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1 EINLEITUNG 2 I. EINFÜHRUNG 5 II. UMSETZUNG DER IM VERTRAG VON 1991 FESTGELEGTEN VERPFLICHTUNGEN UND DER IM 5-JAHRES-BERICHT (1997-2001) BESCHLOSSENEN EMPFEHLUNGEN 5 a. Mitglieder und Tagungen der Kommission .................................................................... 5 1. Tagungen der Gemeinsamen Meissen Kommission .................................................. 6 b. Bedeutende Entwicklungen in beiden Kirchen .............................................................. 9 1. Kirche von England .................................................................................................... 9 2. Evangelische Kirche in Deutschland ........................................................................ 10 c. Beiträge zur deutsch-britischen Versöhnung................................................................ 11 d. Partnerschaften ............................................................................................................. 14 e. Pfarreraustausch in Lokalen Ökumenischen Partnerschaften (LEP) ............................ 18 f. Theologische Ausbildung und Religionsunterricht ...................................................... 19 g. Bibliotheken ................................................................................................................. 21 h. Theologische Themen und Konferenzen ...................................................................... 23 i. Konsultationen und Delegationsbesuche ...................................................................... 26 j. Synoden ........................................................................................................................ 31 k. Evangelische Synode Deutscher Sprache in Großbritannien ....................................... 31 l. Anglikanische Diözese in Europa/ Arbeitsgemeinschaft anglikanischer Kirchen in Deutschland .................................................................................................................. 32 m. Andere Aktivitäten ....................................................................................................... 33 n. Kommunitäten .............................................................................................................. 35 III EMPFEHLUNGEN DES 5-JAHRES-BERICHTES 2002-2006 35 IV ANHÄNGE 40 Anhang A - DIE MEISSENER GEMEINSAME FESTSTELLUNG .......................... 40 Anhang B - DIE MEISSENER ERKLÄRUNG ........................................................... 46 Anhang C - AUSFÜHRUNGEN .................................................................................. 48 Anhang D - Beziehung zwischen Landeskirchen und Diözesen .................................. 52 Anhang E - COMMUNIQUE DER FÜNFTEN THEOLOGISCHEN KONFERENZ 53 Anhang F - Bericht von Frau Tonie Smith ................................................................... 60 Anhang G - Veröffentlichungen ................................................................................... 63 Anhang H - Teilnehmende der Delegationsreisen........................................................ 65 Anhang I - Organisationen und Verbände für Religionsunterricht .............................. 66

EINLEITUNG 2 I. EINFÜHRUNG 5 II. UMSETZUNG DER IM … · Prof. Dr. Ingolf Dalferth (bis 2004) Prof. Dr. Christoph Schwöbel (ab 2004) Die Geschäftsführung der Kommission: Oberkirchenrat

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EINLEITUNG 2

I. EINFÜHRUNG 5

II. UMSETZUNG DER IM VERTRAG VON 1991 FESTGELEGTEN

VERPFLICHTUNGEN UND DER IM 5-JAHRES-BERICHT (1997-2001) BESCHLOSSENEN EMPFEHLUNGEN 5

a. Mitglieder und Tagungen der Kommission .................................................................... 5

1. Tagungen der Gemeinsamen Meissen Kommission .................................................. 6

b. Bedeutende Entwicklungen in beiden Kirchen .............................................................. 9

1. Kirche von England .................................................................................................... 9

2. Evangelische Kirche in Deutschland ........................................................................ 10

c. Beiträge zur deutsch-britischen Versöhnung ................................................................ 11

d. Partnerschaften ............................................................................................................. 14

e. Pfarreraustausch in Lokalen Ökumenischen Partnerschaften (LEP) ............................ 18

f. Theologische Ausbildung und Religionsunterricht ...................................................... 19

g. Bibliotheken ................................................................................................................. 21

h. Theologische Themen und Konferenzen ...................................................................... 23

i. Konsultationen und Delegationsbesuche ...................................................................... 26

j. Synoden ........................................................................................................................ 31

k. Evangelische Synode Deutscher Sprache in Großbritannien ....................................... 31

l. Anglikanische Diözese in Europa/ Arbeitsgemeinschaft anglikanischer Kirchen in

Deutschland .................................................................................................................. 32

m. Andere Aktivitäten ....................................................................................................... 33

n. Kommunitäten .............................................................................................................. 35

III EMPFEHLUNGEN DES 5-JAHRES-BERICHTES 2002-2006 35

IV ANHÄNGE 40

Anhang A - DIE MEISSENER GEMEINSAME FESTSTELLUNG .......................... 40

Anhang B - DIE MEISSENER ERKLÄRUNG ........................................................... 46

Anhang C - AUSFÜHRUNGEN .................................................................................. 48

Anhang D - Beziehung zwischen Landeskirchen und Diözesen .................................. 52

Anhang E - COMMUNIQUE DER FÜNFTEN THEOLOGISCHEN KONFERENZ 53

Anhang F - Bericht von Frau Tonie Smith ................................................................... 60

Anhang G - Veröffentlichungen ................................................................................... 63

Anhang H - Teilnehmende der Delegationsreisen ........................................................ 65

Anhang I - Organisationen und Verbände für Religionsunterricht .............................. 66

2

EINLEITUNG

Die europäische Ökumene setzt sich aus vielen sehr verschiedenen Bausteinen zusammen. Sie

sind oft sehr unterschiedlich bearbeitet und erfüllen ihre jeweiligen statischen und

ästhetischen Funktionen am Bau der Kirche Jesu Christi. Dies ist mir in den wenigen Monaten

meines Dienstes als Bischof für die Ökumene und Auslandsarbeit der Evangelischen Kirche

in Deutschland vielfach anschaulich geworden. Die Bausteine der Meissen Ökumene sind

dabei mehr als nur ein paar Steine unter vielen. Sie ist mit ihren zahlreichen Partnerschaften

ein aus vielen Steinen großer Teil des Gebäudes, der besonders die Zugänge für einen

ökumenischen Austausch ausmacht.

Die Meissen Ökumene ist besonders für Europa ein ökumenischer Prozess, der Zugänge

schafft, Räume eröffnet und Vergewisserung im Glauben bewirkt. Diese Aufgaben teilt sie,

wenn man auf die anderen Elemente im ökumenischen Haus Europa schaut, mit der

Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), der Porvoo Kirchengemeinschaft,

der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und mit den Signatarkirchen der Charta

Oecumenica. Viele im Bericht beschriebene Erfahrungen, Aufgaben und Vereinbarungen

entsprechen dem Geist und den Buchstaben der Charta Oecumenica.

Neben der bilateralen und europäischen Dimension geraten bei den Treffen der Meissen

Ökumene aber zugleich auch weltweite ökumenische Resonanzräume ins Schwingen, wenn

man bedenkt, dass beide Kirchen ihre spezifische Vernetzungen in der Anglikanischen

Gemeinschaft und der englischsprachigen Welt insgesamt oder in der Gemeinschaft der

reformatorisch geprägten Kirchen haben. Auch diese Vernetzung verleiht der Meissen

Ökumene ihren besonderen Wert. Selbst wenn wir die volle sichtbare Einheit unserer Kirchen

noch nicht erreicht haben, weil unsere Auffassungen über die kirchlichen Ämter in einigen

Punkten differieren, so ist das gewachsene Vertrauen ein Schatz, den wir in Gesprächen und

Aktionen, gemeinsamen Gottesdiensten und besonders in eucharistischer Gemeinschaft an

den Altären unsere Kirchen miteinander teilen.

Die vielen Kontakte und Initiativen, die aus der Partnerschaftsarbeit entstanden sind, wollen

gepflegt werden. Landeskirchen und Diözesen, Kirchenkreise und Gemeinden setzten sich

dafür ein. Dabei ist eine in diesem Fünf-Jahres-Bericht geäußerte Sorge der Meissen

Kommission besonders ernst zu nehmen. Demnach hat das Interesse junge Menschen in

Großbritannien an der deutschen Sprache und Kultur deutlich nachgelassen, was sich

erschwerend auf den Jugendaustausch auswirkt. Zwischen England und Deutschland gibt es

leider kein staatlich unterstütztes Jugendwerk wie es von Frankreich oder Polen aus nach

Deutschland besteht. Umso mehr sind hier die Kirchen gefordert, Brückenbauer zu sein, auch

wenn unsere Küsten weit voneinander entfernt liegen. Die geistlichen Kräfte in unseren

Kirchen, insbesondere die Kraft des Gebetes, sind gegenüber solchen Distanzen erhaben und

sorgen für eine Verlässlichkeit (faithfulness), die gerade im Zeitalter der Globalisierung

unverzichtbar ist.

Diese Verlässlichkeit ist unser Kapital, wie Bischof David Walker es auf der 5. Tagung der

10. Synode der EKD in Würzburg 2006 betont hat. Als Kirche Jesu Christi sind wir Anwälte

einer Verlässlichkeit, die sich in der Nähe zu den Menschen in unterschiedlichsten

Lebenswelten entwickelt und bewährt hat. Diese Verlässlichkeit macht uns glaubwürdig,

wenn es darum geht, für Menschenrechte und für eine gerechtere Verteilung der Ressourcen

der Welt, die für uns Gottes Schöpfung ist, einzutreten. Sie stärkt und fördert Schritte der

Versöhnung in Konflikten und Kriegen.

3

Für diese Verlässlichkeit und die bereits erwähnte Zugänglichkeit standen vor und während

des II. Weltkrieges in unseren beiden Kirchen auch die Namen von Dietrich Bonhoeffer und

dem Bischof von Chichester, George Bell. Die Meissen Ökumene profitiert davon bis heute,

wie der Bericht an vielen Stellen zeigt und erkennt in dieser Zugänglichkeit und

Verlässlichkeit Zeichen der bedingungslosen Gnade Gottes in unserer Zeit, die Versöhnung

möglich macht. Beides ist ein Schatz, der missionarisch investiert werden will. Mit ihm sind

wir in Städten und Dörfern, gegenüber Reichen und Armen, Bösen und Guten, gegenüber

Menschen mit und ohne Religion missionarisch glaubwürdiger. Möge dieser Fünf-Jahres-

Bericht der Kirche von England, den Gliedkirchen der EKD und unseren ökumenischen

Partnern in der Welt viele neue Anstöße geben und zur ökumenischen Mitarbeit einladen.

Bischof Martin Schindehütte,

Leiter der Hauptabteilung IV für Ökumene und Auslandsarbeit im Kirchenamt der EKD

VORWORT DER KO-VORSITZENDEN

In den vergangenen fünf Jahren (2002-2007) haben wir in der Meissen Kommission manches

erlebt: verheißungsvolle neue Anfänge, geduldiges Weiterarbeiten am unterschiedlichen

Verständnis des geistlichen Amtes und der Kirche, aber auch die Freude über besondere

Höhepunkte in der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der Evangelischen Kirche in

Deutschland und der Church of England. In diesem Vorwort möchten wir auf einige

Besonderheiten und Schwerpunkte der vielfältigen Meissen Arbeit aufmerksam machen, die

durch praktisches Umsetzen der ökumenischen Möglichkeiten seit Bestehen der Meissener

Erklärung realisiert werden konnten.

Ein wegweisender Schritt war die Tagung zu Kriegs- und Friedensfragen, mit besonderem

Bezug auf den Krieg im Irak 2003. Experten beider Kirchen diskutierten gemeinsam, wie

unsere beiden Traditionen ethische Fragestellungen angehen und zu beantworten versuchen.

Wir stellten fest, dass unsere jeweiligen Zugänge und die Schlussfolgerungen einander

wesentlich näher sind als die Politik unserer beiden Länder vermuten lässt. Die Meissen

Kommission forderte deshalb zu einer regelmäßigen und intensiven Zusammenarbeit

hinsichtlich sozialer, ethischer und internationaler Herausforderungen auf. Sie tut dies in der

Hoffnung, gemeinsam entwickelte Positionen nach außen hin besser vertreten zu können.

Die fortlaufende Weiterentwicklung der Partnerschaften auf der Ebene von Gemeinden und

Diözesen und Landeskirchen gibt unserer Arbeit weiterhin ein starkes Fundament bestehend

aus Gebet, gegenseitiger Anteilnahme und freundschaftlicher Verbundenheit. Insbesondere

sind wir dankbar für den geleisteten Einsatz, der zum erstmaligen Aufbau dreier

ökumenischer Meissen Partnerschaften auf lokalen Ebenen geführt hat („Local Ecumenical

Partnerships―/LEP). Wir gratulieren allen Beteiligten und freuen uns auf weitere Fortschritte.

Problematisch und zunehmend schwierig ist es, den englischen Theologennachwuchs für

Studienaufenthalte in Deutschland zu gewinnen oder Jugendliche dazu zu bewegen,

Erfahrungen in Deutschland zu sammeln. In unseren Bemühungen, dies zu verändern, sind

wir bei englischen Jugendlichen nicht nur auf fehlende Deutschkenntnisse gestoßen, sondern

auch auf ein stereotypes Deutschlandbild, das in den Lehrplänen für den Geschichtsunterricht

4

an den Schulen und in den Unterhaltungsmedien seine Wurzeln hat. Unsere zahlreichen

lebendigen Partnerschaften leisten einen wichtigen Beitrag dazu, derartige Einstellungen zu

hinterfragen und zu verändern.

Die Debatte über die Zulassung von Frauen im Bischofsamt in der Kirche von England wurde

in Deutschland aufmerksam verfolgt und behandelt. Bei einer Beratung von ökumenischen

Fachleuten zu diesem Thema im Mai 2006 in London war die EKD beteiligt.

Zwei Höhepunkte im Berichtszeitraum ragten weit sowohl in das kirchliche als in das

gesellschaftliche und kulturelle Leben hinein:

1. Die Wiedereinweihung der Dresdener Frauenkirche und die bewegenden und

unvergesslichen Feierlichkeiten vermittelten Aufbruch und Hoffnung, aus dem

verhängnisvollen Desaster des 2. Weltkrieges herauszukommen. Die Sehnsucht der Völker

Europas nach Versöhnung kam in vielen Beiträgen und Gesten zum Ausdruck.

2. Die enge Zusammenarbeit der beiden leitenden Bischöfe unserer Kirchen, dem Erzbischof

von Canterbury Dr. Rowan Williams und dem Ratsvorsitzenden Bischof Dr. Wolfgang

Huber, insbesondere während des Delegationsbesuches in Berlin und bei den Bonhoeffer-

Feierlichkeiten in Breslau Anfang 2006. Das gemeinsame Gedenken an Leben und Tod

Dietrich Bonhoeffers hat die Meissen Kommission bei ihrer Suche nach neuen Wegen, den

gemeinsamen Auftrag als Zeuginnen und Zeugen Jesu Christi in der Gegenwart zu erfüllen,

nachhaltig inspiriert.

Diese neuen Impulse werden unsere Zusammenarbeit in Europa stärken, insbesondere in der

Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), dessen neuer Generalsekretär, Erzdiakon Colin

Williams, ein ehemaliges Mitglied der Meissen Kommission ist. Parallel zu unserer eigenen

Arbeit setzt die Charta Oecumenica einen neuen Rahmen, in dem alle Konfessionen, römisch-

katholisch und orthodox sowohl als auch anglikanisch und protestantisch gemeinsam

missionarisch und in sozialer Verantwortung arbeiten können.

Diese neuen Entwicklungen verbinden unsere Meissen Partnerschaft mit dem weiteren

ökumenischen Kontext hin zur 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung mit den

Stationen in Wittenberg vom 15.-18.02. 2007 und in Sibiu vom 04.-09.09. 2007.

Mit besonderer Dankbarkeit schaut die Meissen Kommission auf das hilfreiche Engagement

von Prof. Dr. Ingolf U. Dalferth als Ko-Vorsitzender der Theologischen Konferenz der

Meissen Kommission. Besonders dann, wenn es um weitere “Schritte auf dem Weg zur vollen

sichtbaren Einheit“ ging, hat er mit dem englischen Ko-Vorsitzenden, Bischof Christopher

Hill, die Differenzen so benannt, dass wir in enger Kirchengemeinschaft unterwegs bleiben

konnten.

Ebenso dankt die Gemeinsame Kommission Oberkirchenrat Paul Oppenheim, dem

Geschäftsführer der Meissen Ausschusses der EKD für seinen langjährigen, unermüdlichen

und verdienstvollen Einsatz.

gez. Michael Bourke

Bischof von Wolverhampton

gez. Jürgen Johannesdotter

Landesbischof von Schaumburg-Lippe

Die Ko-Vorsitzenden der Meissen Kommission

5

I. EINFÜHRUNG

Der Fünf-Jahresbericht von 2002 enthielt zahlreiche Verabredungen, die die Meissen

Kommission weiter bearbeitet und wenn möglich umgesetzt hat.

Dazu traf sich, wie in Abschnitt 17 der Ausführungsvereinbarung vorgesehen, die

Kommission jährlich abwechselnd in England und in Deutschland. Bei den gemeinsamen

Sitzungen wurde die Sprache des Gastlandes als Konferenzsprache benutzt.

Folgende Tagungen der gemeinsamen Kommission fanden statt:

- 12.-16. September 2002, Emden, Johannes a Lasco Bibliothek

- 4.-8. September 2003, Sheffield, Whirlow Grange

- 9.-13. September 2004, Seddiner See/Potsdam, Heimvolkshochschule

- 9.-13. September 2005, Frodsham/Foxhill Conference Centre

- 7.-11. September 2006, Kloster Loccum, Niedersachsen

Der englische und der deutsche Ausschuss haben sich auch zwischen den Tagungen der

Kommission getroffen.

Ein wichtiges Element der Sitzungen sind die Morgen- und Abendandachten sowie die

Abendmahlsfeiern und Gebete nach den Ordnungen und Traditionen der beiden Kirchen.

Das Englische Komitee der Kommission ist ein Ausschuss des Council for Christian Unity,

dem es die Protokolle des Komitees und der Kommission vorlegt. Das Komitee ist dem

Archbishops‘ Council der Church of England gegenüber rechenschaftspflichtig. Das Deutsche

Meissen Komitee (Ausschuss) legt dem Rat der EKD seinen Bericht vor.

II. UMSETZUNG DER IM VERTRAG VON 1991 FESTGELEGTEN

VERPFLICHTUNGEN UND DER IM 5-JAHRES-BERICHT (1997-2001) BESCHLOSSENEN EMPFEHLUNGEN

a. Mitglieder und Tagungen der Kommission

Die Ausführungsvereinbarung von 1991 sieht vor, dass die Kommission "jeweils gegen Ende

eines 5-Jahres-Zeitraumes den Fortschritt, den die beteiligten Kirchen während dieses

Zeitraumes auf dem Weg zu sichtbarer Einheit gemacht haben, und die Einhaltung ihrer

Zusagen [überprüft]" (Abschnitt 19). Die Mitglieder der Kommission sind jeweils für die

Dauer von fünf Jahren berufen worden, von 1991–1996, 1997–2001 und 2002–2006.

Für den Zeitraum von 2002 – 2006 haben die Erzbischöfe von Canterbury und York folgende

Personen in den Englischen Ausschuss der Kommission berufen:

1. Die englischen Mitglieder:

The Rt Revd Michael Bourke, Bischof von Wolverhampton (Ko-Vorsitzender)

The Revd Canon Robert Jones

The Revd Dr. Charlotte Methuen (2005-2006)

The Revd Colin Penfold

6

Dr. Natalie Watson

The Venerable Colin Williams, (bis 2005)

Theologischer Ko-Vorsitzender:

Bischof Christopher Hill

Der Rat der EKD hat folgende Mitglieder der Kommission berufen:

2. Die deutschen Mitglieder

Landesbischof Jürgen Johannesdotter, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche

Schaumburg-Lippe (Ko-Vorsitzender)

StRin i. K. Ursula Köhler (bis 2006)

Theol. Rat Dr. Alfred Rauhaus (bis 2006)

Propst Dr. Matthias Sens

Pfarrer Dr. Christof Theilemann

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Weinrich (ab 2007)

Rechtsanwältin Margrit Fleckenstein und Mitglied des Rates der EKD (ab 2007)

Theologische Ko-Vorsitzende:

Prof. Dr. Ingolf Dalferth (bis 2004)

Prof. Dr. Christoph Schwöbel (ab 2004)

Die Geschäftsführung der Kommission:

Oberkirchenrat Paul Oppenheim, Kirchenamt der EKD (bis 2004)

Oberkirchenrat Matthias Kaiser, Kirchenamt der EKD (ab 2004)

The Revd Canon Dr. Charles Hill, European Secretary, Council for Christian Unity

Als ständige Beobachter nahmen an den gemeinsamen Tagungen der Kommission teil:

Revd Dr. Charlotte Methuen (bis 2005) und Dr. Rosemary Selle (ab 2006) als ständige

Vertreterinnen des Rates Anglikanischer und Episkopaler Gemeinden in Deutschland

Norma Higgott (SEC) als ständige Vertreterin der keltischen Kirchen (bis 2006)

Pfarrer Dr. Uwe Vetter (bis 2002), Pfarrer Christoph Hellmich (bis 2005) und

Pfarrer Wolfgang Kruse (ab 2006) als ständige Vertreter der Evangelischen Synode Deutscher

Sprache in Großbritannien

1. Tagungen der Gemeinsamen Meissen Kommission

1.1. Emden 2002: Die Reformierte Kirche in Ostfriesland

Die erste Konsultation der Meissen Kommission während dieses 5-Jahres-Zeitraumes fand in

der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden/Ostfriesland statt. Im Blickfeld dieses Besuches

war die Begegnung mit der Reformierten Kirche ebenso wie die Erfahrung kirchlichen

Lebens im ländlichen Raum im Nordwesten Deutschlands. Wir lernten die Geschichte und die

vielfältigen Traditionen dieses besonderen Teils der evangelischen Christenheit in

Deutschland kennen und besuchten einen Gottesdienst in einer kleinen Dorfkirche. Zu den

besonderen Eindrücken gehörte die Besichtung historischer Orgeln der Region, die zum

Weltkulturerbe gehören.

7

Ein wichtiges Anliegen dieser Konsultation bestand darin, den Teilnehmenden Konzeption,

Aufbau, Strukturen und Ziele des deutschen Konfirmandenunterrichts vorzustellen. Dazu

gehörte auch der Besuch einer Konfirmandenstunde am Nachmittag.

Dieses Thema wurde bei der Theologischen Konferenz 2005 in Frodsham, auf der die

Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation eine wichtige Rolle spielte,

aufgenommen und ist ein Bestandteil unserer laufenden Arbeit geblieben.

1.2 Sheffield 2003: Kirche in der sich wandelnden urbanen Gesellschaft

Bei der 2. Tagung der Kommission in Sheffield galten die Besuche in mehreren

Einrichtungen und die Gespräche mit Vertretenden der örtlichen Kirche vor allem der Mission

der Kirche in einer sich wandelnden urbanen Gesellschaft. Die großen Veränderungen in der

industriellen und urbanen Landschaft, die in Sheffield selbst bei einem kurzen Besuch

eindrucksvoll vorgestellt werden konnten, bedeuten eine Herausforderung auch für die

Kirchen. Neben den klassischen Aufgaben der Industrie- und Sozialarbeit (industrial mission)

bemühen sich die Kirchen, auch in den neu gestalteten städtischen Gebieten präsent zu sein

und den Prozess der Regeneration zu begleiten. Vieles davon geschieht ökumenisch.

Zunehmend wichtig wird die Mitarbeit und die Zusammenarbeit der verschiedenen religiösen

Gemeinschaften (Islam, Hindus, Siks) in der urbanen Entwicklung: Glaubensgemeinschaften

können dazu beitragen, Vertrauen zu bilden und Hoffnung zu stärken. Bei einem Besuch im

College der Church Army, einer anglikanischen, evangelikalen Laienorganisation, lernte die

Kommission deren diakonische und missionarische Arbeit kennen.

Wie die Kirche mit ihrem Gottesdienst im Leben der Menschen präsent ist, war bei einem

Familiengottesdienst mit Abendmahl und sich anschließenden Gesprächen in einer

Vorortgemeinde von Sheffield zu erleben.

1.3 Potsdam, Seddiner See 2004: Die Kirche in der Hauptstadt eines veränderten

Deutschlands

Die dritte gemeinsame Konsultation der Kommission fand in der Heimvolkshochschule

Seddiner See in der Nähe von Potsdam statt.

Die Kommission nahm wahr und analysierte das kirchliche Leben in Berlin nach der

deutschen Wiedervereinigung. Propst Dr. Karl-Heinrich Lütcke von der Evangelischen Kirche

Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der einzigen der deutschen Landeskirchen, in

der 1989 eine ostdeutsche und eine westdeutsche Landeskirche vereint wurde, stellte die

Aufgaben und Herausforderungen für die Kirchen in städtischen Zentren wie Berlin vor. Die

Kirche fühlt sich dazu aufgerufen, einen großen Teil ihres Dienstes auf das Miteinander

verschiedener Gruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen auszurichten. Dies betrifft

Asylsuchende und Obdachlose genauso wie jene, die z.B. mit bi-religiösem Hintergrund

kirchlich heiraten möchten oder als Familie Rat suchen.

Die Kommission besuchte auch das Büro von Prälat Dr. Stephan Reimers, des

Bevollmächtigten der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Bundesrepublik

Deutschland und der Europäischen Union. Diese Einrichtung pflegt die Kontakte der

Evangelischen Kirche in Deutschland zur Bundesregierung, zum Parlament und zu den

Parteien, um politische Prozesse wie die Entwicklung der Gesetzgebung aus Sicht der EKD

zu begleiten. Regelmäßig findet in der Vertretung ein Gebetsfrühstück für die Parlamentarier

statt. Ein weiteres Büro der EKD, das auf europäischer Ebene fungiert, existiert in Brüssel.

Am Sonntag nahm die Kommission an einem Gottesdienst in Königs Wusterhausen teil und

hatte Gelegenheit, mit Gemeindemitgliedern und der örtlichen Jugendgruppe

8

zusammenzutreffen, von denen einige am Jugendaustausch mit Großbritannien teilgenommen

hatten.

1.4 Frodsham 2005: Spiritualität in Wales und Besuch eines Lokalen Ökumenischen

Projektes (LEP)

Die Lage des Konferenzortes Frodsham ermöglichte es der Meissen Kommission Llangollen

zu besichtigen und kirchliches Leben in Wales kennen zu lernen. Die Mitglieder beeindruckte

die 60jährige Geschichte des internationalen Musikwettbewerbes in Eisteddfod/Llangollen.

Dort werden besonders durch Chöre aus allen Erdteilen seit 1947 Zeichen der Versöhnung

gesetzt - eine Idee, die sich bis heute bewährt hat und unvermindert aktuell ist.

Ein gemeinsamer Abendmahlsgottesdienst am Erntedanksonntag wurde in einer Gemeinde

gefeiert, die zu einem Local Ecumenical Project gehört, wo Anglikaner, Methodisten und

Reformierte ihre Gottesdienste gemeinsam feiern. Die anglikanische Pfarrerin leitete den

Gottesdienst, in dem sich die Teilnehmenden aus den verschiedenen Kirchen wieder finden

konnten. Nach einigen gemeinsamen Jahren als LEP sind die Gemeinden derartig zusammen

gewachsen, dass ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden ist. Das Gemeindeleben

wird weitestgehend gemeinsam gestaltet. LEP's sind ein sichtbarer Ausdruck der einen Kirche

Jesu Christi.

