Kan¤le & Fl¼sse 01/2010

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Die Zeitschrift für Schleusenschiffer, Bootsbesitzer auf Binnenfahrt und Hausbootferien

Text of Kan¤le & Fl¼sse 01/2010

  • 2. Jahrgang / Ausgabe 1/2010 Preise: 6.00 / CHF 9.00

    Unterwegs in:

    FrankreichCanal du Nivernais

    KanadaRideaux Canal

    Trent-Severn Canal

    News

    HausbooteZusatzkosten im Vergleich

    Neuheiten 2010

    LeserreiseBoot & Boule im Burgund

    Dies & Das

    Geschichte(n)Die HausbootgeschichteDer Knig-Ludwig-Kanal

    SchifffahrtDer Koppelverband Inge I & II

  • Inhaltsbersicht

    Seiten 4 , 5 & 6 Die Geschichte des Hausboottourismus

    Seiten 7 bis 14 Auf dem Canal du Nivernais

    Seite 15 Boot & Boule, eine Leserreise

    Seiten 16 & 17 Neue Karten und Revierfhrer 2010

    Seiten 18 & 19 Zusatzkosten bei Hausbootmieten in der bersicht

    Seite 20 Schleusenge ster

    Seite 21 Der Ludwig-Main-Donau-Kanal

    Seiten 24 bis 29 Kanada, Trent-Severn Canal / Rideaux Canal

    Seiten 30 bis 32 Boat people, mit einem Koppelverband auf dem Rhein

    Seite 34 An und im Wasser: Der Eisvogel

    Unser Titelbild

    Freye Fahrt auf dem Canal du Nivernais in die nchste Saison . . .

    (Foto Kurt Frey)

  • Kanle & FlsseKanle & FlsseDie Zeitschrift fr Schleusenschiffer, bootsbesitzer auf Binnenfahrt und Hausbootferien.

    Liebe Schleusenschifferinnen, liebe Schleusenschiffer

    Es geht abwrts und bald haben wir es hinter uns.Nein, ich meine fr einmal nicht die so viel kommentierte wirtschaftliche Situation, sondern den Winter! Kaum haben wir Wasserfahrer die Fest-tage und das alte Jahr hinter uns gelassen, geht es mit Riesenschritten der neuen Saison entgegen. Da auch das Planen der Trns und Fahrten (oder gar ein Bootskauf) fester Bestandteil unseres Hobbys ist, gilt die Saison 2010 hiermit als erffnet.

    Wir hoffen, dass unser Bericht ber den schnen alten Canal du Nivenais viele motiviert, diese prchtige Gegend wieder einmal zu besuchen.Auf diesem Kanal fhren wir den auch unsere erste Leserreise unter dem Moto Frankreich total / Boot und Boule durch. Da die Teilnehmerzahl aus qualitativen Grnden beschrnkt ist, emp ehlt sich eine frhzeitige An-meldung! Als weiterer Revierbericht knnen wir Ihnen in dieser Ausgabe einen exotischen Artikel aus Kanada von Josef Blecha empfehlen!

    Neu in dieser Ausgabe ist unser Fortsetzungsbericht ber die Geschichte des Hausbootwesens und ein berblick ber die Zusatzkosten im Haus-boot-Charter-Bereich.

    Fr eine sptere Ausgabe unserer Zeitschrift suchen wir Testfahrer! Mehr dazu auf Seite 17.

    Schleuse ahoi Kurt Frey

    ImpressumRedaktion:Kurt Frey / info@schleusen.info

    Abonnemente, SekretariatYvonne FreyIgelweidstrasse 3CH 5607 HgglingenTel: +41 56 610 19 17yvonne@water-ways.net

    InserateKurt Freykurt@schleusen.info

    HerausgeberKanle & Flsse / Kurt Frey & CoIgelweidstrasse 3 CH 5607 HgglingenTel. +41 56 610 19 19Fax: +41 56 610 19 18Mail: info@schleusen.info

    Gast-Autoren:Franois Loeb, Edith & Hannes BieriJoseph Blecha, Conrado Frank, Eva P ug

