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  • Fachkonferenz Benachteiligtenfrderung Forum 5: Neue Prfungsanforderungen und die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher

    Die Inhalte dieses Skripts sind dem hiba-Weiterbildungsband 10/77 "Neue Prfungsanforderungen" entnommen

    Innovationen im Prfungswesen 2 Neue Prfungsformen und -methoden 4 Gesellenprfung fr das Maler- und Lackiererhandwerk 7 Neue Prfungsstruktur und -ablufe in den elektrotechnischen Ausbildungsberufen 9

    Abschlussprfung im Ausbildungsgang Brokaufmann/Brokauffrau 10

    Die gestreckte Abschlussprfung 11

    Prfungsanforderungen im Beruf Fertigungsmechaniker/Fertigungsmechanikerin 13

    Literaturhinweise 23

  • Innovationen im Prfungswesen

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    Innovationen im Prfungswesen

    Pia Schnadt

    In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Ausbildungsberufe neu geordnet bzw. neuerlassen worden. Damit einher geht eine Umorientierung im Prfungswesen, die sich instrukturellen Vernderungen von Prfungsstrukturen und -formen sowie in einer Reiheneuer Prfungsmethoden und Prfungsaufgaben manifestieren.

    Ausgangspunkt dieser Entwicklung war die Neuordnung der Metall- und ElektroberufeEnde der 80er-Jahre. Hier wurde erstmals die Vermittlung von beruflicher Handlungs-kompetenz in Form selbststndigen Planens, Durchfhrens und Kontrollierens festge-schrieben. Gleichzeitig wurde festgeschrieben, dass dieses Ausbildungsziel der berufli-chen Handlungskompetenz auch in den Prfungen seinen Niederschlag finden sollte.

    Berufliche Handlungskompetenz

    Das Bildungsziel berufliche Handlungskompetenz orientiert sich an der Bewltigung vollstn-diger Arbeitsaufgaben, d. h. berufliche Handlungskompetenz kann immer nur an konkretenAufgaben gezeigt werden. Handlungskompetenz meint die Fhigkeit und Bereitschaft, untersich verndernden Normen und Werten das erlangte Wissen, Knnen und Verhalten aufga-bengerecht anzuwenden. Sie realisiert sich in der Verknpfung von

    Fachkompetenz (z. B. fachliche Kenntnisse, fachliches Engagement, fachliche Fertigkei-ten, Sachverstand, Problembewusstsein ),

    Methodenkompetenz (z. B. Problemlsefhigkeit, Planungsfhigkeit, systemisches Den-ken, Fhigkeit zur Informationsbeschaffung, Entscheidungsfhigkeit, bertragungsfhig-keit, Lernfhigkeit ),

    Sozialkompetenz (Teamfhigkeit, Kommunikationsfhigkeit, Kooperationsfhigkeit, so-ziale Verantwortung, Fairness, Hilfsbereitschaft, Einordnungsfhigkeit, Konzessionsbereit-schaft, Anleitungsfhigkeit, Leitungsfhigkeit, Umweltbewusstsein ) und

    personaler Kompetenz (eigene Normen und Werte, Selbststndigkeit, Kritikfhigkeit, F-higkeit zur Selbstreflexion, Kreativitt, Initiative, Durchhaltevermgen, Frustrationstole-ranz, Aufgeschlossenheit, Belastbarkeit, Verantwortungsbereitschaft, Begeisterungsfhig-keit ).

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    Mittlerweile findet sich dieses Ausbildungsziel der beruflichen Handlungskompetenz inallen neuen und neu geordneten Ausbildungsberufen. In diesen steht die beruflicheHandlungskompetenz als gleichwertiges Ausbildungsziel neben der Vermittlung vonFachkompetenz. Die Umsetzung der neuen bzw. neu gestalteten Ausbildungsordnun-gen erfordert damit nicht nur neue Ausbildungskonzepte, sondern auch neue Prfungs-konzepte, denn die Prfungsinhalte und Prfungsmethoden prgen immer wesentlichmit, welche Inhalte vermittelt werden und wie dies geschieht

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    1 Vgl. von Bothmer, H.: Berufliche Kompetenzen. Einfhrung in Begriffe und Verfahren. hiba-Weiter-bildung, Band 20,/17, hrsg. v. hiba gmbh, Darmstadt 2004.