1.5 Loccum 2006: Fünf Jahres Bericht

Die 10jährige Tätigkeit von Bischof Michael Bourke als Ko-Vorsitzender wurde mit einem

Festgottesdienst in der Klosterkirche der ehemaligen Zisterzienserabtei im Beisein des Abtes,

Altbischof Dr. h.c. Horst Hirschler und des neuen Bischof für Ökumene und Auslandsarbeit,

Martin Schindehütte gewürdigt. Dieser überreichte ihm den Ehrenteller der EKD als Dank für

sein Wirken. Der Ko-Vorsitzende, Landesbischof Johannesdotter, würdigte Bischof Bourkes

ökumenisch kompetente, geistliche und humorvolle Leitung der Meissen Kommission.

Bischof Bourke ist es zu verdanken, dass er aufgrund seiner Erfahrungen in Wolverhampton

das Engagement der Kirche von England in den Metropolen mit der City-Kirchen Arbeit der

EKD vernetzen konnte. Die Weitergabe des Glaubens mit unkonventionellen Methoden bei

gleichzeitigem Respekt gegenüber den Traditionen vor allem an die jüngere Generation und

sozialdiakonisches Engagement waren seine zentralen Anliegen.

Als regelmäßiger Gast von Kirchentagen hat er viele Impulse mit nach England vermittelt

und wo immer er war, die menschenfreundlichen Seiten der christlichen Botschaft erfahrbar

gemacht.

Bischof Nicholas Baines nahm als Beobachter und zukünftiger Co-Vorsitzender an der

Sitzung teil.

Die Erstellung des 5-Jahres-Berichtes bildete den Schwerpunkt der Tagung.

Außerdem besuchte die Kommission die Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe und die

Stadt Bückeburg, in der sich der zweitälteste evangelisch-lutherische Kirchenbau befindet.

Darüber hinaus erhielt die Kommission viele Informationen über Besonderheiten und

Herausforderungen einer kleinen, traditionsreichen Landeskirche und über die vom

Patronatsrecht geprägten Kirchenstrukturen.

9

b. Bedeutende Entwicklungen in beiden Kirchen

Bedeutende Ereignisse und Entwicklungen im Leben unserer beiden Kirchen begleiten die

Arbeit und spiegeln sich sowohl in den gemeinsamen Sitzungen der Kommission selbst als

auch bei Delegationsbesuchen wider.

1. Kirche von England

- Ernennung von Dr. Rowan Williams als Erzbischof von Canterbury im Jahr 2002

- Ernennung von Dr. John Sentamu zum Erzbischof von York im Jahr 2005

- Neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Mission, einschließlich der Einsetzung der

Commission on Urban Life and Faith (CULF) und der Publikation von Mission-Shaped

Church (Missionarisch gestaltete Kirche) mit Schwerpunkt auf neuen Ausdrucksformen der

Kirche (Fresh Expressions of Church) wurden in Deutschland mit besonderem Interesse

verfolgt, da es auf deutscher Seite vergleichbare Entwicklungen gibt.

- Über die profilierte Stellungnahme der Church of England gegen den Krieg im Irak und

gegenüber Reaktionen der Regierung auf den Terrorismus wurde in Deutschland in den

Medien ausgiebig berichtet. Dies trug zu einer fruchtbaren gemeinsamen Konsultation zu

Fragen der Ethik bei, über die an anderer Stelle in diesem Bericht berichtet wird. Ein

vielversprechendes Gebiet der Zusammenarbeit zwischen unseren Kirchen sind unsere

jeweiligen Zugänge zum Dialog zwischen Christen und Muslimen.

- Die Make Poverty History-Bewegung (Armut wird zur Vergangenheit) wurde auf allen

Ebenen in der Church of England stark unterstützt.

- Die im Jahre 2003 unterzeichnete Anglikanisch-Methodistische Übereinkunft(Covenant)

setzt sich für Fortschritte auf dem Wege zu einer schrittweisen Einheit ein und ist wesentlich

von der Meissener Erklärung beeinflusst.

- Der Prozess zur Zulassung von Frauen für das Bischofsamt hat trotz anhaltender

Kontroversen Gestalt angenommen. Die Generalsynode der Kirche von England

verabschiedete eine Resolution, in der die theologischen Grundlage dafür anerkannt wurde

und setzte eine Arbeitsgruppe ein.

- Die anhaltende kontroverse Auseinandersetzung zum Thema Homosexualität in

Zusammenhang mit der Berufung von homosexuellen Geistlichen ins Bischofsamt, sowie die

sich ergebende Gefährdung der Einheit in der Anglikanischen Gemeinschaft als auch die

inhaltlichen Anliegen des Windsor Reportes wurde den deutschen Kolleginnen und Kollegen

mitgeteilt.

- Der Hind-Report hat weitreichende Auswirkungen auf die Ausbildung von Geistlichen und

die Gestaltung der Programme für Regional Training Partnerships, wo auch Laien ausgebildet

werden.

- Eine Reihe von Gedenkfeiern anlässlich des Endes des zweiten Weltkrieges vor 60 Jahren

und des 100. Geburtstags von Dietrich Bonhoeffer fanden 2005 und 2006 statt, an denen

vielfach auch Kommissionsmitglieder teilnahmen.

10

2. Evangelische Kirche in Deutschland

- 2002: Unterzeichung der Verträge mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Finnland

und der Kirche von Schweden mit der EKD in Übereinstimmung mit den ökumenischen

Dokumenten von Meissen und Porvoo. Die Verträge beinhalten die Gemeinsamkeit im

Glauben, die Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft und die gegenseitige Anerkennung der

Ordination.

- März 2002: Als Nachfolger des bisherigen Vorsitzenden der deutschen Meissen

Kommission, Bischof Dr. Christian Knuth, wurde Landesbischof Jürgen Johannesdotter

berufen.

- Mai 2003: Neukonstituierung der Synode der EKD

- Mai 2003: Ökumenischer Kirchentag in Berlin mit Unterzeichnung der Charta Oecumenica

2003 durch den damaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Präses Manfred Kock und den

anglikanischen Bischof von Gibraltar in Europa, Geoffrey Rowell, vom Vorsitzenden der

Deutschen Bischofskonferenz sowie von orthodoxen und freikirchlichen Mitgliedskirchen der

ACK.

- November 2003: Wahl des neuen Rates der EKD und seines Vorsitzenden Bischof Dr.

Wolfgang Huber durch die Synode und Kirchenkonferenz

- März 2004: Antrittsbesuch des Ratsvorsitzenden und Bischof Dr. Wolfgang Huber beim

Erzbischof von Canterbury, Dr. Rowan Williams, in Lambeth Palace, London

- Oktober 2004: Konsultation zwischen der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa

(GEKE/früher Leuenberger Kirchengemeinschaft) und der anglikanischen Kirche in Europa

vom 22. bis 24. Oktober 2004 auf dem Liebfrauenberg bei Straßburg. Fragen zur Lehre der

Kirche standen im Mittelpunkt. Die Überwindung der auch dort festgestellten Differenzen

wird als weitere gemeinsame Aufgabe angesehen.

- 2004: Diskussionspapier der Vereinigten Evangelisch Lutherischen Kirche in Deutschland

(VELKD) zum Verständnis der Ordination

- August 2005: Unterzeichnung eines Vertrages, der eine intensive Zusammenarbeit der

Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Vereinigten Evangelischen Kirche in

Deutschland (VELKD) und der Union Evangelischer Kirchen (UEK) regelt .

- September 2006: Verabschiedung des Bischofs für Ökumene und Auslandsarbeit Dr. h.c.

Rolf Koppe und Einführung seines Nachfolgers Martin Schindehütte

- November 2006: Auf der 5. Tagung der 10. Synode der EKD in Würzburg, bei der das

Schwerpunktthema: "Arm und Reich - Gerechtigkeit erhöht ein Volk" behandelt wurde, hielt

das Mitglied der Commission Urban Life and Faith (CULF), the Rt. Revd David Walker,

Bischof von Dudley, einen vielbeachteten Vortrag mit dem Thema: "Kapital der

Verlässlichkeit". Die Synode nahm diesen Vortrag mit großem Interesse auf und ging in

weiteren Debatten darauf ein.

11

c. Beiträge zur deutsch-britischen Versöhnung

1. Frauenkirche Dresden

Im Beisein des Herzogs von Kent und von Bundespräsident Horst Köhler sowie vielen

namhaften Vertretenden der Gliedkirchen der EKD und ihrer ökumenischen Partner sowie

zahlreicher weiterer Gäste wurde die Frauenkirche in Dresden am 30. Oktober 2005 von

Landesbischof Jochen Bohl eingeweiht. Aus Sicht der Meissen Kommission hat sich

besonders die Initiative Dresden Trust verdient gemacht, die Spenden in Höhe von €

1.115.000 (GBP 750.000) in Großbritannien für den Wiederaufbau eingeworben hat. Die vom

Dresden Trust gespendete vergoldete Kugel und das Kuppelkreuz auf der Spitze des

Rundbaus bilden den krönenden Abschluss der Frauenkirche.

Besonders Frau Tony Smith ist für ihr Engagement sehr herzlich zu danken. Ihr persönlich

gehaltener Bericht spiegelt eindruckvoll ihre Betroffenheit wider, die viele Beteiligte ähnlich

empfunden haben. Deshalb ist der vollständige Bericht im Anhang wiedergegeben.

Auch die Nagelkreuzbewegung hat - vor allem durch das langjährige Engagement von Canon

Paul Oestreicher - bereits in den Zeiten der ehemaligen DDR viel an deutsch-britischer

Versöhnung bewirkt, die in den Tagen der Einweihung besonders spürbar war. Die Meissen

Kommission dankt ihm für seinen unermüdlichen Einsatz für die Partnerschaft zwischen

Coventry und Dresden.

Die Möglichkeiten einer anglikanischen Pfarrstelle an der Frauenkirche für eine internationale

englischsprachige Gemeinde sind geprüft worden. Verschiedene Vorschläge werden weiter

verfolgt. Zahlenmäßig scheint es genügend englischsprachige Christinnen und Christen im

Großraum Dresden zu geben. Unklar ist jedoch, inwieweit sie sich einer anglikanischen

Gemeinde zuordnen würden. Die Evang.-Luth. Landeskirche Sachsens und deren Pfarramt an

der Frauenkirche wären zur Kooperation bereit. Die Zusage einer Anschubfinanzierung durch

die EKD liegt vor. Es bleibt zu wünschen, dass die CofE ihrerseits einen Vorschlag findet, der

sich realisieren lässt. Die damit mögliche ökumenischen Zusammenarbeit an dieser Kirche

wäre ein deutliches Zeichen auf dem Weg zur sichtbaren Einheit unserer Kirchen.

2. Dietrich-Bonhoeffer-Gedenkfeiern

2.1 Großbritannien

Die Meissen Kommission regte an und beteiligte sich intensiv an den Aktivitäten beider

Kirchen zu den offiziellen Feierlichkeiten zum Bonhoeffer-Gedenken.

Die meisten Gemeinden der Evangelischen Synode Deutscher Sprache in Großbritannien

machten die Beschäftigung mit Bonhoeffer zu ihrem thematischen Schwerpunkt in den Jahren

2005 und 2006. Viele Geistlichen und Gemeindeglieder haben in Vorträgen der britischen

Öffentlichkeit die bedeutende Rolle Bonhoeffers im deutschen Widerstand nahegebracht.

Darüber hinaus gab es ein reichhaltiges Programm an entsprechenden Wanderausstellungen,

ein breites Spektrum bemerkenswerter Veröffentlichungen, die z. T. auch in die Bonhoeffer-

Gesamtausgabe aufgenommen wurden sowie Konzerte und mehrere große Festgottesdienste,

vor allem in London.

Die Londoner Bonhoeffer-Gemeinde veranstaltete im Juni 2005 gemeinsam mit der

Kirchengemeinde in Königs Wusterhausen und einer Delegation der Schwedischen

12

Lutherischen Kirche eine von der Meissen Kommission angestoßene internationale

Jugendkonferenz. Die 35 Jugendlichen widmeten sich der Biografie und Theologie Dietrich

Bonhoeffers und deren Bedeutung für die Gegenwart. Leider war die Zahl der englischen

Teilnehmenden sehr gering.

Während seiner Tätigkeit als Auslandspfarrer in London traf sich Dietrich Bonhoeffer vom

27.- 30.11.1933 mit seinen deutschen Amtskollegen zur Pfarrkonferenz in der Deutschen

Gemeinde in Bradford/Yorkshire. Das zentrale Thema bildete die Entwicklung der

evangelischen Kirchen in Deutschland nach der politischen Machtübernahme durch die

Nationalsozialisten und die überwiegend nazikritische Haltung der deutschsprachigen

Kirchengemeinden in England.

Auf diesem historischen Hintergrund organisierte die deutschsprachige Kirchengemeinde

Bradford/Leeds im Bonhoeffer-Gedenkjahr 2005/06 drei Veranstaltungen in der deutschen

Kirche Bradford.

Im November 2005 lud die Gemeinde die ökumenischen Partner der Stadt sowie Vertreter der

jüdischen, muslimischen und Sikh-Gemeinden zur Vorführung der deutschen Verfilmung von

Bonhoeffers letzten Jahren ("Agent of Grace ") und einer anschließenden Diskussion ein.

Die Stadt Bradford ist eine der Städte Nordenglands, die im besonderen durch eine

multinationale Kultur geprägt sind und deshalb vor der Aufgabe stehen, interkulturelle

Spannungen mit Weitblick und Feinfühligkeit zu behandeln. Im Hinblick darauf wurde in

einem Gottesdienst zu Beginn des Jahres 2006 auf Bonhoeffers Bemühungen Bezug

genommen, nach denen kulturelle und religiöse Andersartigkeit nicht nur als Irrglaube

einzustufen sei, der durch Mission abgeschafft werden müsste, sondern als eine Vielfalt

anzuerkennen sei. Dieser Vielfalt ist auch theologischerseits mit Respekt zu begegnen.

Das Bonhoeffer-Gedenkjahr fand Ende März 2006 seinen Abschluss in einem Festakt, bei

dem die Oberbürgermeisterin von Bradford im Beisein von Vertretern des öffentlichen

Lebens eine von der Stadt gestiftete Erinnerungsplakette an der Außenseite der deutschen

Kirche enthüllte. Sie zeigt eine Abbildung Bonhoeffers und darunter der Text : ― Dietrich

Bonhoeffer, German Pastor & Theologian, Born 1906, Architect of the Bradford Declaration

November 1933, Executed 1945, Martyr in the anti-racist cause‖.

Nach einem festlichen Geburtstagsbankett zu Ehren des ―German Pastors‖, wurde an

Bonhoeffer als Musiker und Musikfreund erinnert. Bilder, Gedichte und Erinnerungen

ergänzten diesen heiteren und bewegenden Rückblick auf Dietrich Bonhoeffer.

Auch in Oxford fand vom 4.-6. Januar 2006 in Anwesenheit von Renate Bethge eine

internationale Konferenz zum Thema "Bonhoeffers Theologie im Spiegel seiner Gedichte"

statt.

Den herausragenden Höhepunkt bildete in London der Gedenkgottesdienst am 5. Februar

2006 in der gut gefüllten Westminster Abbey, zu dem Dean and Chapter of Westminster die

deutsche Botschaft und die deutschsprachigen Gemeinden in London eingeladen hatten. Die

Predigt hielt die Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, Dr.

Margot Käßmann.

2.2 Deutschland/Polen

Im Anschluss an das Delegationstreffen zwischen EKD und Kirche von England in Berlin im

Februar 2006 reisten der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Dr. Wolfgang Huber und der

Erzbischof von Canterbury, Dr. Rowan Williams, in Begleitung von Persönlichkeiten aus

beiden Kirchen zu den Bonhoeffer-Feierlichkeiten und zu Gesprächen mit den polnischen

13

Gastgebern nach Breslau/Wro¢law. In diesem Zusammenhang gab es Besuche bei der

polnischen lutherischen Kirche, der altkatholischen Kirche Polens sowie der römisch-

katholischen Kirche Polens und Begegnungen mit Vertretern des polnischen ökumenischen

Rates sowie eine Kranzniederlegung am Bonhoeffer-Denkmal auf dem Marktplatz in Breslau.

Im Anschluss daran nahmen der Erzbischof von Canterbury und der EKD-Ratsvorsitzende an

den Bonhoeffer-Feierlichkeiten in Berlin teil. Der Senat der Berliner Humboldt-Universität

lud in diesem Zusammenhang zu einem Empfang am Abend des 4. Februar ein.

Im Festgottesdienst am 5. Februar in Bonhoeffers Ordinationskirche, der St. Matthäus-

Kirche zu Berlin gestaltete der Ratsvorsitzende der EKD die Liturgie. Der Erzbischof von

Canterbury hielt die Predigt. Angehörige der Familie Bonhoeffer nahmen an dem

Gottesdienst teil. Weitere anglikanische Geistliche, der Schauspieler Otto Sander sowie

englische und deutsche Jugendlichen waren daran beteiligt. Dieser viel beachtete Gottesdienst

wurde vom ZDF live übertragen.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass Person und Vermächtnis Bonhoeffers und seine

Freundschaft mit Bischof George Bell aus Chichester die Beziehungen zwischen der EKD

und der Kirche von England nachhaltig gefördert haben und auch zukünftig inspirieren wird.

3. Einstellungen zu Deutschland und Deutschen in Großbritannien

Am 30. September 2005 veröffentlichte die deutsche Tageszeitung „Die Welt― einen Artikel

über rassistische Vorurteile und Übergriffe auf deutsche Schüler und Schülerinnen an

englischen Schulen.

Die Versöhnung zwischen unseren beiden Ländern und unseren beiden Kirchen ist eines der

Ziele der Meissen Kommission. Daher sah das englische Komitee es als seine Aufgabe an,

sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. In einem Brief an den Präses und die Pastoren

und Pastorinnen der deutschsprachigen Gemeinden in Großbritannien fragten wir nach den

Erfahrungen von Gemeindemitgliedern.

Die Antworten zeigten eine große Bandbreite. Da waren diejenigen, die sich schon immer in

Großbritannien willkommen gefühlt hatten bis zu denjenigen, die in der Tat von

beschämenden Erfahrungen zu berichten wussten. Eine Deutschlehrerin an einer

Gesamtschule war wiederholt mit „Heil Hitler― konfrontiert worden und Schüler hatten

Hakenkreuze auf ihre Schulhefte gemalt. Ein Schulkind war wegen seines Nachnamens, der

einen deutschen Hintergrund vermuten ließ, von einer Schulfahrt nach Frankreich mit Besuch

eines britischen Soldatenfriedhofs mit der Begründung ausgeschlossen worden: "Sie sei doch

ein Nazi“. Dabei war ihr Großvater seinerzeit als jüdischer Flüchtling nach Großbritannien

gekommen.

In den Antworten der deutschen Gemeindeglieder spiegelte sich weiterhin eine allgemeine

Sorge wider, die von der Meissen Kommission geteilt wird. Als Ursache für dieses

„Deutschlandbild― wird die häufige Darstellung des 2. Weltkriegs in den Medien und der

Erziehung angesehen. Dies geschieht vor allem im Fernsehen. Aber auch in überregionalen

und Lokalzeitungen sind immer wieder anti-deutsche Bemerkungen zu finden. Auffällig ist

auch, dass in Schulen bei der Wahl von zeitgeschichtlichen Lehrplanthemen viele Jugendliche

sich für die Nazizeit entscheiden. Die politischen Diskussionen zur Zeit der deutschen

Wiedervereinigung haben auch manche Klischees aus der Kriegzeit wieder aufleben lassen.

Das Unterbinden anti-deutscher Stimmungen ist sowohl eine kirchlich-theologische Aufgabe

wie auch alltägliches Anliegen. Die Rolle Großbritanniens (und der Vereinigten Staaten von

14

Amerika) in der Niederschlagung der Nazityrannei hat ein Gefühl von moralischer

Selbstgerechtigkeit bewirkt. Dies findet seinen Ausdruck auch in der gegenwärtigen

internationalen Politik und der größeren Zurückhaltung innerhalb der angelsächsischen Kultur

nach selbstkritischer Infragestellung und nach Reue, die die Vorraussetzung für einen

Neuanfang darstellen. Im Nachkriegsdeutschland hat sich dieser Prozess auf vielen Ebenen

modellhaft vollzogen. Besonders die Ausrichtung auf das Evangelium von der Rechtfertigung

aus Glauben und nicht aus Werken bietet dafür die Voraussetzung und die Kriterien sowohl

für jeden einzelnen als auch für die Gesellschaft.

Die englischen Mitglieder der Meissen Kommission arbeiten weiter an diesen Fragen, indem

sie zu Diskussionen im Rahmen von Partnerschaften zwischen Diözesen und Landeskirchen

anregen sowie durch Gespräche mit der deutschen Botschaft in London, dem britischen

Erziehungsministerium und Europäischen Lehrerverbänden.

Es ist ermutigend, dass britische Bildungsbehörden das Problem erkannt haben und darauf mit

der Publikation einer neuen Lehrplaneinheit „Von der Trennung zur Einigung: Die

Entwicklung Deutschlands von 1945 bis 2000― für die Sekundarstufe I reagierten. Es ist

jedoch bedauerlich, dass es sich hierbei nur um eine Wahleinheit für das neunte Schuljahr

handelt. Wir sind der Meinung, dass unsere Kirchen- und Schulpartnerschaften sich dieser

Aufgabe stellen sollten. Auch sie können zur gemeinsamen Aufarbeitung der Geschichte

beitragen.

Ferner bleibt zu hoffen, dass die überwiegend positive Darstellung der deutschen

Fussballbegeisterung zur Zeit der WM 2006 in den britischen Medien eine Veränderung des

Deutschlandbildes in Großbritannien bewirkt.

d. Partnerschaften

Die Meissener Erklärung sieht vor, dass eine der Antriebskräfte für die Umsetzung des

Meissen Prozesses die Entwicklung von Partnerschaften zwischen Diözesen der Church of

England und Landeskirchen innerhalb der EKD ist. Daraus sollen sich Kontakte zwischen

Dekanaten, Gemeinden und Kirchenkreisen und zentral gelegenen Kirchen (Kathedralen)

entwickeln. Übergemeindliche kirchliche Werke und Einrichtungen werden ermutigt, „in

Partnerschaften mit entsprechenden Partnern der jeweils anderen Kirche einzutreten―. Die

Ausführungsbestimmungen sehen weiterhin vor, dass „Besuche und Austausch von

Gemeindegliedern und Pfarrern (in Gruppen oder als Einzelpersonen), Austausch von

Informationen, gemeinsamer Gottesdienst, gemeinsames Gebet und gemeinsame geistliche

Besinnung sowie gemeinsame Diskussionen über Fragen allgemeinen Interesses― zu solcher

Partnerschaftsarbeit gehören.

Die Entstehung solcher Beziehungen ist einer der erfreulichen Entwicklungen des Meissen

Prozesses. Mehr als 30 Partnerschaften zwischen Diözesen, Kathedralen und viele weitere

Gemeindeverbindungen sind bekannt.

Um die Partnerschaftsarbeit zu koordinieren, fanden im Juni 2004 und im Juni 2006 Treffen

mit den Partnerschaftsbeteiligten aus den Landeskirchen und einem Vertreter der englischen

Meissen Kommission im Kirchenamt der EKD statt.

15

Einige Beispiele aus den letzten fünf Jahren:

Gemeindepartnerschaften zwischen Gemeinden in Landeskirchen und Diözesen haben sich

oftmals als sehr fruchtbar erwiesen. Die meisten Partnerschaften auf Diözesanebene berichten

von vielfältigen Austauschprogrammen zwischen Gemeinden und Dekanaten als Basis für das

Gelingen von Partnerschaften zwischen Diözesen und Landeskirchen. 2005 wurde die erste

Local Ecumenical Partnership (LEP) zwischen einer Gemeinde der Church of England (Ely

Team Ministry, Diözese Ely) und einer deutschen Partnergemeinde (Kirchenkreis Südtondern

in Nordwest Schleswig in der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche) offiziell in Kraft gesetzt. Ihr

folgte die Partnerschaft zwischen dem Colne and Villages Team Ministry (Diözese

Blackburn) und dem Gesamtpfarrverband Süd-Asse (Evangelisch-Lutherische Landeskirche

in Braunschweig) sowie der St. Chad's Poulton-le Fylde (Diözese Blackburn) und der

Kirchengemeinde Flöthen (Ev.-Luth. Landeskirche in Braunschweig) – s. unten Abschnitt e.

Partnerschaften auf Dekanatsebene bildeten sich zwischen der Diözese Hereford und dem

Kirchenkreis Nürnberg. Die Partner trafen sich in der Regel jährlich. Außerdem fand ein

Austausch von Kirchenchören und ein gemeinsames Jugendcamp statt.

Beziehungen zwischen Kathedralen und City-Kirchen bestehen in einer Reihe von

Diözesen, und weitere Kontakte finden im Rahmen des Netzwerkes Europäischer Kathedralen

statt. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Durham und Nordelbien gab es Gespräche über

City-Kirchen-Seelsorge zwischen Sunderland Minster und der Sankt Nikolai Kirche in Kiel.

Vertreter der Kathedrale von Bristol nahmen mit ihren Partnern von der Marktkirche in

Hannover am gemeinsamen Meissen Gottesdienst auf dem Kirchentag 2005 teil.

Eine wichtige Rolle spielte die Partnerschaft zwischen Coventry und Dresden bei der

Wiedereinweihung der Frauenkirche. Die Beteiligung von Bischof Colin Bennetts aus

Coventry und seine Predigt im ökumenischen Abendgottesdienst waren ein erfreuliches

Zeichen

Eine Reihe von Partnerschaften entstanden im Zusammenhang mit kommunalen

Städtepartnerschaften. (Coventry-Dresden ist das bekannteste Beispiel für eine mehr als

40jährige Partnerschaft aus kirchlicher Sicht). Die Unterstützung von Seiten der politischen

Gemeinden hat sich im Laufe der Zeit verändert. Städtepartnerschaften sind nunmehr im

Verantwortungsbereich von "Local Government Information Bureaus", die finanziell und

wirtschaftlich als kulturell ausgerichtet sind und die mehr Interesse an einem „neuen Europa"

als am "alten" haben.

Es hat sich bewährt, dass Partnerdiözesen und Landeskirchen gegenseitig ihre leitenden

Geistlichen und Laien zu wichtigen Ereignissen wie Bischofseinführungen, Ordinationen,

Pfarrkonventen und Synoden einladen. In der Diözese Bradford konnten nach dem

Einführungsgottesdienst für den neuen Bischof Vertretende des Kirchenkreises Erfurt an

einem Treffen mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Diözesen teilnehmen. Ein Jahr

später kam es zum Gegenbesuch des Bischofs in Erfurt.

Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Ely und Nordelbien war es unter anderem, dass die

Referenten der Bischöfe eine Tagung in Deutschland abhalten konnten. Vertreterinnen und

Vertreter aus Magdeburg nahmen an einer Tagung des Bischofsrates in Worcester teil.

Zwischen Blackburn und Braunschweig hat sich eine Kooperation von Mitarbeitenden

kirchlicher Erziehungs- und Bildungseinrichtungen entwickelt. Gemeinsame Seminare mit

Religionslehrerinnen und Religionslehrern und leitenden Erziehenden aus Kindergärten zum

16

Thema "Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation" wurden abgehalten. Die

Beziehungen von kirchlichen und staatlichen Sekundarschulen haben sich kontinuierlich

entwickelt und sind stabil.

Einige Diözesen haben Jugendaustauschprogramme. Im Rahmen der Partnerschaft

zwischen Bradford und Erfurt hat eine Anzahl von Jugendlichen aus Erfurt eine Zeit lang in

Bradford gearbeitet. Außerdem ist ein Austausch von Kirchenchören geplant.

