ. Zum Einsatz kommen neben der Anleitung fr einen gelenkschonenden Handeinsatz vornehmlich Schienen, Bandagen und andere Hilfsmittel. Mglich sind auch die physikalische Therapie, Wrme- oder Klteanwendungen, Komplementrmedizin und bekannte Hausmittel, Schmerzmittel und Salbenpflas-ter sowie eine Steroideinspritzung ins Gelenk. Bei fehlendem Ansprechen und persistierenden, den Alltag oder die Nacht-ruhe beeintrchtigenden Schmerzen muss eine Operation ins Auge gefasst werden. Zur Auswahl stehen diesbezglich Ge-lenkdebridement, Denervierung, Gelenkversteifung oder Ge-lenkersatz, stets abgestimmt auf die individuelle Situation.

    NachbehandlungNach einem Eingriff muss mit einer langen Rehabilita-tionszeit gerechnet werden, unter Bercksichtigung einer intensiven Fhrung und eines systematischen Kraft- und Be-wegungsaufbaus unter Anleitung.

    Sichtbare Verformung: fingergelenksarthrose

    oRtHopdIE | Hand

  • 37

    tumore der handIm Bereich der Hnde sind Tumore vergleichsweise selten und in den meisten Fllen gutartig. Je nach Gewebeart und Lokalisation treten sichtbare Vernderungen oder ein tast-bares Volumenplus auf. Oft bleiben die Erkrankungen lan-ge unbemerkt, bevor funktionelle Strungen auftreten. Zu den mglichen Tumorerkrankungen der Hand zhlt der Riesenzelltumor, eine gutartige Neubildung des Beugeseh-nengleitgewebes. Das Echondrom, ein innerhalb des Kno-chens wachsender Knorpelknoten, wird oft erst bemerkt, wenn der Knochen so weit geschwcht ist, dass er bei All-tagsbewegungen spontan bricht. Bei Lipomen und Atheromen handelt es sich um haselnuss- bis hhnereigrosse gutartige Fettgewebs- oder Talgknoten, die vor allem aufgrund ihres Vo-lumens strend sind. Die Hand der Haut ist zudem eher an-fllig fr bsartige Erkrankungen wie Plattenepithelkarzinom oder Basaliom.

    TherapieJede Gewebeneubildung muss grndlich abgeklrt werden. Bei gutartigen Vernderungen wird die Operationsindikation meist abhngig gemacht von der funktionellen Beeintrchti-gung. Bsartige Vernderungen erfordern in jedem Fall eine Behandlung.

    Knochentumor des mittelhandknochens

    oRtHopdIE | Hand

  • 38

    oberer Schambeinast

    pfanne (acetabulum)

    femurkopf und Schenkelhals mit bndern umhllt

    femurkopf

    Schenkelhals

    unterer Schambeinast

    grosser Rollhgel

    kleiner Rollhgel

    HftE

    Das Hftgelenk ist das zweitgrsste Gelenk des menschlichen Krpers und fr die uneingeschrnkte, schmerzfreie Fortbewegung von grosser Bedeutung. Es gibt angeborene Fehlformen im Bereich des Hftgelenkes (Becken und /oder Oberschenkel), die in gewissen Fllen operativer Massnahmen bedrfen (siehe Kapitel Kinderorthopdie). Am hufigsten sind jedoch die Abntzungserscheinungen des Hftgelenkes im Sinne einer Arthrose (Coxarthrose), die sich altersbedingt oder aber auch als Folge von Unfallereignissen einstellen knnen. Zunehmende Bedeutung hat auch das Krankheitsbild des Hfteinklemmsyndroms erlangt (OffsetStrung oder HftImpingementsyndrom). Im Weiteren gilt es auch Beschwerden nach Hfttotalprothesenversorgung (Lockerung der Implantate oder Brche um die Prothesen) zu behandeln.

    oRtHopdIE | HftE

    beckenschaufel

    Lendenwirbelsule

  • 39

    hfteinklemmsyndromDas Hfteinklemmsyndrom wird auch als FAI (Femoro-Acte-abulres Impingement) bezeichnet. Unterschieden werden zwei Hauptformen: das FAI vom CAM-Typ und das FAI vom Pincer-Typ. Auch gemischte Formen treten auf.

    Von einem FAI betroffen sind vor allem junge Patientin-nen und Patienten. Typischerweise kommt es zu Leisten-schmerzen, vor allem unter Belastung oder bei gewissen Bewegungen. Hufig besteht berdies eine positive famili-re Vorbelastung hinsichtlich Hftleiden, da es sich um eine meist angeborene Formvariante am Hftgelenk handelt.

    DiagnostikNeben der klinischen Untersuchung obligat sind korrekt durchgefhrte, standardisierte Rntgenbilder sowie eine Ar-thro-MRI-Untersuchung des Hftgelenks.

    Gesunder femurkopf in pfanne

    faI mit Knochenaufbau (grn), der den aktionsradius des Gelenkes einschrnkt (Camtyp)

    pincerImpingement mit vermehrter kncherner berdachung (grn) des Hftkopfs

    oRtHopdIE | HftE

    Untersuchung auf das Hfteinklemmsyndrom die natrliche drehfhigkeit des beines wird berprft

  • 40

    TherapieDa es sich beim FAI um eine Einklemmproblematik zwischen Oberschenkel und Pfanne handelt, mssen Strukturen so ver-ndert werden, dass es nicht mehr zu einer Friktion kommt. Beim CAM-Impingement wird die fehlende Taillierung des Schenkelhalses wiederhergestellt. Dies kann offen oder ar-throskopisch erfolgen.

    Beim Pincer-Impingement muss eventuell der Pfannenrand oder das vernderte Labrum getrimmt werden, was ebenfalls offen oder arthroskopisch erfolgen kann. In gewissen Fl-len ist auch eine Umorientierung der Pfanne selbst oder des Oberschenkelknochens vonnten (Beckenosteotomie, proxi-male Femurosteotomie).

    NachbehandlungSowohl beim arthroskopischen als auch beim offenen Ver-fahren beinhaltet die Nachbehandlung eine vier- bis sechs-wchige Bentzung von Unterarmgehsttzen, eine intensive physiotherapeutische Behandlung sowie eine Mobilisation auf dem Standfahrrad zwecks Vermeidung von Ver wachsungen.

    ArthroseDie Hftarthrose ist eine der hufigsten arthrotischen Ver-nderungen unserer Gesellschaft. Hft-, Knie- und Sprung-gelenk sind stark belastete Gelenke, die arthrotischen Entwicklungen fhren deshalb auch schnell zu Einschrn-kungen im Alltag. Dank der heutigen minimal-invasiven Operationstechniken und der Verbesserung der Implantate ist der Gelenkersatz der Hfte heute die erfolgreichste ortho-pdische Intervention.

    oRtHopdIE | HftE

  • 41

    In der Regel schildern die Patientinnen und Patienten initial Anlaufschmerzen, die nach lngeren Gehstrecken wieder zu-nehmen. Ebenfalls kommt es zu einer Einschrnkung der Be-weglichkeit, teilweise auch zu Ruheschmerzen.

    DiagnostikDie klinische Untersuchung kann die Verdachtsdiagnose ei-ner Hftarthroseproblematik bereits weitgehend besttigen. Das standardisierte Rntgenbild in zwei Ebenen gehrt zur Basisabklrung. Wichtig ist es, anderweitige Schmerzquel-len auszuschliessen, zum Beispiel vonseiten der Wirbelsu-le, aufgrund von Leistenbrchen oder Gefss erkrankungen.

    TherapieHat sich der Knorpel bereits abgebaut und ist der Gelenkspalt im Rntgenbild verschmlert, sind gelenkerhaltende Mass-nahmen bei der Hfte nicht mehr angezeigt. In diesen Fl-len kommt lediglich die Versorgung mittels eines knstlichen Gelenkes (Hfttotalprothesen-Implantation) in Frage.

    In der Regel erfolgt diese Operation ber einen minimal-inva-siven Zugang. Dieser kann von vorne, seitlich oder von hin-ten erfolgen. Der Vorteil der minimal-invasiven Technik ist nicht nur die krzere Narbe vor allem bleiben Muskulatur und Sehnen unversehrt. Damit sind nicht nur die Schmer-zen nach der Operation geringer, sondern auch die mittel- bis langfristigen Funktionen des Hftgelenkes verbessert, ber-dies macht die Nachbehandlung nach der Operation schnel-lere Fortschritte.