  • Innovationen im Prfungswesen

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    Ziel dieser Vernderungen im Prfungsgeschehen ist eine praxisnahe Gestaltung vonPrfungen, die nicht nur Auskunft ber erworbenes Wissen und Knnen geben, son-dern vor allem zuverlssige Aussagen ber berufliche Handlungskompetenz erlauben. Inder Konsequenz erfordert dies, dass die Entwicklung von Prfungen und Prfungsaufga-ben an dem Modell der vollstndigen Handlung orientiert werden muss.

    Diesem Anspruch werden Ausbildungsabschlussprfungen so die zentrale Kritik antraditionellen Prfungskonzepten vielfach nicht oder nur unzureichend gerecht. Zwarlasse sich ermitteln, in welchem Umfang die Auszubildenden fachliche Kenntnisse abru-fen knnen und wie gut sie einzelne Arbeitstechniken beherrschen, darber hinausge-hende Aussagen, zum Beispiel ber die Fhigkeit, situationsbezogen und prozessorien-tiert denken und handeln zu knnen, lassen die traditionellen Prfungen und Prfungs-aufgaben oftmals nur begrenzt zu.

    Folgende Kritikpunkte an traditionellen Prfungskonzepten werden u. a. genannt:

    Die strikte Umsetzung der Vereinheitlichungsempfehlung fr Prfungen des Bun-desinstituts fr Berufsbildung von 1980 lassen keine flexible Anpassung an die An-forderungen des jeweiligen Berufs zu.

    Die Aufteilung der Prfung in Prfungsfcher sowie in schriftliche und praktischePrfungen entspricht nicht den Anforderungen des Berufs.

    Fr die Erfassung beruflicher Handlungskompetenz sind die herkmmlichen Pr-fungen nicht geeignet (valide).

    In den herkmmlichen Prfungen knnen bergreifende Qualifikationen wie Kom-munikationsfhigkeit, Problemlsefhigkeit, soziale Kompetenzen etc. nicht erfasstwerden.

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    Neue praxisnahe und handlungsorientierte Prfungsformen und -methoden, die in denvergangenen Jahren bei der Einfhrung neuer sowie modernisierter Ausbildungsberufeeingefhrt wurden, sollen diesen Mangel beheben. Ob als Bearbeitung eines berufstypi-schen Kundenauftrags wie bspw. im Malerhandwerk

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    , als gastorientiertes Prfungsge-sprch bei der Fachkraft im Gastgewerbe

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    oder als Rollenspiel im Prfungsfach Auf-tragsbearbeitung und Broorganisation im Ausbildungsgang Brokaufmann/-frau

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    die Auszubildenden sollen nunmehr in der Prfung zeigen, inwieweit sie erworbeneKenntnisse und Fertigkeiten in der Praxis umsetzen und berufstypische Arbeitsanforde-rungen bewltigen knnen. Mit diesem greren Praxisbezug wird die Erwartung ver-bunden, dass die Aussagekraft der Prfungen und damit auch des Prfungszeugnisses

    2 Ebbinghaus, M.; Schmidt, J. U.: Prfungsmethoden und Aufgabenarten, Bielefeld 1999, S. 5.

    3 Vgl. Schmidt, J. U.: Innovationen im Prfungswesen, in: U. Grnwald, J. U. Schmidt: Innovative Anstzebeim Lernen durch Arbeit und bei beruflichen Prfungen, Bielefeld 2000, S. 82 f.

    4 Vgl. Musteraufgaben aus dem Modellprojekt Lernen orientiert an Kompetenzentwicklung (LOK),www.farbe.de Rubrik Maler/Bildung, Job, Karriere/Ausbildungshilfen & eLearning.