Jugendaustauschprogramme haben wieder begonnen. Gastgeber sind das Dekanat bzw. der

Kirchenkreis. Eine Gruppe von jungen Erwachsenen aus Mecklenburg kam nach Lichfield,

um an der Initiative „Year of Justice and Care― teilzunehmen. Allerdings haben es auch hier

die Schul- und Jugendaustauschprogramme schwer, da Deutsch als Fremdsprache an

englischen Schulen immer weniger unterrichtet wird. Weitere Faktoren sind allgemeine

Probleme mit Klassenfahrten sowie die anhaltenden anti-deutschen Vorurteile und ein

allgemeiner Mangel an Interesse an Deutschland als Reiseland. Daher ist es nicht immer

leicht, allen Anfragen von unseren deutschen Partnern nachzukommen. Dies hat sich zum

Beispiel als Problem in der Partnerschaft zwischen Berlin-Brandenburg-schlesische

Oberlausitz und London erwiesen.

Die Konfirmation und die Weitergabe des Glaubens war einer der zentralen

Themenbereiche, mit denen sich die Meissen Kommission in diesem Fünf-Jahres-Zeitraum

beschäftigt hat. Dies hat sich auch in einigen Partnerschaften widergespiegelt. Im Rahmen der

Beziehung zwischen Lichfield und Mecklenburg fand eine gemeinsame Tagung zum Thema

Konfirmation statt. Dazu gehörte die Begleitung der Vorbereitung der Beiträge der

Konfirmandinnen und Konfirmanden und die Teilnahme am Vorstellungs- und am

Konfirmationsgottesdienst. Wichtig ist auch die kirchliche Arbeit mit Studierenden. So hat

sich eine Partnerschaft zwischen den Universitätsgemeinden von Lancaster (Diözese

Blackburn) und Braunschweig entwickelt. Dazu gehört als dritter Partner eine

Universitätskirche in Finnland.

Pfarrerinnen und Pfarrer der Evang. Lutherischen Landeskirche in Bayern arbeiten seit fast 10

Jahren für Studierende in der Diözese Bristol. Seit drei Jahren werden sie auch im

Gemeindepfarramt eingesetzt. Zeitweise ist es zu einem echten Austausch gekommen, da für

ein Jahr eine Pfarrerin der Diözese Bristol die Studierendenseelsorge in Würzburg

übernommen hatte.

Einige Diözesen unterstützen Besuche von Vikarinnen und Vikaren und von Pfarrerinnen

und Pfarrern in den ersten Amtsjahren. Aufgrund unterschiedlicher Schritte in der

Ausbildung ist es jedoch notwendig, die entsprechenden Ausbildungsphasen formal

anzupassen. Dies ist z.B. für das Magisterstudienprogrammes.der Diözese in Blackburn

vorgesehen. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Worcester und Magdeburg wird von allen

Pfarrerinnen und Pfarrern in ihren ersten drei Amtsjahren ein Besuch in Magdeburg sowie ein

Gegenbesuch von Kollegen aus Magdeburg erwartet. Ein ähnlicher Austausch fand zwischen

Lichfield und Mecklenburg statt.

In Ely wurde ein regelmäßiges Auslandsvikariat in einer Gemeinde in Cambridge

eingerichtet. Hilfreich ist, dass im Pfarrhaus der deutschsprachigen Gemeinde eine Wohnung

zur Verfügung steht. Auch an Orten, wo es bisher noch nicht möglich war, ein gegenseitiges

Austauschprogramm durchzuführen, konnten Besuche für Neuordinierte organisiert werden.

So besuchte zum Beispiel eine Gruppe aus Canterbury einen Pfarrkonvent in der

Evangelischen Landeskirche in Baden.

Schwierigkeiten entstehen zuweilen, wenn einer der Partner wie z. B. die Diözese Bradford

bedeutend mehr Gemeinden (100) einbringt als ihr Partner, der Kirchenkreis Erfurt, der aus

17

30 Gemeinden besteht. Eine paritätische Partnerschaftsarbeit ist in diesem Fall schwer

möglich.

Der Vikarsaustausch zwischen den Gliedkirchen der EKD und der Kirche von England

bildet ein wichtiges Standbein für den Austausch von Geistlichen. Beide Kirchen verstehen

den Vikarsaustausch als ökumenisches Lernen, das nach der Rückkehr in die Heimatkirche

auf verschiedensten Ebenen eingebracht werden kann. Angesichts der bereits erwähnten

Schwierigkeiten, den theologischen Nachwuchs in der Kirche von England während des

Studiums für derartige Schritte zu gewinnen, ist festzustellen, dass dies auch negative

Auswirkungen auf den Vikarsaustausch hat. So waren im Zeitraum von 2002 bis 2006 18

Vikare und Vikarinnen aus den Gliedkirchen der EKD in Großbritannien tätig. Davon wurden

sieben über das Auslandsvikariatsprogramm der EKD vermittelt. Elf weitere wurden von den

Landeskirchen direkt vermittelt.

Die Fortbildung von Geistlichen, und in einigen Fällen auch von PrädikantInnen (readers),

fand im Rahmen der Partnerschaft zwischen Bradford und Erfurt statt. In vielen

Partnerschaften haben einzelne Geistliche Deutschland besucht oder einen Teil ihres

Sabbatjahres dort verbracht. So hielten sich Vertreter vom Church Planting Project in

Gemeinden der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf.

In der Beziehung zwischen der Diözese Ely und der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche (NEK)

hat sich die Methode des shadowing and sharing („Über die Schulter schauen und

mitmachen―) entwickelt und bewährt. Dabei erleben englische Pfarrerinnen und Pfarrer ihre

deutschen Kolleginnen und Kollegen für einige Wochen während ihrer Arbeit und umgekehrt.

Dies hat sich auch auf die übergemeindliche Arbeit ausgedehnt, so dass zum Beispiel die

Ökumenebeauftragten von Ely und der NEK sich regelmäßig austauschen. Außerdem haben

sich Kontaktgespräche zwischen der Verwaltungsleitung der Diözese Lichfield und dem

Kirchenamt der Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenburgs ergeben.

Partnerschaften reflektierten gemeinsam über ethische Fragen und Anliegen. Im Rahmen

der Partnerschaft zwischen den Innenstadtgemeinden in Oxford und den Bonner

Kirchengemeinden (im Zusammenhang mit einer Städtepartnerschaft) haben Gespräche über

Fragen der Weltentwicklung des interreligiösen Dialogs und der Beziehung zwischen Staat

und Kirche stattgefunden. Auch das Bonhoeffer-Jubiläum gab Anlass zu gemeinsamem

Nachdenken. Außerdem wurden die Beziehungen der Kirchen zu anderen

Glaubensgemeinschaften(Freikirchen) erörtert wie zum Beispiel zwischen Worcester und

Magdeburg.

Partnerschaften haben sich auch in schwierigen Zeiten bewährt. Dies war von besonderer

Bedeutung für die Partnerschaft zwischen Bradford und Erfurt zur Zeit der gewalttätigen

Ausschreitungen in Manningham im Jahr 2001 und im Zusammenhang mit dem Blutbad am

Gutenberg-Gymnasium im Jahr 2002, wo Trost und Fürbitte die Menschen näher zueinander

gebracht haben.

Während des letzten Fünf-Jahres-Zeitraums haben einige Partnerschaften ihre Verträge

erneuert. Einige haben aufgehört zu existieren und andere haben mit ihrer Arbeit begonnen.

In einigen Fällen kommt es zu gemeinsamen Treffen von Partnerschaftskomitees und

Arbeitsgruppen. Ist dies nicht möglich, so können Sitzungsprotokolle per E-mail

weitergeleitet werden.

18

Im Rahmen einer Partnerschaft kommen weitere ökumenische Beziehungen zum Tragen:

ökumenische Partner in Großbritannien, insbesondere diejenigen, die selbst in

Kirchengemeinschaft mit der EKD stehen wie die Gemeinden der Synode Deutscher Sprache

in Großbritannien, können auf lokaler Ebene einbezogen werden. Einige Partnerschaften

haben auch damit begonnen, örtliche anglikanische Gemeinden der Diözese in Europa mit

einzubeziehen.

Die Partnerschaft zwischen Worcester und Magdeburg organisiert regelmäßig „Drei-

Konfessionen-Konferenzen“, zu der auch die Röm.-katholische Diözese (Bistum)

Magdeburg gehört.

Viele Partnerschaften versuchen zu vermeiden, dass ihre Aktivitäten zum Anliegen einiger

weniger „Enthusiasten― werden. Einige (z. B. Lichfield-Mecklenburg) haben

Informationsmaterial zusammengestellt, um ihre Beziehung einem breiteren Publikum

vorzustellen. Bradford und Erfurt veranstalten alljährliche Partnerschaftsgottesdienste in

verschiedenen Teilen der Diözese bzw. des Kirchenkreises. Dazu werden auch andere, die

Interesse an Deutschland haben, eingeladen. In der Diözese Worcester wird im

Zusammenhang mit anderen Beziehungen zur weltweiten anglikanischen Gemeinschaft

betont, dass Partnerschaften ein integraler Bestandteil aller Aspekte des Lebens in der Diözese

sind.

e. Pfarreraustausch in Lokalen Ökumenischen Partnerschaften (LEP)

Lokale Ökumenische Partnerschaften bilden einen wichtigen Bestandteil des kirchlichen

Lebens in England. Die Church of England erlaubt dabei ein größeres Maß an

Austauschbarkeit von Pfarrerinnen und Pfarrern als dies normalerweise vom anglikanischen

Kirchenrecht gestattet wird (LEPs unterliegen den Bestimmungen von Canon B 44). Im

vorigen Fünf-Jahres-Zeitraum entschied sich die Meissen Kommission, dieses Modell auch

auf passende deutsche und englische Gemeinden anzuwenden. Das House of Bishops

stimmte dem zu. Dies Modell gewährt zwar nicht die volle Austauschbarkeit von Geistlichen,

die unsere beiden Kirchen anstreben. Es ist jedoch ein wesentlicher Schritt in diese Richtung,

der besonders von deutschen Kommissionsmitgliedern begrüßt wurde.

Im Rahmen einer Partnerschaft zwischen einer anglikanischen Diözese und einer

Landeskirche ist es für Partnerschaften zwischen Gemeinden möglich LEPs zu werden (der

Begriff „local― wird hier im weitesten Sinne des Wortes verstanden). Dieses

Partnerschaftsmodell ist für Situationen geeignet, in denen beiderseitig eine weitreichende

Übereinstimmung festgestellt und eine dauerhafte Verpflichtung zur Gemeinsamkeit in

Gottesdienst, Mission und Amt in einer ortsgebundenen Vereinbarung gewollt wird.

Die Meissen Kommission hat die Entwicklung solcher LEPs angeregt und gefördert. In

beiden Ländern gibt einige Gemeinden und Funktionspfarrämter wie zum Beispiel die

Studenten- und Gefängnisseelsorge, in denen eine enge Zusammenarbeit schon besteht. Diese

sind für einen Ämtertausch im Rahmen einer LEP besonders geeignet. Die Meissen

Kommission hat die Erarbeitung einer verbindlichen Absichtserklärung und Satzung und die

Konstituierung eines Partnerschaftsausschusses (sponsering body), in dem die Leitung der

Landeskirche und der Diözese vertreten sind, unterstützt. Sie ist als Meissen

Informationsmaterial erhältlich. Während der Entwicklungsphase wird die Meissen

Kommission die Mitglieder von Partnerschaftsausschüssen beraten und Theologen und

Studierende zur Teilnahme ermutigen, um auf dem Weg zu voller sichtbarer Einheit weitere

Schritte zu machen, was durch Engagement auf dem Gebiet theologischer und kirchlicher

19

Arbeit geschieht. Um dies zu erreichen, werden die deutschen und englischen Geschäftsführer

als LEP-Berater fungieren. Besonders wichtig wird es sein, dass die Meissen-Kommission die

Sieben-Jahresberichte der Unterstützergruppe (Sponsering Body) zur Kenntnis nimmt und

auswertet.

Wie bereits im vorigen Abschnitt erwähnt, wurde die erste LEP als Pilotprojekt zwischen dem

Ely Team Ministry (Diözese Ely) und dem Kirchenkreis Südtondern in Nordwest Schleswig,

Nordelbische Landeskirche 2005 offiziell eingesetzt. Zwei weitere Projekte folgten 2006

durch die Partnerschaft Blackburn-Braunschweig (Colne and Villages Team Ministry/

Gesamtpfarrverband Süd-Asse) und St. Chad's Poulton-le-Fylde/Flöthen.

Die Meissen Kommission dankt den vielen Akteuren in den Diözesen und Landeskirchen

dafür, dass die Anregung zur Gründung Lokaler Ökumenischer Partnerschaften aus dem

letzten Fünf-Jahres-Bericht zu diesen drei Pilotprojekten geführt hat.

f. Theologische Ausbildung und Religionsunterricht

1. Theologische Ausbildung

Trotz einiger erfolgreicher Besuche von angehenden Geistlichen stellt die Meissen

Kommission fest, dass es nach wie vor erhebliche Schwierigkeiten gibt, englische

Kandidatinnen und Kandidaten für das Pfarramt und auch amtierende Geistliche dazu zu

ermutigen, in Deutschland Theologie zu studieren (zum Beispiel als Teil eines Sabbat-

Semesters). Das englische Komitee hat außerdem einen Mangel an Interesse dafür unter den

Ausbildungsverantwortlichen in den Diözesen festgestellt. Dafür gibt es mehrere Gründe:

das hohe Durchschnittsalter der Kandidaten, von denen viele familiär gebunden sind

mangelnde Sprachkenntnisse

der Schwerpunkt in der Church of England liegt nicht mehr so sehr auf theologischen

und apologetischen Glaubensfragen, sondern eher auf praktischen Fragen des

Gemeindewachstums.

Die Meissen Kommission beobachtet diese Entwicklungen mit Sorge. Die Stärke

evangelischer Theologie in Deutschland liegt in der Erkundung der Fundamente des Glaubens

an Gott und der Heilsgewissheit des Menschen, dem Bibelstudium und dem Umgang mit

unterschiedlichen theologischen Wahrheitsansprüchen in der Gegenwart. Diese Schwerpunkte

bilden einen wichtigen Ausgleich für die eher praktisch ausgerichtete angelsächsische

Theologie in Hinsicht auf Liturgie, Ekklesiologie, Evangelisation und Seelsorge.

Diese unterschiedlichen Schwerpunkte theologischer Ausbildung in unseren Kirchen können

sich hervorragend ergänzen und werden als große Bereicherung für das Pfarramt bewertet.

Die Meissen Kommission verweist deshalb besonders auf Angebote von

Sommeruniversitäten, wie es sie z.B. in Würzburg und Berlin gibt.

Die Frage der mangelnden Sprachkenntnisse wird von englischen Kommissionsmitgliedern in

Zusammenarbeit mit Ausbildungsreferenten von Diözesen, in denen besonders viele jüngere

Auszubildende sind, diskutiert. Es hat sich bewährt, junge Leute zu Beginn ihrer Ausbildung

zu ermutigen, an Austauschprogrammen zwischen Diözesen und Landeskirchen

teilzunehmen. Außerdem wollen wir mit neusprachlichen Zweigen an (insbesondere

kirchlichen) Sekundarschulen zusammenarbeiten und sie dazu ermutigen, weiterhin Deutsch

als Fremdsprache anzubieten.

20

Diese Faktoren stellen eine erhebliche Herausforderung für die Partnerschaftsarbeit zwischen

Diözesen und Landeskirchen dar. Wir sehen es als Teil des Auftrags der Meissen

Kommission, diesen Trends, wo immer wir können, zu handeln.

21

2. Religionsunterricht

Im letzten Fünf-Jahres Bericht der Meissen-Kommission wurde die Einrichtung weiterer

Austauschprogramme zwischen Schulen, insbesondere von kirchlichen Schulen und deren

Religionslehrerinnen und Religionslehrern, empfohlen. Dies wurde von einer Reihe von

Partnerschaften zwischen Diözesen und Landeskirchen aufgenommen und geschah z.B. in

London/ Berlin-Brandenburg und Blackburn/ Braunschweig. Das englische Komitee beriet

sich mit der National Society über eine gemeinsame deutsch/englische Tagung von

Religionslehrerinnen und Religionslehrern. Mit Interesse hörten wir von bereits existierenden

Kontakten auf dem Gebiet der religiösen Erziehung, auch auf europäischer Ebene. Seit 1998

besteht die "Co-ordinating Group for Religious Education in Europe (CoGREE)" als

Dachverband für fünf Organisationen:

- das European Forum for Teachers of Religious Education,

- die Inter-European Commission on Church and School,

- die International Association for Christian Education,

- die European Association for World Religions und

- die European Conference on Christian Education

deren Tagungen im Jahr 2002 in Wien und 2005 in Berlin vom britischen Rat für

Religionsunterricht, vom Culham Institute sowie auf deutscher Seite vom Comenius Institut

und der Gemeinschaft Evangelischer Erzieher unterstützt wurden.

Die Meissen Kommission entschied sich, anstelle einer separaten Fachtagung unseren

Diözesen und Landeskirchen zu helfen und sie auf diese bestehenden Ressourcen aufmerksam

zu machen. Kontaktanschriften sind im Anhang H dieses Berichtes zu finden. Auf diese

Möglichkeiten wurden auch die Erziehungsbeauftragten der Diözesen und der Verband

anglikanischer Schuldirektorinnen und Direktoren bei ihren regelmäßigen Tagungen

hingewiesen.

g. Bibliotheken

Zu den Ausführungsbestimmungen der in der Meissener Erklärung festgelegten Schritte

gehörte, dass die Church of England und die EKD einander gegenseitig helfen sollten, eine

Bibliothek für anglikanische Studien in Deutschland und eine Bibliothek deutscher

protestantischer Theologie in England aufzubauen.

In Deutschland sammelt die Universität Tübingen theologische Literatur in deutscher und

englischer Sprache mit dem Schwerpunkt "Anglikanische Kirche". Die Kommission

betrachtet dies als Erfüllung der in der Meissener Erklärung übernommenen Verpflichtung.

Auf englischer Seite wurde die Meissen Bibliothek 1998 im Dekanat der Kathedrale Durham

eröffnet. Dort ist sie Teil der Sammlung der Dean and Chapter Library. Die Bibliothek

umfasst gegenwärtig mehr als 30 000 Bände, von denen der größte Teil aus der Bibliothek des

ehemaligen Predigerseminars in Imbshausen stammt. Weitere Bücher erhielt die Bibliothek

von Unterstützenden der Meissen Ökumene aus Deutschland.

22

Es wurde beschlossen, nur noch eine sehr begrenzte Anzahl von Neuanschaffungen bei

Reihen und Zeitschriften zu gewährleisten. Aus Platzgründen mussten Duplikate und

Triplikate verkauft werden.

Die umfangreichen Arbeiten wie die Einrichtung der Bibliothek und die Katalogisierung

wurden vom Bibliothekar der Kathedrale, Professor David Brown, von Professor Ann Loades

und der ehrenamtlich arbeitenden Bibliothekarin Sylvia Graham sowie weiteren Freiwilligen

ausgeführt.

Unter Vorsitz des Bischofs im Ruhestand von Blackburn, The Rt Revd Alan Chesters, wurde

im Jahre 2004 der Meissen Library Ausschuss gebildet, dessen Aufgabe es ist, die Arbeit der

Bibliothek zu unterstützen und zu organisieren sowie ein Fundraising in Gang zu setzen. Die

Ausschussmitglieder sind:

The Rt Revd Alan Chesters (Vorsitzender)

Professorin Ann Loades (Geschäftsführerin)

Ms Joan Williams

The Revd Peter Townley

The Venerable Colin Williams (bis 2005)

Dr. Natalie K. Watson (ab 2005)

Am 15. Februar 2006 eröffnete der Bischof von Durham, The Rt Revd Prof. Tom Wright,

einen Spendenaufruf. Ziel des Aufrufes ist es, in den nächsten drei Jahren € 120.000 aus

Spenden von wohltätigen Einrichtungen und Einzelspendern zu sammeln. Abgesehen von der

Anschaffung von zusätzlichen Regalen und Verbesserungen im Bereich des Lesesaals soll es

dadurch möglich werden, die Bibliothek regelmäßig für Leser und Leserinnen zu öffnen und

ihren Katalog auf der Webseite der Universitätsbibliothek Durham zugänglich zu machen.

Der Spendenaufruf steht unter der Schirmherrschaft der folgenden Personen:

The Most Revd and Rt Hon. Dr. Rowan Williams, Erzbischof von Canterbury

The Rt Revd Prof. Tom Wright, Bischof von Durham

Sir Paul Nicholson, Lord Lieutenant von Durham

OKR Christian Krause

Prof. Dr. Ingolf Dalferth, Universität Zürich

Prof. Dr. Christoph Schwöbel, Universität Tübingen

Dr. Mary Tanner, ehemalige Geschäftsführerin des Council for Christian Unity

In der Zwischenzeit wird die Bibliothek weiterhin von Studierenden genutzt. Darunter sind

auch viele Studierenden aus Deutschland, die dort Zugang zu Werken haben, die sie in einer

Universitätsbibliothek erwarten dürfen. Zunehmend wird sie auch von Wissenschaftlern zu

Forschungszwecken genutzt. Eine Reihe von mittlerweile publizierten Büchern sind in der

Meissen Bibliothek geschrieben worden.

Zusammen mit dem Bibliotheksausschuss wird die Meissen Kommission daran arbeiten, das

Spendenziel zu erreichen und die Bibliothek besser bekannt zu machen.

Die Meissen Kommission dankt allen, die sich so großzügig für die Einrichtung dieser

Bibliothek und den Spendenaufruf eingesetzt haben.

23

h. Theologische Themen und Konferenzen

1. „Der Beitrag unserer Kirchen zur ethischen Entscheidungsfindung“

Konferenz in der Evangelischen Sozialakademie Schloss Friedewald 2003

Diese Tagung wurde gemeinsam von der EKD, der Kirche von England und der

Evangelischen Sozialakademie Friedewald organisiert. Etwa 30 Teilnehmende aus

Deutschland und England untersuchten den Beitrag der Kirchen zur ethischen

Entscheidungsfindung am Beispiel der Stellungnahmen der EKD und der Kirche von England

zu militärischer Intervention bzw. zur Friedenssicherung. Eine Darstellung der Prinzipien und

Konzepte gegenwärtiger deutscher Außenpolitik bildeten zu Beginn der Tagung den

Bezugsrahmen für die Darstellung der friedensethischen Positionen der Kirchen. Martin

Eberts, Mitglied des Planungsstabes des Auswärtigen Amtes, stellte zivile Krisenprävention,

Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung als Aufgaben deutscher Außenpolitik dar und

beschrieb den supranationalen Handlungsrahmen (EU, NATO, UNO), in dem sich diese

Politik vollzieht. Er beschrieb Friedenspolitik als Querschnittsaufgabe der Außenpolitik,

beschrieb die Menschenrechtspolitik als einen Schwerpunkt der Bemühungen des

Auswärtigen Amtes und wies u. a. auf die Einrichtung eines Arbeitsstabes für den Dialog mit

der islamischen Welt angesichts der Anschläge vom 11. September 2001 hin.

Im Verlauf der Tagung stellte sich in dieser Frage eine auffallend große Übereinstimmung

zwischen der Ausrichtung der deutschen Außenpolitik und den friedensethischen

Zielvorstellungen der EKD heraus. Der friedensethische Beitrag der Kirchen wurde in drei

Schritten betrachtet:

1. Darstellung der theologischen Grundlagen evangelischer bzw. anglikanischer

Friedensethik im jeweiligen nationalen Kontext (Prof. Nigel Biggar, Universität Leeds und

PD Dr. Michael Haspel, Universität Marburg)

2. Vorstellung der Arbeitsweise der EKD bzw. der CofE bei der Erarbeitung friedensethischer

Stellungnahmen (OKR Dr. Eberhard Pausch, Geschäftsführer der Kammer für Öffentliche

Verantwortung und Dr. Charles Reed, Public Affairs Unit der Kirche von England).

3. Beispiele des praktischen Friedensengagements im Raum der Kirchen (Vorträge von

Bischof Colin Bennetts über die Versöhnungsarbeit an der Kathedrale von Coventry und von

Dr. Anthea Bethge über den Ökumenischen Dienst im Konziliaren Prozess (Shalomdiakonat).

Ergebnisse und Zusammenfassung

Die Tagung hat erkennen lassen, dass es in unseren Kirchen nur eine relativ oberflächliche

Kenntnis der friedensethischen Positionen der jeweils anderen Kirche gibt und dass ein

Austausch über die unterschiedlichen theologischen Traditionen, Methoden und

Voraussetzungen auf dem Gebiet der Ethik genauso dringend nötig ist wie etwa im Bereich

der Ekklesiologie.

Es ist deutlich geworden, dass die an den Just War-Kriterien orientierte CofE im Blick auf

konkrete politische Situationen zu ganz ähnlichen Schlüssen kommt wie die an der

Konzeption des gerechten Friedens ausgerichteten Stellungnahmen der EKD.

24

Das ultima ratio-Kriterium, das auch in den friedensethischen Überlegungen der EKD einen

Spielraum für militärische Gewaltanwendung lässt, könnte unter Aufnahme entsprechender

Überlegungen aus dem anglikanischen Raum weiter entwickelt werden.

Eine interessante Beobachtung war, dass in den friedensethischen Überlegungen der CofE der

Souveränität des Nationalstaates eine Bedeutung beigemessen wird, wie sie in keiner

deutschen kirchlichen Denkschrift mehr denkbar wäre. Die friedensethische Bedeutung der

internationalen Beziehungen und der supranationale Handlungsrahmen heutiger Friedens- und

Sicherheitspolitik bedürften demnach einer weiteren gemeinsamen Reflektion.

Die Diskussion über die unterschiedlichen ethischen Denkansätze ließ auch einen Unterschied

im Umgang mit der Schuldfrage erkennen. Während die anglikanisch-angelsächsische

Tradition dazu neigt, die Möglichkeit der Schuldfreiheit bei ethisch verantwortetem Handeln

(z.B. im "gerechten Krieg") einzuräumen, schließt der in Deutschland stark ausgeprägte

lutherische Denkansatz die Möglichkeit der Schuldlosigkeit bzw. das Vollbringen einer

gerechten Tat grundsätzlich aus.

Die Perspektive einer gemeinsam erarbeiteten Studie zur Lehre vom gerechten Frieden unter

Aufnahme neuerer angelsächsischer Arbeiten zu den Just War-Kriterien wurde von den

Teilnehmern der Tagung für sinnvoll gehalten und als möglicher Beitrag zu einer gemeinsam

zu erarbeitenden friedensethischen Position der Kirchen Europas, etwa im Rahmen der

Konferenz Europäischer Kirchen, befürwortet.

2. Die 5. Theologische Konferenz nach der Meissener Erklärung, vom 6.-9. September 2005

in Frodsham, Cheshire

Die Konferenz widmete sich dem Thema: „Christliche Initiation und Mission in einer

postchristlichen Gesellschaft“

Die Thematik wurde in vier Perspektiven bearbeitet:

- soziale und pastorale Kontexte

- Christliche Initiation als ganzheitlicher Prozess von der Taufe zum Abendmahl

- Bedeutung der Konfirmation in kirchlicher Tradition

- Person und Amt des Konfirmierenden

Die Auswertung der Tagungsarbeit erbrachte Übereinstimmung:

- über die bedeutende Rolle der Konfirmation im Prozess christlicher Initiation; daher sollte

eine Sicht der Konfirmation entwickelt werden, die ihre anthropologischen und theologischen

Aspekte integriert;

- hinsichtlich der unlöslichen Verbindung der Konfirmation mit der Taufe und dem

Abendmahl;

- darin, dass - in Modifikation überkommener Definitionen die Konfirmation nicht allein als

„Zulassung zum Abendmahl― definiert werden kann;

- darin, dass eine für die Praxis förderliche Theologie der Konfirmation entwickelt werden

sollte.

