Studie: Wer profitiert von einem transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) (Teil 1 von 2)?

  • View
    146

  • Download
    3

Embed Size (px)

Text of Studie: Wer profitiert von einem transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) (Teil 1 von 2)?

  • Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (THIP)Wem nutzt ein transatlantisches Freihandelsabkommen?

    Teil 1: Makrokonomische Effekte

  • 3Inhalt

    1. Einleitung 4

    2. BemerkungenzurUntersuchungsmethode 5

    3. THIP-Szenarien 9

    4. WowchstderHandel,woschrumpfter,undumwieviel? 13

    4.1 EffekteaufdendeutschenAuenhandel 13

    4.2 EffekteaufdenHandelderEU 16

    4.3 EffekteinNordamerika 19

    5. WieverndernsichdierealenPro-Kopf-Einkommen? 21

    5.1 EffekteinderEU 21

    5.2 AuswirkungenaufdieUSAundDrittlnder 26

    6. WaspassiertaufdenArbeitsmrkten? 31

    6.1 SucharbeitslosigkeitundAuenhandel 31

    6.2 ZweiMillionenneueArbeitspltze 34

    7. Zusammenfassung 42

    Literatur 45

    Abbildungs-undTabellenverzeichnis 47

    GlobalEconomicDynamics(GED) 48

    Impressum 50

    Inhalt

    Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (THIP)Wem nutzt ein transatlantisches Freihandelsabkommen?

    Teil 1: Makrokonomische Effekte

    Prof. Gabriel Felbermayr, Ph.D.Benedikt HeidSybille Lehwald

  • 4Einleitung

    1. Einleitung

    DieserersteTeilderStudiewidmetsichdenmakrokonomischenEffekteneinertransatlantischen

    Handels-undInvestitionspartnerschaft(THIP)zwischenderEuropischenUnionunddenUSA.1

    DabeiwerdenunterZuhilfenahmevonempirischenModellenderWeltwirtschaftzweigrundle-

    gendeSzenarienbeleuchtet:(i)dieAbschaffungvonZllenimHandelzwischenderEUundden

    USAund(ii)eineberZolleliminierungdeutlichhinausgehendeLiberalisierunginjenerGren-

    ordnung, die fr vergleichbare und real existierende Freihandelsabkommengemessenwerden

    knnen.UnserAnsatzunterscheidetsichvondertraditionellenHerangehensweisedadurch,dass

    sichdasumfassendeSzenario(ii)berdiemessbareErfahrungmithnlichenAbkommendefi-

    niertundnichtberVermutungenhinsichtlichdespolitischvermeintlichMachbaren.UnsereEr-

    gebnissezeigendaherPotenzialeauf,andenenderErfolgdesAbkommensexpostgemessenwer-

    denkann.

    DerAnsatzindiesemerstenTeilderStudieistmakrokonomischerNatur.Dasheit,dieAnalyse

    befasstsichmitaggregiertenDatenaufLnderebene.EsgehtdabeiumdieVernderungender

    weltweitenHandelsstrme,derrealenPro-Kopf-EinkommenoderderArbeitslosigkeit.Damitwer-

    denLnder identifiziert,dievonTHIPgewinnen,undsolche,dieverlierenwrden.Derzweite

    TeilderStudieistmikrokonomischerNaturundbeleuchtetdisaggregierteEffekteimDetailfr

    Deutschland.ZumBeispielwerdenSchtzungenzurWirkungvonTHIPaufeinzelneRegionen,

    Wirtschaftszweige,BildungsklassenoderBerufsgruppenprsentiert.

    NacheinerDiskussionderverwendetenMethodenundeinergenauerenBeschreibungderSzena-

    rienbetrachtenwirdieEffektevonTHIPaufdieStrukturdesWelthandels.Wirbeantwortendie

    FrageWowchstderHandel,woschrumpfter,undumwieviel?DanachlenkenwirdasAugen-

    merkaufdieEffektevonTHIPaufdierealenPro-Kopf-Einkommen,dasheitaufdasrealeBrut-

    toinlandsprodukt (BIP)proKopf.Damit lassen sichdieweltweitenWohlfahrtseffektebeziffern.

    SchlielichberichtenwirdieErgebnisseeinerModellsimulation,dieeineQuantifizierungderEf-

    fekteaufdieArbeitslosenerlaubt.