    5 Korioth, T.; Schmidt, J. U.: Aktualisierte Prfungen fr die Hotel- und Gastgewerbeberufe. Mit einemLeitfaden zum gastorientierten Prfungsgesprch, Bielefeld 1999.

    6 Bundesinstitut fr Berufsbildung (Hrsg.): KoPra Komplexe Prfungsaufgaben fr Brokaufleute. Ein Leit-faden zur Erstellung von Prfungsaufgaben. Bielefeld, Bertelsmann Verlag 1999.

  • Innovationen im Prfungswesen

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    ber die berufliche Handlungskompetenz und die sptere Bewhrung im Beruf verbes-sert wird.

    2.1 Neue Prfungsformen und -methoden

    Prfungsleistungen sind immer Momentaufnahmen. Prfungen finden unter verfremde-ten Bedingungen statt und knnen daher nur eingeschrnkt die erworbenen Fhigkeiteneinschlielich der fachbergreifenden Qualifikationen ausweisen. Dennoch sind Prfun-gen nicht nur ein formaler Vorgang, vielmehr sollen sie die Einhaltung und Vergleich-barkeit von Qualittsstandards in der Ausbildung gewhrleisten. Fr die Abschlusspr-fung und das Prfungszeugnis ist es daher nicht entscheidend, was im Rahmen der indi-viduellen Ausbildung tatschlich vermittelt wurde. Vielmehr zielt die Abschlussprfungauf das, was mit rechtlichen Vorgaben als Standard festgelegt wurde. Geprft und zerti-fiziert wird also, ob ein festgelegtes Kompetenzniveau erreicht wurde.

    Dieses Kompetenzniveau ist im Rahmen der Ausbildungsordnung, des Ausbildungsrah-menplans sowie in den Rahmenlehrplnen beschrieben. Darber hinaus enthalten auchdie Struktur der Abschlussprfung und die Prfungsformen und -methoden Hinweiseauf die Prfungsanforderungen.

    Traditionelle Prfungsstrukturen und -formen

    Whrend der Berufsausbildung finden in der Regel zwei Prfungen statt: Etwa in derMitte der Ausbildungszeit erfolgt die Zwischenprfung ( 24 BBiG/ 39 HwO), dieAbschlussprfung erfolgt am Ende der Berufsausbildung ( 35 BBiG/ 32 HwO). DieTeilnahme an der Zwischenprfung gilt nach 39 BBiG/ 36 HwO als Voraussetzung frdie Zulassung zur Abschluss- bzw. Gesellenprfung, hat darber hinaus in der Regeljedoch keinen Einfluss auf die Fortsetzung des Ausbildungsverhltnisses oder auf dasErgebnis der Abschlussprfung. Mit der Zwischenprfung werden also keine Berechti-gungen erworben.

    Anders dagegen die Berufsabschlussprfung. Mit ihr erwirbt der Prfling Berechtigungen die Berechtigung etwa, den erlernten Beruf auszuben. Insofern bildet die Abschlusspr-fung die Brcke zwischen Ausbildungs- und Beschftigungssystem.

    Traditionell besteht die Struktur von Zwischen- und Abschlussprfung aus zwei Teilen:Der schriftlichen Prfung als Kenntnisprfung sowie der praktischen Prfung. Letzterewird im gewerblich-technischen Bereich als Fertigkeitsprfung bezeichnet, im kauf-mnnischen Bereich als praktische bung, die als mndliche Prfung durchgefhrtwird.

    Innerhalb der einzelnen Prfungsteile gibt es traditionell eine berschaubare Anzahl anPrfungsmethoden und Aufgabenarten. Die

    praktische Prfung

    in gewerblich-techni-schen Berufen besteht aus einem Prfungsstck und/oder aus einer Arbeitsprobe. Beideunterscheiden sich dadurch, dass bei einem Prfungsstck nur das Endergebnis bewertet,also eine Produktbewertung vorgenommen wird, whrend bei einer Arbeitsprobe auchdie Arbeitsweise in die Bewer