25

Die Auswertung der Tagungsarbeit führte darüber hinaus:

- zu einer vertieften Wahrnehmung der unterschiedlichen Schwerpunkte, die in den

Gliedkirchen der EKD bzw. in der Kirche von England gesetzt werden: hier Betonung des

Ritus, dort großes Gewicht auf der katechetischen Vorbereitung;

- hinsichtlich der Person des Konfirmierenden zu einer vermehrten Einsicht in die Stärken

sowohl der presbyterialen wie der episkopalen Tradition; beide Traditionen sollten einander

ergänzen und werden übereinstimmend als „nicht kirchentrennend― eingeschätzt; die

ekklesiologischen Aspekte der Konfirmation sollten noch stärker theologisch bearbeitet

werden;

- zu der Erkenntnis, dass die in der Kirche von England gesammelten Erfahrungen mit

Konfirmationen in einem späteren Lebensabschnitt für die deutschen Kirchen bedeutsam sein

können.

Daraus ergeben sich die Empfehlungen, dass

- die Zusammenarbeit in dem der Konfirmation zuzuordnenden katechetischen und

liturgischen Handlungsfeld und der Austausch von Materialien und Personen verstärkt werden

sollten;

- die kirchenrechtlichen Implikationen einer Anerkennung der Konfirmation zu untersuchen

sind;

- eine Theologie der Konfirmation entwickelt werden sollte,

- der Frage nachzugehen ist, wie Katechese und Konfirmation in unterschiedlichen

Lebensabschnitten angeboten und gestaltet werden können,

- die Meissen Kommission beauftragt werden sollte, dieser Thematik weiter nachzugehen.

3. Die Meissen Kommission der CofE und der EKD beschäftigten sich in gemeinsamen

Sitzungen eingehend mit folgenden Themen:

Die Stellungnahme der CofE zum Papier, „Die Kirche Jesu Christi“ der Gemeinschaft

Evangelischer Kirchen in Europa (Leuenberg), wurde dargestellt. Die Antwort von Dr. Marti

Davie vom Council of Christian Unity hat die Gründe, die aus Sicht der Kirche von England

gegenwärtig einen Beitritt zur GEKE verhindern, eingehend erläutert. Ein wesentlicher Punkt

ist nach wie vor das historische Episkopat mit seinen Auswirkungen für das Amts- und

Kirchenverständnis. Dies wurde auch auf der 5. Theologischen Konferenz (2005) in

Frodsham deutlich.

Das Diskussionspapier der VELKD zu „Amt, Beauftragung und Ordination“ von 2005 hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt und wurde ausführlich diskutiert und der Arbeitsgruppe

für Glaube und Kirchenverfassung des Rates für die Einheit der Christen der Kirche von

England vorgelegt. Der erste Entwurf wurde als Begründung für ein Ordinationsverständnis

verstanden, das nach anglikanischer Tradition mit dem Laienvorsitz beim Abendmahl

vergleichbar ist, nicht aber mit einer Ordination. Dieser Entwurf widersprach der Meissen

Erklärung.

Nach einem breit angelegten ökumenischen Austausch wurde der zweite Entwurf der

VELKD unterscheidet zwischen Ordination und Beauftragung.

In ihren Diskussionen stellte die Kommission fest:

1. Das Papier ist Teil eines Versuches, auf die sinkende Kirchenmitgliedschaft und die

entsprechenden finanziellen Sparmaßnahmen strukturell zu reagieren. In der Kirche von

England hat man dies durch die Einsetzung von Ehrenamtlichen zum pastoralen Dienst

26

getan. In einigen Diözesen wurden gelegentlich auch Geistliche eingeführt, deren

Ordination an den Ort gebunden ist.

2. Der VELKD-Entwurf zeigt eine Veränderung der Begriffe: Er betont, dass die

„Ordination― nur erlangt werden kann, wenn ihr ein volles akademische Studium und

Ausbildung vorausgegangen ist. Andere Geistliche, die sich davon unterscheiden, werden

„beauftragt―.

3. Geschieht eine solche Beauftragung mit Gebet und öffentlicher Handauflegung zu einem

geistlichen Amt, das zur Wortverkündigung und Abendmahlsausteilung berechtigt, so ist

dies eine Form, die die Kirche von England als Ordination anerkennt, auch wenn diese

nicht so genannt wird.

4. In einigen Gliedkirchen der EKD werden solche Beaufragungen zeitlich befristet und

ortsgebunden vollzogen; die Ordination von ordinierten geistlichen Laien (OLM -

ordained lay ministry) wird in der Kirche von England ortsgebunden angewandt (pro

loco) und entspricht somit in gewisser Hinsicht der Praxis dieser Gliedkirchen der EKD.

5. Die theologische und praktische Ausbildung für die Geistlichen in den Landeskirchen, die

beauftragt werden sollen, entspricht weitgehend der Ausbildung von Predikanten (Lay

Readers) und erst recht der OLMs der Kirche von England.

Die Kommission betont, dass diese Entwicklungen von großer Bedeutung für unsere

Beziehungen seien. Sie wird sie weiterhin sehr aufmerksam verfolgen und entsprechende

schriftliche Veröffentlichungen den Kirchen zur Bewertung vorlegen.

Gemeinsame Feststellung über Maria, Gnade und Hoffnung in Christus (Mary, Grace

and Hope in Christ 2004) vom internationalen Rat der Anglikanisch-Römisch-Katholischen

Beziehungen (ARCIC): Dieses Dokument stellt einen Überblick der Traditionen und

Interpretationen zu Maria dar und wurde in der Kommission diskutiert. Die Gemeinsame

Feststellung ist nun Gegenstand weiterer Überlegungen in der Anglikanischen Gemeinschaft.

Die Marialogie und die entsprechenden Lehrmeinungen über sie in der Kirche von England

und der Evangelischen Kirche in Deutschland Kirchen gehören zu den sensible Themen

gegenüber der Römisch-Katholischen Kirche.

Im Klärungsprozess der CofE, ob Frauen zum Bischofsamt zugelassen werden können.

nahm OLKR‘in Dr. Kerstin Gäfgen-Track im Mai 2006 an den Beratungen des Council of

Christian Unity in London teil und brachte die Argumente, die aus der Sicht der EKD die

Zulassung von Frauen zum Bischofsamt begründen, ein.

i. Konsultationen und Delegationsbesuche

1. Glauben und das Leben in der Stadt

Zum 20. Jubiläum des „Faith in the City― Berichts setzten die Erzbischöfe von Canterbury

und York eine neue Kommission zu Fragen des Lebens und Glaubens in der Stadt

(Commission on Urban Life and Faith, CULF) ein. Diese sollte die gegenwärtige Lage

untersuchen und 2006 Bericht erstatten. Für die Meissen Kommission war dies eine

Gelegenheit, zur Zusammenarbeit unserer beiden Kirchen zum Thema der Mission in der

Stadt zu ermutigen. Dies geschah im Rahmen einer Tagung in Berlin vom 8.-10. Mai 2005,

27

zeitgleich mit den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Endes des zweiten Weltkrieges. Die

Tagung wurde von der EKD und der Church of England gemeinsam finanziert. Teilnehmende

kamen aus dem Baltikum, Kaliningrad, Stockholm und Kopenhagen sowie aus England und

Deutschland.

Unsere beiden Kirchen haben sich der Herausforderung der religiösen Vielfalt in unseren

Städten zu stellen. In Deutschland kommt dazu, dass aufgrund von Migration und der daraus

entstehenden kulturellern Vielfalt sowie des deutlichen Rückgangs der Geburtenrate

Veränderungen unumgänglich sind. Diese Situation hat zu einer Konkurrenz der Städte um

Menschen und Kapitalinvestitionen geführt und eine Umstrukturierung und Aufwertung von

Innenstadtbezirken bewirkt. Gleichzeitig kommt es zum beschleunigten Abbau von

gewachsenen Wohn- und Gewerbeflächen in Städten im Norden und Osten des Landes,

verglichen mit dem stabileren und z. T. zunehmenden Wohlstand Süddeutschlands.

Während wir lernen mit ethnischer und religiöser Vielfalt zu leben, arbeiten unsere beiden

Kirchen weiter in ihrem Dienst als etablierte Staats- bzw. Volkskirchen.

Große Kathedralen und Stadtkirchen sind Orte des gemeinsamen Erinnerns und Symbole

unserer gesellschaftlichen und spirituellen Identität. Die Gliedkirchen der EKD arbeiten

daran, neue Formen kirchlichen Lebens zu entwickeln. Diese entstehen im Zusammenhang

mit großen Innenstadtkirchen, die jeden Tag geöffnet sind und Angebote für Touristen und

Obdachlose gleichermaßen bereitstellen sowie innovative Angebote für die Suche nach

Spiritualität. Die wiedereröffnete Frauenkirche in Dresden bietet als besonderer

Identifikationspunkt ein vielfältiges Angebot an, das kirchliches Profil in kultureller Vielfalt

erkennen lässt. Diese Entwicklungen basieren auch auf der Kreativität des Kirchentages auf.

Unkonventionelle Formen dieser Art wurden auch bei der „Langen Nacht der Kirchen― in

Hannover angewandt, in der alle Innenstadtkirchen bis Mitternacht geöffnet blieben. Das

liturgische, spirituelle und kulturelle Anbot ähnelte dem der Kirchentage. Dazu gehörten auch

Diskussionen, Konzerte, Jugendgottesdienste, Filme und Ausstellungen, die Tausende von

Leuten anzogen.

Der englische Beitrag fand Eingang in den 2006 veröffentlichten Bericht Faithful Cities.

Darin wird der besondere Beitrag, den christliche Kirchen und andere

Glaubensgemeinschaften zum Zusammenhalt der Gesellschaft durch „Glaubenskapital“

leisten, hervorgehoben. Dies sind gemeinsame Glaubensinhalte, Werte und Tugenden, die

Glaubensgemeinschaften nicht nur lehren, sondern auch im täglichen Leben „darstellen―.

Glaubensgemeinschaften sind an spezifischen Orten verwurzelt und bilden Netzwerke der

Gastfreiheit und Freundschaft. Indem sie auf andere zugehen, werden sie zu Brückenbauern

und ersetzen Verdacht mit Vertrauen. Sie nähren die Vision einer „guten Stadt― durch die

Verbreitung von Lebensfreude, die mehr ist als Geld oder eine auf individuellen Erfolg

ausgerichtete Weltanschauung.

Zeitgleich mit dieser Konferenz veröffentlichte die EKD 2006 einen eigenen Bericht über

Armut in Deutschland unter dem Titel "Gerechte Teilhabe - Befähigung zu

Eigenverantwortung und Solidarität. Eine englische Übersetzung liegt vor.

Am Ende der Berliner Tagung im Mai 2005 wurde vorgeschlagen, eine zweite Konsultation

dieser Art abzuhalten, wenn diese beiden Berichte vorliegen. Auf dem Themenfeld, Kirche

und Mission in der Stadt können beide Kirchen viel voneinander lernen und profitieren.

28

2. Wydale 2005

Delegationsbesuch der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Kirche von

England vom 10. - 14. März 2005 in Wydale, Yorkshire

Die Kirche von England hat für fünf Tage eine Delegation der Evangelischen Kirche in

Deutschland eingeladen. In dieser Zeit fanden Diskussionen, Gottesdienste und intensive

Konsultationen über die Situation unserer Kirchen und Ausblicke in die Zukunft statt, unter

besonderer Berücksichtigung der Themen Mission in der Stadt und gegenwärtige

Spiritualität.

Die Konsultation fand im Fortbildungszentrum der Diözese York in Wydale Hall statt. Die

EKD-Delegation wurde von dem Co-Vorsitzenden der Meissen Kommission, Landesbischof

Jürgen Johannesdotter, geleitet, der während des Abendmahlsgottesdienstes am

Passionssonntag in der Kommunität The Holy Paraclete (Der heilige Tröster) in Whitby

predigte. Der Bischof von Ripon und Leeds, John Packer, leitete die englische Delegation.

Die Delegationen, zu denen leitende Geistliche, Synoden- und Ratsmitglieder,

Akademikerinnen und Akademiker sowie Experten gehörten, beschäftigten sich mit Themen

der Mission in städtischen und ländlichen Gemeindepfarrämtern, der Kirchenentwicklung,

Liturgie sowie interreligiösen Angelegenheiten und ethnischen Minderheiten. Sie besichtigten

verschiedene Orte wie Middlesbrough, wo sich die Kirche in industriellen und sozialen

Belangen engagiert und Gemeinden, die mit der reichen spirituellen Geschichte des Nordens

in Verbindung stehen, insbesondere Durham, Rievaulx, Lastingham und Whitby. Die

Teilnehmenden der Delegationen tauschten persönliche Erfahrungen und Analysen über

aktuelle Untersuchungen der gegenwärtigen geistigen und spirituellen Atmosphäre beider

Länder aus. Ebenso wurden die Entwicklung neuer Ausdrucksformen von Kirche und Liturgie

in einer multikulturellen und multiethnischen Gesellschaft und die Herausforderungen der

Großstadt und der Kirchen in Ostdeutschland dargestellt. Diese Themen förderten eine Reihe

von Schlüsselfragen zu Tage, die in Zukunft von unseren beiden Kirchen weiter behandelt

werden sollten.

Beide Kirchen sahen es als notwendiges zentrales Anliegen an, sich missionarischen

Herausforderungen zu stellen, wenn es um die Gewinnung neuer Mitglieder und die

Erkundung neuer Initiativen geht. In diesem Zusammenhang wurden die Ausschüsse der

Meissen Kommission unserer Kirchen ermutigt, folgenden Themen durch weitere

Zusammenarbeit von Experten und durch die zahlreichen existierenden Partnerschaften

zwischen Diözesen der Kirche von England und den Regionalkirchen der EKD nachzugehen:

- Klärung des Verständnisses von Mission und neue Initiativen als christlicher Auftrag beider

Länder

- Wie kann die Kirche sich auf die verschiedenen Kulturen der modernen Gesellschaft, z. B.

die Jugendkultur und die ethnische Vielfalt einlassen und ihnen entsprechen, aber gleichzeitig

ein kritisches Gegenüber bilden ?

- Wie wird Kirchenmitgliedschaft in unseren beiden Kirchen verstanden und registriert?

- Es gilt Wege zu finden, um statistische Informationen, besonders über Mitgliedschaft,

Wachstum und kirchliches Leben in Großstädten in beiden Kirchen einander mitzuteilen

29

- Wie kann theologische Ausbildung und geistliche Ausprägung von Pastoren/Pastorinnen auf

hohem Niveau so kombiniert werden, dass sie der Verpflichtung der Pastorinnen/Pastoren

gegenüber dem Evangelium entsprechen? Aktuelle Veränderungen in den Vorstellungen vom

geistlichen Amt, die Erwartungen an Seelsorgerinnen und Seelsorger und die Folgen für die

Ausbildung.

- Der multireligiöse Zusammenhang, insbesondere der christlich-muslimische Dialog

- Sozialpolitische Debatten in Deutschland verglichen mit britischen Nachbarschafts-

Erneuerungs-Programmen

- Staatskirchenrechtliche Rahmenbedingungen und Gemeindeformen in den beiden Kirchen -

traditionelle Modelle und neue Formen des Gemeindelebens

3. Berlin 2006

Delegationsbesuch der Kirche von England in Berlin-Schwanenwerder vom 31.01.-

5.02.06

In zeitlicher Nähe zum 100. Geburtstag Dietrich Bonhoeffers fand der Delegationsbesuch der

CofE bei der EKD zum Thema: „Theologie als Lebensweisheit“ statt. Die Delegation der

Church of England wurde vom Erzbischof von Canterbury, Dr. Rowan Williams, geleitet.

Gastgeber war der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Dr. Wolfgang Huber.

Ziel war es, gemeinsam über die derzeitige Beziehung zwischen unseren jeweiligen

theologischen Traditionen und der Pfarrerausbildung, dem Theologiestudium und dem

Auftrag der Kirchen nachzudenken und dabei Wege zu finden, wie unsere beiden Kirchen in

größerem Maße auf diesen Gebieten zusammenarbeiten können.

Es wurden unter anderem Vorträge zu folgenden Themen gehalten:

Welche theologischen Themen sind für uns als ökumenische Partner von Bedeutung?

Historischer Vergleich unserer theologischen Traditionen und Ausbildungswege von

Geistlichen

Weisheit als Grundlage für Theologie und Praxis und für die Entwicklung kirchlicher

Bekenntnisse und kirchenrechtlicher Grundlagen

Politische Auswirkungen von Theologie und Fragen der Gerechtigkeit und

partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Kirche und Staat

Die Beziehung zwischen Theologie als Wissenschaft und der praktischen Arbeit der

Kirchen.

Der Besuch fand im Evangelischen Tagungszentrum in Schwanenwerder bei Berlin statt. Die

Delegierten besuchten außerdem die Lutherstadt Wittenberg, besichtigten die Wirkungsstätten

der Reformatoren, und waren Gäste der Evang. Landeskirche der Kirchenprovinz Sachsens

und der Landesregierung von Sachsen-Anhalt.

30

Angesichts der vorangegangenen Gespräche empfahl die Konferenz:

- die Konzeption und Durchführung regelmäßiger Konsultationen auf nationaler Ebene zu den

sozialen und ethischen Herausforderungen unserer Gesellschaft, z.B. Fragen der

demographischen Entwicklung und der Bioethik. Dies würde beinhalten, sich gegenseitig zu

Treffen der kirchenleitenden Organe einzuladen und Informationen über die Besuche der

Leitenden Geistlichen zur Verfügung zu stellen. Der Austausch von Experten bei spezifischen

Fragen, z.B. in den Bereichen Ethik und gesellschaftlicher Anliegen soll gefördert werden.

Damit sollen Strukturen für effektive gemeinsame Stellungnahmen zu internationalen Fragen

geschaffen werden.

Ausgehend vom erreichten gegenseitigen Verständnis für die noch nicht gelösten

ekklesiologischen Fragen halten wir als prioritäre Aufgaben für die theologischen Gespräche

unserer beiden Kirchen fest:

- die Präsenz des Christentums in Europa, die Sprache des religiösen Diskurses und des

Auftretens in der heutigen multireligiösen Gesellschaft,

- das Verhältnis von Theologie und Spiritualität und Reflexionen über biblische Hermeneutik.

- Die Kommission soll auf nationaler Ebene Austauschprogramme für Theologiestudierende,

angehende Pastorinnen und Pastoren sowie Geistliche in den ersten Amtsjahren entwickeln,

welche theologische Summer Schools sowie berufsbegleitende Ausbildungsprogramme

einschließen sollten.

- Beide Kirchen sollen weiterhin ihren Einsatz innerhalb der europäischen ökumenischen

Bewegung aufeinander abstimmen und vertiefen, insbesondere in Bezug auf unsere

Beteiligung in der KEK, an der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung 2007, am

Dialog mit der GEKE sowie dem Dialog mit der Römisch-Katholischen Kirche und den

Orthodoxen Kirchen, unter stärkerer Bezugnahme auf die Charta Oecumenica als Rahmen für

diese Arbeit. Dabei werden wir die kreativen Anregungen dieses Dialogs besonders

unterstützen.

- Die Meissen Kommission soll einen Überblick über die unterschiedlichen ökumenischen

Dialoge, an denen wir jeweils beteiligt sind, behalten.

- Wir befürworten einen direkteren Kommunikationsaustausch in der Meissen Ökumene

zwischen unseren beiden Kirchen unter besonderer Berücksichtung der jeweiligen

Identitätsentwicklung in der Wahrnehmung des ökumenischen Partners. Dies betrifft auch den

Beitrag der Meissen Ökumene für die Vision der Christen in Europa und ihr Beitrag zur

pluralistischen politischen Zukunft des Kontinents.

- Wir bejahen und bekräftigen, dass die Meissen Partnerschaften das Gemeindeleben vor

Ort bereichern.

- Wir sollten die bereits existierende Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden der

Evangelischen Synode deutscher Sprache in Großbritannien sowie den Anglikanischen

Gemeinden in Deutschland mit den Diözesen und Landeskirchen ausbauen, z.B. im Bereich

der Fortbildung nach der Ordination.

31

- Wir sollten Möglichkeiten eröffnen, andere zur Anglikanischen Gemeinschaft zugehörige

Gemeinden in Deutschland in den Meissen Prozess einzubeziehen.

- Wir sollten nach Möglichkeiten suchen, unser gemeinsames spirituelles Leben zu vertiefen,

indem wir die Form der Meissen Gebetsbriefe überarbeiten, liturgische Entwicklungen und

Erkenntnisse miteinander teilen und die Übersetzung offizieller liturgischer Texte

unterstützen.

- Wir sollten regelmäßigen Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitenden des

Church Houses und des Kirchenamtes der EKD herstellen.

Die Konferenz rief die Kirche von England auf, Schritte zur Anerkennung der Konfirmation

in der EKD einzuleiten. Die Konferenz erkannte, dass die Arbeit der Meissen Kommission in

den nächsten fünf Jahren herausstellen muss, wie viele dieser Initiativen und Vorschläge in

Anbetracht der Ressourcen und Missionsprioritäten unserer Kirchen realisierbar sind und auf

welche davon sie sich konzentrieren sollte.

j. Synoden

Die 4. Tagung der 10. Synode (2005) der EKD war so konzipiert, dass aus den zahlreichen

Partnerkirchen der EKD im Rahmen einer Vorkonferenz ein reger Austausch mit den

ökumenischen Partnern möglich war. Für Vertreter aus der Kirche von England war es

interessant, dass bei den Synoden der EKD Vertreter aus dem politischen Leben, wie der

ehemalige Bundespräsident Johannes Rau und sein Nachfolger Horst Köhler als Gäste

teilnehmen und gehört werden. Ebenso beeindruckte das Verfahren der Neuwahl des Rates

der EKD und seines Vorsitzenden, Bischof Dr. Wolfgang Huber.

Mitglieder des englischen Komitees haben regelmäßig an Synoden der EKD teilgenommen.

Für die Beobachter war dies ein interessanter Einblick in die Arbeitsweise ihrer Partner und in

das Zusammenwirken der Gliedkirchen der EKD auf allen Ebenen. Grußworte und Beiträge,

wie auf der 5. Tagung der 10. Synode in Würzburg 2006 durch den Rt Revd Bishop David

Walker aus Dudley mit seinem Beitrag "Verlässlichkeit als Kapital kirchlichen Arbeitens"

bieten eine sehr gute Möglichkeit, eigene Anliegen und Perspektiven einzubringen.

Rückmeldungen und Berichte der Beobachter werden vom englischen Meissen Komitee

aufgenommen und bearbeitet.

Die Vertreter der EKD bei der Synode in York haben ähnliche Erfahrungen und Einblicke

gewinnen können, so zuletzt im Juni 2006 die heftige Debatte und die Abstimmung der

Synode im Blick auf das Bischofsamt von Frauen in der Kirche von England.

k. Evangelische Synode Deutscher Sprache in Großbritannien

Der Stand der Ökumene in der Evangelischen Synode Deutscher Sprache in Großbritannien

Nach einer Zeit der Umstrukturierung und Zusammenlegung von Pfarramtsbereichen und von

Gemeinden sowie nach schwierigen finanziellen Entscheidungen schätzen wir die nun

gefundene Struktur der deutschsprachigen Synode mit sieben Pfarramtsbereichen als im

Wesentlichen mittel- bis langfristig stabil ein.

32

In der Ökumene spielt die Synode eine bescheidene, aber nicht unwichtige Rolle. Dennoch

sind unsere Gemeinden über die Synode Mitglieder in zwei ökumenischen Gremien: So ist die

Synode mit der EKD Mitglied in der Gemeinschaft Evangelischer Kirche in Europa (GEKE)

und selber Mitglied in Churches Together in Britain and Irland (CTBI).

Sie sind ferner mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in ökumenischer

Partnerschaft verbunden und daher auch im Appendix der Meissener Erklärung zwischen der

EKD und Church of England erwähnt. Ihr Senior nimmt als Gast an der jährlichen

gemeinsamen Konsultation der Meissen Kommission teil.

Die Meissener Erklärung bietet der Synode, ihren Gemeinden und bi-konfessionell

(anglikanisch/evangelisch) verheirateten Gemeindegliedern einen Rahmen, in dem Taufe,

Konfirmation und die Abendmahlspraxis keine Hindernisse kirchlicher Gemeinschaft sind.

Für die Durchführung ökumenischer Gottesdienste stellt die Arbeit der Meissen Kommission

eine große Erleichterung dar. Insgesamt hat die Meissener Erklärung eine gute,

partnerschaftliche Atmosphäre erzeugt, die dankbar aufgenommen und ausgebaut wird.

Da die Synode Mitglied der Gemeinschaft Evangelischer Kirche in Europa ist, zu der weitere

protestantische Kirchen wie die United Reformed Church, die Methodistische Kirche und die

Church of Scotland gehören, steht sie mit diesen Kirchen vor der Aufgabe, vor Ort

Brückenbauerin zwischen den Kirchen der GEKE und der Kirche von England zu sein.

Diese Synode ist ein Beispiel für die innerprotestantische Ökumene. Es gibt in ihr, manchmal

innerhalb eines Pfarramtsbereichs, lutherisch, uniert und reformiert geprägte Gemeinden und

das Bild wird noch vielfältiger, wenn man sich einzelne Gemeinden anschaut. Die Menschen,

die zu ihnen gehören, kommen aus verschiedenen deutschen Landeskirchen und Freikirchen.

Zu vielen Gemeinden halten sich auch Briten. Etliche Mitglieder gehören gleichzeitig der

Kirche von England, der Kirche von Schottland oder der Kirche von Wales an. So sind

Gemeinden, die sich formell „lutherisch― oder „Presbyterian― nennen, in sich Gemeinschaften

der evangelischen Ökumene. Es gehört zur Realität, dass Mitglieder in Gemeinden der

Evangelischen Synode Deutscher Sprache in Großbritannien auch in einer englischsprachigen

Gemeinde Mitglied sind, weil ihre Sympathien und Identifikation für beide in gleicher Weise

vorhanden sind.

l. Anglikanische Diözese in Europa/

Arbeitsgemeinschaft anglikanischer Kirchen in Deutschland

Vor fünf Jahren berichtete die Meissen Kommission über die Gründung der

Arbeitsgemeinschaft anglikanischer Kirchen in Deutschland (Council of Anglican Episcopal

Churches in Germany: CAECG), die sowohl die Gemeinden der Kirche von England in

Deutschland als auch die Gemeinden der Versammlung der Amerikanischen Episkopalkirche

einschließt. Dieser Verein bildet die rechtliche Grundlage für die Zusammenarbeit aller

Anglikaner und Anglikanerinnen in Deutschland sowie deren ökumenische Vertretung auf

nationaler Ebene. So ist die CAECG Mitglied der bundesweiten ACK (Arbeitsgemeinschaft

Christlicher Kirchen). Während der letzten drei Jahre hat die CAECG auch die Spannungen

innerhalb der anglikanischen Kirchengemeinschaft widergespiegelt. Diese

inneranglikanischen Spannungen haben Kräfte beansprucht, die eigentlich für andere

kirchliche Aufgaben nötig wären.

Ökumenische Beziehungen auf Gemeindeebene sind weiterhin gut. Anglikanische Geistliche

stehen meist in freundschaftlichen Beziehungen zu den Geistlichen anderer Kirchen.