    Implantat Hftgelenk

    oRtHopdIE | HftE

    HfttotalprothesenImplantat

  • 42

    Die Operation beinhaltet den Ersatz der Pfanne (Acetabu-lum). Dies kann zementfrei, zementiert oder gar mit einem Aufbau erfolgen. Aufseiten des Oberschenkelknochens er-folgt der Ersatz heute mittels einer Schaftprothese mit Kopf. Auch diese kann zementiert oder zementfrei eingesetzt wer-den, abhngig von Knochenqualitt und Alter.

    Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion ist die soge-nannte Gleitpaarung. Damit werden die gewhlten Materi-alien fr den Kopf und die Auskleidung der Pfanne (Inlay) beschrieben. Mgliche Kombinationen sind ein Metallkopf auf Polyethylen-Inlay, ein Keramikkopf auf Polyethylen-Inlay oder ein Keramikkopf auf Keramik-Inlay, alle mit Vor- und Nachteilen. Von den frher hufiger eingesetzten Metall-auf-Metall-Paarungen ist man weitgehend abgekommen.

    NachbehandlungIn der Regel ist nach der Operation eine Vollbelastung er-laubt. Diese sollte aber in den ersten vier bis sechs Wochen an Unterarmgehsttzen erfolgen, damit die Weichteile gut abheilen knnen und im Falle einer zementfreien Prothe-se auch die kncherne Verbindung zwischen Prothese und Knochen (Osteointegration der Prothese) nicht negativ beein-flusst wird. Ob nach einer Operation eine Rehabilitation n-tig ist, hngt hauptschlich von den Begleiterkrankungen der operierten Person ab.

    oRtHopdIE | HftE

  • 43

    FrakturenInsbesondere bei lteren Patienten kommt es nach Strzen zu Brchen im Schenkelhalsbereich. Der Grossteil dieser Br-che wird heute operativ versorgt. Ziel ist es, den meist be-tagten Patientinnen und Patienten mglichst schnell wieder zur gewohnten Mobilitt zu verhelfen. Zu den in Frage kom-menden Methoden zhlen Versorgungen mittels Nagel, Plat-te oder Frakturprothese.

    oRtHopdIE | HftE

    Verschiedene formen von Schenkelhalsfrakturen

    trochanterbrche bruch unterhalb der trochanteren

  • 44

    Folgen und Komplikationen nach hftprothesen-ersatzJe lnger eine Hftprothese ihren Dienst verrichten muss, desto grsser ist auch der Verschleiss auf Hhe der Ausklei-dung der Pfanne (Inlay). Die abgeschliffenen Partikel (Ab-riebpartikel) knnen zur Lockerung der Prothese fhren. Deshalb empfiehlt sich eine regelmssige Verlaufskontrolle, um einen allflligen Wechsel dieser Gleitpaarungsanteile vor-zunehmen, bevor die Prothese gelockert ist (Inlay- und Kopf-wechsel).

    Ist bereits eine Lockerung der Prothese eingetreten oder hat sich der Knochenstock derart verndert, dass von einer dro-henden Fraktur (Bruch) ausgegangen werden muss, knnen einzelne Anteile oder ganze Prothesen ausgewechselt wer-den.

    Fr die Hftprothesen-Wechseloperation stehen verschiede-ne Implantate zur Verfgung, wahlweise auf Hhe der Pfan-ne oder des Oberschenkelknochens, zementfrei, zementiert oder mit Aufbau der Knochendefekte. Fr die Planung eines solchen Eingriffs bedarf es einer exakten radiologischen Ab-klrung.

    oRtHopdIE | HftE

  • 45

    Wird eine Infektion im Bereich einer Prothese vermutet (Hftprotheseninfektion), sind verschiedene Strategien mg-lich. Bei einem Frhinfekt whrend der ersten Wochen nach der Prothesenimplantation erfolgt eine Revision der Prothe-se mit Wechsel des Inlays und des Kopfes, ergnzt durch eine resistenzgerechte Antibiotika-Behandlung. Bei einem spte-ren Auftreten von Infektionen mssen eventuell smtliche Prothesenanteile entfernt und vorlufig durch einen Platzhal-ter (Spacer) ersetzt werden. Zur bakteriologischen Untersu-chung werden Proben entnommen. Nach rund sechs Wochen erfolgt schliesslich die Re-Implantation einer neuen Prothese.

    Bei einem Sturz kann es auch zu einem Bruch um die Prothe-se herum kommen (periprothetische Fraktur). Diese Brche sind gelegentlich schwieriger zu versorgen, weil bei liegen-der Prothese das Anbringen von Platten und Schrauben li-mitiert ist. Bei diesen periprothetischen Frakturen kann es manchmal notwendig sein, neben der Frakturversorgung auch die Schaftprothese zu wechseln, um eine gengende Stabilitt zu erzielen.

    oRtHopdIE | HftE

  • 46

    KnIEGELEnK

    Knorpel

    Oberschenkel-knochen

    Meniskus Kniescheiben-sehne(Patellarsehne)

    Streckmuskel (Quadriceps)

    Kniescheibe

    SchienbeinWadenbein

    Verletzungen und deren Folgen, aber auch Abntzungen des Kniegelenkes gehren zu den hufigsten Operationsgrnden in der Orthopdie. Zu den Verletzungs- und Krankheitsbil-dern zhlen unter anderem Meniskusverletzungen, Bandver-letzungen, Knorpelverletzungen sowie Kombinationen dieser Verletzungen, ebenso Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) so-wie Brche (Frakturen).

    oRtHopdIE | KnIEGELEnK

  • 47

    Bezglich Operationstechnik knnen hufig arthroskopische Verfahren angewendet werden. Bei der Behandlung der Arth-rose wird zwischen gelenkserhaltenden Operationen und der Kniegelenksprothesenimplantation unterschieden.

    MeniskusverletzungMeniskusverletzungen gehren zu den hufigsten Grnden fr eine orthopdische Behandlung. Sie knnen Folge eines Unfallereignisses sein, hufig aber treten sie auch ohne ei-gentlichen Unfall auf, im Rahmen einer Abntzung des Me-niskusgewebes. Das Beschwerdebild ist gekennzeichnet durch Schmerzen, die sich belastungs- und bewegungsab-hngig manifestieren knnen. berdies kann es zu Blocka-den und Schwellungszustnden des Kniegelenkes kommen.

    DiagnostikDie klinische Untersuchung wird ergnzt durch konventionel-le Rntgenaufnahmen unter Belastung. Bei unklaren Verhlt-nissen wird zudem eine Kernspintomographie durchgefhrt.

    TherapieNicht jede Meniskuslsion muss operativ angegangen wer-den. Verschiedenen Studien haben gezeigt, dass auch ein konservatives Vorgehen durchaus zum Erfolg fhren kann, dies zumeist im Rahmen einer physiotherapeutischen Be-handlung, bei Gelenkserguss auch mittels Kortisonspritze ins Gelenk.

    Sind die konservativen Mglichkeiten ausgeschpft, Ver-besserungen des Beschwerdebildes ausgeblieben und die Diagnose auch kernspintomographisch besttigt, wird zur Kniegelenksarthroskopie geschritten. Dabei handelt es sich um eine minimal-invasive Operationstechnik, bei welcher im Kniegelenk ber zwei bis drei kleine Hautschnitte un-ter Sichtkontrolle mittels Kamera operiert wird (Kniespiege-

    oRtHopdIE | KnIEGELEnK

  • 48

    lung). Hufig wird das Meniskusgewebe entfernt; so viel wie ntig, so wenig wie mglich. Vor allem bei jungen Patienten wird versucht, den ganzen Meniskus zu erhalten beziehungs-weise zu nhen.

    NachbehandlungIn der Regel kann nach einer Teilentfernung des Meniskus eine volle Belastung erfolgen. Bei einer Meniskusnaht ist mit einer Bewegungs- und Belastungseinschrnkung von min-destens sechs Wochen zu rechnen. Bis wieder alle Sportarten ausgefhrt werden drfen, mssen in diesem Fall sechs Mo-nate abgewartet werden.

