Deutsches wörterbuch. Erster bandby Jacob Grimm; Wilhelm Grimm; S. Hirzel

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  • Deutsches wrterbuch. Erster band by Jacob Grimm; Wilhelm Grimm; S. HirzelReview by: H. SchweizerZeitschrift fr vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete des Deutschen, Griechischenund Lateinischen, 6. Bd., 6. H. (1857), pp. 441-452Published by: Vandenhoeck & Ruprecht (GmbH & Co. KG)Stable URL: http://www.jstor.org/stable/40844550 .Accessed: 22/05/2014 09:14

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  • anzeigen. 441

    panas atem einen nasal am Schlsse auf und so wird die- ser auch in den lateinischen und griechischen formen ur- sprnglich am ende gestanden haben, wonach die berhr- ten formen ebenfalls von dem kreise der hier betrachteten erscheinungen auszuschliefsen sind. A. Kuhn.

    II. Anzeigen. Deutsches Wrterbuch

    von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Erster band 1854 Leipzig, verlag yon S. Hirzel.

    Unstreitig ist dieses neue grofse werk der gebrder Grimm, wenn irgend ein werk, epochemachend: es ist ein mchtiger und weit hervorragender schlufsstein ber dem gothischen und alt- hochdeutschen fundamente, auf welchem es durch das vielgestal- tige mittelglied des mittelhochdeutschen eingefgt ist. Ein werk der art, das mit seinen wurzeln im alterthume ruht und dann die hundert und hundert ste und zweiglein zeichnet, welche bis heute aus 'dem stamme hervorgetrieben, - ein solches werk mufs den mannigfachsten interessen die meiste befriedigung bieten, mufs, wo sie nicht schon da waren, dieselben durch die unend- lich bunte flle des Stoffes hervorrufen und grofs ziehen. Nicht wollen wir davon, was von selbst in die ugen springt, von der ntzlich keit des buches zum unmittelbaren gebrauche des le- behs reden; aber eine wie reiche Sammlung tiefer Wahrheiten, und diese ins gewand der edelsten rede gekleidet, ist darin nie- dergelegt; wie erleichtert und lutert es unsre anschauung der sprach- und litteraturepochen: wie anziehend ist es, dem mensch- lichen und dem deutschen geiste auf seiner reichen entwicklungs- bahn aus dem sinnlichen ins bersinnliche zu folgen, aus dem derben und natrlichen zum feinen, zum hflichen, oft zum ge- zierten. Alles dieses und noch manches andere bte leicht Stoff zu werthvollen besprechungen , welche nur nicht gerade zunchst in die Zeitschrift fr vergleichende Sprachforschung gehren; unsre aufgbe ist e9 hier einige gedanken - wenn man ihnen diesen namen gnnen will - mitzutheilen ber das etymologische verfahren, welches J.Grimm in dem bisher von ihm bearbeiteten theile des Wrterbuches beobachtet hat.

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  • 442 Schweizer

    Anhaltspunkte bietet uns der meister deutscher Sprachforschung in dem, was er im allgemeinen ber dieses gebiet in der vorrede ausgesprochen, in der darstellung von grofsen und weitwaltenden gesetzen, wie er sie zu anfang der mit B anlautenden Wrter entwickelte und in einzelnen mehr als das einzelne erluternden artikeln. Gern stimmen wir im ganzen dem bei, was Grimm s. XLV u. ff. in den edelsten formen deutscher rede ber wort- erklrung und Wortforschung sagt, und achten auch die Stze hoch, denen wir nicht in vollem umfange beistimmen kn- nen, da sie ja keinesweges der echten vergleichenden Sprachfor- schung feindlich oder kleinlich in den weg treten, sondern nur dahin streben dem zunchst stehenden und so vom Verfasser in seinem vollen reichthum erkannten vaterlndischen die mglichst hohe ehre zu gewinnen. Gieuge darin der begrnder der ger- manischen Sprachforschung einmal zu weit, wer knnte und wollte ihn darber tadeln? Aber auch er verdient eher persnliches lob als persnlichen tadel, welcher, nachdem er die innige Verwandt- schaft der indogermanischen Schwestern durchschaut und in hun- dert fllen auf lexikalischem, namentlich aber auf grammatischem gebiete erst in der sanskrit die Schlssel zu relativer Wahrheit