33

Besonders enge ökumenische Beziehungen bestehen zwischen der Alt-Katholischen Kirche

und der Anglikanischen Kirchengemeinschaft. Seit 1931 existiert zwischen beiden die volle

Kirchengemeinschaft, die im "Bonner Abkommen" vertraglich festgelegt wurde. Das 75-

jährige Bestehen dieses Abkommens wurde 2006 in Freiburg unter Beteiligung des Alt-

Katholischen Erzbischofs von Utrecht sowie des Erzbischofs von Canterbury und des

Ratsvorsitzenden Bischof Huber gefeiert.

Vielerorts werden regelmäßig - wenn auch in größeren Abständen - gemeinsame

Gottesdienste zwischen Gemeinden der Kirche von England und der EKD gefeiert. Der

anglikanische Priester in Leipzig ist vom evangelisch-lutherischen Bischof in Sachsen dazu

ermächtigt, Gottesdienste in der Landeskirche abzuhalten. Auf der Basis der Meissener

Erklärung wurde in Wiesbaden ein Priester der Kirche of England als Religionslehrer

anerkannt. Solche Beauftragungen sind oft von der örtlichen Situation und vor allem von den

Interessen der Geistlichen an der Meissen Ökumene wie auch von deren Sprachkompetenz

abhängig. Derartige Beziehungen und Erfahrungen fördern die Meissen Ökumene nachhaltig.

Es ist wichtig, dass sie von der Meissen Kommission wahrgenommen und nach Möglichkeit

formell anerkannt werden.

Wie oben angemerkt, ist die CAECG Mitglied der bundesweiten ACK. Trotzdem ist es aus

zwei Gründen oft nicht möglich, eine gemeinsame ökumenische Strategie zu entwickeln. Dies

liegt zum einen an den spezifischen ökumenischen Schwerpunkten der jeweiligen

Landeskirche. Des Weiteren - und in dieser Hinsicht wichtiger - gehören die Gemeinden der

CAECG zwei unterschiedlichen anglikanischen Kirchen an, die eigene ökumenische Kontexte

und Profile haben. Beziehungen zwischen der EKD und der Kirche von England werden

durch die Meissener Erklärung geregelt. Die Gemeinden der Amerikanischen Episkopalkirche

stehen allerdings außerhalb dieses Abkommens; sie haben wiederum ein geregeltes Verhältnis

zur Evangelical Lutheran Church of America, mit der die Kirche von England kein

Abkommen hat. Die Frage der Vernetzung solcher ökumenischen Beziehungen ist deshalb

nicht unwichtig und wird in den nächsten Jahren von der Anglican Lutheran International

Commission behandelt werden.

m. Andere Aktivitäten

1. Deutscher Evangelischer Kirchentag

In den letzten fünf Jahren fanden zwei Kirchentage mit weit über 120.000 Besuchern und

internationalen Gästen statt. Ein besonderes Ereignis im Jahr 2003 war der ökumenische

Kirchentag in Berlin, der gemeinsam mit der römisch-katholischen Kirche in Deutschland

organisiert wurde. 2005 fand der Evangelische Kirchentag wieder in der Tradition früherer

Kirchentage in Hannover statt.

Der ökumenische Kirchentag 2003 unter dem Thema „Ihr sollt ein Segen sein“ (Genesis

12,2) zog mehr englische Besucher als je zuvor an. Die Kommission erhielt positive

Rückmeldungen über das Ereignis. Der Bischof von Wolverhampton nahm als offizieller

Vertreter des Erzbischofs von Canterbury teil. Erzdiakon Colin Williams und Tonie Smith

vertraten die Meissen-Kommission. Der Meissen Gottesdienst fand in der Saint George‘s

Kirche in Berlin statt. Die Stände der Meissen Partnerschaften in der Agora und die

Ausstellung über die Anglikanische Kirche aus der Kathedrale in Norwich, die gemeinsam

mit der Britischen Botschaft organisiert worden war, wurden sehr gut aufgenommen. Auch

der Stand der Diözese in Europa und der Episkopalen Kirchen zog viele Besucher an.

34

Während des Kirchentages fand auch die Unterzeichnung der Charta Oecumenica der KEK/

CCEE durch die deutschen Kirchen statt. Der Bischof von Gibraltar in Europa, the Rt Revd

Dr. Geoffrey Rowell, unterzeichnete diese für die Gemeinden der Diözese in Europa in

Deutschland. Ein anglikanisch-altkatholischer Abendmahlsgottesdienst im neueröffneten

Altkatholischen Kirchenzentrum war gut besucht.

Der Kirchentag in Hannover 2005 unter dem Thema „Wenn dein Kind dich morgen fragt ...“

(5. Mose 6, 20–25) spiegelte eines der wesentlichen Themen der Meissenarbeit wider: die

Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation. Ein Meissen Gottesdienst fand in der

Marktkirche zum Thema Versöhnung statt. Die Predigten hielten der Bischof von Bristol, The

Rt Revd Michael Hill und Oberlandeskirchenrat Peter Kollmar, Braunschweig. Für die

Liturgie waren der deutsche Ko-Vorsitzende, Landesbischof Jürgen Johannesdotter und

Stadtsuperintendent Wolfgang Puschmann aus Hannover verantwortlich. Bischof Michael

Bourke, Erzdiakon Colin Williams und Canon Robert Jones nahmen als Vertreter der

englischen Meissen Kommission teil.

Eine Reihe von Meissen Partnerschaften waren auf dem Markt der Möglichkeiten in den

Messehallen vertreten.

Das einzigartige und vielfältige Kirchentagsprogramm ist weiterhin ein Publikumsmagnet,

insbesondere für junge Leute und gleichzeitig ein Schaukasten für die örtlichen Kirchen und

Gemeinden. Es bietet gute Möglichkeiten, die Partnerschaftsarbeit zwischen der Church of

England und der EKD durch Ausstellungen und unzählige persönliche Kontakte aus nächster

Nähe zu erleben.

Die Meissen Kommission würdigt die Arbeit des Britischen Komitees des Deutschen

Evangelischen Kirchentages und insbesondere des Organisators und Vorsitzenden, the Revd

Robin Blount (Church of England, Folkestone), der Hauptkontaktperson und Vertreterin des

Internationalen Kirchentagskomitees, Frau Sheila Brain (United Reformed Church,

Manchester) und des Geschäftsführers des Britischen Komitees, the Revd Canon Tony

Dickinson (Church of England, Amersham).

2. Gebetsbriefe und Informationsaustausch

Zu Beginn des Berichtszeitraums überdachte die Kommission den Gebetsbrief. Es wurde

beschlossen, dass dieser zu einem Mitteilungsblatt und Gebetsbrief entwickelt werden solle

und zweimal jährlich an Partnerschaften und Kommunitäten verteilt werden soll. Es war nicht

immer leicht, aktuelle Informationen aus Partnerschaften zu sammeln, so dass auf der letzten

Tagung im Berichtszeitraum eine erneute Diskussion zu diesem Thema stattfand.

Überlegt wurde auch, ob es einen Meissen Gebetszyklus, vergleichbar mit dem Porvoo

Cycle of Prayer, geben soll. Es zeichnete sich aber auch ab, dass viele Gemeinden bei der

Erstellung und Durchführung von Gebetszyklen überlastet seien.

Um einen zügigen Austausch zu gewährleisten, sollen künftig über das Internet - ähnlich wie

im European Bulletin des Rates für die Einheit der Christen der Kirchen von England(CCU) -

aktuelle Nachrichten und gemeinsame Gebetsanliegen aus den Partnerschaften verbreitet

werden. Verschiedene Möglichkeiten werden ausprobiert und ausgewertet.

35

3. Christlich-Muslimischer Dialog

An zwei Beispielen soll veranschaulicht werden, auf welch unterschiedlichen Ebenen die

Partnerschaft zwischen unseren beiden Kirchen wächst.

Das erste ist eine Reihe von internationalen Konferenzen in London, Teheran und Berlin, bei

denen Vertretende der EKD, der Church of England und des Instituts für Interreligiösen

Dialog, Teheran/Iran unter der Überschrift „Gemeinschaftsbildung durch Dialog―

zusammenkamen. Jeder der Delegationen gehörten jeweils fünf Mitglieder der religiösen

Mehrheit im jeweiligen Land und zwei Mitglieder von religiösen Minderheiten an. Dabei

wurden unterschiedliche Modelle interreligiösen Dialogs in den drei Ländern einander

gegenübergestellt und miteinander verglichen. Dabei haben sich eine Reihe von gemeinsamen

Anliegen herausgestellt, die die Grundlage für zukünftige Treffen und Expertentagungen

bilden – die Sicherheit von Menschen und Umwelt, die Erosion von Staatsgrenzen durch

Handel, Migration und Massenkommunikation und Religion als Ursache von Spaltungen

zwischen Menschen. Als Schwerpunkte einer zukünftigen Zusammenarbeit wurden

Jugendaustauschprogramme, Multi-Media Projekte, Religionsfreiheit und Bildung benannt.

Personen, die diese Vorhaben betreiben sollen, wurden aus der EKD, der Church of England

und dem IID bestimmt.

Auch im Rahmen der "Drei-Konfessionen Konferenz―, die von der Worcester/Magdeburg

Partnerschaft organisiert wurde, kam es zu einem christlich-muslimischen Austausch auf

lokaler Ebene. Ausgehend vom United College of the Ascension, Selly Oak, beinhaltete das

Wochenendprogramm Besuche in Moscheen in Birmingham and Gespräche mit Personen, die

an Dialogen beteiligt sind. Der Schatten des Irak-Krieges prägte viele Gespräche. Die

Antworten zum Thema: "Wer ist mein muslimischer Nachbar?" fielen von deutschen und

englischen Delegierten je nach ihrem Umfeld zum Teil sehr ähnlich aber auch sehr

unterschiedlich aus.

n. Kommunitäten

Canon Robert Jones nahm an einer Sitzung des „Advisory Council on Religious

Communities― der Church of England teil. Zweck dieses Treffens war, auf die Vielfalt der

Kommunitäten in den Gliedkirchen der EKD aufmerksam zu machen und zur

Zusammenarbeit der Kommunitäten aufzurufen. Etliche englische Kommunitäten haben

bereits derartige Beziehungen. Der Advisory Council beschloss, diesen Fragen in zukünftigen

Tagungen weiter nachzugehen.

III EMPFEHLUNGEN DES 5-JAHRES-BERICHTES 2002-2006

Die Meissen Kommission macht unseren Kirchen folgende Empfehlungen.

Präambel: Die Meissen Kommission

Eine neue Meissen Kommission soll eingesetzt werden, deren Amtsperiode am 31. Dezember

2011 endet. Sie soll beiderseits je fünf Mitglieder haben, darunter einen Bischof (oder

gleichrangigen Geistlichen) als Vorsitzenden und mindestens einen Geistlichen und einen

Laien. Zwei der deutschen Mitglieder sollen aus den neuen Bundesländern kommen.

36

Unsere Kirchen sollen ihre Schwesterkirchen bitten, Beobachter wie folgt zu berufen:

a) Die Kirche in Wales, die Schottische Episkopale Kirche und die Kirche von Irland

berufen einen gemeinsamen Beobachter/Beobachterin;

b) Die Arbeitsgemeinschaft Anglikanischer Kirchen in Deutschland nominiert einen

Beobachter/Beobachterin, der durch den Bischof von Gibraltar in Europa berufen

wird;

c) Die Evangelische Synode deutscher Sprache in Großbritannien entsendet einen

Beobachter/Beobachterin.

Die Meissen Kommission wird dem Council for Christian Unity der Kirche von England und

dem Rat der EKD eine Reihe von geringfügigen Änderungen zu den

Ausführungsbestimmungen der in der Meissener Erklärung vereinbarten Schritte vorlegen, so

wie im untenstehenden Anhang erläutert.

Die Empfehlungen der Meissen Kommission nehmen Bezug auf die Charta Oecumenica.

Die CEC/CCEE Charta Oecumenica wurde auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003 in

Berlin unterzeichnet und ist das Instrument, das die Arbeit aller Kirchen in Europa, der

katholischen, orthodoxen, evangelischen und anglikanischen, inspiriert und koordiniert.

Angesichts von vielerlei Übereinstimmungen zwischen der Meissener Erklärung und den

Richtlinien der Charta Oecumenica halten wir es für sinnvoll, unsere Empfehlungen im

Rahmen der drei jeweils zitierten Vorsätze aus der Charta Oecumenica zu präsentieren. Sie

behandeln Fragen des Glaubens, der praktischen Ökumene und der sozialen Verantwortung.

Die prioritären Aufgaben aus Sicht der Meissen Kommission sind fettgedruckt,

während die als nachrangig eingeschätzten Aufgaben normal gedruckt erscheinen.

1. "Wir glauben an die eine, heilige katholische und apostolische Kirche"

1. Im Rahmen des theologischen Dialogs zwischen unseren Kirchen soll die Meissen

Kommission in den nächsten fünf Jahren eine erste theologische Konferenz zur Sprache

religiöser Diskurse und biblischer Hermeutik abhalten und eine zweite Konferenz zur

erneuten Untersuchung der praktischen Zusammenarbeit unserer Kirchen im Lichte

der weiter geführten Arbeit zur Ekklesiologie.

(Weitere mögliche Themen für Konsultationen könnten umfassen: die christliche Präsenz in

Europa, die multi-religiöse Gesellschaft und die Beziehung zwischen Theologie und Gebet)

2. Die Kirche von England soll die Konfirmation in der EKD formal anerkennen.

3. Die Meissen Kommission soll Gemeindepartnerschaften dazu ermutigen, die

Vorschläge der Frodsham Konferenz zum Thema Initiation (2005) zu diskutieren und

bekannt zu machen und soll Mittel dazu bereitstellen, diese Aktion im weiteren Kontext

der Evangelisation zu unterstützen.

37

4. Die Meissen Kommission soll unsere Kirchen ermutigen, weitere theologische Arbeit über

die Rolle der Konfirmation bei der Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation zu

leisten.

5. Die Meissen Kommission soll Informationen über die gegenwärtige Diskussion über

Ordination und Amtseinsetzung in der VELKD und der Anglican/Methodist Joint

Implementation Commission (Gemeinsame Anglikanisch-Methodistische Kommission zur

Umsetzung) weiter vermitteln, soll Fragen der Terminologie und des Sprachgebrauchs klären

und sich um Stellungnahmen von den zuständigen Stellen der jeweils anderen Kirche

bemühen.

2. "Auf dem Weg zur sichtbaren Gemeinschaft der Kirchen in Europa"

6. Diözesen und Landeskirchen sollen die Meissen Partnerschaften fördern und sie als

Bereicherung für das Gemeindeleben vor Ort nutzen.

7. Die Meissen Kommission soll den Informationsaustausch über und Kontakt mit neuen

Initiativen in den folgenden Bereichen fördern, mit besonderer Berücksichtigung ihrer

Rolle in der heutigen Mission der Kirche:

• neue Formen von Kirche in verschiedenen Kulturen

• die Rolle und Wirkung der Medien auf die Kirche

• Austausch von Statistiken über Kirchenmitgliedschaft

• Pilgerfahrten und religiöse Gemeinschaften

8. Die Meissen Kommission soll mehr Lokale Ökumenische Partnerschaften fördern

und die bestehenden Pilotprojekte bewerten, mit besonderer Bezugnahme auf den

Austausch von Geistlichen.

9. Die zuständigen Stellen beider Kirchen sollen den Austausch zwischen

Theologiestudierenden, Pfarramtskandidaten und Geistlichen in den ersten Amtsjahren

fördern und ihnen die Teilnahme an theologischen Sommerkursen und

berufsbegleitenden Fortbildungsprogrammen ermöglichen, die besonders auf

gemeinsame Problemfelder unserer Kirchen eingehen.

10. Die Meissen Kommission soll sich einen genaueren Überblick darüber verschaffen,

was in den einzelnen Partnerschaften geschieht.

11. Zur Förderung weiteren Austauschs zwischen jungen Leuten sollen die englischen und

deutschen Komitees Informationsblätter für Kirchengemeinden im jeweils anderen Land zu

Fragen des Schutzes von Kindern herausbringen, die in das Meissen Informationsmaterial

(Meissen Informationpack) aufgenommen werden sollen.

12. Diözesen und Landeskirchen sollen zu mehr Besuchen von Geistlichen und

wechselseitigem Austausch im Rahmen der Meissen Ökumene ermutigen und das EKD-

Auslandsvikariat unterstützen. Die Erwartungen hinsichtlich der sprachlichen Kompetenz

müssen womöglich revidiert und Austauschprogramme auf zweisprachiger Basis organisiert

werden.

38

13. Die Meissen Kommission soll Initiativen zur Kontaktaufnahme und zum

Materialaustausch zwischen Religionslehrern besonders im Zusammenhang mit weiteren

Meissen Partnerschaften fördern.

14. Die Meissen Kommission soll die Weiterentwicklung der Meissen Bibliothek in

Durham beobachten und fördern, während die Spendenaktion und die weitere

Einrichtung der Bibliothek weiterlaufen.

15. Die Meissen Kommission soll das Engagement unserer Kirchen in der Europäischen

Ökumenischen Bewegung zu vertiefen suchen, insbesondere in Bezug auf die Beteiligung an

der KEK, der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung 2007, den Dialog mit der

GEKE und den Dialog mit der Römisch-Katholischen Kirche und den Orthodoxen Kirchen.

Sie soll die Charta Oecumenica als Rahmenwerk für diese Arbeit bestätigen und kreative

Initiativen im ökumenischen Dialog unterstützen.

16. Die Meissen Kommission soll den Überblick über die verschiedenen ökumenischen

Dialoge suchen, in die unsere Kirchen involviert sind.

17. Diözesen und Landeskirchen sollen bestehende Bereiche der Zusammenarbeit zwischen

deutschen Gemeinden in England und anglikanischen Gemeinden in Deutschland weiter

ausbauen, zum Beispiel im Bereich der Fortbildung nach der Ordination.

18. Die Diözese von Gibraltar in Europa und die Kirchenversammlung der Episkopalen

Gemeinden in Europa (Convocation of ECUSA parishes in Europe) sollen Möglichkeiten

bedenken, auf welchem Wege sie andere der Anglikanischen Gemeinschaft zugehörige

Gemeinden in Deutschland in den Meissen Prozess miteinbeziehen können.

19. Die Meissen Kommission soll das Format und den Zweck der Meissen Gebetsbriefe

überprüfen, liturgische Entwicklungen und Einsichten weiter kommunizieren und die

Übersetzung offizieller liturgischer Texte unterstützen, um unser gemeinsames geistliches

Lebens zu vertiefen.

3. "Unsere gemeinsame Verantwortung in Europa"

20. Unsere Kirchen sollen ihre Zusammenarbeit zu Fragen der Sozialpolitik und Ethik

durch regelmäßige Konsultationen auf nationaler kirchlicher Ebene über öffentliche

Angelegenheiten intensivieren, zum Beispiel: Mission in der Stadt und soziales

Engagement, die Rolle der Medien in unserer Kultur, interreligiöser Dialog, die alternde

Gesellschaft und Bioethik.

21. Regelmäßiger Kontakt und Zusammenarbeit zwischen den nationalen Sekretariaten

unserer Kirchen sollen eingerichtet werden, mit der Absicht, eine Struktur für effektive

gemeinsame Stellungnahmen zu internationalen Fragen zu schaffen.

22. Die Meissen Kommission soll zwei Delegationsbesuche zu diesen Fragen in der

kommenden Fünfjahresperiode ansetzen.

23. Die Meissen Kommission soll effektivere Kommunikationsmittel über die Meissen

Partnerschaft in unseren beiden Kirchen entwickeln, unter besonderer Bezugnahme auf

die Identität oder Wahrnehmung unserer Länder und ihrer Geschichte in den Augen

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des jeweils anderen, die Bedeutung der Meissen Ökumene für eine christliche Vision

Europas und ihren Beitrag zur neuen politischen Zukunft des Kontinents.

24. Die Meissen Kommission soll mit Bildungs- und Kulturträgern zum Thema des

Geschichtsunterrichts über das 20. Jahrhundert in den Schulen unserer beiden Länder

zusammen arbeiten und soll die Herausgabe angemessener Materialien fördern.

25. Die Diözese von Gibraltar in Europa und die EKD sollen den Vorschlag einer ständigen

anglikanischen Pfarrstelle in Dresden als einen Beitrag zur internationalen Versöhnung weiter

bedenken, auf der Grundlage der Diskussionen, die bei der Wiedereinweihung der

Frauenkirche 2005 stattfanden.

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IV ANHÄNGE

Anhang A - DIE MEISSENER GEMEINSAME FESTSTELLUNG

I. Die Kirche als Zeichen, Werkzeug und Vorgeschmack des Reiches Gottes

1. Gottes Plan ist gemäß der heiligen Schrift, alle Dinge in Christus zu versöhnen, in dem,

durch den und zu dem hin sie geschaffen sind.

2. Zu diesem Zwecke erwählte Gott Israel, sandte er Jesus Christus und beauftragte er die

Kirche. Abrahams Berufung geschah zum Segen für alle Völker (Gen. 12,1-3). Der Knecht

Gottes wird nicht nur die Zerstreuten Israels wiederbringen; er ist gemacht "zum Licht der

Heiden", um das Heil "bis an die Enden der Erde" zu bringen (Jes. 49, 6). In Christus

versöhnte Gott die Welt mit sich selber (2. Kor. 5, 19; Koll 1, 15-20). Der Brief an die

Epheser lasst die Bedeutung des Werkes Christi für das Mysterium, die Berufung und die

Sendung der Kirche erkennen, wenn er sagt: "Gott hat uns gesegnet mit allem geistlichen

Segen durch Christus... Er hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem

Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um ihn auszuführen, wenn die Zeit erfüllt

wäre, dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist" (Eph.

1, 3.9.10). "Einem jedem aber von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe

Christi... Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als

Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk

des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur

Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum

vollen Maß der Fülle Christi" (Eph. 4, 7.11.13).

3. Die Kirche, der Leib Christi, muss stets in dieser Perspektive als Werkzeug zur Erfüllung

des Heilsplanes Gottes gesehen werden. Die Kirche ist zur Ehre Gottes da und um im

Gehorsam gegenüber der Sendung Christi der Versöhnung der Menschheit und der ganzen

Schöpfung zu dienen. Darum ist die Kirche in die Welt als ein Zeichen, Werkzeug und

Vorgeschmack einer Wirklichkeit gesandt, die von außerhalb der Geschichte hereinbricht -

das Reich oder die Herrschaft Gottes. Sie ist bereits eine vorläufige Verkörperung von Gottes

Willen, der auf das Kommen des Gottesreiches gerichtet ist(2) . Die Kirche ist von göttlicher

Wirklichkeit, sie ist heilig, und sie reicht über die gegenwärtige endliche Wirklichkeit hinaus.

Gleichzeitig hat sie als eine menschliche Institution Anteil an der ganzen Zweideutigkeit und

Schwachheit menschlichen Wesens und bedarf stets der Buße, der Reform und der

Erneuerung(3) .

II. Die Kirche als koinonia

4. Heute entdecken wir gemeinsam mit anderen Christen wieder den Gemeinschaftscharakter

der Kirche. In einer tieferen Schicht vieler neutestamentlicher Beschreibungen der Kirche,

wie z. B. "das Volk Gottes", "der Leib Christi", "die Braut", "der Tempel des Geistes", gibt es

die Wirklichkeit einer koinonia - einer Gemeinschaft -, die darin besteht, dass wir gemeinsam

mit den anderen Gliedern der Kirche am Leben der Heiligen Trinität teilhaben. Diese

Gemeinschaft - koinonia - wird gemäß der Schrift durch die vom Glauben und der Bekehrung

untrennbare Taufe gestiftet. Alle Getauften sind berufen, in einer Gemeinschaft des

41

Priestertums zu leben und Gott Lobopfer darzubringen, die gute Nachricht miteinander zu

teilen und sich an der Sendung und dem Dienst für die Menschheit zu beteiligen. Dieses

gemeinsame Leben wird aus Gottes Gnade durch Wort und Sakrament erhalten und gepflegt.

Ihm dient das ordinierte Amt, und es wird ferner durch andere Bande der Gemeinschaft

zusammengehalten (vgl. Nr. 8).

5. Die Kirche ist die Gemeinschaft (koinonia) derer, die mit Gott und miteinander versöhnt

sind. Sie ist die Gemeinschaft derer, die in der Kraft des Heiligen Geistes an Jesus Christus

glauben und durch Gottes Gnade gerechtfertigt sind. Sie ist auch die versöhnende

Gemeinschaft, weil sie dazu berufen ist, der ganzen Menschheit Gottes gnädiges Angebot der

Erlösung und Erneuerung zu bringen(4) . Weil die koinonia auch Teilhabe an dem

gekreuzigten Christus ist, gehört es zum Wesen und zur Sendung der Kirche, an den Leiden

und Kämpfen der Menschheit in einer Welt teilzuhaben, die von Gott entfremdet und in sich

durch unseren Ungehorsam gegenüber seinem Willen gespalten ist.

III. Wachsen auf die volle, sichtbare Einheit hin

6. Um ihre Sendung zu erfüllen, muss die Kirche selbst geeint sein. Es ist die missionarische

Perspektive, in der wir beginnen können, die Teilungen zu überwinden, welche uns getrennt

gehalten haben. So wie unsere Kirchen im Glauben in die Fülle Christi hineinwachsen, so

werden sie selber in der Einheit zusammenwachsen. Diese Einheit wird die verschiedenen

Gaben widerspiegeln, die Gott seiner Kirche in vielen Völkern, Sprachen, Kulturen und

Traditionen gegeben hat. Die Einheit, die wir suchen, muss gleichzeitig diese verschiedenen

Gaben berücksichtigen und die Sichtbarkeit der einen Kirche Jesu Christi immer umfassender

offenbar werden lassen.

7. Die vollkommene Einheit muss auf das endgültige Kommen des Gottesreiches warten,

wenn alle Gott völlig gehorsam und deshalb in Gott vollständig miteinander versöhnt sein

werden. Aber in einer gefallenen Welt sind wir verpflichtet, nach der "vollen, sichtbaren

Einheit" des Leibes Christi auf Erden zu streben. Wir müssen für die Darstellung der Einheit

auf allen Ebenen arbeiten, für eine Einheit, die im Leben der Heiligen Trinität gründet und

Gottes Plan mit der ganzen Schöpfung darstellt. Alle unsere Versuche, diese Vision zu

beschreiben, können nur vorläufigen Charakter haben. Ständig werden wir zu neuen

Einsichten in die Tiefen und den Reichtum dieser Einheit geführt und ergreifen neue

Möglichkeiten, mit denen sie in Worten und im Leben bekundet werden kann. Jede Erfahrung

von Einheit ist eine Gabe Gottes und ein Vorgeschmack und Zeichen des Gottesreiches.

8. Indem die Kirchen zusammenwachsen, wächst auch das Verständnis für die besonderen

Merkmale voller, sichtbarer Einheit. Wir können bereits gemeinsam geltend machen, dass

volle, sichtbare Einheit einschließen muss:

Ein gemeinsames Bekenntnis des apostolischen Glaubens in Wort und Leben. Dieser

eine Glaube muss örtlich und weltweit gemeinsam bekannt werden, so dass Gottes

Versöhnungswille überall kundgetan wird. Indem die Kirche diesen apostolischen

Glauben gemeinsam lebt, hilft sie der Welt, ihre eigentliche Bestimmung zu finden.

Die Teilhabe an einer Taufe, an der Feier eines Herrenmahles und an dem Dienst eines

versöhnten, gemeinsamen Amtes. Diese gemeinsame Teilhabe an einer Taufe, einem

Herrenmahl und einem Amt vereinigt "alle an jedem Ort" mit "allen an allen Orten"

innerhalb der ganzen Gemeinschaft der Heiligen. Die ganze Kirche ist in jeder Feier

des Herrenmahles gegenwärtig, und auf diese Weise werden die Örtliche und die

42

universale Kirche vereint. Durch die sichtbare Gemeinschaft wird die heilende und

einigende Kraft des Dreieinigen Gottes inmitten der Trennungen der Menschheit

offenbar.