    1 TransatlanticTradeandInvestmentPartnership(TTIP).

  • 5Bemerkungen zur Untersuchungsmethode

    2. Bemerkungen zur Untersuchungsmethode

    UmbelastbareZahlenderBIP-WirkungeinestransatlantischenHandelsabkommensfralleEU-

    Mitgliedslnder zu erhalten, braucht es imWesentlichen (a) einen geeignetenmodelltheoreti-

    schen Rahmen und (b) sinnvolle Szenarien.Wir verwenden dazu ein rechenbaresModell des

    allgemeinenGleichgewichts,dasamifoInstitutfrdieAnalysevonFreihandelsabkommenentwi-

    ckeltwurde.2DieGrundinnovationdesModellsbestehtineinerZusammenfhrungvonkonomet-

    rischenundsimulationstechnischenMethoden.Dabeiwirdsichergestellt,dassdieHandelskosten,

    umderenAbsenkungesletztlichinjedemFreihandelsabkommengeht,richtiggeschtztundauf

    konsistenteWeiseindieBerechnungvonWohlfahrtsmaeneingesetztwerden.Dabeiwerdentat-

    schlichbeobachteteHandelsflsseundempirischeProxiesderDeterminantenvonHandelskos-

    tenverwendet.DieStrkederModellierungliegtdarin,dassdasBasisszenariovomModellexakt

    repliziertwird:DasbetrifftimWesentlichendiebilateralenHandelsflssezwischeneinerVielzahl

    vonLndern,dieRealeinkommenunddieArbeitslosen.InderSimulationvonLiberalisierungssze-

    narienwerdendannbestimmteElementedergeschtztenHandelskostenverndertunddieVern-

    derungenderHandelsflsse,RealeinkommenundArbeitslosenberechnet.

    DerAnsatzunterscheidetsichdamitvondenkommerziellverfgbarenCGE-Modellen(computa-

    blegeneralequilibrium),dieblicherweisezurAbschtzungderEffektevonHandelsliberalisie-

    rungsszenarieneingesetztwerdenundwurden.DiemeistenexistierendenStudienzuTHIPver-

    wendenebenfallsCGE-Methoden.3IndiesenStudiensinddieHandelskostentypischerweisenicht

    ineinermodellkonsistentenWeisegeschtzt.WeitereModellierungsunterschiedebesteheninder

    LnderauflsungundinderBehandlungvonArbeitslosigkeit.InunsererHerangehensweisebe-

    trachtenwiralleLnder,frdiebilateraleHandelsdatenverfgbarsind.EineAggregationinRe-

    gionenerfolgtnichtodernurimNachhineinzurbesserenIllustrationderErgebnisse.Inmanchen

    ModellvariantenunterstellenwirauerdemfriktionelleArbeitslosigkeit,diedurchdieexplizite

    ModellierungdesSuchprozessesvonArbeitnehmernundArbeitgebernentsteht.DieseModellie-

    rungwurde2010mitdemNobelpreisausgezeichnetundhatdenVorteil,dasssichdiewichtigsten

    CharakteristikaderArbeitsmarktinstitutionenvonLnderngutabbildenlassen.

    AufdieserBasiswirddasAusgangsgleichgewichtfr126Lndersokalibriert,dassdasModell

    dieimJahr2007(vorderWirtschaftskrise)beobachtetenbilateralenHandelsflssezwischenallen

    Lnderpaaren(vondenenesinunseremDatensatz15.750gibt)undallefrdiesesJahrgemes-

    senenBruttoinlandsproduktereproduziert.4DasModellwirdalsofrdasBasisjahrgenaueinge-

    eicht;dabeiumfasstesnichtnurdie27EU-Mitgliedsstaaten,sondernbeinaheallekonomisch

    relevantenLnderderWelt.

    2 DiesesModellwirdinFelbermayretal.2013eingehenderklrt.

    3 DiestrifftaufdieCGE-StudienzuTHIPfrSchweden(Kommerskollegium2013),sterreich(FrancoisundPindyuk2013),Frank-reich(FontagneundGourdon2013)undfrdieStudiederEuropischenKommission(Francoisetal.2013)zu.DieseStudienwurdeninderVergangenheithufigkritisiert,weilsichdieEx-ante-PrognosenhinsichtlichderHandels-undWohlfahrtseffekteinderEx-post-Evaluierungtypischerweisealsdeutlichzugeringherausgestellthatten.Hosny(2013)beschreibtdasDesignderblichenCGE-Modelle;AckermannbieteteineKritik(2006).

