Taiwan Aktuell #560, 31.12.2012

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Ureinwohnerpartei gegrndet Ma fordert Gerechtigkeit fr Trostfrauen Premier Chen fordert wirtschaftliche Integration Taiwan begrt das neue Jahr

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  • 1. Zweiwchentliche Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft derChi Republik ChinaHerausgeber: Karl C.Y. Cheng, Chefredakteur: Bo-Sung Hsu Redaktion: Helga Doppler Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, Bro Mnchen - Presseabteilung Sonnenstrae 25, 80331 Mnchen, Tel: 089-271 19 58, Fax: 271 32 02Email:helga.doppler@gmx.net, Internet: www.taiwanembassy.org.deUreinwohnerpartei gegrndetMa fordert Gerechtigkeit fr TrostfrauenPremier Chen fordert wirtschaftliche IntegrationTaiwan begrt das neue JahrPolitikUreinwohnerpartei gegrndetDie Taiwan First Nations Party (TFNP), eine politische Organisation, die sichder Frderung der Rechte der Ureinwohnervlker weltweit verschrieben hat, istam Mittwoch, den 12. Dezember 2012, offiziell in Taipeh Stadt gegrndetworden.Schon seit langer Zeit haben wir an der Grndung einer solchen Parteigearbeitet, erklrte der Vorsitzende der TFNP Rungquan Lhkatafatu in einemNr. 560 31.12.2012Telefoninterview mit Today Taiwan am 13. Dezember. Lhkatafatu selbst ist 21. Jahrgang Mitglied des Ureinwohnerstammes der Thao in Taiwan. ISSN 0945-618X

2. 2Nach einer Reihe von Protestbewegungen im Jahr 1978 ist die Stimme unseres Volkes auf derpolitischen Bhne verstummt, sagte er. Auch wenn Mitglieder der Ureinwohnervlker imParlament sitzen oder als Regierungsbeamte ttig sind und der Rat fr Ureinwohnervlker unddie zugehrigen Regierungsbehrden im Lauf der Jahre eingerichtet worden sind, haben wirden Eindruck, dass eine auf uns ausgerichtete Vorzugspolitik von den politischen Machthabernnoch immer als Gefallen uns gegenber verstanden wird.Lhkatafatu argumentierte kritisch, dass das Grundgesetz fr die Vlker der Ureinwohner, das imJahr 2005 in Kraft getreten ist sowie die Artikel in der Verfassung der Republik China, die dasRecht von Menschen unterschiedlicher ethnischer Gruppen garantieren, an denAngelegenheiten der Regierung teilzuhaben, bloe Lippenbekenntnisse ohne Substanz sind.Mit der Grndung der TFNP hoffen wir, die Gesetze und Institutionen dieses Landes zuverbessern durch eine direkte Teilnahme an politischen Prozessen sowie durch die Bewahrungunserer Kulturen und Sprachen, fhrte Lhkatafatu weiter aus, und er fgte hinzu, eineMglichkeit dieses Ziel zu erreichen wre, wenn in die Verfassung der Republik China einAbschnitt zu den Vlkern der Ureinwohner aufgenommen werden wrde.Neben dem Kampf fr die eigene Sache mchte sich die neue Partei in Zukunft auch fr dieBelange anderer benachteiligter Gruppen wie beispielsweise Arbeiter, Veteranen undBehinderte einsetzen, erklrte Lhkatafatu weiter und fgte abschlieend hinzu, dieMitgliedschaft in der Partei sei nicht den Ureinwohnern allein vorbehalten: Wir wollen uns frdie gleichen Rechte und den Nutzen aller Menschen einsetzen.