Bande der Gemeinschaft, welche es der Kirche auf allen Ebenen ermöglichen, den

apostolischen Glauben zu bewahren und auszulegen * , Entscheidungen zu treffen,

mit Vollmacht zu lehren, Güter zu teilen und in der Welt ein wirksames Zeugnis zu

geben. Die Bande der Gemeinschaft werden personale und kollegiale Aspekte wie

Aspekte der Gemeinde besitzen. Auf allen Ebenen sind sie äußere und sichtbare

Zeichen der Gemeinschaft zwischen Personen, die durch ihre Taufe und eucharistische

Gemeinschaft in die Gemeinschaft des Dreieinigen Gottes einbezogen sind.

IV. Die bereits erreichte Gemeinschaft

9. Indem Gott diese Einheit sichtbarer macht, erkennen wir, dass wir bereits an einer

wirklichen Gemeinschaft teilhaben. Diese schließt ein die gemeinsame Gabe der Heiligen

Schrift als den authentischen Bericht von der Offenbarung Gottes in Jesus Christus und als die

Norm christlichen Glaubens und Lebens, die Entscheidungen der frühen ökumenischen

Konzile; das Apostolische und das Nicäno-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis als

maßgebliche kirchliche Auslegung des apostolischen Glaubens; eine gemeinsame

vorreformatorische westliche Tradition des Gottesdienstes, der Spiritualität und der

Theologie; ein reformatorisches Erbe, das in den 39 Religionsartikeln, dem Book of Common

Prayer und dem Ordinal sowie im Augsburgischen Bekenntnis und im Heidelberger

Katechismus zum Ausdruck kommt, eine ähnliche historische Überlieferung des

Gottesdienstes mit dem Mittelpunkt der Verkündigung und Feier des lebendigen Christus in

Wort und Sakrament, die jetzt mit anderen christlichen Traditionen innerhalb der liturgischen

Erneuerung zusammenläuft.

10. Obwohl wir uns voneinander entfremdeten und in Trennung lebten, haben wir niemals als

Kirchen gegeneinander ein Verdammungsurteil ausgesprochen. Im 19. Jahrhundert beteiligten

sich unsere Kirchen an einer Reihe gemeinsamer missionarischer Bemühungen. In den

dunklen Jahren zwischen 1933 und 1945 kamen einige Mitglieder unserer Kirchen in einer

wahren Gemeinschaft des Zeugnisses zusammen. Diese Beziehung entwickelte sich nach dem

2. Weltkrieg und hat fortdauernd in der weiteren ökumenischen Bewegung Frucht getragen.

11. Jetzt freuen wir uns über unser Zusammenwachsen. Es besteht Zusammenarbeit auf vielen

Gebieten sozialer und pastoraler Anliegen, wir haben gemeinsame theologische Dialoge

geführt, unsere Gemeinschaft hat durch Austausch, durch Partnerschaften örtlicher

Gemeinden und durch Besuche auf allen Ebenen Förderung erfahren. Wir sind bereits in der

Lage, einander zum Empfang des Heiligen Abendmahls in unseren Kirchen einzuladen.

12. Wir erkennen an, dass es in unseren getrennten Kirchen die Treue gibt zum apostolischen

Glauben und zur apostolischen Sendung, zur Feier von Taufe und Herrenmahl und zu der

Ausübung der ordinierten Ämter als von Gott gegeben und als Werkzeugen seiner Gnade.

13. Unser Zusammenwachsen ist Teil einer weiteren Bewegung innerhalb der einen

ökumenischen Bewegung auf die Einheit hin. Für diese unsere Übereinkunft sind die

folgenden Vereinbarungen und engeren Beziehungen von besonderer Bedeutung:

(1) In den 20er und 30er Jahren dieses Jahrhunderts stellte die Kirche von England mit den

lutherischen Kirchen von Schweden und Finnland, Lettland und Estland Interkommunion her.

43

Dies umschloss gegenseitige eucharistische Gastfreundschaft und die Erlaubnis zu predigen

und bei der Eucharistie zu assistieren. Bischöfe der Kirche von England und der Kirchen von

Schweden und Finnland haben von Zeit zu Zeit an Ordinationen von Bischöfen gegenseitig

teilgenommen. Ferner gibt es seit den 50er Jahren offizielle gegenseitige eucharistische

Gastfreundschaft zwischen der Kirche von England und den Kirchen von Norwegen,

Dänemark und Island. In den Vereinigten Staaten von Amerika vollzogen lutherische und

bischöfliche Kirchen (Protestantische Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika)

im Jahre 1986 den Schritt zur "eucharistischen Gemeinschaft ad interim".

(2) In ähnlicher Weise sind Anglikaner und Reformierte an einer Reihe nationaler

Einigungsverhandlungen in verschiedenen Teilen der Welt beteiligt. Diese hatten bereits

unterschiedliche Grade eucharistischer Gemeinschaft in den USA und in Wales zur Folge. In

den Vereinigten Kirchen auf dem indischen Subkontinent sind beide Konfessionen

zusammengetroffen. In England leben Anglikaner und Reformierte und in einem Fall auch

Lutheraner gemeinsam in örtlichen ökumenischen Projekten, in denen sie gemeinsam leben,

Gottesdienst halten und an einem Amt teilhaben. An einigen Orten schließt dies die

gemeinsame geistliche Leitung "oberhalb" der örtlichen Ebene ein.

(3) Die Kirche von England, die Evangelische Kirche in Deutschland und der Bund der

Evangelischen Kirchen in der Deutschen Demokratischen Republik haben enge Beziehungen

zu den Altkatholiken. Die Kirche von England stellte mit den Kirchen der Utrechter Union

durch die Bonner Vereinbarung von 1931 Interkommunion her. Die Gliedkirchen der

Evangelischen Kirche in Deutschland und des Bundes der Evangelischen Kirchen in der

Deutschen Demokratischen Republik und die Altkatholische Kirche in der Bundesrepublik

Deutschland und in der Deutschen Demokratischen Republik gewähren sich gegenseitig

eucharistische Gastfreundschaft.

(4) Lutherische, reformierte und unierte Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland, in der

Deutschen Demokratischen Republik und im Vereinigten Königreich gehören zur

Leuenberger Konkordie Reformatorischer Kirchen in Europa, die "Kanzel- und

Abendmahlsgemeinschaft" erklärt. Im Jahre 1987 nahmen auch die Evangelisch-

Methodistische Kirche in der Bundesrepublik Deutschland und die Gliedkirchen der

Evangelischen Kirche in Deutschland "Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft" auf.

Entsprechende Vorschläge liegen gegenwärtig den Kirchen in der Deutschen Demokratischen

Republik vor.

V. Einigkeit im Glauben

14. Unsere Empfehlungen unter Nr. 17 gründen sich auf die vereinbarten Erklärungen

zwischen Vertretern der Kirchen der Anglikanischen Gemeinschaft und des Lutherischen

Weltbundes und der Kirchen der Anglikanischen Gemeinschaft und des Reformierten

Weltbundes; und - auf der europäischen Ebene - zwischen Vertretern anglikanischer und

lutherischer Kirchen in Europa(5) . Neben diese vereinbarten Erklärungen gehören der

Bericht der Kommission des Ökumenischen Rates der Kirchen für Glauben und

Kirchenverfassung über Taufe, Eucharistie und Amt(6) und die Berichte anglikanischer,

lutherischer und reformierter Dialoge mit der Römisch-Katholischen Kirche. Alle diese

vereinbarten Texte befinden sich noch im Zustimmungs- und Rezeptionsprozess unserer

Kirchen. Sie alle zeigen eine bemerkenswerte innere Übereinstimmung, die darauf hindeutet,

dass sich die Kirchen aufeinander zu bewegen.

44

15. Als ein Ergebnis dieser Dialoge sind die Kirche von England, der Bund der Evangelischen

Kirchen in der Deutschen Demokratischen Republik mit seinen Gliedkirchen und die

Evangelische Kirche in Deutschland in der Bundesrepublik Deutschland mit ihren

Gliedkirchen jetzt in der Lage, in folgenden Punkten Übereinstimmung festzustellen:

(1) Wir erkennen die Autorität der kanonischen Schriften des Alten und Neuen Testamentes

an. Unsere gottesdienstlichen Schriftlesungen richten sich nach der Ordnung des

Kirchenjahres(7) .

(2) Wir erkennen das Nicäno-Konstantinopolitanische und das Apostolische

Glaubensbekenntnis an und bekennen die grundlegenden trinitarischen und christologischen

Dogmen, welche diese Glaubensbekenntnisse bezeugen. Das heißt: Wir glauben, dass Jesus

von Nazareth wahrer Gott und wahrer Mensch ist und dass Gott ein Gott in drei Personen,

Vater, Sohn und Heiliger Geist, ist(8) .

(3) Wir feiern den apostolischen Glauben in der gottesdienstlichen Liturgie. Liturgie ist für

uns die Feier des Heils durch Christus und ein bedeutsamer Faktor beim Zustandekommen

des consensus fidelium. Wir freuen uns über das Ausmaß "der Gemeinsamkeit unserer

Tradition in der Spiritualität, Liturgie und im sakramentalen Leben", die uns ähnliche Formen

des Gottesdienstes, gemeinsame Texte, Lieder, biblische Lobgesänge und Gebete gebracht

hat. Wir sind durch eine gemeinsame liturgische Erneuerung beeinflusst. Aber wir freuen uns

auch über die Vielfalt der Ausdrucksformen, die sich bei unterschiedlichen kulturellen

Bedingungen zeigen(9) .

(4) Wir glauben, dass die Taufe mit Wasser im Namen des Dreieinigen Gottes den Getauften

mit dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi vereint, die Aufnahme in die Eine, Heilige,

Katholische und Apostolische Kirche vermittelt und die Gnadengabe neuen Lebens im Geist

vermittelt(10) .

(5) Wir glauben, dass die Feier des Herrenmahles das von Jesus Christus eingesetzte Fest des

Neuen Bundes ist, bei welchem das Wort Gottes verkündigt wird und in welchem der

auferstandene Christus seinen Leib und sein Blut unter den sichtbaren Zeichen von Brot und

Wein der Gemeinde gibt. "Im Geschehen des Herrenmahles ist Christus wahrhaft

gegenwärtig, um sein Leben in der Auferstehung mit uns zu teilen und uns mit ihm in seiner

Selbsthingabe an den Vater zu vereinen, jenem einen vollständigen, vollkommenen und

genügenden Opfer, das er allein bringen kann und ein für allemal gebracht hat"(11) . In dieser

Feier erfahren wir die Liebe Gottes und die Vergebung der Sünden In Jesus Christus und

verkündigen seinen Tod und seine Auferstehung, bis er wiederkommt und sein Reich zur

Vollendung bringt(12) .

(6) Wir glauben und verkündigen das Evangelium, dass in Jesus Christus Gott die Welt liebt

und erlöst. Wir "besitzen ein gemeinsames Verständnis von Gottes rechtfertigender Gnade, d.

h. dass wir für gerecht gehalten und gerechtfertigt vor Gott allein aus Gnade durch Glauben

aufgrund des Verdienstes unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus sind und nicht in

Ansehung unserer Werke oder Verdienste... Unsere beiden Konfessionen bestätigen, dass die

Rechtfertigung zu ‘guten Werken‘ führt und führen muss; echter Glaube bringt Liebe

hervor"(13)

(7) Wir glauben, dass die Kirche von dem Dreieinigen Gott durch Gottes Heilshandeln in

Wort und Sakramenten gegründet ist und erhalten wird und nicht das Werk der einzelnen

Gläubigen ist. Wir glauben, dass die Kirche in die Welt als Zeichen, Werkzeug und

45

Vorgeschmack des Reiches Gottes gesandt ist. Aber wir erkennen ebenso an, dass die Kirche

ständig der Reform und Erneuerung bedarf(14) .

(8) Wir glauben, dass alle Glieder der Kirche zur Teilnahme an ihrer apostolischen Sendung

berufen sind. Ihnen sind daher vom Heiligen Geist vielfältige Ämter gegeben. Innerhalb der

Gemeinschaft der Kirche besteht das ordinierte Amt, um dem Amt des ganzen Volkes Gottes

zu dienen. Wir meinen, dass das ordinierte Amt des Wortes und Sakramentes eine Gabe

Gottes an seine Kirche und daher ein Amt göttlicher Einsetzung ist(15) .

(9) Wir glauben, dass ein in personaler, kollegialer und gemeinschaftlicher Weise ausgeübtes

Amt pastoraler Aufsicht (Episkope) nötig ist, um die Einheit und Apostolizität der Kirche zu

bezeugen und zu schützen(16) .

(10) Wir haben eine gemeinsame Hoffnung auf die endgültige Vollendung des Gottesreiches

und glauben, dass wir in dieser eschatologischen Sicht berufen sind, jetzt für die Förderung

von Gerechtigkeit und Frieden zu arbeiten. Das Gottesreich muss verbindlich werden und

unser Leben in der Kirche und unsere Sorge für die Welt regieren. "Es ist christlicher Glaube,

dass Gott in Jesus ‘durch sein Blut am Kreuz‘ (Kol. 1, 20) Frieden gemacht und damit die

eine verbindliche Mitte für die Einheit der ganzen menschlichen Familie gesetzt hat"(17) .

16. 0bwohl lutherische, reformierte und unierte Kirchen in zunehmendem Maße bereit sind,

die bischöfliche Sukzession "als ein Zeichen der Apostolizität des Lebens der ganzen Kirche"

zu würdigen, meinen sie, dass diese besondere Form der Episkope nicht eine notwendige

Bedingung für "volle, sichtbare Einheit" werden sollte. Das anglikanische Verständnis voller,

sichtbarer Einheit schließt den historischen Episkopat und volle Austauschbarkeit der Pfarrer

ein. Wegen dieses bleibenden Unterschiedes führt unsere gegenseitige Anerkennung der

beiderseitigen Ämter noch nicht zur vollen Austauschbarkeit der Pfarrer. "Aber auch dieser

bleibende Unterschied kann im Lichte unserer Übereinstimmungen und Annäherungen nicht

als ein Hindernis für engere Gemeinschaft zwischen unseren Kirchen angesehen werden"(18)

.

VI. Gegenseitige Anerkennung und nächste Schritte

17. Wir empfehlen, dass unsere Kirchen gemeinsam die folgende Erklärung abgeben:

18. Die vorstehende Erklärung tritt in Kraft, wenn sie von der Kirche von England, dem Bund

der Evangelischen Kirchen in der Deutschen Demokratischen Republik und der

Evangelischen Kirche in Deutschland gemäß deren intern geltenden Vorschriften und

Verfahrensweisen angenommen ist. Wir empfehlen unseren Kirchen, dieser Verpflichtung, an

gemeinsamem Leben und gemeinsamer Sendung teilzunehmen und nach voller, sichtbarer

Einheit zu streben, gottesdienstlich Ausdruck zu verleihen.

19. Die Ausführung der Vorschläge in dieser Erklärung wird einen wichtigen Abschnitt in

dem Wachstum auf volle, sichtbare Einheit der Kirche hin bedeuten. Wir wissen, dass über

dieses Engagement hinaus ein Schritt folgt, die Kirchen und Ämter nicht nur anzuerkennen,

sondern innerhalb der weiteren Gemeinschaft der universalen Kirche zum vollen Einklang zu

bringen.

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Anhang B - DIE MEISSENER ERKLÄRUNG

"Wir, die Kirche von England, der Bund der Evangelischen Kirchen in der Deutschen

Demokratischen Republik mit seinen Gliedkirchen und die Evangelische Kirche in

Deutschland mit ihren Gliedkirchen verpflichten uns auf der Grundlage unserer Teilhabe an

dem gemeinsamen apostolischen Glauben und im Lichte dessen, was wir von unserer

gemeinsamen Geschichte und unserem gemeinsamen Erbe wiederentdeckt haben, wie dies in

den Kapiteln I bis V zum Ausdruck gekommen ist, gemeinsam nach der vollen, sichtbaren

Einheit zu streben.

A 1) Wir erkennen unsere Kirchen gegenseitig als Kirchen an, die zu der Einen, Heiligen,

Katholischen und Apostolischen Kirche Jesu Christi gehören und an der apostolischen

Sendung des ganzen Volkes Gottes wahrhaft teilhaben;

(2) wir erkennen an, dass in unseren Kirchen das Wort Gottes authentisch gepredigt wird und

die Sakramente der Taufe und des Herrenmahls recht verwaltet werden;

(3) wir erkennen unsere ordinierten Ämter gegenseitig als von Gott gegeben und als

Werkzeuge seiner Gnade an und freuen uns auf die Zeit, wenn sich unsere Kirchen in vollem

Einklang befinden werden und damit die volle Austauschbarkeit der Geistlichen möglich sein

wird;

(4) wir erkennen an, dass personale und kollegiale geistliche Aufsicht (Episkope) in unseren

Kirchen in einer Vielfalt von bischöflichen und nichtbischöflichen Formen als ein sichtbares

Zeichen der Einheit der Kirche und der Kontinuität des apostolischen Lebens, der

apostolischen Sendung und de apostolischen Amtes verkörpert und ausgeübt wird.

B Wir verpflichten uns zur Teilnahme an gemeinsamem Leben und gemeinsamer Sendung.

Wir werden alle möglichen Schritte zu engerer Gemeinschaft auf so vielen Gebieten

christlichen Lebens und Zeugnisses wie möglich unternehmen, so dass alle unsere Mitglieder

gemeinsam auf dem Weg zu voller, sichtbarer Einheit voranschreiten mögen.

Als nächste Schritte vereinbaren wir:

(1) offizielle theologische Gespräche zwischen unseren Kirchen fortzusetzen, zur Rezeption

der bereits erreichten theologischen Übereinstimmung und zur Annäherung zu ermutigen und

an der Überwindung der zwischen uns noch bestehenden Unterschiede zu

arbeiten; (Diese Schritte bedürfen getrennter Vereinbarungen zwischen der Kirche von

England und dem Bund der Evangelischen Kirchen in der Deutschen Demokratischen

Republik und zwischen der Kirche von Englang und der Evangelischen Kirche in

Deutschland).

(2) Formen gemeinsamer geistlicher Aufsicht zu schaffen, so daß unsere Kirchen regelmäßig

miteinander wichtige Angelegenheiten von Glauben und Kirchenverfassung sowie des

praktischen Christentums beraten können (Diese Schritte bedürfen getrennter Vereinbarungen

zwischen der Kirche von England und dem Bund der Evangelischen Kirchen in der Deutschen

Demokratischen Republik und zwischen der Kirche von England und der Evangelischen

Kirche in Deutschland).

(3) gegenseitig an unseren Gottesdiensten, einschließlich Taufe, Herrenmahl und

Ordinationen, teilzunehmen;

47

(4) dass ordnungsgemäß berufene Geistliche unserer Kirchen gemäß den kirchlichen

Regelungen und im Rahmen ihrer Befugnisse in Gemeinden der anderen Kirchen, wenn dies

erbeten wird, die Aufgaben ihres eigenen Amtes wahrnehmen dürfen;

wenn diese Aufgaben nicht nur bei einer einzelnen Gelegenheit, sondern für längere Zeit

ausgeübt werden sollen, so ist eine Einladung der zuständigen Kirchenbehörde für die

Ausübung dieser Aufgaben erforderlich.

(5) dass die Kirche von England die Mitglieder der Gliedkirchen des Bundes der

Evangelischen Kirchen in der Deutschen Demokratischen Republik und der Gliedkirchen der

Evangelischen Kirche in Deutschland einlädt, das Heilige Abendmahl nach der Ordnung der

Kirche von England zu empfangen; die Gliedkirchen des Bundes der Evangelischen Kirchen

in der Deutschen Demokratischen Republik und die Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in

Deutschland laden die Mitglieder der Kirche von England ein, das Heilige Abendmahl nach

ihren geltenden Ordnungen zu empfangen. Wir ermutigen die Mitglieder unserer Kirchen, die

ihnen angebotene eucharistische Gastfreundschaft anzunehmen und dadurch ihre miteinander

bestehende Einheit in dem einen Leib Christi zum Ausdruck zu bringen;

(6) dass, wann immer sich das Volk Gottes in unseren Kirchen zum Abendmahlsgottesdienst

versammelt, die ordinierten Geistlichen unserer Kirchen - gemäß deren Bestimmungen - das

Herrenmahl in einer Weise gemeinsam feiern, die über gegenseitige eucharistische Gast-

freundschaft hinausgeht, aber noch nicht die volle Austauschbarkeit der Geistlichen

erreicht.** (Konzelebration im Sinne von gemeinsamer Konsekration wird weder durch Worte

noch durch Gesten in Betracht gezogen). Solche eucharistische Gemeinschaft lässt die

Gegenwart zweier oder mehrerer Kirchen erkennen, die ihre Einheit im Glauben und in der

Taufe zum Ausdruck bringen und glaubhaft machen, dass wir auch weiterhin darum bemüht

sind, die Einheit der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche sichtbar zu

machen und dass wir in solcher eucharistischer Gemeinschaft mit dem Einen Herrn Jesus

Christus einander auf dem Wege zu diesem Ziel stärken und ermutigen;

Der Abendmahlsgottesdienst wird von einem ordinierten Geistlichen geleitet. Nur diese

Person darf das eucharistische Gebet sprechen.

In dem eucharistischen Gebet sind die Einsegnungsworte verbunden mit der

Danksagung an den Vater, der Erinnerung an das Heilswerk Christi (Anamnese) und der

Anrufung des Heiligen Geistes (Epiklese).

In solchen Gottesdiensten sollte die Ordnung gelten, die von der Kirche des leitenden

Geistlichen autorisiert ist.

Die Verabredungen für die Liturgie einschließlich der Zuteilung der verschiedenen Teile

des Gottesdienstes sollten sich nach den örtlichen Umständen und Traditionen richten.

Ein angemessener Umgang mit den nach der Feier übrig bleibenden Gaben ist geboten.

"Jede Kirche (sollte) die Praxis und Frömmigkeit der anderen respektieren...Die

Achtung für die in der Eucharistie verwandten Elemente (bringt man) am besten

dadurch zum Ausdruck, dass man sie verzehrt, ohne dabei ihren Gebrauch für das

Krankenabendmahl auszuschließen."

Geistliche sollten die ihrer Tradition angemessene Amtstracht tragen.

(7) dass es ein Ausdruck der Verpflichtung unserer Kirchen zur Einheit und Apostolizität der

Kirche ist, wenn ein Bischof oder Pfarrer eine Einladung zur Teilnahme an einer Ordination

in einer anderen Kirche annimmt.

48

Bis wir ein gemeinsames, in vollem Einklang befindliches Amt haben, kann eine solche

Teilnahme an einer Ordination keine Handlungen einschließen, welche durch Worte oder

Gesten darauf schließen lassen könnten. dass solches bereits erreicht sei.

Für die Kirche von England bedeutet dies, dass ein beteiligter Bischof oder Priester nicht

durch Handauflegung oder auf andere Weise eine Handlung vornehmen darf, welche als

Zeichen der Übertragung des anglikanischen Priesteramtes (Holy Orders) gilt. Er darf an einer

davon getrennten Handauflegung als Segenshandlung teilnehmen.

Anhang C - AUSFÜHRUNGEN

der in der Meissener Erklärung vereinbarten Schritte durch die Church of England und

die Evangelische Kirche in Deutschland - 2. Februar 1991

In der in der Meissener Gemeinsamen Feststellung empfohlenen gemeinsamen Erklärung (die

"Meissener Erklärung") haben die Church of England und die Evangelische Kirche in

Deutschland mit ihren Gliedkirchen (im folgenden "die beteiligten Kirchen" genannt) sich

"zur Teilnahme an gemeinsamem Leben und gemeinsamer Sendung" sowie dazu verpflichtet,

"alle möglichen Schritte zu engerer Gemeinschaft auf so vielen Gebieten christlichen Lebens

und Zeugnisses wie möglich zu unternehmen, so dass alle unsere Mitglieder gemeinsam auf

dem Weg zu voller, sichtbarer Einheit voranschreiten mögen" (Meissener Erklärung B). Zu

diesem Zwecke vereinbaren die beteiligten Kirchen jetzt weitere praktische Schritte.

PARTNERSCHAFTEN

1. Die beteiligten Kirchen werden Gemeinden, Gruppen von Gemeinden, Kirchenkreise,

Landeskirchen (Diözesen), Kathedralen und übergemeindliche kirchliche Werke und

Einrichtungen ermutigen, in Partnerschaften mit entsprechenden Partnern der jeweils anderen

Kirche einzutreten. Zu solchen Partnerschaften gehören Besuche und Austausch von

Gemeindegliedern und Pfarrern (in Gruppen oder als Einzelpersonen), Austausch von

Informationen, gemeinsamer Gottesdienst, gemeinsames Gebet und gemeinsame geistliche

Besinnung sowie gemeinsame Diskussionen über Fragen allgemeinen Interesses. Die Church

of England und die Evangelische Kirche in Deutschland werden ihre Diözesen und

Gliedkirchen ermutigen, bei der Finanzierung und anderweitigen Ausstattung solcher

Partnerschaften behilflich zu sein.

2. Wo zwischen einer der beteiligten Kirchen und einer anderen Kirche in Deutschland oder

England örtliche Partnerschaften bestehen, wird zu einer Erweiterung solcher Partnerschaften

unter Einbeziehung jeweils der Church of England oder der Evangelischen Kirche in

Deutschland ermutigt. Entsprechend werden auch andere Kirchen und Christen ermutigt, sich

an Partnerschaften im Rahmen dieser Vereinbarung zu beteiligen.

AUSTAUSCH VON PFARRERN UND KIRCHLICHEN MITARBEITERN

3. Die beteiligten Kirchen werden den Austausch von Pfarrern und anderen kirchlichen

Mitarbeitern ermöglichen und dazu ermutigen und angemessene Bedingungen für Teilnehmer

an der Pfarrerfortbildung oder beruflichen Fortbildung schaffen.

49

4. Für den Austausch und die Einweisung muß in jedem Falle die Genehmigung der

zuständigen Kirchenbehörde eingeholt werden. Im Falle der Evangelischen Kirche in

Deutschland ist dies die Leitung der betreffenden Gliedkirche; die Aufgaben im öffentlichen

Gottesdienst werden in Übereinstimmung mit den liturgischen Vorschriften dieser Kirche

wahrgenommen. Im Falle der Church of England ist die Genehmigung des Bischofs der

Diözese erforderlich, und die Aufgaben im öffentlichen Gottesdienst werden in

Übereinstimmung mit dem kanonischen Recht der Church of England wahrgenommen.

THEOLOGISCHE AUSBILDUNGSSTÄTTEN UND STUDENTEN

5. Es wird zur Einrichtung von Partnerschaften zwischen einzelnen Colleges und Kursen der

Church of England und einzelnen protestantischen theologischen Ausbildungsinstituten und

Kollegs in Deutschland ermutigt. Zu solchen Partnerschaften können Gruppenbesuche,

Einzelbesuche und Gastfreiheit, Austausch von Studenten und Dozenten sowie gemeinsame

Konferenzen und Konsultationen über die Arbeit und über Ausbildungsmethoden gehören.

Die beteiligten Kirchen werden sich darum bemühen, ihren Ausbildungseinrichtungen und

Kollegs bei der Aufbringung der Mittel für solche Partnerschaften behilflich zu sein.