    BandverletzungenBandverletzungen gehren ebenfalls zu den hufigsten Knie-verletzungen. Betroffen sind vor allem das Seitenband auf der Innenseite (mediales Kollateralband), das vordere Kreuzband, seltener das hintere Kreuzband oder die Aussenbandstruktu-ren. Neben den Schmerzen kann es zu einem Instabilittspro-blem des Kniegelenkes kommen, ebenso zu Folgeschden an den Menisken sowie am Knorpel.

    DiagnostikIm Vordergrund steht die klinische Untersuchung, die Ab-klrung mit Rntgenbildern unter Belastung sowie eventuell unter Stressung, bei Bedarf untersttzt durch eine Kernspin-tomographie (MRT).

    TherapieSowohl bei Seitenband- als auch bei Kreuzbandverletzungen wird in der Regel primr ein nicht-operativer (konservati-ver) Therapieversuch mit intensiver Physiotherapie unter-nommen. Erst bei erfolgter Rehabilitation und bleibenden Instabilittsproblemen (Giving way) wird die Indikation zur

    Knie, aussenband

    oRtHopdIE | KnIEGELEnK

  • 49

    vorderen Kreuzbandplastik gestellt, wobei auch die Bean-spruchung des Kniegelenks im Beruf und die geplante sport-liche Belastung zu bercksichtigen sind. Das Kreuzband wird in den meisten Fllen nicht genht, sondern ersetzt, hufig durch einen Sehnenanteil aus der Kniescheibensehne (Patel-larsehnen-Transplantat) oder eine Sehnendoppelung aus den Beugesehnen des Kniegelenkes (Hamstringsehnen-Trans-plantat). Abgesehen von den Sehnenentnahmen wird die ge-samte Operation arthroskopisch durchgefhrt.

    NachbehandlungDie Nachbehandlung einer Kreuzbandplastik ist funktionel-ler Natur, die Belastung erfolgt an Unterarmgehsttzen unter Freigabe der Belastung. Ziel ist es, nach zwei bis drei Wochen die muskulre Stabilisierung des Kniegelenkes erreicht zu haben und eine Entwhnung von den Gehsttzen zu ermg-lichen. Eine intensive physiotherapeutische Rehabilitation ist zentral. Bis zur Wiederaufnahme von give and go-Sport-arten (Ballsport), Skifahren oder Kontaktsportarten mssen rund sechs bis neun Monate abgewartet werden, da sich das Band in dieser Zeit um- und einbaut. Zusatzverletzungen kn-nen diesen Verlauf beeinflussen.

    ArthroseDie Arthrose des Kniegelenkes wird Gonarthrose genannt. Die Hufigkeit der behandlungsbedrftigen Gonarthrosen nimmt stetig zu. Faktoren sind Zustnde nach Verletzungen der Menisci, Fehlstellungen im Sinne eines O-Beins (Genu varum) oder X-Beins (Genu valgum). Arthrosen fhren in der Regel primr zu Anlaufbeschwerden, dann zu Belastungs-schmerzen, Bewegungseinschrnkung und Schwellungszu-stnden.

    oRtHopdIE | KnIEGELEnK

    Gonarthrose

  • 50

    DiagnostikBei der klinischen Untersuchung werden meistens Bewe-gungsausmass, Stabilitt und entzndliche Komponente be-urteilt. In den belastet durchzufhrenden Rntgenaufnahmen des Kniegelenkes liegt der Fokus auf Achse und Breite des Gelenkspaltes. Ergnzende Abklrungsschritte sind die Com-putertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT).

    TherapieIn einer ersten Phase wird versucht, das Beschwerdebild ber nicht-operative Massnahmen zu lindern. Dazu zhlen physio-therapeutische Behandlungen, Schmerzmittel, Bandagen, bei entzndlichen Vernderungen berdies Kortisonspritzen ins Knie (Infiltration), die Spritze mit Hyaluronsure (diese Kos-ten werden von Krankenkassen nur teilweise bernommen) sowie die Einnahme von knorpelerhaltenden Substanzen (Chondroprotektiva) oder die Infiltration mit Eigenblutantei-len (nicht kostenpflichtig).

    Fhren die konservativen Massnahmen nicht zum gewnsch-ten Erfolg, mssen operative Mglichkeiten diskutiert werden. Hier werden zwei Gruppen unterschieden die ge-lenkerhaltenden Therapien und die prothetische Versorgung.

    Gelenkserhaltende TherapieformenBei lokalisierten Knorpeldefekten kann eine Knorpelrekon-struktion erfolgen. Mglich sind diesbezglich reines Anboh-ren (Chondroplastik nach Steadman, Pridie-Bohrung oder Microfracturing) des Defektes, eine Kombination des Anboh-rens mit Einbringen einer Matrix (Autologe Matrixinduzier-te Chondrogenese, AMIC) sowie die Knorpeltransplantation (ACT). Diese knorpelrekonstruktiven Massnahmen werden zwingend mit einer Achsenkorrektur verbunden, indem die Belastung aus den abgentzten Kniegelenksarealen verlagert

    oRtHopdIE | KnIEGELEnK

    Rntgenbild eines Knieglenkes mit Verschmlerung im bereich des Gelenkspaltes auf der Innenseite im Sinne einer frhen arthrose.

    Im mRI zeigt sich beim gleichen Kniegelenk bereits ein ausgeprgtes Knochemarksoedem auf der Innenseite (weisse zone).

  • 51

    wird. Dies geschieht am Schienbeinkopf mittels einer Kor-rektur eines O-Beins in ein X-Bein (Valgisations-Osteotomie) in zuklappender oder aufklappender Operation. Bei einem X-Bein wird die Kniegelenksachse Richtung O-Bein korrigiert, zumeist mittels Achsenkorrektur auf Hhe des Oberschenkel-knochens (suprakondylre Varisations-Osteotomie).

    prothesenWenn auch durch gelenkerhaltende Massnahmen keine Aus-sichten auf Erfolg bestehen, muss das Kniegelenk prothetisch versorgt werden. Bei der Knietotalendoprothese werden so-wohl der Schienbeinanteil als auch der Oberschenkelanteil auf der Innen- und Aussenseite mittels Prothesen ersetzt. Beschrnkt sich die Abntzung auf lediglich einen Kniege-lenksanteil, kann dieser mittels einer Knieteilprothese ersetzt werden. Derartige Teilprothesen sind fr die Innen- und Aus-senseite sowie fr das Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkel erhltlich. Bestehen Knochendefekte, Insta-bilitten oder muss eine Kniegelenksprothese gewechselt werden, erlauben sogenannte Revisionsprothesen einen Auf-bau im Bereich der Knochendefekte. Sie ersetzen fehlende Bandstabilitten durch das Prothesendesign und sorgen bei schlechter Knochenqualitt mittels langem Stiel im Ober- und Unterschenkelbereich fr Stabilitt.

    Nachbehandlung Bei Knorpelrekonstruktionen und Achsenkorrekturen muss fr mindestens sechs Wochen eine Teilbelastung an Gehstt-zen erfolgen. Nach Verlaufskontrolle mit Rntgenbild kann die Belastung sukzessive gesteigert werden.

    Bei den Teil- und Vollprothesen ist in der Regel eine Vollbe-lastung von Beginn weg mglich. Eine intensive Physiothe-rapie soll eine optimale Beweglichkeit schaffen. Ziel ist eine

    oRtHopdIE | KnIEGELEnK

    Implantat Kniegelenk

  • 52

    Biegung von 120 und eine vollstndige Streckung. Ob nach einer Knieprothesen-Operation eine Rehabilitation angezeigt ist, hngt von verschiedenen Faktoren ab und muss individu-ell entschieden werden.

    FrakturenBrche auf Hhe des Kniegelenkes knnen den Schienbein-kopf betreffen, aber auch den Oberschenkelknochen. Es kommt zu einem Anschwellen des Kniegelenkes mit einem blutigen Erguss, wenn der Bruch ins Gelenk reicht. Das Knie-gelenk kann nicht belastet werden, Beweglichkeit und Stabi-litt sind gestrt.

    DiagnostikDie Diagnostik besteht hauptschlich aus dem Rntgenbild, der Klinik und allflligen zustzlichen Abklrungsschritten wie Computertomographie.

