ODG in Brasilien 2016

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© Siemens Stiftung 2015.

OneDollarGlasses

www.empowering-people-network.org

© Siemens Stiftung 2015.

1. Preis empowering people. Award 2012:

OneDollarGlasses –

Die EinDollarBrille in Brasilien

Im März war ich für Dreharbeiten

zusammen mit einem Filmteam zu

Besuch bei unserem Projekt in

Brasilien.

Hier sind ein paar Impressionen

meiner Reise. Viel Spaß beim

Ansehen!

Martin Aufmuth, 1. Vorsitzender

Foto: Antje Christ

Arm und Reich liegen oft nahe beieinander. In 79% der Städte Brasiliens gibt es keinen

Augenarzt – dort wohnen 23% der Bevölkerung oder rund 50 Millionen Menschen.

Unser Filmteam: Antje trägt als Produzentin die Gesamtverantwortung, Kameramann

Marcel filmt gerade dieses Luxusgebäude: Jedes Stockwerk hat einen eigenen

Swimmingpool auf der Terrasse – mit Blick auf die darunter liegende Favela.

In den Straßen darunter: Eine der größten Favelas Brasiliens: Paraisópolis (wörtlich

übersetzt Paradiesstadt) mit mehr als 40.000 Einwohnern.

Ralf Toenjes, die treibende Kraft hinter der EinDollarBrille in Brasilien.

Sao Paolo ist mit 20 Millionen Einwohnern die größte Stadt Brasiliens. Vila Nova

Esperanza ist eine kleine Favela am Rande der Metropole. Die größte Angst der

Menschen ist, dass sie eines Tages von dort vertrieben werden könnten.

In zwei alten Seecontainern befindet sich dort die Produktion der EinDollarBrille.

Blick durch das Fenster: Die meisten Mitarbeiter kommen aus der Favela.

Josef lebte als Obdachloser auf der Straße. Dann ließ er sich in der Brillenherstellung

ausbilden und lernt inzwischen als Produktionsleiter selbst neue Mitarbeiter an.

Ein Mitarbeiter unseres Teams informiert die Leute, dass am nächsten Tag unser

Optikbus kommt und Sehtests durchgeführt werden.

Diesen Bus hat unsere Partnerorganisation von einer Firma gesponsert bekommen. Er

wurde komplett umgebaut und in eine fahrende Augenarztpraxis verwandelt.

Mädchen beim Sehtest. In Brasilien darf nur der Augenarzt eine Brille verschreiben.

Augenärzte haben ein sehr hohes Gehalt. Herkömmliche Brillen kosten etwa so viel wie

bei uns. Viele Menschen können sich das nicht leisten.

Junge Frau mit EinDollarBrille.

Vitoria de Jesus Gonzales (6), zusammen mit ihrer Mutter vor ihrer Hütte in der Favela.

Die Mutter arbeitet als Putzfrau, der Vater reinigt Swimmingpools für die Reichen. Mit

ihren Eltern und zwei großen Schwestern wohnt Vitoria auf ca. 20m².

Auch Dalila (10) hat eine Brille bekommen. Ihr Bruder Hobson (17) arbeitet seit einiger

Zeit in der Brillenproduktion. Er spart das Geld und möchte einmal Geografie studieren.

Dalila ist total stolz auf ihren großen Bruder. Sie erzählt: „Niemand in meiner ganzen

Schule hat mir geglaubt, dass die neue Brille mein Bruder selber gemacht hat.“

Ein paar Tage verbringen wir am Amazonas um auch dort im Rahmen von ersten

Pilotversuchen Menschen mit Brillen zu versorgen.

Auf dem Schnellboot mit 80 km/h. Wir fahren los in das Dorf Nossa Sengora.

Hier leben ca. 300 Familien oder 2000 Einwohner. Die Aktion fand in der Kirche statt.

Schnell werden junge Helferinnen und Helfer als Assistenten angelernt.