6. Zur Einrichtung von Stipendien und Programmen für einen regelmäßigen Austausch von

Theologiestudenten soll ebenfalls ermutigt werden; diese sollen auch für Studenten an

Universitäten, an Kirchlichen Hochschulen und an Kursen, die nicht an einer speziellen

Partnerschaft beteiligt sind, offen sein.

BIBLIOTHEKEN

7. Die Church of England und die Evangelische Kirche in Deutschland werden sich

gegenseitig bei der Einrichtung einer Bibliothek für anglikanische Studien in Deutschland und

einer Bibliothek für deutsche protestantische Studien in England unterstützen. Die

Bibliotheken werden in einer besonderen Ausbildungsstätte oder Einrichtung untergebracht,

sollen aber der ganzen Kirche dienen.

KONFERENZEN

8. Die Church of England, die Evangelische Kirche in Deutschland und der Bund der

Evangelischen Kirchen werden eine fortlaufende Reihe offizieller Konferenzen von

Theologen und Fachleuten über verschiedene Aspekte des Glaubens und der

Kirchenverfassung, des Lebens und der Arbeit der Kirche durchführen. Diese Konferenzen

sollen zur Rezeption des bereits erreichten theologischen Konsenses und der erreichten

Konvergenz ermutigen und an der Überwindung der zwischen den beteiligten Kirchen noch

bestehenden Unterschiede arbeiten. (Meissener Erklärung B (1)

SCHRITTE ZU GEMEINSAMER GEISTLICHER AUFSICHT

9. Einmal während der Amtszeit jedes Rates wird die Evangelische Kirche in Deutschland die

Generalsynode der Church of England einladen, eine Delegation zum Besuch der

Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Gliedkirchen zu entsenden. Der Delegation

soll mindestens je ein Mitglied der Häuser der Bischöfe, der Kleriker und der Laien in der

Generalsynode angehören; ferner ein Mitglied des Standing Committee und nach Möglichkeit

einer der Präsidenten der Generalsynode. Einmal während der Amtszeit jeder Generalsynode

50

wird die Church of England die Evangelische Kirche in Deutschland einladen, eine

Delegation zum Besuch der Church of England zu entsenden. Der Delegation sollen

Mitglieder des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, nach Möglichkeit sein

Vorsitzender oder stellvertretender Vorsitzender und mindestens je ein Bischof, ein

Geistlicher und ein Laie als Mitglieder der Synode oder Kirchenkonferenz der Evangelischen

Kirche in Deutschland angehören.

10. Das Haus der Bischöfe der Church of England wird mindestens einmal innerhalb von fünf

Jahren den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland einladen, eine Person mit

bischöflichen Aufgaben in einer der Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland

zur Teilnahme mit Rederecht, aber ohne Stimmrecht, an einem "residential meeting" des

Hauses der Bischöfe der Generalsynode zu benennen. Die Evangelische Kirche in

Deutschland wird mindestens einmal während der Amtszeit ihres Rates einen Bischof der

Church of England zur Teilnahme mit Rederecht, aber ohne Stimmrecht, an einer Sitzung der

Kirchenkonferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland einladen. (Meissener Erklärung

B(2)).

EVANGELISCHE SYNODE DEUTSCHER SPRACHE IN GROSSBRITANNIEN;

DIOCESE IN EUROPE

11. Es wird zur Zusammenarbeit zwischen der Church of England und der Evangelischen

Synode Deutscher Sprache in Großbritannien und ebenso zwischen der Evangelischen Kirche

in Deutschland und der Diocese in Europe ermutigt.

INSTRUMENTE GEMEINSAMEN HANDELNS

12. Für die Zusammenarbeit in Erfüllung ihres gemeinsamen Auftrages können die Church of

England und die Evangelische Kirche in Deutschland gemeinsam und auch zusammen mit

anderen Kirchen Agenturen oder Büros einrichten, Kommissionen, Ausschüsse oder

Sonderpfarrämter organisieren oder ähnliche andere Vorhaben durchführen. Falls nichts

anderes vereinbart, werden solche gemeinsamen Aktivitäten in der Zuständigkeit des

Gemeinsamen Ausschusses stattfinden.

13. Die Bedingungen im einzelnen sollen in jedem Falle besonders vereinbart werden. Falls

nicht anders vereinbart, werden die Kosten solcher gemeinsamen Aktivitäten zu gleichen

Teilen getragen.

DER GEMEINSAME AUSSCHUSS

14. Mit Wirkung vom 1.3.1991 werden die Church of England und die Evangelische Kirche

in Deutschland einen Gemeinsamen Ausschuss bilden. Seine Aufgabe ist es, die

Durchführung der Meissener Erklärung und der vorgenannten Schritte zu beobachten und die

beteiligten Kirchen zu ermutigen, alle möglichen Schritte zu engerer Gemeinschaft auf dem

Wege zu voller, sichtbarer Einheit zu unternehmen.

51

15. Der Ausschuss besteht aus den folgenden Mitgliedern:

ein Bischof der Church of England als Ko-Vorsitzender,

ein Geistlicher der Church of England,

ein Laienmitglied der Church of England

(alle für einen Zeitraum von fünf Jahren von den Erzbischöfen von Canterbury und York auf

Empfehlung des Council for Christian Unity der Generalsynode berufen);

ein Bischof oder gleichrangiger Geistlicher der Evangelischen Kirche in Deutschland als Ko-

Vorsitzender,

ein Geistlicher der Evangelischen Kirche in Deutschland,

ein Laienmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland

(alle vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland für einen Zeitraum von fünf Jahren

berufen).

16. Ein/e Mitarbeiter/in des Council for Christian Unity der Generalsynode und ein/e

Mitarbeiter/in der Europa-Abteilung des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in

Deutschland sind gemeinsam als Sekretäre des Gemeinsamen Ausschusses tätig.

17. Der Gemeinsame Ausschuss soll mindestens einmal jährlich, abwechselnd auf Einladung

der Church of England und der Evangelischen Kirche in Deutschland, zusammenkommen. In

der Regel wird jede Kirche die Reisekosten ihrer eigenen Vertreter bezahlen, während alle

anderen Kosten von der gastgebenden Kirche getragen werden.

18. Zu den Aufgaben des Gemeinsamen Ausschusses gehört es,

a) Leitlinien und Empfehlungen zur Durchführung der unter B(1) - (7) der Meissener

Erklärung vereinbarten Schritte zu geben und die Praxis der Diözesen der Church of England

und der Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland zu koordinieren;

b) nach Bedarf Fragen von Glauben und Kirchenverfassung sowie des praktischen

Christentums gemeinsam zu beraten und auszutauschen;

c) die beteiligten Kirchen an ihre ökumenische Verantwortung zu erinnern, wenn sie im

Begriff sind, Schritte zu unternehmen, welche ihre Partnerkirche berühren könnten;

d) einen ausführlichen und regelmäßigen Austausch von Informationen zwischen den

beteiligten Kirchen sicherzustellen;

e) Themen und Fragen für die beteiligten Kirchen zur gemeinsamen Überlegung in

Konsultationen und Konferenzen im Rahmen dieser Vereinbarung zu formulieren.

19. Jeweils gegen Ende eines 5-Jahres-Zeitraumes wird der Gemeinsame Ausschuss den

Fortschritt, den die beteiligten Kirchen während dieses Zeitraumes auf dem Weg zu sichtbarer

Einheit gemacht haben, und die Einhaltung ihrer Zusagen überprüfen. Gleichzeitig wird der

Ausschuss dieses Papier überprüfen und wünschenswerte Änderungen oder Ergänzungen

vorschlagen.

52

20. Der englische und der deutsche Wortlaut dieser Erklärung sind in gleicher Weise

maßgebend.

Berlin, am 2. Februar 1991

Für die Evangelische Kirche in Deutschland:

Der Präsident des Kirchenamtes

gez. Otto Frhr. v. Campenhausen

For the Church of England:

The Secretary-General of the General Synod

gez. Philip Mawer

Anhang D - Beziehung zwischen Landeskirchen und Diözesen

Aktuelle Liste der Partnerschaften

1. KATHEDRALEN / ZENTRALE KIRCHEN

Coventry Dresden Frauenkirche*

Durham Lübeck

Ely Hamburg

Ely Schleswig

Worchester Magdeburg

Bristol Hannover *

2. DIÖZESEN, LANDESKIRCHEN UND KIRCHENKREISE

Birmingham Frankfurt, Hessen & Nassau

Blackburn Braunschweig

Bradford Erfurt, Kirchenprovinz Sachsen

Bristol Nürnberg, Bayern

Canterbury Lörrach und Tegernau, Kirchenkreis

Chelmsford Hildesheim, Hannover

Chichester Bayreuth, Bayern und Ried, Hessen-Nassau

Coventry Dresden, Sachsen

Derby Osnabrück, Hannover

Durham Nordelbien und Moers, Rheinland

Ely Nordelbien

Gloucester Hannover

Greater Manchester Dortmund, Rheinland

Guildford Freiburg, Baden

Hereford Nürnberg, Bayern

Lichfield Mecklenburg

Lincoln Klöden, Sachsen

Liverpool Köln, Rheinland und Überlingen-Stockach, Bayern

London Berlin-Brandenburg

London Willesden Chemnitz I/II, Sachsen

London (Pinner) Bielefeld, Westfalen

53

Manchester Chemnitz I, Sachsen

Manchester/Salford Lünen, Westfalen

Manchester/Stretford Leipzig, Sachsen

Milton Keynes (Oxford) Leipzig, Sachsen

Norwich Koblenz, Rheinland und Haltern, Westfalen

Oxford Bonn, Rheinland

Oxford (Reading) Düsseldorf, Rheinland

Peterborough Prenzlau, Berlin-Brandenburg

Sheffield Hattingen-Witten, Westfalen

Sodor and Man Niederlauken, Hessen-Nassau

Worcester (Dudley) Hannover, Bremen und Leipzig, Sachsen

* Die Partnerschaften Coventry/Dresden und Bristol/Hannover gab es bereits vor

Unterzeichnung der Meissen Erklärung.

3. LOKALE ÖKUMENISCHE PARTNERSCHAFTEEN (LEPs)

- Diözese Ely und Kirchenkreis Südtondern, Nordelbische Evang. Luth. Kirche, besonders mit

den Gemeinden Braderup und Klixbüll, seit Oktober 2005

- Colne and Villages Team Ministry Parish (Diözese Blackburn) und Gesamtpfarrverband

Süd-Asse (Ev. Luth. Landeskirche Braunschweig), seit September 2006

- Gemeinde St. Chads‘s Poulton-le-Fylde (Diözese Blackburn) und Kirchengemeinde Flöthe

(Ev. Luth. Landeskirche Braunschweig)

Außerdem gibt es weitere partnerschaftliche Verbindungen zwischen Gemeinden,

Institutionen und Gemeinden der Synode Deutscher Sprache in Großbritannien und der

Kirche von England

Beratung für den Aufbau und die Gestaltung von Partnerschaftsbeziehungen ist möglich beim

Kirchenamt der EKD

Referat West- und Nordeuropa

Herrenhäuser Str. 12

D-30419 Hannover

Tel. 0049-(0)511-2796-127

E-mail: [email protected]

Anhang E - COMMUNIQUE DER FÜNFTEN THEOLOGISCHEN KONFERENZ

NACH DER MEISSENER ERKLÄRUNG, FOXHILL KONFERENZ-ZENTRUM IN

FRODSHAM, CHESHIRE, 6.-9. SEPTEMBER 2005

'CHRSTLICHE INITIATION UND MISSION IN EINER POSTCHRISTLICHEN

GESELLSCHAFT'

54

A. Einführung

1. Auf der Grundlage der gegenseitigen Anerkennung der EKD und der Kirche von England

als "der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche Jesu Christi" zugehörig und

wahrhaft an der apostolischen Sendung des gesamten Volkes Gottes teilhabend (Meissener

Erklärung 1991, Sektion A (1)), haben unsere Kirchen sich in der Meissener Erklärung zur

Teilnahme an gemeinsamem Leben und gemeinsamer Sendung verpflichtet. Vor diesem

Hintergrund wurden die Gespräche über "Christliche Initiation und Mission in einer

postchristlichen Gesellschaft" geführt. Das Thema der Konferenz bot einen Anstoß, die

gemeinsame Sendung und das gemeinsame Leben unserer Kirchen im Hinblick auf die

praktischen Herausforderungen zu bedenken, die ihnen in ihrem Alltag begegnen und den

Möglichkeiten für eine ökumenische Zusammenarbeit im Rahmen einer praktisch-

ökumenischen Theologie nachzugehen.

2. Die Konferenz war eine Gelegenheit für einen fruchtbaren und konstruktiven Austausch

über die folgenden Themen

- die religiöse Situation unserer Gesellschaft

- den Ort der Kirche in dieser Gesellschaft

- die Weise, wie die Konfirmationspraxis sich zur religiösen Situation im allgemeinen

verhält und wie sie insbesondere den Ort der Kirche bestimmt.

3. Besondere Bedeutung wurde dem Verhältnis zwischen der katechetischen Vorbereitung auf

die Konfirmation als der religiösen Erziehung und dem Konfirmationsritus als Teil dem

liturgischen Leben der Kirche zugehörig zugemessen. Beide Aspekte wurden in engem

Zusammenhang mit den dogmatischen Anliegen gesehen, die das Verständnis und die Praxis

der Konfirmation in unseren Kirchen geprägt haben.

B. Die Themen der Referate

Das übergeordnete Thema wurde von vier Perspektiven aus angegangen.

1. Die soziale und pastorale Perspektive

Die Referate von Carsten Haeske über Konfirmation in Ostdeutschland und Martyn Percy

über Die Taufe als kulturelles Gespräch: Wege einer impliziten Theologie bezogen sich auf

die Frage, wie die Konfirmation sowohl als Vorbereitungsprozess als auch im

Konfirmationsritus selbst in Beziehung zur allgemeinen Situation der christlichen Kirchen

steht. Die Gestaltung des Unterrichts und der Vollzug der Konfirmation spiegeln die religiöse

Situation der Gesellschaft wider.

Carsten Haeske hat den sozialen Kontext der Kirchen in Ostdeutschland nach der

Wiedervereinigung in den Blick genommen. Er stellte fest, dass die Konfirmation in einer

Zeit des Umbruchs durch politische und kulturelle Veränderungen in Konkurrenz zur

Jugendweihe steht (eine Zeremonie, die in der DDR als Ersatz für die Konfirmation

eingeführt wurde). Die Jugendweihe hat den Niedergang des sozialistischen Systems überlebt,

da sie eine Reihe der sozialen Bedürfnisse der Jugendlichen und ihrer Familien erfolgreich

aufnimmt. Da den Jugendlichen eine immer größere Vielfalt an Riten angeboten wird, müssen

die Kirchen die sozialen Bedürfnisse aller Beteiligten mit bedenken und attraktive Formen der

Begleitung von Jugendlichen auf ihrem Lebensweg entwickeln, damit jene Gott als

'"zuverlässige Wirklichkeit" entdecken können.

Martyn Percy stellte Bezug her zwischen Initiation und den verschiedenen Formen impliziter

Religion und impliziter Theologie, wie sie von Religionssoziologen mit Blick auf die

55

englische Situation erkannt wird. Seiner Meinung nach sollte die Initiationspraxis mit den

verschiedenen Ausdrucksformen impliziter Religion und mit den Formen impliziter Theologie

verbunden werden, die außerhalb und – zu einem gewissen Grad – auch innerhalb der Kirche

entstanden sind, zusätzlich zu den formalen kirchlichen Handlungen. Er schlug vor, die

Konfirmation als eine Art kulturellen Dialog zu sehen, bei dem die Präsentation der Inhalte

des christlichen Glaubens in Wechselwirkung mit den Tendenzen impliziter Religion steht.

2. Christliche Initiation als ganzheitlicher Prozess.

Paul Avis behandelte die Frage nach dem Ort der Konfirmation im gesamten Prozess der

christlichen Initiation. In diesem Zusammenhang stellten er (und einige andere

Konferenzteilnehmende) die verbreitete Ansicht von der "Taufe als einer in sich vollständigen

sakramentalen Initiation" in Frage, die entweder eine besondere theologische Rechtfertigung

für die Konfirmation nötig macht oder die Konfirmation vom Initiationsprozess abkoppelt. Er

entwickelte ein Verständnis der christlichen Initiation als eines umfassenden, strukturierten

Prozesses, in dem die Wechselbeziehung zwischen Taufe, Katechese, Konfirmation und

Erstkommunion die Stadien der Aneignung des ganzen Gnadengeschenks Gottes

widerspiegelt.

Friedrich Schweitzers Referat versuchte, den Ort der Konfirmation in der christlichen

Erziehung zu bestimmen, indem er die religiöse Erziehung im Kontext der Konfirmation mit

Formen religiöser Erziehung in anderen Kontexten (Familie, Kindergarten, Schule etc.)

verglich und sie außerdem auf das sich ständig verändernde Verständnis des menschlichen

Lebenszyklus bezog. Wenngleich Konfirmation als Übergansritus in das Erwachsenenalter

verstanden wurde, hat sie diesen Ort aufgrund der sich verändernden Struktur des

Lebenszyklus verloren. Diese Einsicht verlangt nach einem Wechsel von

"Konfirmandenunterricht" (wöchentliche Unterrichtsstunden katechetischer Unterweisung) zu

"Konfirmandenarbeit" (Begleitung Jugendlicher auf ihrem Glaubensweg mit einer Vielfalt

neuer Methoden kind-zentrierten Lernens). Dieser Wechsel entspricht den Forderungen einer

"Kinder-Theologie" und ihrer verschiedenen Aspekte (Theologie der Kindheit, Theologie von

Kindern etc.).

3. Die dritte Perspektive konzentrierte sich auf die Bedeutungen von Konfirmation.

Volker Elsenbast bestimmte Konfirmation als einen Raum, in dem eine Reihe verschiedener

Bedeutungen kommuniziert werden können. Darunter fielen das Verhältnis von Konfirmation

und Taufe, die Zulassung zum Abendmahl, das Glaubensbekenntnis und die Bedeutung der

Segnung der Konfirmanden (einschließlich des Verständnisses der letzteren als eines Segens

fürs Erwachsenenleben).

Thomas Seville stellte die Entwicklung verschiedener Bedeutungen von Konfirmation in der

Kirche von England dar, von der Reformation zu den neuen Common Worship Initiations-

Gottesdiensten. Seville nannte eine Reihe verschiedener Interpretationen von Konfirmation in

der Kirche von England:

Ratifizierung des Glaubens

Gabe des Geistes

Ordination von Laien

Bezeugung einer Bekehrung und die Gabe des Geistes

Bestätigung des Glaubens

Zulassung zur Kommunion.

Er wies auf vier Themenbereiche hin, die der weiteren Erörterung bedürfen: Konfirmation im

Verhältnis zu Taufe und Katechese; Stärkung für die Reise der Jüngerschaft; die Eucharistie;

und das Verhältnis von Konfirmation und Sakramentalität. Die Geschichte der theologischen

56

Interpretation des anglikanischen Ritus belegt verschiedene theologische Schwerpunkte, da

die Konfirmation entweder eng mit der Katechese oder mit der Gabe des Geistes verknüpft

wird. Dies weist auf die theologische Aufgabe hin, den Bezug zwischen dem Heiligen Geist

bei der Konfirmation als der sich selbst gebenden Gegenwart des dreieinigen Gottes und dem

Wachstum im Glaubensleben herzustellen, da es durch das Werk des Heiligen Geistes

unterstützt und gefördert wird.

4. Die vierte und letzte Perspektive thematisierte den Konfirmator oder die Konfirmatorin.

Gottfried Adam analysierte die Rolle des Pastors oder der Pastorin und die Erwartungen, die

von Eltern, Paten oder Patinnen, Konfirmationskandidaten oder Kandidatinnen und anderen

Gemeindegliedern an diese Rolle herangetragen werden. Im Mittelpunkt steht hier die

Glaubwürdigkeit des Pastors oder der Pastorin als Zeuge/in für den christlichen Glauben und

als jemand, der Begleitung auf dem ganzen Weg anbietet, dessen Höhepunkt die

Konfirmation selbst ist. Während der Inhalt von Luthers Katechismus immer noch den

allgemeinen Rahmen für den Lehrplan der Vorkonfirmationskatechese bietet, haben sich die

Lernmethoden von Unterricht und Auswendiglernen hin zu Lernen durch Erfahrung und zur

Entwicklung von Sprachfähigkeit über den eigenen Glauben bei den Konfirmandinnen und

Konfirmanden bewegt. Die Beziehung zum Pastor oder der Pastorin und zu anderen

Gemeindegliedern, die sich an der Begleitung der Kandidaten auf dem Weg zur Konfirmation

beteiligen, bietet für die Jugendlichen die persönliche Erfahrung mündigen christlichen

Glaubens in seinen verschiedenen persönlichen Ausdrucksformen. Sie können über ihre

Fragen, Antworten und Zweifel mit Christen sprechen, die den christlichen Glauben als

Quelle für ihr persönliches geistliches Wachstum und als Orientierungshilfe in ihrem Leben

erfahren haben. Die Beziehung zur Kirche, die sich in Verbindung mit der Konfirmation

entwickelt, bietet oft einen möglichen Anknüpfungspunkt im späteren Leben. Hier ist der

Pastor oder die Pastorin nicht nur eine Wissensquelle oder ein perfekter Christ, dessen

Vorbild nachzuahmen ist, sondern auch ein Mensch, der zusammen mit anderen

Gemeindegliedern Jugendliche begleitet, indem er oder sie mit ihnen redet und sie dazu

befähigt, ihren Glauben als Ausdruck des Priestertums aller Gläubigen mit ihren eigenen

Worten zu bekennen.

Christopher Hill trat für eine enge Verbindung zwischen Taufe und Konfirmation ein und

sprach sich dafür aus, dass der Bischof als Konfirmator und Täufer die Verbindung zwischen

der Ortsgemeinde, der Diözese und der Universalkirche repräsentiert. Während die Kirche

von England weiterhin die episkopale Konfirmation praktiziert, hat sie die Integrität der

presbyterialen Konfirmation in einigen anderen Kirchen anerkannt. Eine geschichtliche

Untersuchung zeigte, wie der Dienst von Bischof und Presbytern sich im späten Mittelalter

infolge der Aufspaltung des früheren, integrierten christlichen Initiationsprozesses

verschieden entwickelt hat.

Zusammengefasst wurde deutlich, dass der Schwerpunkt von Taufe und Konfirmation in der

anglikanischen Tradition als Eingliederung des Kandidaten oder der Kandidatin in die

apostolische Gemeinde verstanden wurde, während der komplementäre Schwerpunkt in den

Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland die Eingliederung in das königliche

Priestertum aller Gläubigen betonte.

5. Ein Vergleich wurde angestellt zwischen der Agende (Konfirmationsliturgie) der EKD und

der Konfirmationsriten im Common Worship. Dies hat einen willkommenen Grad von

Übereinstimmung über die Bedeutung der Konfirmation sichtbar werden lassen, der sich in

den vorhergehenden Referaten nicht vollständig gezeigt hat. Beide Seiten fanden Vieles, was

sie in den Riten der jeweils anderen Kirche begrüßen mussten. Die Anglikaner würdigten die

Betonung der pädagogischen und geistlichen Verantwortung von Gemeinde und Pfarramt für

57

die Konfirmation und fanden die Verbindung zwischen der Anrufung des Heiligen Geistes

und die individuelle Segnung durch Handauflegung als hilfreich.

C. Auswertung

1. Beide Delegationen stimmen darin überein, dass die Konfirmation einen bedeutsamen Ort

im Leben unserer Kirche hat. Die Konfirmation spielt eine wichtige Rolle im Prozess

christlicher Initiation und ist für die Entwicklung einer kirchlichen Gemeinschaft

entscheidend. Diese Einschätzung hilft, die Bedeutung und Struktur christlicher Initiation zu

verstehen. Weiterhin verbindet die Konfirmation zentrale Aspekte des Glaubenslebens, das

durch Gottes Gnade angefangen, gestaltet, bewahrt und vollendet wird, mit signifikanten

Stadien menschlicher Entwicklung und Veränderung. Daher scheint es unbedingt erforderlich,

eine integrative Sicht der anthropologischen und theologischen Aspekte der Konfirmation zu

entwickeln.

2. Im Leben unserer Kirchen ist die Konfirmation unauflöslich mit der Taufe und dem

Heiligen Abendmahl verbunden. Sie kann ihre volle Bedeutung nur im Zusammenhang der

Sakramente der Kirche erhalten. Während die Taufe als Initiation in die Gemeinschaft des

Glaubens durch die Beziehung zwischen dem dreieinigen Gott und dem Täufling verstanden

werden muss, die durch die Verheißung von Gottes sich hingebender Gnade in der

sakramentalen Handlung begründet wird, kann die Konfirmation sowohl im Sinne von Gottes

Gabe des Heiligen Geistes verstanden werden als auch als Gottes bleibende Verheißung,

weiterhin mit dem Konfirmanden zu sein. Die Handlung ist ein wesentlicher Schritt in der

persönlichen Aneignung dieser Gabe Gottes im Kontext der Sakramente des Evangeliums, der

eine verantwortungsvolle Selbstverpflichtung zu gelebtem Christsein, das in katechetischer

Unterweisung begründet ist, mit sich bringt. Daher gibt es im Konfirmationsritus Hinweise

auf die in der Taufe begründeten bleibenden Beziehung mit dem dreieinigen Gott und seiner

Kirche. Es ist diese Wirklichkeit, die im Heiligen Abendmahl gefeiert und erneuert wird.

Insofern stehen Taufe, Konfirmation und Abendmahl in inhärenten Wechselbeziehungen und

stellen die Konfirmationspraxis damit in den Zusammenhang der sakramentalen Handlungen

der Kirche. Bei der Kindertaufe geschieht das Bekenntnis des Glaubens durch die weitere

Gemeinschaft der Kirche. Ein wesentlicher Moment in der Aneignung der Gabe der Gnade

Gottes, die in der Taufe verheißen wird, ist das persönliche Bekenntnis des Glaubens bei der

Konfirmation.

3. In unseren beiden Kirchen wurde die Konfirmation als Ritus der Zulassung zum

Abendmahl verstanden und praktiziert. Während das Verhältnis von Konfirmation und

Abendmahl als wesentlich für das Verständnis und die Praxis der Kommunion gesehen wird,

wird es heute nicht mehr auf die Frage der Zulassung beschränkt, obwohl unsere beiden

Kirchen in der Frage der Zulassung von Kindern zum Abendmahl an verschiedenen Punkten

stehen. Vielmehr wird das Verhältnis von Konfirmation und Abendmahl im Rahmen des

gesamten Glaubenslebens in der Kirche gesehen, das in der Taufe beginnt und durch die Kraft

des Heiligen Geistes im weitergehenden Leben des Glaubenden in der Kirche als dem Leib

Christi wächst und an Reife zunimmt.

4. Die Vielfalt theologischen Nachdenkens über die Konfirmation in Vergangenheit und

Gegenwart, zwischen und innerhalb der Kirchen, wie sie sich in unseren Gesprächen gezeigt

hat, weist auf die bleibende Aufgabe hin, eine Theologie der Konfirmation für die Gegenwart

zu entwickeln, die ihre Praxis unterstützen und weiterbringen kann. Die Interpretation und

Erläuterung der theologischen Signifikanz der Elemente der Konfirmationspraxis im Prozess

58

der christlichen Initiation scheint die angemessenste Art zu sein, sich einer Theologie der

Konfirmation anzunähern. Dies ist der Rahmen, in dem Fragen wie die nach dem Verständnis

des Heiligen Geistes in der Konfirmation geklärt werden müssen. Während wir uns darin

einig sind, dass der Geist in der Taufe gegeben wird, finden wir es bedeutsam, dass der

Konfirmationsritus in unseren beiden Kirchen die Anrufung des Heiligen Geistes zu einem

zentralen Teil der Liturgie macht und die persönliche Gegenwart des Geistes im Leben der

Konfirmierten als erleuchtende, Wegweisung gebende, bewahrende und stärkende Macht in

ihrem Leben als Christen beschreibt.