    TherapieIn der Regel mssen Brche um das Kniegelenk opera-tiv versorgt werden. Ziel ist es, mit Hilfe von Implantaten (Schrauben und Platten, ev. Ngeln) mglichst schnell eine funktionelle Nachbehandlung durchfhren zu knnen. Mo-derne Techniken verwenden dabei Schrauben, deren Kpfe sich in der Platte mit einem Gewinde winkelstabil verankern. Teilweise werden die Bruchbehandlungen unter Kontrolle der Stufe im Gelenk mittels gleichzeitiger Kniegelenkspie-gelung durchgefhrt.

    NachbehandlungDie Knochenheilung bedarf einer Teilbelastung von mindes-tens sechs Wochen. Dann muss mittels Rntgenaufnahmen festgestellt werden, ob die Bruchheilung fristgerecht verluft und die Belastung gesteigert werden kann.

    oRtHopdIE | KnIEGELEnK

  • 53

    Auf Hhe des Sprunggelenkes kommt es sowohl im Sport wie auch im Alltag hufig zu Verletzungen, zumeist in Folge eines Umknickens (Distorsionstrauma). Anatomisch unterscheidet man das obere und untere Sprunggelenk.

    SpRUnGGELEnK

    oRtHopdIE | SpRUnGGELEnK

    Schienbein

    Sprungbein

    Unteres Sprunggelenk

    fersenbein

    oberes Sprunggelenk

  • 54

    BandverletzungBei den Distorsionen des Sprunggelenkes handelt es sich meist um ein berknicken nach aussen (Supinationstrauma), weniger hufig um ein Einknicken nach innen (Pronationst-rauma). Bei beiden kann es zu Verletzungen des Bandappa-rates auf der Innen- oder Aussenseite kommen. Folgen dieser Verletzungen sind primr Schwellungszustnde, Schmerzen, Bewegungseinschrnkung und andauerndes Instabilitts-gefhl.

    DiagnostikDie klinische Untersuchung, Rntgenaufnahmen und eventu-ell MRI sind die blichen Abklrungsschritte.

    TherapieBei Erstverletzungen wird in der Regel eine nicht-operative Strategie verfolgt. Diese beinhaltet eine Ruhigstellung des Gelenkes in Neutralstellung des Fusses, sowohl nachts wie auch tagsber bei der Mobilisation. Die Ruhigstellung kann mit verschiedenen Hilfsmitteln erfolgen. Gefolgt werden die-se Massnahmen von einer physiotherapeutischen Rehabili-tation.

    Die Rekonstruktion des lateralen oder medialen Bandappa-rats erfolgt nur bei symptomatischer Instabilitt. Hufig kann das Restbandgewebe gestrafft und mit ortsanstndigem Ma-terial verstrkt werden (Operation nach Brostrom Gould). Ge-legentlich muss jedoch an Stelle der ldierten Bnder eine Sehne eingezogen werden (OSG-Bandplastik).

    bnder des Sprunggelenks

    oRtHopdIE | SpRUnGGELEnK

  • 55

    NachbehandlungDie Nachbehandlung von Bandrekonstruktionen erfolgt ber die Ruhigstellung in einer Schiene in Neutralstellung bis zur gesicherten Wundheilung. In dieser Phase sollte nur eine Teilbelastung ausgebt werden. Nach dem bergang auf einen Gipsersatzstiefel oder Stabilschuh kann mit physio-therapeutischen Krftigungs- und Stabilisationsbungen be-gonnen werden, in der Regel nach Ablauf von sechs Wochen.

    KnorpelverletzungAls Begleitverletzung der Sprunggelenksdistorsionen ist nicht selten auch der Knorpel im Sprunggelenksbereich be-troffen (osteochondrale Lsion).

    DiagnostikHier sind die MRI-Abklrung und eventuell eine Spect-CT-Untersuchung wichtig.

    TherapieKnorpeldefekte knnen arthroskopisch angebohrt werden (Chondroplastik nach Steadman), teilweise ist aber auch eine offene Rekonstruktion angezeigt (AMIC-Technik, verglei-che Kniegelenk). Zu diesem Zweck kann es notwendig sein, zur Darstellung des Knorpeldefektes den Zugang ber den Innen- oder Aussenknchelbereich zu erweitern (Malleolus-Osteotomie).

    NachbehandlungBei Knorpelrekonstruktionen muss eine Einheilungszeit von sechs bis acht Wochen abgewartet werden, bevor die Belas-tung gesteigert werden kann.

    arthroskopisches anbohren eines Knorpeldefektes.

    oCd (= osteochondrale Lsion) des Sprungbeines

    oRtHopdIE | SpRUnGGELEnK

  • 56

    ArthroseDie Arthrose des Sprunggelenks ist eine mgliche Folge von Verletzungen. Insbesondere wiederholte Distorsionen kn-nen zu Knorpelverletzungen fhren, die eine Entwicklung in Richtung Arthrose begnstigen. Neben den sogenannten sekundren Arthrosen knnen auch primre Arthrosen auf-treten, vor allem bei systemischer Erkrankung wie Gicht, Pso-riasis oder rheumatischer Arthritis sowie ohne klare Ursache. Schmerzen und Schwellungen stehen im Vordergrund, die Beweglichkeit nimmt ab, das Begehen von unebenem Geln-de kann schmerzhaft werden.

    DiagnostikDie klinische Untersuchung kann erste Verdachtsmomente ergeben. Diese lassen sich durch konventionelle Rntgenauf-nahmen und MRI oder CT besttigen.

    TherapieIst ein Sprunggelenk schwer arthrotisch verndert, kann eine Versteifung des Gelenks (Sprunggelenksarthrodese) disku-tiert werden. Versteift werden knnen das obere Gelenk, das untere oder beide zusammen. Als Alternative zur Verstei-fung des oberen Sprunggelenkes besteht die Mglichkeit ei-ner Sprunggelenksprothese.

    arthrose des Sprunggelenks

    prothese des oberen Sprunggelenkes

    oRtHopdIE | SpRUnGGELEnK

  • 57

    NachbehandlungNach Versteifungsoperationen des oberen und unteren Sprunggelenks bedarf es einer Entlastungsphase von rund acht Wochen. Nach der radiologischen Verlaufskontrolle kann die Belastung dann gesteigert werden.

    Nach Implantation einer Sprunggelenksprothese ist die Be-lastung nach erfolgter Wundheilung auf eine Teilbelastung von rund der Hlfte des Krpergewichtes zu steigern. Die Freigabe erfolgt in der Regel ab der siebten Woche nach der Operation.

    FrakturenFrakturen der Knchelregion sind sehr hufig. Meistens be-treffen sie den Aussenknchel, man spricht von Malleolar-Frakturen. Die Einteilung nach Weber Typ A, B, C hilft auch bei der Indikationsstellung zur Therapie. Die Sprunggelen-ke sind in der Regel geschwollen, schmerzhaft und instabil.

    DiagnostikIn der Regel reichen die Klinik und konventionelle Rntgen-bilder zur Diagnostik. Ergnzend knnen bei Bedarf 3D-CT-Bilder angefertigt werden.

    oRtHopdIE | SpRUnGGELEnK

    Implantat Sprunggelenk

  • 58

    oRtHopdIE | SpRUnGGELEnK

    TherapieMalleolar-Frakturen Typ Weber A knnen in der Regel konser-vativ versorgt werden, mit Ruhigstellung fr sechs Wochen. Bei den Frakturen Typ Weber B und C bedarf es meistens einer operativen Intervention mit Schrauben- und Platten- Osteosynthese.

    NachbehandlungNach der operativen Stabilisierung der Fraktur erfolgt eine Teilbelastung in einem Gipsersatzstiefel fr sechs Wochen. Nach radiologischer Verlaufskontrolle kann dann die Belas-tung ohne ussere Schienung gesteigert und freigegeben werden.

