Der Weg der Gemeinde in der Endzeit.Rudolf Ebertshäuser

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    02-Aug-2015

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1. Der Weg der Gemeindein der EndzeitRudolf Ebertshuser1EinfhrungDen meisten Glubigen ist bewut, da wir heute in der "Endzeit" oder letzten Zeit leben, d.h. in der Zeitkurz vor der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus. Oftmals aber sind unsere Vorstellungen von dieserEndzeit ziemlich unbestimmt und mehr von persnlichen Gedanken und Gefhlen geprgt als von denAussagen der Schrift zu diesem Thema.Nur wenige Glubige haben sich mit dem, was das Wort Gottes ber diese letzte Zeit zu sagen hat, grndli-cherauseinandergesetzt. Das ist ein schwerwiegendes Versumnis, denn wenn wir die Zeichen der Zeitnicht richtig beurteilen (vgl. Mt. 16,3), werden wir in die Irre gehen und den verderblichen Entwicklungen die-serEndzeit nicht richtig begegnen knnen.Die Heilige Schrift macht zahlreiche wichtige und klare prophetische Aussagen ber die letzte Zeit. UnserHerr hat uns in Seinem kostbaren Wort alles geoffenbart, was wir brauchen, um auch heute, da die Heilszeitder Gemeinde bald ihrem Ende zugeht, nach Seinem Willen leben und dienen zu knnen.Viele Glubige jedoch umgehen diese Aussagen der Bibel, weil sie in ihrem Ernst und ihrer nchternen Ent-hllungder Gefahren und verderblichen Entwicklungen der Endzeit zu beunruhigend sind. Sie sind eineHerausforderung zur Bue, zu einem wachsamen Leben in Heiligung und Gottesfurcht, und solche unbe-quemenWahrheiten werden heute vielfach verdrngt.Die Folge einer solchen Einstellung ist aber, da solche Christen der Irrefhrung des Widersachers keinerleiWiderstand entgegensetzen knnen. Der Feind nmlich streut seine Lehren ber die letzte Zeit eifrig in derGemeinde aus; sie sind alle darauf ausgerichtet, die Christen in Illusionen zu wiegen und von einer nchter-nengeistlichen Sicht der Endzeit abzulenken.Was sind die charakteristischen Grundzge der letzten Zeit? Welche heilsgeschichtliche Sicht vermittelt unsdie Bibel? Wie sieht die Lage der wahren Gemeinde der Glubigen in den letzten Tagen aus, und was sindihre Perspektiven? Auf all diese Fragen gibt die Bibel uns Antworten. In dieser Schrift wollen wir die Grund-aussagender Bibel ber die Endzeit untersuchen und uns besonders damit beschftigen, was die Bibel berdie Gefahren der Verfhrung in der letzten Zeit sagt.Verfhrung in christlichem Gewand ist eines der Grundmerkmale der letzten Zeit, und es ist fr alle Glubi-gen,die dem Herrn treu nachfolgen wollen, ausgesprochen wichtig, sich mit den entsprechenden Warnun-gender Heiligen Schrift auseinanderzusetzen. Dazu will diese Schrift eine Hilfe sein. 2. A. Die "Endzeit" in der Lehre der BibelWir wollen zunchst einen kurzen berblick darber geben, was eigentlich die Heilige Schrift, das Wort Got-tes,zum Thema "Endzeit" sagt und welche Ratschlge und Warnungen sie uns Glubigen gibt, damit wir indieser Zeit dem Herrn treu bleiben und siegreich ans Ziel kommen knnen.Es ist heute ganz besonders wichtig, da wir uns konsequent an das von Gott eingegebene Wort der Bibelhalten, anstatt auf Menschenlehren zu hren und menschlichen Meinungen und Traditionen zu folgen, diesich zwangslufig als kurzsichtig, haltlos oder gar verfhrerisch herausstellen.Dabei mchten wir betonen, wie wichtig gerade in der Endzeit der Grundsatz der biblischen Schriftteilung ist(vgl. 2Tim 2,15), der von der neutestamentlichen Lehre her die verschiedenen Heilszeiten unterscheidet, indenen Gott handelt. Besonders gilt dies fr die rechte Unterscheidung der Heilszeit des Gesetzes (Israel),der Heilzeit der Gnade (Gemeinde) und der kommenden Heilszeit des Tausendjhrigen Reiches, in der derMessias das Reich Gottes sichtbar auf der Erde verwirklicht.Wenn das unterschiedliche Handeln Gottes in den