(taito)Ma fordert Gerechtigkeit fr TrostfrauenPrsident Ma Ying-jeou hat am 09. Dezember 2012 erklrt, seine Regierung werde ihrMglichstes tun, um die ehemaligen sogenannten Trostfrauen aus Taiwan dabei zuuntersttzen die wichtigen historischen Beweise zu bewahren, die sie fr ihren Kampf umWiedergutmachung gegen die japanische Regierung bentigen. Die Trostfrauen wurden imZweiten Weltkrieg vom japanischen Militr gezwungen, sich in eigens eingerichtetenMilitrbordellen, den japanischen Militrangehrigen fr sexuelle Dienste zur Verfgung zustellen.Der Prsident gab diese Erklrungen im Rahmen der 11. Asiatischen Solidarittskonferenz zurFrage der sexuellen Versklavung durch das japanische Militr ab, die von der Taipei WomensRescue Foundation abgehalten wurde, einer Hilfsorganisation fr Frauen in Taipeh, die vor 20Jahren ihre Arbeit aufgenommen hat. An der Konferenz nahmen auch Untersttzer ausFestlandchina, den Philippinen und Sdkorea teil sowie Vertreter mehrererMenschrechtsgruppen aus Japan, die sich fr die Anliegen der ehemaligen Trostfraueneinsetzen.Die sexuelle Versklavung asiatischer Frauen durch die japanischen Streitkrfte whrend desZweiten Weltkriegs ist eine anerkannte Tatsache, sagte Ma. Im Jahr 1995 haben die VereintenTAIWAN AKTUELL Nr. 560 31.12.12 3. 3Nationen die Trostfrauen als Sexsklavinnen des Militrs eingestuft doch die japanischeRegierung hat bisher keinerlei Fehlverhalten eingerumt. Einige Politiker haben sogarbestritten, dass das japanische Militr jemals Frauen zur Prostitution gezwungen hat oder siebehaupten, die Beweislage dafr sei nicht ausreichend.Ungeachtet dessen hat die japanische Regierung im Jahr 1995 die Asiatische Stiftung frFrieden und Freundschaft ins Leben gerufen und jeder der ehemaligen Trostfrauen 500 000NT$ (umgerechnet knapp 13 000 Euro) angeboten, wenn sie im Gegenzug alleBeschuldigungen gegenber Japan fallen lassen.Dieses Angebot war damals von den Frauen zurck gewiesen worden. Die Regierung derRepublik China und die Privatwirtschaft haben ihrerseits gemeinsam 38 Millionen NT$ (ca.986 000 Euro) aufgebracht, um die Frauen bei einem Rechtsstreit gegen Japan finanziell zuuntersttzen. Von diesen Mitteln wurde jeder der Betroffenen eine Million NT$ (knapp 26 000Euro) zur Verfgung gestellt.Geschichte kann vergeben werden, aber sie kann nicht vergessen werden. Nur wenn wir ausden Fehlern der Vergangenheit lernen, knnen wir verhindern, dass sich Tragdien dieser Artwiederholen, sagte Ma. Das Leugnen Japans verletzte die Menschen und verrgere sie, soMa. Schlielich htten zahlreiche ehemalige Trostfrauen ber das grobe Fehlverhalten desjapanischen Militrs Zeugnis abgelegt.Zu ihnen zhlt auch die heute 91-jhrige Cheng Chen Tao aus Tainan. Sie war als Schlerinauf dem Nachhauseweg vom Unterricht von einem japanischen Militrpolizisten ins Auto gezerrtund dann nach Indien verschleppt worden, wo man sie in einem Militrbordell zur Prostitutionzwang. Sie habe sich nicht einmal von ihrer Familie verabschieden knnen. Als sie nach demKrieg nach Hause zurck kehrte, lebte nur noch ihr Onkel, der sie jedoch davonjagte mit derBegrndung, sie sei entehrt. Durch die zahlreichen inneren Verletzungen, die sie alsProstituierte erlitten hatte, habe sie spter keine Kinder bekommen knnen, woran ihre Ehezerbrach, erzhlte Frau Cheng Chen weinend.Prsident Ma forderte Japan nun erneut auf, sich seiner Geschichte zu stellen, sich bei denOpfern zu entschuldigen und sie fr die Sexversklavung durch das Militr zu entschdigen. Ichbin berzeugt, dass eine Entschuldigung und eine Entschdigung groe Wirkung habenknnten.Auch die bei der Konferenz anwesenden Trostfrauen aus anderen Lndern kamen zu Wort.Eine Frau von den Philippinen dankte Prsident Ma fr seine Untersttzung und erklrte, siewerde weiterhin um eine Entschuldigung der japanischen Regierung kmpfen.Man msse sicherstellen, dass nicht nur Menschen, die ber 80 Jahre alt sind, noch wissen,was den Trostfrauen angetan wurde, sondern dass auch die heute 40- und 50-Jhrigeninformiert sind, erklrte eine Koreanerin, die damals ebenfalls als Sexsklavin vom japanischenMilitr missbraucht worden war. Auch sie forderte eine Entschuldigung und die bernahme vonVerantwortung durch Japans Regierung.TAIWAN AKTUELL Nr. 560 31.12.12 4. 