  • 59

    fUSS

    Fussprobleme treten ausgesprochen hufig auf und schrnken uns sowohl im Alltag als auch bei sportlichen Aktivitten mitunter stark ein. Hufig sind die Probleme Folgen von Fehlstellungen. Ein Absenken des Lngsgewlbes wird als Senkfuss bezeichnet, eine Abflachung des Quergewlbes als Spreizfuss. Wenn der Fuss beim Gehen noch einknickt, spricht man vom Knickfuss oder von der Hyperpronation. Hufig sind diese Fehlstellungen kombiniert, mgliche Folgen sind die Halluxvalgus und Hammerzehenfehlstellung.

    oRtHopdIE | fUSS

    Sprungbein

    fusswurzelknochen

    mittelfussknochen

    zehenknochen

    fersenbein

  • 60

    hallux valgusBeim Hallux valgus kommt es zu einer zunehmenden Fehl-stellung der Grosszehe im Grosszehengrundgelenk, ebenso zur Ausbildung von berbeinen, zu Schmerzen im Schuh so-wie Druckproblemen zwischen der ersten und zweiten Zehe. Hufig liegt eine familire Belastung vor. Die Ursache der Fehlstellung ist nicht ein zu kleines Schuhwerk, sondern eine Bindegewebe-/Muskulaturschwche, was zu einer Verbreite-rung des Vorfusses fhrt. Aufgrund der vorliegenden Fehl-stellung kann nicht mehr jedes Schuhwerk getragen werden.

    DiagnostikDie Diagnostik besteht in der klinischen Untersuchung und der Rntgenabklrung, wobei diesbezglich belastete Auf-nahmen als Standard gelten.

    TherapieDie heutige operative Therapie der Hallux-valgus-Fehlstel-lung wird sehr differenziert indiziert, indem verschiedene Winkel beurteilt werden:

    Intermetatarsal-Winkel zwischen erstem und zweitem Mittelfussknochen

    Eigentlicher Hallux-valgus-Winkel zwischen erstem Mittelfussknochen und Grundglied der Grosszehe

    Interphalangeal-Winkel zwischen Grund- und Endglied der Grosszehe

    Distaler Gelenkswinkel zwischen Gelenkslinie und zweitem Mittelfussstrahl

    Hallux valgus am linken fuss

    Vergleich zwischen dem gesunden fussskelett (links) und einem solchen mit fehlstellung (rechts).

    oRtHopdIE | fUSS

  • 61

    Fr den Entscheid, welche Operationstechnik durchgefhrt werden soll, spielen auch die Stabilitt und die Abntzung im Gelenk des ersten Strahls eine Rolle. Bei Instabilitt des ers-ten Strahls ist eine korrigierende Versteifung des Lisfranc-Gelenkes (modifizierte Lapidus-Operation) zu bevorzugen.

    Unter Bercksichtigung dieser Aspekte wird entschieden, ob die Korrektur der Fehlstellung proximal (krpernah), retro-kapital (hinter dem Kpfchen des ersten Mittelfussknochens) und/oder auf Hhe des Grundgliedes erfolgt. Bei bereits vor-geschrittener Arthrose und Einsteifung des Gelenks kann auch eine korrigierende Versteifung des Grosszehengrund-gelenkes zum Erfolg fhren (Grosszehengrundgelenks-Arth-rodese).

    Nach Ausschpfen der konservativen Massnahmen wie Schuhanpassung, Einlagenversorgung oder Physiotherapie kommen operative Eingriffe in Frage. Mglich sind eine mo-difizierte Lapidus-Operation, eine Basis-Osteotomie, eine Re-trokapital-Osteotomie (Chevron- oder Scarf-Osteotomie), eine Osteotomie der Grundphalanx (Akin-Osteotomie) oder eine Grosszehengrundgelenks-Arthrodese. Bei der Cheilektomie als gelenkserhaltende Methode werden nur die berbeine abgetragen, um die Beweglichkeit und die Belastungsfhig-keit zu verbessern.

    NachbehandlungBei allen versteifenden Operationen ist mit einer Entlas-tung in einem Vorfussentlastungsschuh ber sechs bis acht Wochen zu rechnen. Bei den Achsenkorrektur-Eingriffen (Osteotomien) kann in der Regel eine Vollbelastung nach Wundheilung im Halluxschuh erlaubt werden.

    Rntgenbild eines schweren Spreizfusses mit Hallux valgus.

    derselbe fuss nach erfolgter Korrektur.

    oRtHopdIE | fUSS

  • 62

    hammerzehe/KrallenzeheDie Hammer- und Krallenzehendeformitt tritt meistens in Verbindung mit einem Spreizfuss auf. Zu den mglichen Fol-gen zhlen Druckprobleme im Schuh und die Ausbildung von Hhneraugen (Clavus).

    DiagnostikDie Diagnose wird klinisch gestellt und durch die Rntgenab-klrung besttigt.

    TherapieKonservativ kann versucht werden, die Fehlstellung mit Hil-fe eines Zehenrichters zu korrigieren. Reicht dies nicht, muss eine Resektion des Gelenks zwischen Grund- und Mittelglied (Hohmann-Operation) oder eine Versteifung auf Hhe dieses Gelenks (PIP-Arthrodese) empfohlen werden. In der Regel er-folgt dabei eine Ruhigstellung oder Sicherung der Stellung mittels Kirschnerdraht, der vorne aus der Zehe ragt. Gele-gentlich muss ergnzend eine Sehnenkorrektur (Verlnge-rung der Strecksehne, Durchtrennung der Beugesehne) durchgefhrt werden.

    NachbehandlungDie Belastung darf im Halluxschuh freigegeben werden. Die Entfernung eines allflligen Kirschnerdrahtes erfolgt in der Regel nach fnf bis sechs Wochen.

    Hammerzehe

    oRtHopdIE | fUSS

  • 63

    Morton NeuromBeim Morton Neurom handelt es sich um eine Auftreibung des Nervenastes zwischen den Mittelfussknochen. In der Fol-ge kommt es zu Schmerzen beim Tragen von geschlossenem Schuhwerk, hufig ausstrahlend in die Zehen und begleitet von Kribbelgefhl.

    DiagnostikDie Verdachtsdiagnose wird durch die Anamnese und die Kli-nik gestellt. Die Besttigung der Diagnose erfolgt durch eine Kernspintomographie mit Kontrastmittelgabe.

    TherapieZuerst wird versucht, die betroffene Region mittels Einlage etwas zu entlasten und ber eine Kortison-Infiltration eine Abschwellung zu erwirken. Reichen diese Massnahmen nicht aus, muss der Nerv dargestellt und die Auftreibung reseziert werden (Morton-Neurom-Resektion). Diese Operation kann vom Fussrcken oder von der Fusssohle her durchgefhrt werden.

    NachbehandlungIn der Regel ist eine Vollbelastung unmittelbar nach der Ope-ration erlaubt, wegen des Verbandes und des Schwellungs-zustandes initial im Halluxschuh.

    morton neurom: Verdickung des mittelfussnerven.

    oRtHopdIE | fUSS

  • 64

    Sehnenplatte der fusssohle

    plantarer fersensporn

    kranialer fersensporn

    fersenbein

    achillessehne

    SehnenproblemeAm Fussgelenk knnen zahlreiche Sehnenprobleme auftre-ten. Am hufigsten ist die krankhafte Vernderung der Fuss-sohlen-Sehne (Fasziitis plantaris), im Volksmund hufig als Fersensporn-Problem dargestellt. Typisch sind Anlaufbe-schwerden, insbesondere morgens.

    Darber hinaus knnen Sehnenvernderungen auch auf Hhe der Achillessehne auftreten (Achillodynie), auf Hhe der Tibialis-posterior-Sehne mit konsekutivem Knick-/Senk-fuss (Tibialis-posterior-Sehneninsuffizienz) oder auch auf Hhe der Peronealsehnen.

    DiagnostikDie Diagnose erfolgt durch die klinische Untersuchung und die Kernspintomographie, bei Bedarf ergnzt durch eine Ultra schall-Abklrung.

    oRtHopdIE | fUSS

  • 65

    TherapieBei der Behandlung einer Achillodynie erfolgt als erstes im-mer eine konservative Therapie mittels Physiotherapie, Heimprogramm mit Dehnungsbungen sowie exzentrischen Belastungsbungen. Zustzlich kann eine Stosswellen-Thera-pie vorgenommen werden. Bei fehlendem Ansprechen und nach kernspintomographischer Abklrung muss die Seh-ne gelegentlich operativ revidiert werden. Hierbei wird eine Suberung der krankhaft vernderten Sehnenanteile vorge-nommen (Achillessehnen-Dbridement), bei Rissen partieller (teilweiser) oder kompletter (vollstndiger) Art die Achilles-sehnen-Naht. Ist die Qualitt des Achillessehnengewebes nicht mehr gengend, muss die Naht im Rahmen einer Achil-lessehnen-Plastik verstrkt werden. Hierfr wird Sehnenge-webe lokal entnommen.