verschiedenen Heilszeiten nicht beachtet wird, dann wer-dendie Glubigen leicht Opfer verfhrerischer Lehren. Eines der Grundmerkmale dieser Irrlehren ist nmlichdas Durcheinanderwerfen und Verleugnen der heilsgeschichtlichen Unterscheidungen, die die Schrift selbstmacht. Daraus ergeben sich schlimme Irrtmer und Fehlentwicklungen in der Gemeinde. Wir wollen versu-chen,wenigstens in einem groben berblick die biblische Lehre darzustellen (vgl. zum vertieften Studiumdas Buch von J. F. Walvoord, Brennpunkte biblischer Prophetie, Holzgerlingen 1992).1. Das Ende der Tage im Alten Testament:das Volk Israel und das Kommen des MessiasDer Begriff der "Zeit des Endes" oder der "letzten Tage" (fr den "Endzeit" nur eine Abkrzung ist) kenn-zeichnetin der Heiligen Schrift die Zeit, in der Gott mit Seinen Plnen zum Ziel, zu dem von Ihm festgesetz-ten2Abschlu kommt.Im Alten Testament wird der Begriff "Ende der Tage" gebraucht fr die letzte Zeit der Drangsal und des Ge-richtsber Israel und die Heidenvlker, die mit dem Kommen des Messias und dem Anbruch des messiani-schenFriedensreiches endet. So finden wir den Begriff z.B. in 4Mo 24,14; 5Mo 4,30; 5Mo 31,29; Jes 2,2; Jer23,20; 30,24; 48,47; 49,39; Dan 2,28; 10,14; Hos 3,5. Damit deckungsgleich ist der Begriff Zeit des En-des,der sich in Dan 8,17; 11,35; 11,40; 12,4; 12,9 findet.Wir wollen einige dieser Bibelworte betrachten:Wenn du in der Drangsal bist und dich alle diese Dinge getroffen haben am Ende der Tage, sowirst du zu dem HERRN, deinem Gott, umkehren und seiner Stimme gehorsam sein. (5Mo4,30)() aber es gibt einen Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart; der hat den Knig Nebu-kadnezarwissen lassen, was am Ende der Tage geschehen soll. () Aber in den Tagen jenerKnige wird der Gott des Himmels ein Knigreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht unterge-henwird; und sein Reich wird keinem anderen Volk berlassen werden; es wird alle jene K-nigreichezermalmen und ihnen ein Ende machen; es selbst aber wird in Ewigkeit bestehen() Der groe Gott hat den Knig wissen lassen, was nach diesem geschehen soll. Und derTraum ist zuverlssig, und seine Deutung steht fest! (Dan 2,28.44-45)Denn diese Worte sollen verschlossen und versiegelt bleiben bis zur Zeit des Endes. Vielesollen gesichtet, gereinigt und gelutert werden; und die Gottlosen werden gottlos bleiben,und kein Gottloser wird es verstehen; aber die Verstndigen werden es verstehen. () Du 3. aber geh hin, bis das Ende kommt! Du darfst nun ruhen und wirst einst auferstehen zu dei-nemErbteil am Ende der Tage! (Dan 12,9-13)Danach werden die Kinder Israels umkehren und den HERRN, ihren Gott, und David, ihrenKnig, suchen; und sie werden sich bebend zu dem HERRN und zu seiner Gte flchten amEnde der Tage. (Hos 3,5)Diese Worte zeigen uns, da Gott einen von Anbeginn feststehenden Plan mit dem auserwhlten Volk Sei-nesBundes, mit Israel, hat. Israel hatte den Bund mit dem HERRN gebrochen; es war abtrnnig geworden3und hat sich dem Gtzendienst ergeben.Die grte Snde Israels bestand jedoch, da sie ihren Herrn und Retter, den Messias Jesus Christus, ver-warfen,als Er zu ihnen kam und das vorhergesagte Shnopfer fr sie brachte (vgl. Jesaja 53). Der gekreu-zigteSohn Gottes wurde so in der Tat fr das unglubige Israel der "Stein des Anstoes", wie es im Rmer-brieferklrt wird: "Denn sie haben sich gestoen an dem Stein des Anstoes, wie geschrieben steht:Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoes und einen Fels des rgernisses; und jeder, der anihn glaubt, wird nicht zuschanden werden!" (Rm 9,32-33).Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr noch nie in den Schriften gelesen: Der Stein, den die Bau-leuteverworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen, und esist wunderbar in unseren Augen? Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euchgenommen und einem Volk gegeben werden, das dessen Frchte bringt. Und wer auf diesenStein fllt, der wird zerschmettert werden; auf wen er aber fllt, den wird er zermalmen. (Mt21,42-44)Als Folge wurde das Volk Israel fr eine Zeit beiseitegesetzt und den Zorngerichten Gottes unterworfen, wiesie so eindrcklich schon in 3. Mose 26 und 5. Mose 28 bis 30 fr Abtrnnigkeit und Bundesbruch angekn-digtworden waren. Etwa 40 Jahre nach der Kreuzigung des Herrn wurde das jdische Volk von den Rmernin einem blutigen Krieg niedergezwungen, und der berlebende Rest wurde aus dem Land vertrieben, in dieSklaverei verkauft und unter die Heidenvlker zerstreut etwa 1900 Jahre lang.Es war das unsichtbare, verborgene Wirken Gottes, das einen Teil des jdischen Volkes im 20. Jahrhundertwieder in das uralte Land der Verheiung brachte. Die Rckkehr eines so lange zerstreuten und unterdrck-tenVolkes sein altes Heimatland ist ein eindrucksvolles Wunder Gottes in der Weltgeschichte, ein leuchten-desZeugnis dafr, da der ewige Gott Sein heiliges Wort erfllt. Es mute so geschehen, weil das festeprophetische Wort der Bibel vielfach verkndet, da das abtrnnige Volk Israel am Ende der Tage wiederzurckkehren wird in sein Land, das ihm von Gott gegeben wurde. Dort wird es auch seine nationale Um-kehrzu Gott erleben und die Errettung durch den Herrn Jesus Christus erfahren.Zuvor aber mu sich seine Bosheit und Abtrnnigkeit noch vollenden, was in einem gottlosen Bndnis mitdem Antichristen bzw. der heidnischen Weltmacht der letzten Tage zum Ausdruck kommt, und das letzteGericht Gottes in Form der groen Drangsal mu es treffen. Alle Heidenvlker werden es bedrngen und zuvernichten suchen, und es wird keinen Ausweg sehen, bis ihm vom Himmel her Hilfe durch den Messias zu-teilwird, zu dem es sich in dieser Zeit bekehrt.So ist der Begriff "die letzten Tage" im AT der Ausdruck des souvernen Planes Gottes, des Allmchtigenund Allwissenden, der schon von Anfang an das Ende vorhersagt, weil es bei Ihm bereits beschlossen undin Seinen Ratschlssen festgelegt ist. Gott kommt zu Seinem Ziel in Seinem Gerichtshandeln und auch inSeinem Gnadenhandeln. Die Zeit des Endes bedeutet, da Gott Sein Gericht ber alle Gottlosigkeit sowohlder Heidenvlker als auch des Volkes Israel vollendet, aber auch, da Er Seine Plne der Gnade fr denberrest Israels wie auch fr den berrest der Heidenvlker hinausfhrt. Beides tut Er durch Seinen Sohn,den Messias, unseren Herrn Jesus Christus.Die "letzten Tage", wie sie uns die heiligen Schriften des AT offenbaren, drehen sich also um eine Person:um den kommenden Messias, den gesalbten Knig, den der HERR selbst eingesetzt hat, und dessen Nameselbst "HERR" ist, um unseren Herrn Jesus Christus! In Ihm allein ist das Heil, sei es fr die Heiden oder frdie Juden. Vor IHM wird sich einmal jedes Knie beugen, und Seine Herrschaft wird herrlich sein ber demVolk Israel und der ganzen Erde. 4. 2. Die "letzten Tage" im Neuen Testament:der wiederkommende Herr und die GemeindeDas Neue Testament lehrt, da mit dem Kommen des Herrn Jesus auf die Erde eine heilsgeschichtlicheZeitenwende gekommen ist, die in einem gewissen Sinn die letzten Tage eingelutet hat. So heit es inHebrer 1,1-2: "Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfltig und auf vielerlei Weise zu den Vterngeredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn". In1Pt 1,20 heit es: "(...) aber er wurde geoffenbart in den letzten Zeiten um euretwillen ..."Deshalb sagt Paulus auch von den Glubigen der ersten Gemeinde: "() sondern es wurde fr uns auf-geschrieben,auf die das Ende der Weltzeiten gekommen ist" (1Kor 10,11). Johannes mahnt seine Mit-glubigenin 1Joh 2,18: "Kinder, es ist die letzte Stunde!" Jakobus mahnt: "Ihr habt Schtze gesammeltin den letzten Tagen!" (Jak 5,3). (hnlich auch 2Tim 3,1; 2Pt 3,3; Jud 18 "in der letzten