    gefunden, im edeln drnge des forschens der er Weiterung des kreises ein schweres, vielleicht manchmal ein zu schweres ge- wicht beilegt. So viel wird jedem unbefangenen einleuchten, dafs die einzelsprache des Stammes keinesweges an wrde verliert, wenn sie dieselbe grundlage mit den Schwestern theilt, dafs sie vielmehr durch eine glckliche sonderentwickelung sich einen krnz gewinnen kann, der jetzt schrfere umrisse bietet; und das will auch J. Grimm in diesem trefflichen werke darthun , dafs das deutsche mit seinem sprachlichen erbe lblich gewuchert habe. Dafs der Germane, dafs der Deutsche eine masse von gegen- stnden und wesen besonders benannt aus noch bestehender ge- meinsamer wurzel oder aus nur ihm verbliebener, das zu lug- nen wre offenbare thorheit; aber es giebt streitige flle, und in solchen fllen mufste Grimm sich fr das vaterlndische ent- scheiden, und er entscheidet in der regel in so anmuthiger und zu gemth dringender weise, dafs der leser nur ungern wider- strebt. Nicht bittern ernst sehen wir in den Worten, dafs zuwei- len die scharfsinnigsten verni uthungen der sprachvergleicher auf die blofsen (?) lautverhltuisse und den weitgreifenden Wechsel oder ausfall einzelner consonan ten gegrndet werden ; setzt man

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  • anzeigen. 443

    ein K statt L, ein L statt K, ein L statt O und verstattet dem B und G , dem P und K zu tauschen, dem anlautenden E ab- zufallen, so ist pltzlich das aussehen eines Wortes verndert tt. J. Grimm weifs es ja wohl, dafs das nicht willkr der forschnng ist, dafs darin vielmehr tiefe lautgesetze walten, welche er selbst oft ohne bedenken angewendet hat.

    Grimm deutet auf s. 48 an, wie der name des baren nur aus deutscher anschauung erklrt werden drfe, wenn auch die zu grnde liegende wurzel eine gemeinsame sei, und unter dem worte selbst fhrt er nun jene deutsche anschauung in der an- muthigsten form vor, um dann daraus zu folgern, dafs dieses thier recht leicht und natrlich die bezeichnung des vaterstt er- balten knne. Zunchst mchten wir nur das dagegen einwen- den, dafs der br als knig und herrscher der thiere kaum er- zeug er genannt worden wre, wie ja auch nicht fr natr'Q

  • 444 Schweizer

    Wrter sind zunchst piseis, fisks, pysk, peskou, und dafs diese auf ein schappenthier fahren, scheint nan aasgemacht, ebenso, dafe die krzeste Wurzel im sanskr. sku (vergi, apra- tishkuta) sich findet. Piseis enthlt dieselbe prposition, wie skr. pidhna and griech. niw , d.h. die prposition api, ini Leicht knnen andere sprachen dieser prposition entbehren; aber wie es mit griech. i%&v stehe, ist sehr zweifelhaft, weil t und X& mehrfache deutung zulassen, unter denen freilich die scharf- sinnige von Grimm uns nicht reeht einleuchten wilL Dafe %& besonders anlautend oder mit einem verbalvorschlage aus dem einfachen % sich entwickeln kann, und dafs % gar nicht selten aus ex hervorgeht, wird wohl von der neuern Sprachforschung allgemein anerkannt, oder wie sollte man griech. x#eV und x& trennen drfen von skr. hyas, lat. h eri und deutschen gis tra, gestern? wohin {to'?, fra/ioAo? neben ga/ieat, apa^c stellen als zu skr. ksham, lat. humus erde?" Stnde also nun fest, ob t in i%&v lautlicher vokal Vorschlag, oder noch mehr gekrzte prposition, so wrde uns Kuhns bemerkung, zeitschr. bd. IH. s. 67, nicht stren.