    Bei den Vernderungen auf Hhe der Tibialis-posterior-Sehne ist die Rekonstruktion mittels der langen Beugesehne der Ze-hen II bis V unter gleichzeitiger Korrektur der Stellung des Fersenbeins (Tibialis-posterior-Sehnenrekonstruktion mittels FDL-Transfer und Calcaneus-Osteotomie) zu planen, sollten die konservativen Massnahmen wie Schuhversorgung oder Einlagen nicht zum Erfolg fhren.

    Bei den Peronealsehnen-Verletzungen reicht hufig eine Suberung (Dbridement). Gelegentlich muss bei stark ab-gentzten Verhltnissen auch ein Zusammenhngen der Seh-nen (Tenodese) erfolgen.

    NachbehandlungDas Sehnengewebe ist sogenanntes bradytrophes Gewebe. Da es schlecht durchblutet ist, braucht es lange fr die Hei-lung. In der Regel ist eine Entlastungsphase von rund acht Wochen notwendig.

    oRtHopdIE | fUSS

  • 66

    FrakturenBei Strzen aus grosser Hhe kann es zu Brchen im Be-reich des Fersenbeins (Calcaneus) kommen, seltener auch im Bereich des Sprungbeins (Talus) und der Fusswurzel. Die Wiederherstellung der Achsen und der Winkel ist fr die Fussstatik wichtig. Hufig sind die Fsse nach diesen Unfl-len stark geschwollen, so dass die Operation erst verzgert erfolgen kann.

    Bei den Mittelfussbrchen kann die Therapie wie bei den Ze-henfrakturen hufig konservativ erfolgen.

    DiagnostikIn der Regel braucht es neben der klinischen Untersuchung ein normales Rntgenbild in mehreren Ebenen, bei Fersen-beinbrchen zudem eine Computertomographie, eventuell mit 3D-Rekonstruktion.

    TherapieBei Frakturen mit Vernderungen der Gelenkswinkel und Gelenksflchen muss versucht werden, diese mittels einer Reposition operativ wiederherzustellen. Die Fixation erfolgt mittels spezieller Platten und Schrauben (winkelstabile Os-teosynthesen).

    NachbehandlungEine Entlastungsphase von mindestens acht Wochen bei Fer-senbeinbrchen ist blich. Die Rntgenverlaufskontrollen geben dann Aufschluss, ob die Belastung gesteigert werden darf.

    oRtHopdIE | fUSS

  • 67

    KInDERoRtHopDIE

    Der Begriff Orthopdie wird aus dem Griechischen abgeleitet von Orthos (gerade) und Pais (Kind) respektive Paideuein (erziehen). Wrtlich bersetzt sind Orthopden und vor allem Kinderorthopden somit GeradeErzieher. Wie muss man sich nun dieses GeradeErziehen vorstellen?

    Ein wichtiger Aspekt der Behandlung durch Kinderorthop-den liegt darin, das Normale zu kennen und die Kinder so-wie deren Eltern ber diese Normalitt aufzuklren. Da die Kindheit von der Geburt bis zur Adoleszenz reicht, ist das Spektrum dieser normalen Situation je nach Alter, Ge-schlecht und Typ unterschiedlich. Die Beurteilung, ob etwas normal oder nicht mehr normal ist, bedarf eines entsprechend ausgedehnten Grundwissens. Sind O-Beine beim Neugebo-renen normal? Wann werden es X-Beine, und wie muss die Beinachsenstellung bei Pubertierenden sein? Drfen Klein-kinder einwrtsgehen? Worin liegt die Ursache? Hat eine Abflachung der Fusslngswlbung Probleme zur Folge? Brau-chen diese Fsse gar Schuheinlagen? Nimmt ein krummer Rcken im Wachstum zu? Was passiert nach einem Bruch mit dem Wachstum? Mit derartigen Fragen sind Kinderorthop-den konfrontiert. So ist es nicht verwunderlich, dass auch in diesem Bereich eine zunehmende Spezialisierung stattfindet.

    oRtHopdIE | KIndERoRtHopdIE

  • 68

    Eine kinderorthopdische Sprechstunde unterscheidet sich in ihrer Form deutlich von der Erwachsenen-Sprechstunde, da nicht nur das Kind anwesend ist, sondern auch ein oder beide Elternteile. Von diesen geht in der Regel der Wunsch zur Abklrung und Behandlung aus, ausgelst durch ngs-te und Unsicherheit in Bezug auf die zuknftige krperliche Entwicklung des Kindes. Auch kann es sein, dass ein Kollege eine kinderorthopdische Abklrung und Beurteilung fr ein Leiden wnscht, um diese Betrachtungsweise einzuschlies-sen.

    Da die Kinder selber nur selten unter einer erkannten Pro-blematik leiden, sie aber die Behandlung erdulden mssen, ist ein Gesprch, das an die spezifischen Ansprche des Kin-des angepasst ist, eine wichtige Grundlage fr eine erfolgrei-che Therapie.

    oRtHopdIE | KIndERoRtHopdIE

  • 69

    Angeborene hftdysplasie oder hftluxationBei der Hftdysplasie handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung der Hftgelenkspfanne, der eine gestrte Ver-kncherung des Pfannendachs zugrunde liegt. In schweren Fllen kann sich durch Auskugeln des Hftkopfs eine Hft-luxation entwickeln. Die Hftdysplasie ist die hufigste an-geborene Fehlbildung im deutschen Sprachraum mit einer Wahrscheinlichkeit von 2 bis 4 Prozent. Mdchen sind deut-lich hufiger betroffen. Zentral in der Frherkennung der Dysplasie ist die Hftsonographie bei Neugeborenen, wo-durch die Behandlungsprognosen deutlich verbessert wer-den knnen.

    TherapieWie eine Hftdysplasie therapiert wird, hngt von Auspr-gung und Alter des Kindes ab. Bei frhzeitiger Intervention sind die Ausheilungschancen gut. Zur Anwendung kommen konservative Therapien mit Bandagen oder Schienen sowie bei schwereren Situationen die Fixierung mit Gipsen. Bei zu spter Erkennung oder zu starker Ausprgung der Hft-dysplasie muss der Hftkopf durch eine Streckbehandlung (Overhead Extension) mit folgender Gipsbehandlung oder so-gar durch eine Operation wieder in die Hftpfanne gebracht werden.

    Morbus perthesBeim Morbus Perthes handelt sich um eine Wachstumsst-rung des Hftkopfes als Folge einer Durchblutungsstrung. Im weiteren Verlauf kommt es zum partiellen Absterben von Knochengewebe im Hftkopf, wodurch dieser Stellen mit unterschiedlicher Hrte aufweist und teilweise einbrechen kann.

    aUSGEwHLtE KRanKHEItSbILDER In DER KInDERoRtHopDIE

    Ist das Hftgelenk nicht richtig zentriert, kann das becken im Einbeinstand nicht waagrecht gehalten werden (positives trendelenburgzeichen).

    Hftluxation der Hftkopf ist ausgekugelt.

    oRtHopdIE | KIndERoRtHopdIE

  • 70

    Zu Beginn der Erkrankung ussern sich Beschwerden oft nur unspezifisch. In der Regel beginnen Betroffene es sind deut-lich hufiger Jungen als Mdchen zu hinken, spter ver-spren sie Schmerzen in der Hfte und an den Knien. Im weiteren Verlauf wird die Bewegungseinschrnkung des Hftgelenks strker.

    blicherweise verluft die Krankheit in fnf Phasen respek-tive Stadien. Im Initialstadium kommt es zur Entzndung der Gelenkkapseln sowie zur Bildung von Flssigkeit im Hftge-lenk. Das folgende Kondensationsstadium ist geprgt von der Verdichtung des betroffenen Hftkopfanteils. Im Fragmenta-tionsstadium brechen Teile des Hftkopfes zusammen und werden im Reparationsstadium wieder aufgebaut. Mit dem Ausheilungsstadium wird der Umbauprozess beendet.