    Ausgabe 2/2010Redaktionsschluss: 15. April 2010 Erscheinungsdatum: 9. Mai 2010Der Trn: Polen: Die Masurische Seenplatte

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  • 4Hausboot-Geschichte

    Hausbootgeschichte & Hausbootgeschichten 1 von Konradin Frank

    Schon seit hunderten von Jahren leben ganze Volksstmme, Fischer- und Fls-serfamilien usw. mehr oder weniger auf dem Wasser. Zuerst auf Flossen, dann auf Dschunken und anderen Booten. Als dann im 18. Jahrhundert die Fluss und Kanalschifferei aufblh-te, begannen auch die Bootsleute auf ihren Khnen zu leben. Wir mchten uns jedoch hier auf einen kleinen As-pekt dieser Lebensweise beschrnken, den Hausboottourismus.

    Wann hat wer denn nun den Haus-boottourismus erfunden?In der Hausboot - Vermieter - Szene streitet man sich darber, ob es das Jahr 1948 oder 1960 gewesen sei. Sie liegen damit ber 100 Jahre daneben! Aus nicht ersichtlichen Grnden geht man hier auf dem Kontinent irgend-wie immer davon aus, dass die Anfn-ge dieses Tourismuszweigs sicher in Frankreich zu suchen sind.

    Ridiculous, isnt it?Den Tourismus als solchen haben ganz eindeutig die Englnder erfunden. Sie

    verstanden darunter das Ausfhren einer mhsamen Ttigkeit auf freiwil-liger Basis wie z.B. Skifahren, Bergstei-gen und Reisen aller Art. Was nicht verwundert, wenn man be-denkt, dass die englische Oberschicht schon aus Tradition sich nie mit Ar-beiten herumschlagen musste.

    So erfanden diese Tee- und Whis-keytrinker denn auch ganz neben-bei den Hausboottourismus. Da die englischen Kanle mit ihren Dimensionen von etwas mehr als 6.5 Fuss Breite und 65 Fuss Lnge (ca. 2m x 20 m) in den meisten Fllen nur sehr kleine, schmale Boote zuliessen (Nar-rowboats), blieb fr die Schifferfamilie wirklich nur ein kleiner Verschlag. Hier von Hausboot zu sprechen, wre tat-schlich etwas vermessen.Etwas anders sah es dagegen auf den Flssen Themse, Severn, Trent und den Norfolk Broads aus, wo Boote mit 4 Metern Breite fahren konnten.Auf den Norfolk Broads wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts vor allem die Norfolk Wherry eingesetzt, ein

    damals sehr modernes Segelboot fr die Binnenfahrt, (siehe dazu nchste Seite). Wenn schon, eigneten sich die-se besser als Hausboote, als die Nar-rowboote. Nur - wer will denn schon ber lngere Zeit auf einem Frachter leben?

    Mit Sicherheit einer der ersten Hausboottouristen war H. M. Dou-ghty. Um 1880 liess sich dieser wohl et-was spleenige, jedoch wahrscheinlich nicht ganz unvermgende, Englnder eine solche Norfolk Wherry buchstb-lich zum Hausgebrauch bauen. Nachdem er zwei Jahre in den Broads unterwegs war, suchte er neue He-rausforderungen. So segelte er mit Bootsmann, Butler und zwei Tchtern ber den Channel nach Holland, wo man dann zwei Jahre unterwegs war. Bald drngte es ihn jedoch zu neuen Abenteuern, Holland war ihnen offen-sichtlich zu zivilisiert. Doch lassen wir ihn selbst davon zu erklren.

    H.M. Doughty

    MIT BUTLER UND BOOTSMANNEin Bootstrn anno 1890 von Friesland ber die Mecklenburgischen Seen bis nach Bhmen

    Vorbemerkungen

    Unsere Norfolk Wherry, die Gipsy, lag 1889 im Winterlager in Leeuwarden in Friesland. Whrend der letzten beiden Sommer waren wir auf allen friesischen Gewssern gesegelt und hatten die Runde in den brigen Niederlanden gemacht. Es war an der Zeit fr uns Zigeuner, weiter-zuziehen und neue befahrbare Gewsser zu fi nden.