    4 LeideristdieModellierungvonSucharbeitslosigkeitnurfrjeneLndermglich,frdievergleichbareDatenzuArbeitslosen-ratenundzurRegulierungderArbeitsmrktevorliegen;siehedazuAbschnitt6.

  • 6Bemerkungen zur Untersuchungsmethode

    EinweitererVorteildieserstrukturellen,dasheiteineexplizitekonomischeTheorieunterstel-

    lenden, konometrischenMethoden imGegensatz zuherkmmlichenkonometrischenMetho-

    den,dieaufeine fundierte theoretischeModellierungverzichten (sogenannte reduzierteForm-

    Schtzungen),liegtinderMglichkeit,exantedieFolgeneinerkontrafaktischenEinfhrungzum

    BeispieleinesTHIP-Abkommenszuanalysieren,bevordiesesinderRealittpassiertist.Dieswird

    durchdiezustzlicheStrukturdeszugrundeliegendenkonomischenModellermglicht.Redu-

    zierte-Form-SchtzungenerlaubeninderRegelnurAnalysenexpost,alsonachderUmsetzung,

    sodasswirtschaftspolitischeManahmenimmererstimNachhineinkonzipiertwerdenknnen,

    umaufbestimmteschonaufgetretene,zumTeilnegativeBegleiterscheinungenreagierenzukn-

    nen.SchlielicherlaubtdiestrukturelleModellierungeineAnalysevonTHIP,ohneaufeinezent-

    raleAnnahmefastallerreduziertenForm-Schtzungenrekurierenzumssen:allgemeineGleich-

    gewichtseffektezuvernachlssigen.5Gerade frAbkommenwieTHIP,derengenuinesZieldie

    VernderungdesallgemeinenGleichgewichts ist (nderungderHandelsstrmezwischenallen

    beteiligtenPartnern, ErhhungderWohlfahrt in den beteiligten Lndern), ist dieVerwendung

    strukturellerMethodendeshalbessenziell.

    EinVerstndnisderModellierungderbilateralenHandelskostenistfrdieweitereDiskussionin

    dieserStudievongroerBedeutung.DiemoderneLiteraturweistaufeinensehrklarenundwichti-

    genPunkthin:ZlleundanderehandelspolitischeBarrierensindfrdenWelthandelimVergleich

    zunatrlichenFriktionenwiezumBeispieldieschieregeographischeDistanzzwischenzweiHan-

    delspartnernvonrelativgeringerBedeutung.6UnddiequantitativeRollederZollbarrierenistim

    VergleichzuanderenHandelskostengeradeimtransatlantischenVerhltnisgeradezuvernachls-

    sigbar.7DieexakteMessungderbestehendenHandelskostenistaberfrdieBerechnungderEf-

    fektevonLiberalisierungsszenarienvongroerBedeutung:Felbermayretal.(2013)zeigen,dass

    dieWohlfahrtsgewinnedurchHandelsliberalisierungberproportionalhhersind,wenndieHan-

    delskostenbereitsimAusgangsgleichgewichtniedrigsind.

    Abbildung1zeigtaufschematischeWeise,wiedieHandelskostenzwischenzweiLnderninein-

    zelneKategorienaufgeteiltwerdenknnen.ZumeinensinddadieZlle,die,wieschonerwhnt,

    nureinegeringeRollerelativzudenanderenHandelsbarrierenspielen.DierestlichenHandels-

    kostensindkonsequenterweiseunterderRubriknichttarifreHandelsbarrierenzuverbuchen.

    DieseumfasseneineVielzahlpotenziellsehrunterschiedlicherElemente.Zumeinengibtespro-

    tektionistischehandelspolitischeManahmen, die denZugang auslndischerAnbieter auf den

    heimischenMarkterschweren.DasumfasstklassischeInstrumentewiezumBeispielImportquo-

    ten,aberauchadministrativeundregulatorischeHrden,dieauslndischeFirmendiskriminieren.

    DazukanndieNotwendigkeitgehren,ProdukteseparatfrbeideMrktezulassenzumssen,

    und zwarhufig unter ZugrundelegungunterschiedlicherZulassungsbedingungenund -proze-

    duren, unterschiedlicher Standards derUmwelt-, Gesundheits- oderKonsume