    TherapieDie Therapie von Morbus Perthes zielt darauf ab, eine Verformung des Hftkopfes zu verhindern. Sind bereits Verformungen zu erkennen, gilt es die Gelenkkongruenz wie-derherzustellen oder so weit wie mglich zu erhalten. Zum Einsatz kommen je nach Ausprgung der Erkrankung physio-therapeutische Massnahmen oder Orthesen. Ebenfalls ange-wendet wird das Durchbewegen des Hftgelenks in Narkose bei einer Hftspiegelung, bei welcher die Hftgelenkkapsel aufgedehnt und entzndetes Weichteilgewebe sowie vorste-hende Knochen-Knorpel-Anteile entfernt werden.

    In schwerwiegenden Fllen muss mit einer Knochenopera-tion am Becken sowie eventuell am Oberschenkelknochen die notwendige berdachung des Hftkopfes (Containment) her-gestellt werden. Dies soll im weiteren Wachstum das Anpas-sen des Hftkopfs an die Pfannenform ermglichen.

    oRtHopdIE | KIndERoRtHopdIE

  • 71

    hftkopfgleiten Wenn ltere Kinder oder Jugendliche ber Knie-, Leisten- oder Oberschenkelschmerzen klagen, liegt womglich ein Hft-kopfgleiten (Epiphyseolysis capitis femoris) vor und damit eine absolute Notfallsituation in der Orthopdie. Dabei ver-schiebt sich der gelenkseitige Anteil des Hftkopfes aufgrund der Erweichung der Wachstumsfuge (unter dem pubertren Hormonschub) sowie unter der strkeren Belastung durch die im Wachstum entstehenden grsseren Hebelarme zum Ober-schenkelhals. Betroffen sind hufig bergewichtige oder sehr sportliche Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren. Bei Md-chen tritt die Erkrankung deutlich seltener auf.

    TherapieUm ein weiteres Abrutschen zu verhindern, ist eine Opera-tion unumgnglich. In leichten Fllen kann nach einer ge-schlossenen Aufrichtung eine Stabilisierung des Hftkopfes am Schenkelhals erfolgen, in der Regel mit Schrauben oder Drhten. In schwerwiegenden Fllen ist eine offene Aufrich-tung notwendig. Aufgrund des Risikos, dass auch die Gegen-seite abgleiten kann, wird diese ebenfalls mit Drhten oder Schrauben fixiert. Diese verbleiben bis zum Wachstumsab-schluss im Krper und mssen je nach Wachstum allenfalls operativ ausgetauscht werden. Ist das Abgleiten bereits weit fortgeschritten und wieder spontan fixiert, ist unter Umstn-den eine Umstellungsoperation am Knochen notwendig, um die Gelenkkongruenz zu verbessern und das Risiko von Fehl-stellungen des Hftgelenkes mit vorzeitiger Arthroseent-wicklung zu mindern. Nach dem Eingriff muss das betroffene Bein fr rund sechs Wochen entlastet werden.

    oRtHopdIE | KIndERoRtHopdIE

    Verschiebung des gelenkseitigen anteils des Hftkopfes

    wachstumsfuge (grn) des Hftkopfes

  • 72

    Achsdeformitten der BeineAchsdeformitten wie X-Beine oder O-Beine entstehen in der Regel im Bereich des Kniegelenks und knnen unter ande-rem auf anlagebedingte Ursachen, bergewicht oder eine Stoffwechselstrung der Knochen zurckzufhren sein. Pro-blematisch sind X-Beine und O-Beine sowie einwrts- oder auswrts verdrehte Beine nicht nur in kosmetischer Hin-sicht. Langfristig knnen derartige Beinfehlstellungen zum verfrhten Verschleiss der Gelenkknorpel und in der Folge zu einer vorzeitigen Arthroseentwicklung der Knie-, Hft- oder Sprunggelenke fhren.

    Xbeine Korrekte Geometrie obeine

    oRtHopdIE | KIndERoRtHopdIE

  • 73

    TherapieIm Erwachsenenalter sind Korrekturen von Achsdeformit-ten nur mit komplexen knchernen Umstellungsoperationen mglich. In der Kinderorthopdie kann neben den Umstel-lungsoperationen auch ein kleinerer Eingriff stattfinden, um die notwendige Wachstumslenkung am Kniegelenk zur Kor-rektur der Deformitt zu erzielen. Dabei wird die Wachs-tumsfuge entweder innen (X-Beine) oder aussen (O-Beine) blockiert, meistens mittels kleiner Platten, die am Knochen angebracht werden. Durch das Wachstum auf der gegen-berliegenden Seite der Fuge wird die Deformitt allmhlich ausgeglichen. Im weiteren Verlauf werden Wachstum, Kr-pergrsse und Achsen regelmssig kontrolliert. Sobald die Fehlstellung komplett ausgeglichen ist, werden die Platten wieder entfernt, der Knochen kann normal weiterwachsen.

    KlumpfussAls Klumpfuss wird eine Deformitt bezeichnet, bei welcher die Fsse eine nach innen gedrehte und verkippte Fehlstel-lung aufweisen. Dies kann von Geburt bestehend sein oder sich spter durch ein Nerven-, Muskel- oder Bindegewebslei-den entwickeln. Von angeborenen Klumpfssen sind etwa ein bis zwei von 1000 Kindern betroffen, wobei Jungen eine dop-pelte Hufigkeit aufweisen als Mdchen. Die Ursachen sind bei dieser Form nicht abschliessend geklrt. Vermutet wird, dass sich Muskeln und Bindegewebe des Kindes im Mutter-leib nicht im richtigen Verhltnis ausbilden, was eine Mus-kelverhrtung sowie eine Skelettfehlentwicklung mit sich bringt. Der Klumpfuss hat ein typisches Erscheinungsbild und ist eine komplexe Kombination mehrerer Fussdeformi-tten Betroffene haben einen Spitz-, Sichel- und Hohlfuss, eine dnnere Wade sowie O-Beine.

    oRtHopdIE | KIndERoRtHopdIE

  • 74

    TherapieAusschlaggebend fr den Erfolg der Behandlung eines Klumpfusses ist die frhzeitige und konsequente Therapie. Diese sollte unmittelbar nach der Geburt beginnen und lau-fend kontrolliert werden. Die Fussfehlstellung wird dabei ber lngere Zeit hinweg korrigiert. Neben manueller An-wendung wird dabei zustzlich eine Gipsschiene angelegt, die den Klumpfuss in der gewnschten Haltung hlt. Im wei-teren Verlauf kommen Nachtschienen und Einlagen zum Einsatz. Bekannt ist die Ponseti-Gips- und Nachbehandlungs-methode. Kann die Fehlstellung durch Schienen nicht korri-giert werden, was vor allem bei einem Hochstand der Ferse (Spitzfuss) der Fall ist, muss die Achillessehne operativ ver-lngert werden.

    Bei neurologischen und durch Bindegewebsstrungen verur-sachten Klumpfssen wird so lange wie mglich mit Schienen und Einlagen sowie Massschuhen behandelt. Je nach Verlauf knnen Weichteil- oder Knochenoperationen ntig werden.

    Klumpfuss

    oRtHopdIE | KIndERoRtHopdIE

  • 75

    Fussdeformitten (Knick-, hohl- Spitzfsse)Beim Fuss knnen verschiedene Deformitten auftreten, die eine kinderorthopdische Kontrolle oder Behandlung not-wendig machen. Beim Hohlfuss (Pes excavatus) handelt es sich um eine angeborene oder erworbene Fussfehlstellung mit stark berhhter Lngswlbung des Fusses. Im Bezug auf die ussere Erscheinung ist der Hohlfuss das Gegenstck zum Plattfuss. Als Spitzfuss wird ein Fersenhochstand be-zeichnet. Dabei berhrt beim Gehen nur der Zehenballen den Boden, der Fersenballen hingegen nicht, wodurch das Abrol-len nicht mglich ist. Der kindliche Knick-Senkfuss ist eine relativ hufige und harmlose Fussform im Kindesalter. Dabei ist die Ferse nach aussen x-frmig abgeknickt, die Fusswl-bung tritt verflacht in Erscheinung. Die Fehlstellung hngt mit dem Wachstum des Skelettes zusammen und fllt erst auf, nachdem ein Kind mit dem Laufen begonnen hat. In den meisten Fllen bildet sich der kindliche Knick-Senkfuss bis zu einem Alter von 6 bis 10 Jahren von selbst zurck.