    Was wir suchten, war ein Revier, das nicht nur fr uns neu war, sondern ganz und gar unbekannte Gewsser -- sofern es die in Europa noch gab. Sie sollten fr

  • 5Verzell du das im Schleusewrter

    unsere Norfolk Wherry zugnglich und noch von keinem englischen Segler er-forscht sein.

    Wir studierten viele Karten, bis wir auf eine deutsche Karte in grossem Massstab stiessen, die ein Labyrinth von Seen in Mecklenburg enthllte.

    Begierig, zu erfahren, was ber diese Gewsser bekannt war, suchte ich sorg-fltig in Bchern, fand aber nichts. Kein englischer Schreiber hatte, soweit ich fest-stellen konnte, fr diesen Gegenstand die Feder eingetunkt -- niemand hatte sie je gesehen, wenige hatten auch nur von ih-nen gehrt. Sie liegen ausserhalb der Tou-ristenstrme. Es schien genau das Aben-teuer zu sein, das wir suchten. Aber waren diese unbekannten Seen erreichbar?

    Ich besorgte die beste Gewsserkarte, von deren Existenz ich wusste, Sympher und Maschkes Karte der deutschen Was-serstrassen, datiert von 1887 und zusam-mengestellt nach offi ziellen Quellen im Auftrag des preussischen Ministers fr f-fentliche Bauten. Mit ihrer Hilfe entdeckte ich eine Reihe von Wasserwegen, auf de-nen es mglich schien, die Mecklenburgi-schen Seen zu erreichen.

    Von Leeuwarden aus wrden uns die Kanle durch Friesland und Groningen zum Seehafen Delfzijl bringen. Von da aus wrden wir die Ems aufwrts bis zur Mndung des Hunte-Ems-Kanals segeln, der auf der Karte durch das Grossherzog-tum Oldenburg zu einem anderen Fluss fhrte, der Weser.

    Von Bremer-haven aus schie-nen die Weser, die Geeste und ihre Verlngerung, der Geeste-Haldener-Kanal, Anschluss an die Elbe zu ha-ben. Elbaufwrts mussten wir etwa 150 Meilen gegen den Strom nach Dmitz segeln, von wo die neue Elde den Schweriner See erreichen wrde. Und von diesem

    ersten der grossen Seen schien die Elde zu einer langen Kette weiterer Seen zu fh-ren. Wir fanden heraus, dass die Schleusen der Kanle gross genug und die Wasser-tiefe wahrscheinlich ausreichen wrde. Vielleicht mussten wir manchmal den Kiel abnehmen. Dennoch gab es eine Unge-wissheit wegen der Durchfahrtshhen unter den Brcken und ob sie fest oder beweglich waren. Die Wherry wrden wir vielleicht einen Winter in Mecklenburg lassen mssen; aber einmal dort, schien es mglich, unsere Fahrt im nchsten Jahr fortzusetzen - man wird sehen, dass wir das taten - ber die Havel in die Oberelbe. Und diesen Strom hinauf, vorbei an histo-rischen Stdten und nahe am Harz, ber Dresden und vielleicht ber Sachsen hin-aus, nach Bhmen (Tschechien). Das waren unsere Plne.

    Unsere Besatzung bestand 1890 aus zweien meiner Tchter, mir selbst als Skipper, unserem Butler Ifouls, Koch und Steward zugleich, Wilson, einem Fischer aus einem Kstendorf in Suffolk und ei-nem friesischen Seemann, Pieter de Vries.

    Es sollte dann einiges anders kommen, doch gelangte die Gipsy letztendlich doch nach Bhmen. Nachfolgend nochmals ein kleiner Auszug aus dem Buch, ein Jahr da-nach.

    In dieser Nacht fi ng es an, ordentlich zu blasen. Der Sturm hielt den nchsten Tag und die nchste Nacht ber an und

  • 6Verzell du das im Schleusewrter

    Die Norfolk Wherry

    Der traditionelle Frachtsegler wurde vorwiegend in den Norfolk Broads ein-gesetzt. Der Rumpf war in vielen Fl-len schwarz geklinckert und mit einem weissen Streiffen versehen, damit die Boote im Nebel besser sichtbar waren. Die Frach