    Mit vulfs, wolf, verhlt sieh's eigentmlich. Grimm fhrt diesen ausdruck als beispiel an, wie in ein vielen sprachen ge- meinsames wort gerade die deutsche Wurzel licht bringe, giebt dann aber doch selbst zu, dafs vielleicht die k-form die ltere sei. Das skr. vrka lfet sich ohne bedenken auf vra zer- zeifeen* zurckfhren; Xvxog drfte zu lun, und lupus zu

    lup, rup gehren, wenn nicht noch vieles dafr sprche, dafs die Wrter selbst die gleichen sind. Goth. vulfs scheint uns nun ebenfalls dasselbe, und wenn vil van daneben steht, so mag es wieder aus der Wurzel vra weiter entwickelt sein, ohne sich aus vulfs erzeugt zu haben. Es ist unlugbar, dafe nicht nur im anlaute, auch im inlaute v oft genug blofs berbleibsel eines

    eigenthmlich entfalteten gutturals ist. Das ungrische farkas trennen wir mit Pott scharf von vrka s ; dafr aber, dafs varg dahin gehre, spricht vieles, nur ist dann, was nicht selten, im auslaute eine stufe bersprungen. Dem deutschen waldgnger entspricht genau im sanskrit vanargu, und im griechischen ist Xvxog symbol des flchtigen und schuldbewufsten. Grie- chisches ktntf mgen wir nicht deuten, nur wollen wir darauf aufmerksam machen, dafs lpa im sanskrit den aasfresser be-

    deutet, d. h. den schakal, also mit einem l maa nichts zu thun haben kann.

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  • anzeigen 445

    Kuhn, aber scharfsinnig und wahrhaft reizend deutet der verf. bum, bib er und biene alle aus dem verbum bauen, und fuhrt dieses selbst auf facer, bag van zurck. Aber es scheint uns, gar zu viel spricht dagegen, dafs das goth. bau an und also auch skr. b h, griech. qpt/ro, lat. fuo u.s.1., welche wur- zeln Grimm als dieselben betrachtet, smmtlich einen blofs im la- teinischen theilweise erhaltenen guttural verloren, und also auf bhakvo, bagv zurckweisen, whrend sich die entwickelung ei- nes gutturales aus v durch manche beispiele gerade im lateini- schen erhrten lfst, und so facio wohl unmittelbar an bhava- ymi gehalten werden kann, nicht erst mit Curtius an dh zu denken sein mochte, so wenig als jacio von j herzukommen scheint, sondern wohl dem skr. yavaymi entspricht, wie das alles schon Bopp und Benfey angenommen. Dieselbe entwik- kelung ist dann, denken wir, auch in den germanischen dialecten nicht unerhrt. Wenn Grimm behauptet, im lateinischen sei die gutturalis oft spurlos ausgefallen/ so hat das seine bestimmten grenzen, und mindestens scheinen uns die von ihm aufgefhrten beispiele nicht dahin zu gehren. Nicht gehrt dahin dies, wel- ches Grimm allerdings auf hchst scharfsinnige weise aus de- ce s entspringen und dem goth. dag s gleich sein lfst Aber einmal kann dags, wenn nicht etwa auch hier aus altem u eine gutturalis sich entfaltet, recht gut mit skr. a han fur d ah an verglichen werden, und stnde dies fur de ce s, bezglich de- cies, so wre nur der umstand hchst auffallend, dafs dieses einzige wort in der fnften declination ein masculinum ist Das erklrt sich aber trefflieh, wenn dies dem skr. dyvs gleich- steht, und wie schn erklren sich dann die laute. Der aasfall von v vor s kann nicht stren und fur entspricht allen bri- gen bildungen der fnften declination , whrend man nach Grimms erklrung eher ein ds gleich dem rs erwarten drfte. Und kann man denn lugneil, dafs Diespiter aufs haar dem skr. Dyus pitar und dem griech. Zevg natr'q gleiche? Uns dnkt fast nicht minder sicher, dafs rs in keinem nhern zusammenhange mit dem deutschen rahha stehe, d. h. nicht aus reces - wieder fr re eie s - erklrt werden drfte: rs darf gewifs als eines mit dem skr. ri angesehen, und dieses mufs als entwickelung oder Verengung aus raji aufgefafst werden. Dafs in rayi, wie Benfey annimmt, ein h ausgefallen, so dafs es fr rahi von rh = rdh stnde, wollen wir nicht in abrede stellen;