    TherapieBei der Behandlung von Fussdeformitten bei Kindern gilt, was auch sonst hufig gilt in der Kinderorthopdie: so wenig wie mglich, aber so viel wie ntig. Wichtig sind die genaue und individuelle Abklrung, die konsequente Verlaufskont-rolle und berwachung sowie an die Situation angepasstes Eingreifen mittels Einlagen, Orthesen oder Operationen.

    Hohlfuss

    oRtHopdIE | KIndERoRtHopdIE

    KnickSenkfuss

  • 76

    SkolioseBei der Skoliose handelt es sich um eine dreidimensionale Verbiegung der Wirbelsule mit Verdrehung einzelner Wir-belkrper. Abhngig vom Schweregrad und der Geschwin-digkeit ihrer Entwicklung bleiben Skoliosen oft lange unbemerkt, werden mitunter erst whrend des Wachstums-schubs vor der Pubertt symptomatisch und aufgrund anato-mischer Missverhltnisse entdeckt. Bei Mdchen treten sie rund 3,5-mal hufiger auf als bei Jungen. Skoliosen werden in unterschiedliche Formen und Ausprgungen eingeteilt. Die Unterscheidungen beziehen sich unter anderem auf den Zeitpunkt des Auftretens, den Verlauf und den Wendepunkt der Krmmungen (Neugeborenen-, Kleinkinder-, Kinder-, Adoleszenten-Skoliose; Thorakale Skoliose, Lumbale Skolio-se, Thorakolumbale Skoliose) sowie auf die Richtung der Ver-biegung (linkskonvex oder rechtskonvex). Bei den Ursachen findet man neben Wirbelverwachsungen auch durch Nerven-vernderungen oder Tumoren verursachte Verkrmmungen. Werden keine Ursachen gefunden, so spricht man von einer idiopathischen Skoliose. Die hufigste Form der Skoliose, die adoleszente idiopathische Skoliose (Adoleszentenskoliose), entwickelt sich ab einem Alter von 11 Jahren, also vor der Pubertt, und nimmt wegen dem stattfindenden Wachstums-schub zu.

    deutliche Verbiegung der wirbelsule

    oRtHopdIE | KIndERoRtHopdIE

  • 77

    Cobbwinkel

    TherapieDie Therapie einer Skoliose kann verschiedene konservative Massnahmen und Operationen umfassen und hngt vom Zeit-punkt des Auftretens der Verkrmmung sowie vom Ausmass der Verbiegung ab. Gemessen wird dieses im Rntgenbild ber einen speziellen Winkel, den sogenannten Cobb-Win-kel. Bei leichten Skoliosen kommen krankengymnastische bungen zum Einsatz. Bei einer mittelschweren Skoliose in fortgeschrittenem Stadium wird zustzlich eine Therapie mit einem Korsett oder mit Bandagen notwendig. Bei schweren Skoliosen mit starker Krmmung der Wirbelsule ist eine Operation meist unvermeidlich. Solche Operationen werden in spezialisierten Kinderkliniken durchgefhrt. Nach der Vor-bereitung durch allfllige Dehnungs- oder Extensionsbehand-lungen erfolgen die operative Korrektur der Verkrmmung und die Stabilisierung der Wirbelsule. Dabei werden meist bestimmte Abschnitte der Wirbelsule versteift, um eine ver-besserte Belastbarkeit sicherzustellen.

    oRtHopdIE | KIndERoRtHopdIE

    72

    56

  • 78

    oRtHopdIE | SpoRtmEdIzIn

    Schneller, strker, ausdauernder sportliche Herausforderungen sind fest in unserer Gesellschaft verankert. Neben den durchaus positiven Effekten der krperlichen Bettigung kommt es leider aber auch zu berlastungsproblemen sowie Verletzungen im Bereich des Bewegungsapparates. Davon betroffen sind Spitzensportler, aber auch Breitensportler.

    Die Sportmedizin umfasst die Prvention solcher Schden, ausserdem die Diagnose und natrlich auch die Behandlung dieser Strungen und Beeintrchtigungen im Bereich des Be-wegungsapparates. Zur sportmedizinischen Ausbildung ge-hren zudem Kenntnisse von sporttypischen Belastungen und damit Verletzungsmustern. Stellvertretend hierfr kann zum Beispiel die Werfer-Schulter genannt werden.

    Die Betreuung von Sportlern beinhaltet berdies eine gute Zusammenarbeit mit den Trainern und Coaches, insbeson-dere auch eine intensive sportphysiotherapeutische Nachbe-handlung.

    SpoRtmEDIzIn

  • 79

    aRtHRoSKopIE

    Was gemeinhin ein wenig vereinfachend als Gelenkspiegelung bezeichnet wird, ist eine enorm wertvolle Errungenschaft in der Orthopdie. Die Arthroskopie erffnet die Mglichkeit, ber einen minimalinvasiven Zugang mit Hilfe eines Endoskops eine diagnostische oder therapeutische Behandlung von krankhaften Gelenken durchzufhren. Durch das gewebeschonende Verfahren muss das Gelenk nicht komplett erffnet werden, Zugangsmorbiditten wie abgelste Sehnen oder Muskeln werden vermieden und die postoperativen Schmerzen verringert.

    entwicklung der ArthroskopieNeben dem Dnen Severin Nordentoft und dem Japaner Ken-ji Takagi war es vor allem der Schweizer Chirurg Eugen Bir-cher, der die Anfnge der Arthroskopie geprgt hat, unter anderem mit der erstmaligen Spiegelung eines Kniegelenks mittels eines Laparoskops im Jahr 1921. In den 1960er und 1970er Jahren erlebte die Arthroskopie als vergleichsweise ri-sikoarme, schonende und erfolgreiche Methode der Gelenk-diagnostik und Therapie einen starken Aufschwung und hat sich seither etabliert.

    oRtHopdIE | aRtHRoSKopIE

    arthroskopie des Kniegelenks

  • 80

    Grundstzlich lassen sich arthroskopische Eingriffe in al-len Gelenken durchfhren. Am hufigsten zum Einsatz kom-men sie bei Kniegelenk und Schulter, werden aber auch beim Sprunggelenk, beim Hftgelenk, beim Ellenbogen sowie beim Handgelenk angewendet.

    Vor allem mit dem Aufkommen der Magnetresonanztomogra-phie (MRT) hat die rein diagnostische Arthroskopie an Bedeu-tung verloren. In der Regel ist eine Arthroskopie mit einer therapeutischen Massnahme verknpft.

    Ablauf einer ArthroskopieJe nach Art und Umfang des Eingriffs und individueller Situa-tion des Patienten kann eine Arthroskopie ambulant oder im Rahmen eines kurzen stationren Aufenthaltes erfolgen, un-ter Teil- oder Vollnarkose.

    ber einen kleinen Hautschnitt von etwa 0,5 cm Lnge wird eine Kanle mit Optik eingefhrt, das Gelenk mit steriler Flssigkeit aufgefllt und gesplt, wobei sich der Gelenk-raum entfaltet. Dies erleichtert das Bedienen des optischen Gertes und verbessert die Sicht auf die einzelnen Struk-turen. ber einen weiteren minimalen Einschnitt werden die Behandlungsgerte (Stanzen, Scheren, Nadeln mit F-den, kleine Frser usw.) eingefhrt. Nach der przisen Un-tersuchung der Gelenkschdigung kann der Operateur die krankhaften Vernderungen mit Hilfe von speziell fr die Ar-throskopie entwickelten Instrumenten behandeln. Je nach Indikation und Interventionsart mssen allfllig weitere Zu-gnge geschaffen werden.

    Die Arthroskopie am Kniegelenk wird heute unter ande-rem zur Meniskusteilentfernung oder -naht, zur Kreuz-bandplastik, zur Entfernung von freien Gelenkkrpern, zur

    oRtHopdIE | aRtHRoSKopIE

  • 81

    Knorpel- oder Knochenglttung sowie zur Entfernung von entzndlicher Gelenkschleimhaut verwendet. Auch viele krankhafte Befunde der Schulter lassen sich bereits whrend der Spiegelung behandeln. Dazu zhlen die Erweiterung des Schulterdachs beim Impingement-Syndrom, die Entfernung von wuchernden Schleimhautanteilen, die Begradigung von Knorpel-Knochen-Flchen oder die Rotatorenmanschettenre-ko