4Von den ursprnglich 58 Trostfrauen, die die Taipei Womens Rescue Foundation bei ihrerGrndung vor 20 Jahren betreute, leben heute nur noch acht. Erst im November war die bisdahin lteste berlebende im Alter von 95 Jahren in Taipeh verstorben.(cp/fotai/taito/tt) WirtschaftPremier Chen fordert wirtschaftliche IntegrationTaiwan msse in der regionaler wirtschaftlichen Integration eine grere Rolle spielen, da diesder Schlssel fr die Frderung des Handels und der nachhaltigen Entwicklung des Landes sei,hat Premierminister Sean C. Chen am Samstag, den 22. Dezember 2012, gefordert.Die Integration der weltweiten Wirtschafts- und Handelssysteme geht immer schnellervonstatten. Seit dem Jahr 2003 sind 337 Freihandelsabkommen unterzeichnet worden, davon210 in den letzten neun Jahren, fhrte Chen aus. Dieser Trend verdeutlicht, dass es nichtallein eine Frage der Isolation ist, wenn Taiwan von dem Prozess ausgegrenzt wird, sonderneine Frage von Leben und Tod.Der Premierminister formulierte diese berlegungen im Rahmen einer Grundsatzrede whrendeines Seminars an der Cheng Shiu Universitt in Kaohsiung Stadt im Sden Taiwans.Um sicherzustellen, dass Taiwan nicht von der regionalen wirtschaftlichen Integrationausgeschlossen werde, visiere die Regierung der Republik China u.a. den Abschluss weitererFreihandelsabkommen mit den wichtigsten Handelspartnern des Landes ab sowie dieEinbeziehung Taiwans in regionale Handelsvertrge wie darunter die Transpacific Partnership(TPP) und die Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP).Die TPP ist ein im Entstehen begriffenes Handelsabkommen zwischen Australien, Brunei,Kanada, Chile, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur, Vietnam und den VereinigtenStaaten. Weitere Lnder wie Japan und Sdkorea haben auch vor, den Gesprchen um dasanvisierte Abkommen beizutreten.Die vom Verband Sdostasiatischer Nationen, kurz ASEAN, angeregte RCEP umfasst 16Volkswirtschaften, darunter Australien, Indien, Japan und Festlandchina. Sollte das Abkommenin Kraft treten, dann wird der gebildete Handelsblock einen besseren Fluss von Waren undDienstleistungen ermglichen und eine gemeinsame Wirtschaftsleistung von 20 Billionen US$(ca. 15,1 Billionen Euro) umfassen, das wrde in etwa einem Drittel der Weltwirtschaftentsprechen.Ich bin der Meinung, dass Taiwans Beitritt zur TPP schneller ber die Bhne gehen knnte alsder zur RCPE, sagte Chen. Der Grund dafr ist, dass wir im Rahmen der Plattform fr dieTAIWAN AKTUELL Nr. 560 31.12.12 5. 5Asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) im Lauf der Jahre engeBeziehungen zu den meisten Mitgliedern der TPP gepflegt haben. Dagegen mssten wir auf dieFrderung des Austausches mit RCEP-Mitgliedern wie Kambodscha und Myanmar noch einigeEnergie verwenden.Die Unterzeichnung weiterer Freihandelsabkommen werde die Basis, sein auf der Taiwan derTPP und der RCEP werde beitreten knnen, erklrte der Premier. Er verwies in diesemZusammenhang auf die Vorgehensweise, die Singapur angewendet hatte, um dieBeitrittsv