Bildung, Milieu & Migration - uni- Bildung, Milieu & Migration Kurzfassung der Zwischenergebnisse 12/2013

  • View
    0

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of Bildung, Milieu & Migration - uni- Bildung, Milieu & Migration Kurzfassung der...

  • Bildung, Milieu & Migration Kurzfassung der Zwischenergebnisse 12/2013

    vorgelegt von

    Prof. Dr. Heiner Barz, Meral Cerci und Zeynep Demir

    Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

    (Dezember 2013)

    Gefördert von:

    Univ.- Prof. Dr. Heiner Barz

    Abteilung für Bildungsforschung

    und Bildungsmanagement

    Telefon +49 (0) 211 81 15002

    Telefax +49 (0) 211 81 14961

    barz@phil.uni-duesseldorf.de

    www.barz-online.de

    Heinrich-Heine-Universität

    Düsseldorf

    Universitätsstraße 1

    40225 Düsseldorf

    Gebäude 23.03

  • 1

    Inhaltsverzeichnis

    1. Zwischenergebnisse im Überblick ................................................................................. 3

    1.1. Milieuübergreifende Ergebnisse .................................................................................... 3

    1.2. Empfehlungen ....................................................................................................................... 5

    1.3. Milieuspezifische Bildungsprofile in Kurzfassung ................................................... 7

    2. Forschungsdesign ............................................................................................................. 11

    2.1. Hintergründe und Ziele .................................................................................................. 11

    2.2. Kurzcharakteristik der acht Migranten-Milieus .................................................... 12

    2.3. Forschungsinhalte ............................................................................................................ 13

    2.4. Forschungsmethode ........................................................................................................ 13

    2.5. Wissenstransfer ................................................................................................................ 15

    3. Bildungsprofile der Milieus .......................................................................................... 16

    3.1. Adaptiv-bürgerliches Milieu ......................................................................................... 16

    3.2. Statusorientiertes Milieu ............................................................................................... 20

    3.3. Religiös-verwurzeltes Milieu ........................................................................................ 24

    3.4. Traditionelles Arbeitermilieu ...................................................................................... 27

    3.5. Multikulturelles Performermilieu .............................................................................. 31

    3.6. Intellektuell-kosmopolitisches Milieu ...................................................................... 35

    3.7. Entwurzeltes Milieu ......................................................................................................... 39

    3.8. Hedonistisch-subkulturelles Milieu ........................................................................... 42

  • 2

    Melting of Cultures statt Clash of Cultures

    Beispiele aus der Foto-Dokumentation des Projektes „Bildung, Milieu, MIgration”

    Patchwork-Identitäten und Alltags-Ästhetik zwischen Herkunft und Zukunft: Traditioneller türkischer Schuhputzer-Kasten als Smartphone-Ladetischchen (gefunden im Multikulturellen Performermilieu)

    Kulturelle Vielfalt im Kühlschrank: Veggie Burger neben türkischen Oliven (gefunden im Intellektuell-kosmopolitischen Milieu)

  • 3

    1. Zwischenergebnisse im Überblick

    1.1. Milieuübergreifende Ergebnisse

     Kulturelle Vielfalt gehört für die meisten Menschen mit Migrationshintergrund selbstver-

    ständlich zum Leben und wird subjektiv als Bereicherung erlebt (ausgenommen das Religiös-

    verwurzelte Milieu). Im Alltag wird kulturelle Vielfalt in der mindestens bi-national geprägten

    Esskultur der Familien und in der Mischung aus internationalen Elementen in der Wohnungs-

    einrichtung besonders deutlich.

     Bezogen auf die Bildungspartizipation in Deutschland wird – gerade in den Milieus mit niedri-

    ger sozialer Lage – der eigene Migrationshintergrund und auch der der Kinder als Defizit und

    Problem erlebt, d.h. der vorherrschende Defizitansatz ist von den Migranten selbst weitge-

    hend verinnerlicht. Lediglich im Intellektuell-kosmopolitischen Milieu wird – fast schon wü-

    tend – gefordert, dass endlich ein Perspektivwechsel in der Praxis der Bildungseinrichtungen

    stattfinden soll. Symptomatisch ist, dass viele Eltern Wert darauf legen, dass die Kinder eine

    Schule mit einem niedrigen Migrantenanteil besuchen, da man sich dadurch ein höheres Leis-

    tungsniveau verspricht.

     Spezifische Bildungsressourcen der Menschen mit Migrationshintergrund sind: mehrheitlich

    Offenheit für kulturelle Vielfalt, internationale Orientierung, Mehrsprachigkeit, hohe Bil-

    dungsaspirationen, Bereitschaft zur Elternpartizipation, Solidarität/gegenseitige Unterstüt-

    zung, Innovationsbereitschaft/Mut, neue Wege zu gehen, hohe Frustrationstoleranz.