5. Es wurde festgestellt, dass in den Gliedkirchen der EKD der katechetischen Vorbereitung

der Konfirmation großes Gewicht beigemessen wurde und beträchtliche kirchliche Mittel zu

diesem Zweck bereitgestellt wurden, während die anglikanischen Kirchen die Bedeutung des

Konfirmationsritus betont haben. Beide Kirchen erkennen an, dass unsere verschiedenen

Schwerpunkte uns wechselseitig herausfordern und ergänzen. Die Praxis der Unterweisung

vor der Konfirmation in ihren vielseitigen Formen betont die Bedeutung der Entwicklung

eines mündigen Glaubens bei den Glaubenden durch Erfahrung, Erforschung und Begleitung.

Dies bietet eine Gelegenheit zur Entwicklung eines persönlichen Glaubens an Jesus Christus,

der auch das Glaubensleben in der Kirchengemeinde stärkt. Die Erneuerung der

Konfirmationsriten und die Wiederentdeckung ihres Zusammenhangs mit der Taufe und dem

Abendmahl in unseren beiden Kirchen hat die Bedeutung der Konfirmation im korporativen

Leben unserer Kirchen unterstrichen. Dies könnte durch die Herstellung noch engerer

Verknüpfungen zwischen der katechetischen Vorbereitung und der Feier des Geistes im

Konfirmationsgottesdienst verstärkt werden. Die wachsende Anzahl von Konfirmationen im

Erwachsenenalter in der Kirche von England lässt eine Herausforderung erkennen, vor der

beide Kirchen stehen. In einer gesellschaftlichen Situation, die von religiösem Pluralismus

geprägt ist, müssen unsere Kirchen Menschen aller Altersgruppen Möglichkeiten bieten, die

Bedeutung des christlichen Glaubens im Rahmen ihrer eigenen persönlichen Erfahrung zu

erforschen und ihren Glauben durch Eintritt in und Teilhabe am Leben der Kirche zum

Ausdruck zu bringen. Sowohl die Aufgabe der katechetischen Unterweisung als auch der

Konfirmationsritus gewinnen in diesem Zusammenhang eine neue Signifikanz.

6. In unseren Diskussionen über den Konfirmator und die Konfirmatorin haben wir die

Stärken beider, der presbyterialen und der episkopalen Tradition, erkannt. Bei der

presbyterialen Konfirmation unterstreicht der Ritus über die Betonung der Zugehörigkeit zur

weiteren Kirche hinaus auch die Beziehung zwischen der Katechese und dem Konfirmator

oder der Konfirmatorin. Bei der episkopalen Konfirmation bringt die Anwesenheit und

Handlung des Bischofs die Tatsache zum Ausdruck, dass die Initiation in das Leben der

Universalkirche einführt. Wir erkennen an, dass beide Aspekte wichtige Elemente der

Konfirmationspraxis darstellen, die einander ergänzen sollten. In jedem Fall stimmen wir

darin überein, dass die Unterschiede in der Konfirmationspraxis nicht kirchentrennend sind.

Dennoch muss zu den ekklesiologischen Aspekten der Konfirmation noch mehr theologisch

gearbeitet werden.

7. Wir erkennen, dass, obwohl das Konfirmationsalter in unseren beiden Kirchen diskutiert

wird, in den deutschen Kirchen die Konfirmation im Alter von vierzehn Jahren noch immer

die Norm ist. In der Kirche von England gilt für jüngere Menschen normalerweise ein

Konfirmationsalter ab elf Jahre, es gibt jedoch eine wachsende Anzahl, vielleicht sogar eine

Mehrheit von Kandidaten und Kandidatinnen in einem späteren Lebensabschnitt, die Spanne

geht von älteren Jugendlichen bis zu Achtzigjährigen. Bei erwachsenen Kandidaten haben

sich verschiedene Formen der Prozess-Evangelisierung als hoch effektiv erwiesen, und die

Erfahrung in diesem Bereich wächst. Des weiteren legt dies den Schwerpunkt bei der

59

Konfirmationsvorbereitung ebenso stark auf die Glaubensgeschichte des Kandidaten und die

Erfahrungen, die ihn oder sie zu diesem Schritt gebracht haben, wie auf den Inhalt der

Konfirmationsunterweisung. Da die deutschen Kirchen ebenfalls anerkennen, dass die

Konfirmation nicht notwendig mit einem bestimmten Punkt im Lebenszyklus verknüpft ist,

sondern zu jeder Zeit erfolgen kann, können sich die englischen Erfahrungen für die

deutschen Kirchen als relevant erweisen.

D. Empfehlungen

Auf der Grundlage unserer Diskussionen empfehlen wir unseren Kirchen, dass sie

- einen regelmäßigen Informationsaustausch über katechetisches Material stattfinden lassen;

- einen ständigen Austausch von liturgischen Ressourcen einrichten;

- die Zusammenarbeit zwischen katechetischen Mitarbeitern auf nationaler, regionaler und

Diözesanebene fördern (z.B. Religionspädagogische Institute, Arbeitsgemeinschaft

Evangelischer Jugend, Referenten für Jugend- und Kinderarbeit in den Diözesen der Kirche

von England), womit wir bereits vorgebrachte Anfragen der Meissen Kommission von

neuem bestärken;

- die kirchenrechtlichen Implikationen einer Anerkennung der Konfirmation in den EKD

Kirchen durch die Kirche von England untersuchen;

- Initiativen zur Weiterentwicklung einer Theologie der Konfirmation in unseren beiden

Kirchen unterstützen und die Ergebnisse für alle verfügbar machen;

- mehr Arbeit in die Ekklesiologie der Konfirmation investieren;

- Wege bedenken, wie die katechetische Unterweisung und die Initiation in die

Verantwortlichkeiten kirchlichen Lebens, die historisch mit der Konfirmation verbunden

sind, Menschen in verschiedenen Lebensabschnitten angeboten werden können und neue

Formen untersuchen, wie sich Katechese und Konfirmation an verschiedenen

biographischen Punkten darstellen können;

- durch die Meissen Kommission über effektive Wege nachdenken, wie diese Arbeit

fortgesetzt werden kann.

Bischof Christopher Hill

Prof. Dr. Christoph Schwöbel

Ko-Vorsitzende

Frodsham, Cheshire 9. September 2005

Konferenzteilnehmende:

Von der Kirche von England berufene Teilnehmende

The Rt Revd Christopher Hill, Bischof von Guildford (Ko-Vorsitzender)

The Revd Prebendary Dr. Paul Avis

Dr. Martin Davie

The Rt Revd John Inge

The Revd Canon Prof. Dr. Martyn Percy

The Revd Canon Prof. Dr. Nicholas Sagovsky

Father Thomas Seville CR

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Von der Evangelische Kirche in Deutschland berufene Teilnehmende

Prof. Dr. Christoph Schwöbel (Ko-Vorsitzender)

Prof. Dr. Dr. h.c. Gottfried Adam

Direktor Volker Elsenbast, Comenius Institut

Dozent Pfr. Carsten Haeske

Dozentin Pfrin. Ute Beyer-Henneberger

Oberlandeskirchenrat Peter Kollmar

Prof. Dr. Friedrich Schweitzer

Oberkirchenrat Matthias Otte, EKD

Ko-Vorsitzende der Meissen Kommission:

Bishof Michael Bourke, Wolverhampton

Landesbischof Jürgen Johannesdotter, Schaumburg-Lippe

Beobachtende:

Pfrin. Dr. Päivi Jussila, Evangelisch Lutherische Kirche Finnlands

Andrew Barr, Schottisch Episkopale Kirche

Anhang F - Bericht von Frau Tonie Smith

Mitglied des Dresden Trustes und der Meissen Kommission 1991-2001

Wenn 200 000 Leute kommen, um eine Kirche zu sehen, dann ist das aufregend. Steht diese

Kirche in einer Stadt, in der schätzungsweise 80 % der Bevölkerung keinem christlichen

Bekenntnis folgen, dann ist das außergewöhnlich. Es handelt sich bei dieser Kirche um den

Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden und das ist in der Tat ein Grund zum Feiern.

Der ursprüngliche, unverkennbare Bau, in den vierziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts

vom Architekten Georg Bähr als protestantischer Dom geplant, fiel dem Feuersturm auf

Dresden am Ende des zweiten Weltkrieges zum Opfer. Während der kommunistischen Ära

stand sie als Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung. Mit der deutschen Wiedervereinigung

kam die Initiative einiger Bürger Dresdens zum Wiederaufbau dieser Kirche, dem Symbol

ihrer Stadt, dem ‗Elbflorenz‘. Viele waren dagegen. „Es gibt wichtiger Dinge, für die wir

Geld brauchen ... Wir haben schon genug Kirchen... Es ist ein angemessenes Denkmal für von

Menschen herbeigebrachte Zerstörung.‖ Einige jedoch waren davon überzeugt, dass es

möglich sei. 1990 wurde in Dresden, aber auch landesweit und weltweit zu Spenden, Hilfe

und Teilnahme aufgerufen. Dem Aufruf wurde Folge geleistet, und das Ziel von 115

Millionen Euro ist nunmehr fast erreicht. Ein Jahr früher als ursprünglich vorgesehen wurde

die neue Kirche im Glanz des ursprünglichen Barockbaus am 30. Oktober 2005 neu geweiht.

Ich hatte die Ehre, als eine der Vertreterinnen des Erzbischofs von Canterbury und der

Meissen Kommission dabei zu sein. Für viele Jahre war ich als Mitglied des Britischen

Dresden Trusts beteiligt gewesen. Es war kaum zu glauben, dass die Steinhaufen und

Mauerreste, die ich 1996 zum ersten Mal gesehen hatte, nun im Laufe von nur elf Jahren Teil

dieses atemberaubenden Baus geworden waren (die ursprüngliche Frauenkirche hatte eine

Bauzeit von 17 Jahren). Nun strahlt die Innenausstattung und zieht das Besucherauge höher

und höher nach oben. Die Zeit war gekommen für den festlichen

Wiedereinweihungsgottesdienst.

Im Kirchenbau selbst finden 1800 Besucher Platz. Man sagt, dass siebenmal so viele

versuchten, Eintrittskarten zu bekommen. Für Tausende von Besuchern auf dem Vorplatz

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wurde der Gottesdienst mit Hilfe von Lautsprechern und auf Großleinwänden übertragen. Der

gesamte Gottesdienst wurde bundesweit im Fernsehen ausgestrahlt. Er begann mit dem

Einzug einer Prozession, begleitet vom Klang der neugegossenen Glocken. Eindrucksvoll von

Beginn an, setzte die Prozession den Akzent des Gottesdienstes, da junge Leute, ältere

Überlebende der Kriegsjahre, Vertreter der Menschen, die am Wiederaufbau mitgearbeitet

hatten, geistliche Würdenträger und Vertreterinnen und Vertreter anderer christlicher Kirchen

teilnahmen. Die jungen Leute trugen einiges ‗Kirchenmobiliar‘ hinein: die Bibel, die

Taufschale, Kerzenleuchter und das Nagelkreuz, ein Zeichen der Verbundenheit mit

Coventry. Danach ging der Gottesdienst weiter, mit viel Musik, während alle Teile der Kirche

geweiht wurden: zuerst die Kanzel, dann der Taufstein gefolgt vom Altar und zuletzt die

Orgel. Der Gottesdienst war sorgfältig ins Englische übersetzt worden. Zur Weihe der Orgel

heißt es:

„Möge diese Orgel geweiht sein zum Dienste Gottes. Sie soll klingen zu seiner Ehre, zur

Freude und zum Trost der Gemeinde.‖

Der sächsische Landesbischof Jochen Bohl weihte die Kirche und hielt die Predigt. Als

Predigttext hatte er Markus 4, 30-32 gewählt:

„Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es

abbilden? Es ist wie ein Senfkorn: wenn das gesät wird aufs Land, so ist’s das kleinste unter

allen Samenkörnern auf Erden; und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle

Kräuter und treibt große Zweige, sodass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten

wohnen können.“

Bischof Bohl verglich das Senfkorn mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche. Auch sie hatte

auf kleine, unauffällige Weise begonnen, und war ein großes Werk im Geiste der Versöhnung

geworden. Dies hatte bereits 1982 begonnen zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens, als

junge Leute sich in den Ruinen trafen und mit Kerzen ihrer Sehnsucht nach Frieden Ausdruck

verliehen.

„Damit gaben sie ein Zeichen der Hoffnung, dass Wunden geheilt, Unrecht und Gewalt

überwunden werden können und Gegner zu lernen vermögen, einander mit neuen Augen

anzusehen. Die Ruine wurde zur Botschaft.―

Bischof Bohl sagte des weiteren, dass eine versöhnte Gemeinschaft aus Feindschaft wachsen

kann, die Frieden möglich macht. An diesem Tag der Weihe ruft die Frauenkirche zum

Frieden auf. Er sagte, dass alle, die das große Kuppelkreuz, ein Geschenk aus Großbritannien,

anschauen, ein großes Werk der Versöhnung sehen. In der heutigen Welt der Unsicherheiten

bedürfen Menschen einer geistlichen Dimension in ihrem Leben. Der Wiederaufbau der

Frauenkirche, der anfangs unrealistisch zu sein schien, steht nun als leuchtendes Zeichen des

Lebens im Geiste der Versöhnung. Überall in der Welt erkennen Menschen, dass sie selbst in

der Lage sind, Brücken zu bauen und Versöhnung zu verwirklichen.

Während des Wiederaufbaus waren die Worte „Brücken bauen. Versöhnung leben.― in großen

Buchstaben auf dem Baugerüst zu lesen. Das neue Motto ist „Brücken bauen - Versöhnung

leben - Den Glauben stärken“. Tagsüber hatten alle Besucher eine Anstecknadel bekommen,

auf der zu lesen war: „Wiedereinweihungsfest - Friede sei mit dir.―

Fürbitten wurden verlesen von leitenden Geistlichen, bürgerlichen Würdenträgern und von

Leuten, die ihr Leben lang mit der Frauenkirche verbunden waren. Es folgte ein Festakt. Nach

einer weiteren musikalischen Einlage, hielt Bundespräsident Köhler eine aufrichtige und

warmherzige Ansprache. Landesbischof Bohl dankte den Tausenden, die durch ihre

Großzügigkeit, ihren guten Willen und künstlerische und technische Fähigkeiten und

Unterstützung von Künstlern und Baumeistern zum Gelingen des Wiederaufbauprogramms

beigetragen hatten. Es gab spontanen stehenden Beifall für den Baudirektor Eberhard Burger

62

und für den Musiker und Initiator des Gedankens Ludwig Güttler. Übersehen, wenngleich

später korrigiert, wurde, dass die großzügigen Spenden aus den USA unerwähnt blieben. Dies

war bedauerlich, aber im Geist der Freude, Dankbarkeit, Bewunderung und Feier war es

möglich, einen solchen menschlichen Fehler angesichts der Bedeutsamkeit des Anlasses zu

tolerieren.

Anschließend fand ein Empfang für geladene Gäste statt. Dies bot Gelegenheit zur

Begegnung mit Besuchern von nah und fern. Viele waren aufgrund ihres Interesses an Fragen

der Ökumene eingeladen worden. Der Herzog von Kent überbrachte eine Botschaft der

englischen Königin. Nach dem Gottesdienst standen Tausende Schlange, um eine

Viertelstunde in der Kirche selbst zu verbringen. Dies setzte sich während der ganzen Nacht

und den folgenden zwei Tagen fort, wenn gerade kein Gottesdienst oder Konzert stattfand.

(Für den Gottesdienst am darauffolgenden Tag, dem Reformationsfest, wurden auch

Eintrittskarten benötigt, was für viele eine Enttäuschung war.)

Am Abend nahm ich an einem inspirierenden ökumenischen Gottesdienst teil. Wieder war es

nur möglich, mit Eintrittskarte hineinzukommen. Dies war wiederum ein erhebendes Ereignis.

Auf der in deutscher und englischer Sprache abgefassten Gottesdienstordnung war das Kreuz

mit der Erdkugel abgebildet. Wie schon am Morgen gab es sehr viel Choral- und Orgelmusik

und eine Vielzahl von Beiträgen, die die sorgfältige Planung dieses wichtigen Gottesdienstes

zeigten. Der sächsische Landesrabbiner Salomon Almakias-Siegl aus Leipzig intonierte Psalm

118. Dies war ein sehr bewegender Einstieg, der mit tiefer Zustimmung aufgenommen wurde.

Andere Teilnehmende waren aus Taiwan, aus Tschechien, aus den USA und aus Polen

angereist. Canon Paul Oestreicher leitete die Litanei der Versöhnung. Die Predigt wurde von

Bischof Colin Bennetts aus Coventry in deutscher Sprache gehalten. Sein Thema war

„Christus ist unser Friede―. Auch er sprach von Versöhnung und von der Ökumene, mit vielen

Beispielen aus der Geschichte und aus der jüngsten Vergangenheit. Er sprach von der Stadt

Liverpool mit ihren zwei Kathedralen, die einst Zeichen der Trennung und Uneinigkeit waren.

Die beiden Bischöfe änderten dies und trennende Barrieren brachen zusammen. „Gottes Liebe

in Christus ist letzten Endes stärker als unsere unterschiedlichen theologischen Traditionen

dies oft erlauben wollen.―, sagte er. „Aber Ökumene in ihrer besten Form erkennt, dass es

mehr gibt, was uns verbindet, als das, was uns trennt.― In bleibender Erinnerung ist mir die

darauffolgende spontane Umarmung des lutherischen Landesbischofs Bohl und des römisch-

katholischen Bischofs Reinelt geblieben.

Während des Gottesdienstes sang der Chor der Frauenkirche die deutsche Version eines vom

Dresden Trust verfassten geistlichen Liedes: „An Deinem Ort, Herr―. Mitglieder des Trusts

überreichten dem Bischof einen silbernen Abendmahlskelch und eine Patene, in die in

Freundschaft verbundene Hände eingraviert worden sind. Diese waren von den Schöpfern des

Kreuzes und der Erdkugel hergestellt worden. Ich hatte die Ehre, selbst an der Überreichung

beteiligt zu sein und zitierte aus dem ersten Korintherbrief des Apostels Paulus: „Der

gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot,

das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn "ein" Brot ist's: So

sind wir viele "ein" Leib, weil wir alle an "einem" Brot teilhaben.―

Der Gottesdienst endete mit dem Choral „Dein Tag, mein Gott, ist nun vergangen―. Es war in

der Tat ein großartiger Festtag gewesen.

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Anhang G - Veröffentlichungen

Kirche von England

The Meissen Information Pack , New Edition 2005 ****

Colin Podmore, The German Evangelical Churches. An Introduction following the Meissen

Agreement (CCU Occasional Paper No. 1, £2.95 + 35 p & p.).

The Meissen Agreement: Texts (CCU Occasional Paper No. 2, £1.75 + 35 p. & p.).

Making Unity More Visible: The Report of the Meissen Commission, 1997 – 2001 (GS Misc

654, £7.95 + 35 p. & p.)

Visible Unity and the Ministry of Oversight: The Second Theological Conference held under

the Meissen Agreement between the Church of England and the Evangelical Church in

Germany (Church House Publishing, 1997), £9.95 + £1.25 p. & p.).

Witnessing to Unity – Ten years after the Meissen Declaration: Contributions to the

Theological Conferences at Springe and Cheltenham between the Church of England and the

Evangelical Church in Germany (2003, Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main, ISBN 3-

87476-405-2)

English-German Church dictionary - compiled by Mary Newman and Fritz Neubauer –

published in 2003 by the Council for Christian Unity on behalf of the English Committee of

the Meissen Commission, £6.50 or 15 €.

Die oben genannten Publikationen sind erhältlich von Francis Bassett, Assistant Secretary

beim Council for Christian Unity im Church House Westminster.

Council for Christian Unity

Church House

Great Smith Street

LONDON SW1P 3NZ

Tel: +44(0)20 7898 1481 www.cofe.anglican.org/info/ccu

The Ecumenical Relations Code of Practice 1989 (General Synod, £2.00 — £2.50 by post):

erhältlich vom Church House Bookshop, 31 Great Smith Street, London SW1P 3BU

Richtlinien für eine Lokale Ökumenische Partnerschaft (LEP) im Rahmen der Meissener

Vereinbarung kostenlos erhältlich (in Englisch und Deutsch) durch E-Mail Bestellung vom

Europäischen Sekretär beim CCU

Faithful Cities (2005)

A call for celebration, vision and justice

The Report from the Commission on Urban Life and Faith

64

Evangelische Kirche in Deutschland

Bericht der Meissen Kommission 1997-2001, epd-Dokumentation 2/2002

"Gerechter Krieg" - ja oder nein?

Referate einer Tagung von EKD und Kirche von

England zu christlicher Friedensethik vom 28. bis zum 31. August 2003 in der Evangelischen

Sozialakademie Friedewald

Freedom of Religion under Threat

Experiences of Christians in Different Countries

EKD Texte 78, € 2,-

Einheit bezeugen - Zehn Jahre nach der Meissener Erklärung

Beiträge zu den theologischen Konferenzen von Springe und Cheltenham zwischen der

Evangelischen Kirche in Deutschland und der Kirche von England

Hg Ingolf Dalferth/Paul Oppenheim, Frankfurt, 2003

- Grundsätze des Rates zu Fragen der Integration und des Zusammenlebens mit Menschen

anderer Herkunft, 2002

- Denkschrift: Maße des Menschlichen - Evangelische Perspektiven zur Bildung in der

Wissens- und Lerngesellschaft, 2003

- Denkschrift: Gerechte Teilhabe - Befähigung zur Eigenverantwortung und Solidarität, 2006.

Englische Übersetzung ab 2007 erhältlich

- Impulspapier des Rates: Kirche der Freiheit -

Perspektiven der Evangelischen Kirche in Deutschland für das 21. Jahrhundert 2006

- EKD Texte 83 - Dietrich Bonhoeffer: Vorbild im Glauben - Texte und Predigten anlässlich

des 100. Geburtstages von Dietrich Bonhoeffer

65

Anhang H - Teilnehmende der Delegationsreisen

Wydale 2005

Delegationsbesuch der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Kirche von

England (Northern Province), 10.-14. März 2005

CHURCH OF ENGLAND

The Rt Revd John Packer, Bishop of Ripon and Leeds, Leiter der englischen Delegation

The Rt Revd Michael Bourke, Bishop of Wolverhampton, englischer Ko-Vorsitzender der

Meissen Kommission

Mr Martin Dales, General Synod and Council for Christian Unity

The Rt Revd David Gillett, Bishop of Bolton

The Revd Rose Hudson-Wilkin, General Synod and Chair of the Committee for Minority

Ethnic Anglican Concerns

The Revd George Lings, Director of the Church Army Centre for Church Planting and

Evangelism

EVANGELISCHE KIRCHE IN DEUTSCHLAND

Landesbischof Jürgen Johannesdotter, Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-

Lippe, Deutscher Ko-Vorsitzender der Meissen Kommission, Leiter der deutschen Delegation

Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Pommersche Evangelische Kirche, Greifswald

Direktorin Marlehn Thieme, Ratsmitglied der EKD, Bad Soden

Professor Dr. Wolfgang Grünberg, Professor für Praktische Theologie, Universität Hamburg

Professor Dr. Isolde Karle, Professor für Praktische Theologie, Universität Bochum

Dr. Irene Mildenberger, Liturgiewissenschaftliches Institut, Leipzig

Pfarrer Dr. Uwe Vetter, Düsseldorf

Berlin 2006

Delegationsbesuch der Kirche von England in Berlin-Schwanenwerder vom 31.01. bis

5.02.06

EVANGELISCHE KIRCHE IN DEUTSCHLAND

Bischof Dr. Wolfgang Huber, Vorsitzender des Rates der EKD, Bischof der Evangelischen

Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz

Justizrätin Margit Fleckenstein, Mannheim (Mitglied des Rates der EKD)

Landesbischof Jochen Bohl, Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens

Landesbischof Jürgen Johannesdotter, Bückeburg Evang- luth. Landeskirche Schaumburg-

Lippe (Ko-Vorsitzender der Meissen Kommission)

Professorin Dr. Christine Axt-Piscalar, Göttingen, Professorin für Systematische Theologie

und Leiterin des Institutum Lutheranum, Theologische Fakultät der Universität Göttingen

Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track, Hannover, Evangelisch-Lutherische

Landeskirche Hannovers (Mitglied der Synode)

Professor Dr. Peter Dabrock, Marburg, Juniorprofessor Sozial- und Bioethik, Fachbereich für

Evangelische Theologie, Philipps-Universität Marburg

Professor Dr. h.c. Dietrich Ritschl, Reigoldswil/Schweiz, PhD, DD, emeritierter Professor für

Systematische Theologie und Ökumene, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Professor Dr. Christoph Schwöbel, Tübingen, Professor für Systematische Theologie,

Eberhard-Karls -Universität Tübingen (Ko-Vorsitzender der Theologischen Konferenz der

Meissen Kommission)

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KIRCHE VON ENGLAND

The Most Revd und Rt Hon Dr Rowan Williams, Erzbischof von Canterbury

Mitarbeitende vom Lambeth Palace

The Rt Revd Nicholas Baines, Bischof von Croydon

The Revd Dr Christopher Burdon, Manchester (Principal, Northern Ordnination Course)

The Revd Canon Dr Judith Maltby, Oxford (Ministry Division)

The Revd. Dr Charlotte Methuen, Oxford

The Venerable Dr Joy Tetley, Erzdiakon von Worcester (Regional Training Partnership)

Anhang I - Organisationen und Verbände für Religionsunterricht

European Forum for Teachers of Religious Education - Diese Organisation versteht sich als europäischer Dachverband. Die Mitgliedsorganisationen

vertreten Lehrerinnen und Lehrer in Schulen, Colleges und Universitäten und arbeiten

zusammen, um ein Forum für den Austausch von Ideen und Arbeitsmethoden zur Verfügung

zu stellen

http://www.eftre.net/

Inter-European Commission on Church and School

- eine Arbeitsgruppe, gegründet 1958 als Ergebnis einer Initiative von Einzelvertreterinnen

und -vertretern von verschiedenen europäischen Schulen. Das Ziel ist es, einen

institutionalisierten Rahmen für die Zusammenarbeit, Aufsicht und Entwicklung des

Religionsunterrichtes an den Europäischen Schulen zu schaffen. Sie hat Beobachterstatus

beim Europarat und nimmt an der Erziehungsgruppe der Liaison Committees des Europarates

teil.

http://www.iccsweb.org/

International Association for Christian Education

- eine Organisation von Vereinigungen verschiedener Länder Europas mit dem Ziel,

christliche Erziehung sowohl in Privat- als auch in öffentlichen Schulen zu unterstützen und

die menschlichen Werte der christlichen Erziehung zu retten.

http://www.int-v.com/home/index.php

- European Association for World Religions

- beschafft Mittel und Informationen über Weltreligionen

http://www.eawre.org/start_german.htm

European Conference on Christian Education

- eine Organisation, die Menschen zusammenbringt, die mit christlicher Erziehung von

Kindern befasst sind. Die Konferenz findet alle drei Jahre in verschiedenen Teilen Europas

statt und bietet Gelegenheit, Kollegen und Kolleginnen aus der Kindergottesdienstarbeit aus

ganz Europa zu treffen.

http://kindergottesdienst-ekd.de/ecce%202007.htm