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  • 446 Schweizer

    aber immer kommen wir damit noch nicht za reces, nor zu re- hie g. Allerdings erklrte neuerlich auch Kuhn fo als eine zu- sammenziehung aus fi cio, was uns khn erscheint; denn 1) geht swar lat. c nicht selten vor andern consonanten verloren, wie unlugbar in vitare, invitas, invitare, in suspitio u. s.f., aber kaum vor vocalen; 2) mfifsten wir dann annehmen, dafs in facio ein umlaut sich erzeugt, ganz abweichend von capi o , rapio u. s. f., whrend die lautschwchung in den obigen bei- spielen ganz gesetzlich ist; 3) wre fi ci o noch die einzige form auf -io mit passiver bedeutung, denn abfall des passiven r des infiniti ven fieri wegen anzunehmen mchte kaum erlaubt sein; fieri ist allerdings eine merkwrdige form, aber ed erscheint ans darin nur die ursprngliche gestalt des lateinischen infini- tivB, der einst wohl auf -s, -sei, -si auslautete. Wir meinen darum mit Pott bei der deutung von fio aus foeo, fui o blei- ben zu drfen. Ebenso vermgen wir in dem deutschen bium, bin nichts anderes zu sehen als skr. bhavmi, und mssen da- von goth. visan, ahd. wesan gnzlich trennen. Was nun die sinnliche grundbedeutung von bhu gewesen - denn eine solche anzunehmen sind wir sattsam berechtigt - ist uns freilich nicht klar. Das wort bagms, boum, bum lfst verschiedene deu-

    tungen zu; Sehen wir uns zunchst in den verwandten sprachen um, so begegnen uns im sanskrit vrksha, druma und das ein- fache dru und taru; im griechischen begegnen uns Sepgov und fur einen spcielien und ausgezeichneten bum dvg, im la- teinischen arbos. Ueber dru, qv, deutsch triu hat Kuhn in d. zeitscbr. IV, 84 gesprochen und neigte sich mehr dazu in die- sen Wrtern das spaltbare zu finden, nur ist es unlugbar, dfs Bopp's ansieht auch vieles und, es scheint uns, namentlich die sinnliche anschauung fr sich hat; und dafs auch seine etymolo- gische operation berechtigt sei, d. h. dafs man den abfall von h annehmen drfte, ist unbestreitbar. Nehmen wir die ableitung von df spalten tt an, so enthlt druma ein doppeltes suffix, nmlich u = va und ma, wohl = mat. Fr vrksha knnte ein hnlicher zweifei aufsteigen, es knnte grammatisch ebenso leicht auf vrac e (vgl. vivrikna) wie auf vrh zurckgefhrt wer- den, wenn auch im erstem falle die passive bedeutung^etwas an-

    stfsig wre. Das latein. arbos wird doch ~wohl nicht von* der wurzel arbh, griech. eftep-, deutsch lib- (in leben) getrennt werden drfen, nur dafs dann wieder unbestimmt bleibt, ob in

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