     Aus der Perspektive der Befragten spielen bei der Frage der Chancengleichheit von Migranten

    die Lehrkräfte eine zentrale Rolle. Milieuübergreifend werden Fälle der Benachteiligung von

    Migranten durch Lehrkräfte mit intensiven Emotionen erinnert und ausführlich geschildert.

    Andererseits wird auch von zahlreichen Fällen berichtet, wo Lehrkräfte weit über das erwarte-

    te Maß hinaus Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund halfen und diese unter-

    stützten. Im Erleben der Befragten treten andere mögliche Faktoren der interkulturellen Öff-

    nung von Schule im Vergleich zu den Lehrkräften weit in den Hintergrund (z.B. Schulkultur).

     Insbesondere am Übergang zur Sekundarstufe I erleben viele, dass sie bzw. ihre Kinder Emp-

    fehlungen für „typische Migrantenschulen“ bekommen haben. Die Hauptschule gilt als solche

    und hat ein schlechtes Image. Die Gesamtschule wird von vielen Eltern mit Migrationshinter-

    grund als Schulform betrachtet, in der Migranten weniger benachteiligt werden. Das Gymna-

    sium wird von ehemaligen Schülern als konservativ erlebt und man hatte während der Schul-

    zeit das Gefühl, nicht richtig dazu zu gehören.

     Mehrheitlich haben Migranten der ersten und zweiten Generation wenig Unterstützung im

    Bildungsverlauf durch die Eltern erfahren aufgrund mangelnder Ressourcen (Bildung, Infor-

  • 4

    mation, Sprachkenntnis, Geld, Zeit). Lediglich im Hedonistisch-subkulturellen Milieu wird an-

    genommen, dass die eigenen Eltern wenig Interesse für Bildung gehabt haben.

     Die Rolle der Eltern haben milieuübergreifend häufig ältere Geschwister eingenommen, in-

    dem diese z.B. Elternsprechtage besuchten oder übersetzten.

     Betrachtet man die Elternperspektive lässt sich festhalten, dass in allen Milieus der Wunsch

    nach einer guten Bildung für die Kinder besteht. Allerdings unterscheiden sich die Ressourcen

    milieuspezifisch. Während sich im religiös-verwurzelten Milieu die Unterstützung der Kinder

    häufig auf die Frage beschränkt „Hast Du die Hausaufgaben gemacht?“, werden in den Milieus

    der bürgerlichen Mitte sämtliche Möglichkeiten der Unterstützung von der Hausaufgabenbe-

    treuung über gemeinsames Lernen bis hin zu Begleitung von Klassenfahrten ausgeschöpft. Im

    Hedonistisch-subkulturellen Milieu werden die Kinder während der Schullaufbahn weitge-

    hend sich selbst überlassen und müssen lernen, allein klarzukommen. Im Intellektuell-

    kosmopolitischen Milieu hat man ein besonderes Augenmerk für Bildungsbenachteiligung von

    Migranten. Man wird zum „Bildungskämpfer“ für die eigenen Kinder oder auch für die von

    Freunden und Bekannten. Aufgrund der hohen Bildung hat man in diesem Milieu die Möglich-

    keit, den Lehrkräften „auf Augenhöhe“ zu begegnen.

     Sowohl bezogen auf den eigenen Bildungsverlauf als auch auf den der Kinder berichten die

    Migranten von zahlreichen Schulwechseln und Zurückstufungen aufgrund von Fehlentschei-

    dungen, Orientierungsphasen, fehlenden Deutschkenntnissen, falschen Übergangsempfeh-

    lungen der Lehrkräfte, fehlender Anerkennung von Bildungsabschlüssen in Deutschland etc.

    Die betroffenen Personen bemängeln deutlich die verlorenen gegangenen Jahre!

     Engagement in Elterngremien, z.B. Elternpflegschaft ist nur vereinzelt vorhanden. Es bestehen

    deutliche Zugangsbarrieren (schüchtern, „nichts für mich“).

     Mehrsprachigkeit wird in allen Milieus befürwortet, lediglich die Gewichtung der einzelnen

    Sprachen variiert. Während man im Religiös-verwurzelten Milieu besonderen Wert auf die

    Herkunftssprache legt, ist in den Milieus der bürgerlichen Mitte Deutsch höher gewichtet als

    die Herkunftssprache. In den ambitionierten Migranten-Milieus wird darüber hinaus der Stel-

    lenwert weiterer Fremdsprachen betont. Insbesondere Eltern der zweiten Migrantengenera-

    tion wünschen sich, die eigenen Kinder mehrsprachig zu erziehen, sehen aber zahlreiche Bar-

    rieren, vor allem eigene Mängel in der Herkunftssprache und die Angst, den Kindern Fal