Die Dorfbewohner wurden erst am selben Morgen über unseren Besuch informiert. Ich

hatte Sorge, dass niemand kommt. Aber es kamen so Viele, dass wir sogar Leute nach

Hause schicken mussten, weil wir es nicht mehr schafften, alle zu versorgen.

Thalia Silver Quartra (14). Sie half uns den ganzen Vormittag begeistert bei der

Patientenaufnahme, bis wir durch Zufall feststellten, dass sie fast nichts sieht.

Der Sehtest ergab +7 und +8 Dioptrien. Als sie die erste Brille ihres Lebens aufsetzte

war sie seltsam berührt, dann aber zunehmend begeistert weil das Sehen plötzlich so

einfach war. Sie sagte, sie hätte bisher dauernd Kopfweh gehabt.

In einem anderen Dorf treffen wir Suzanna Marciel (74). Sie hat 5 Stunden mit dem Boot

und dann noch zu Fuß zurückgelegt, um eine Brille zu bekommen. Sie ist so dankbar für

die Brille, dass sie uns für den nächsten Tag zu sich nach Hause zum Essen einlädt.

Susanna zu Hause mit ihrem Mann. Sie hat 15 Kinder, 54 Enkel und 8 Urenkel.

Es gibt Reis, Gemüse und Huhn. Dazu frisch gepressten Guavesaft.

Am meisten freut Suzanna, dass sie endlich wieder Nähen kann. Das konnte sie schon

seit ca. 10 Jahren nicht mehr, sagt sie. Hier mit ihrer alten Singer-Nähmaschine.

© Martin Aufmuth, 2016

Hintergrundinformationen zur

EinDollarBrille in Brasilien

Im Mai 2014 wurden die ersten

Brillenproduzenten in Brasilien von einem

Team deutscher Studenten ausgebildet.

Organisiert und geleitet wird das Projekt von

einem jungen Team um Ralf Toenjes, Fabio

Rodas und Bruna Vaz, damals noch Studenten

an der Insper Universität in Sao Paolo. Der

Projektname ist Ver Bem (Gut Sehen).

Brasilien ist zwar kein Entwicklungsland.

Dennoch haben große Teile der Bevölkerung

keinen Zugang zu augenoptischerVersorgung.

Das liegt zum einen an der extrem ungleichen

Einkommensverteilung, zum anderen an den

komplizierten Gesetzen: Die Verschreibung

einer Brille darf nur durch einen Augenarzt

vorgenommen werden und ist teuer.

Den Verkauf wiederum muss ein zertifizierter

Optiker absegnen. Außerdem darf eine Brille

nicht in Anwesenheit des Augenarztes verkauft

werden, da dieser sonst auch am Verkauf

mitverdienen könnte. Korruption ist in Brasilien

weit verbreitet, die Gesetze sind für die Reichen

gemacht. Arme Menschen haben bislang das

Nachsehen.

Wir möchten das ändern. Ziel von

EinDollarBrille ist die Schaffung einer

augenoptischen Grundversorgung. Die Brillen

werden vor Ort produziert und für 2-3

ortsübliche Tageslöhne verkauft. DieAusbildung

der Produzenten und Brillenverkäufer wird aus

Spendengeldern finanziert. Später soll sich das

System finanziell selbst tragen.

(Informationen unter www.eindollarbrille.de)

© Siemens Stiftung 2015.

1st prize 2012: OneDollarGlasses – Specs for one dollar crafted manually

OneDollarGlasses are manufactured by hand on bending and milling machines

specially designed for this purpose. The spectacle frames consist of a lightweight

and flexible frame made of extremely robust spring steel wire. The glasses are

also affordable for very poor people due to the low production costs.

Contact:

Martin Aufmuth

EinDollarBrille e.V. - Germany

www.onedollarglasses.org

martin.aufmuth@onedollarglasses.org

© Siemens Stiftung 2015.

empowering people. Award 2015

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