Zeit").So kann man also sagen, da in gewisser Weise die "Zeit des Endes" schon seit dem Kommen des HerrnJesus auf die Erde angebrochen ist. Mit der Kreuzigung und Auferstehung des Sohnes Gottes ging dieHeilszeit des Gesetzes zu Ende, und die heutige Heilszeit der Gnade begann. Israel wurde als das auser-whlteVolk Gottes beiseitegesetzt und im Gericht zerstreut unter die Heiden. Durch das Evangelium derGnade ruft Gott Heiden und Juden zu Seiner Gemeinde. Die Gemeinde Gottes ist ein neuer, in vielem vonIsrael unterschiedener Abschnitt im Heilshandeln Gottes mit den Menschen, viele Ausleger sagen auch: einneues Heilszeitalter.Aber das NT bezeichnet auch die Zeit der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus als die "letzte Zeit": 1Pt 1,5lesen wir von dem Heil, "das bereit ist, geoffenbart zu werden in der letzten Zeit". In der Endzeitredespricht der Herr Jesus mehrfach von der Zeit seines Wiederkommens als dem "Ende" (Mt 24, 6 u. 14; vgl.Mk 13,7; Lk 21,9). In einem besonderen Sinn sind also die letzten Tage des Zeitalters der Gemeinde "End-Zeit", die Zeit unmittelbar vor der Wiederkunft des Messias. In diesem Sinn deckt sich der alttestamentlicheund der neutestamentliche Begriff von der "letzten Zeit" weitgehend.a) Das Heilszeitalter der Gemeinde und seine BesonderheitenWir sollten solche sein, die die Zeichen der Zeit verstehen, in der wir leben, im Gegensatz zu den Pharisern(Mt 16,3). Wir knnen im Handeln Gottes mit den Menschen verschiedene Abschnitte oder Heilszeiten er-kennen,4die wir auch unterscheiden mssen.Gott handelte auf eine besondere Weise mit Seinem auserwhlten Volk Israel durch viele Jahrhunderte aufder Grundlage des Alten Bundes, d.h. des mosaischen Gesetzes (Heilszeit des Gesetzes oder Israels). Mitdem vollkommenen Shnopfer Jesu Christi fand diese Zeit des Gesetzes ein Ende. Christus erfllte das Ge-setzals einziger Mensch vollkommen, Er starb dem Gesetz und wurde aus den Toten auferweckt. Daher hatdas Gesetz mit seinen Forderungen, die das Halten aller Gebote zur Voraussetzungen fr die Errettungmachten, keinen Anspruch mehr an uns, die wir Christus angehren.Gott berief nun aus Heiden und Juden ein besonderes Eigentumsvolk auf der Grundlage der Gnade, desEvangeliums und des Glaubens. Diese neue Heilszeit wird als die der Gemeinde oder der Gnade bezeich-net.Die Gemeinde steht nicht unter dem mosaischen Gesetz, sondern unter der Gnade. Gott gewhrt ihr dieErrettung nicht aus Werken des Gesetzes, sondern durch den Glauben an Jesus Christus. Die Glubigensind in Christus; sie sind neue Geschpfe und Kinder Gottes, von neuem gezeugt durch den Geist Gottes.Die Gemeinde als Heilsorganismus war im AT noch nicht geoffenbart worden; sie war in alten Zeiten ein Ge-heimnis,das erst den neutestamentlichen Aposteln und Propheten, besonders Paulus, geoffenbart wurde(Joh 16,12-14; Rm 16,25-26; Eph 3,1-12). Deshalb beziehen sich auch die alttestamentlichen Prophetennicht direkt auf die Gemeinde. Was die Endzeit fr die Gemeinde bedeutet, finden wir ausschlielich im NTgeoffenbart.Die Gemeinde ist ihrem Wesen, ihrer Berufung nach die Braut des Christus und zugleich Sein Leib. Sie isteine heilige Priesterschaft und zugleich der Tempel Gottes in der jetzigen Heilszeit. Sie ist ihrem Wesennach die Herausgerufene (gr. ek-klesia), eine kleine Schar von begnadigten Sndern, von Auserwhltenund Geliebten, berufen, in dieser bsen Weltzeit Zeugnis fr Jesus Christus abzulegen und den Menschen 5. den Weg zur Errettung zu zeigen. Die Gemeinde hat im Gegensatz zu Israel und den Heidenvlkern einehimmlische Berufung, eine himmlische Stellung und ein himmlisches Erbteil.Wie Israel bald nach seiner Berufung als Volk Gottes und dem Bundesschlu als Ganzes versagte und vomHerrn abwich, so geschah es auch in der G...

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