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Merkblatt Ambulante Pflege

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Text of Merkblatt Ambulante Pflege

  • www.verbraucherschutz-thueringen.de

    Nicht gezielte Ttigkeiten mit Biostoffen in ambulanten und Intensiv-Pflegediensten

    Hinweise fr Arbeitgeber und Beschftigte

    ASB/Fulvio Zanettini

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    1 Gefhrdungsbeurteilung nach 4 Biostoffverordnung (BioStoffV)

    Beschftigte der ambulanten und Intensiv-Pflegedienste knnen bei der Untersuchung, Behandlung und Pflege von Menschen mit Materialien und Gegenstnden in Berhrung kommen, denen biologische Arbeitsstoffe (Biostoffe) mit infektisen Wirkungen anhaften. Gesundheitliche Gefhrdungen, beispielsweise durch bertragung von Hepatitis-Erkrankungen, AIDS (Pflege HIV-Infizierter), Tuberkulose, Grippe, Grtelrose, Herpes-simplex-Infektionen, Magen-Darm-Erkrankungen sowie Haut- und Wundinfektionen (z.B. Pflege von Staphylococcus aureus infizierten Patienten) knnen sich ergeben. Es ist hauptschlich mit Biostoffen der Risikogruppen 2 und 3** zu rechnen. Bei Biostoffen der Risikogruppe 3** ist eine Infizierung ber den Luftweg normalerweise nicht mglich.

    Bei der ambulanten Untersuchung, Behandlung und Pflege von Menschen werden nicht gezielte Ttigkeiten mit Biostoffen ausgefhrt. Der Arbeitgeber ist verantwortlich, mit der Durchfhrung der Gefhrdungsbeurteilung nach 5 ArbSchG [1] die von diesen Ttigkeiten ausgehenden gesundheitlichen Gefhrdungen nach 4 BioStoffV [2] fr alle Beschftigten einschlielich externer (berrtlich z.B. in anderen Bundeslndern ttiger) Beschftigter fachkundig zu beurteilen, Schutzmanahmen zu ermitteln und umzusetzen. Es ist notwendig, externe Beschftigte gesondert in der Gefhrdungsbeurteilung zu erfassen, weil sich die Arbeitsbedingungen wesentlich von denen am Betriebsort unterscheiden knnen.

    Erregerspezifische bertragungswege (z.B. Infektionen durch Kontakte zu Krperflssigkeiten, Krperausscheidungen, Krpergeweben und kontaminierten Gegenstnden, verletzungsbedingte Infektionen durch Nadelstiche oder Schnitte, luftbertragene Infektionen u.a. durch das Einatmen erregerhaltigen Materials) sowie unmittelbare Arbeitsbedingungen sind bei der Gefhrdungsbeurteilung der Ttigkeiten zur Untersuchung, Behandlung und Pflege von pflegebedrftigen Menschen zu bercksichtigen.

    Hinsichtlich der Infektionsgefhrdung ist zu bewerten, inwieweit der pflegebedrftige Mensch einem Personenkreis angehrt, von dem aus epidemiologischer Sicht eine erhhte Infektionsgefahr ausgeht (z. B. Drogenabhngige, Menschen mit schweren oder geistigen Behinderungen).

    Die husliche Versorgung pflegebedrftiger Menschen durch ambulante Pflegedienste umfasst Ttigkeiten im Rahmen der:

    Grundpflege z.B. Waschen, Baden und Duschen, Zahnpflege, Untersttzung beim Toilettengang bzw. Versorgung inkontinenter Personen, bei der Nahrungsaufnahme, beim An- und Auskleiden

    Behandlungspflege z.B. Injektionen und Infusionen, Blutentnahmen, Verbandswechsel, Medikamentengabe, Drainage- und Wundversorgung, Katheteranlage und -wechsel, rztliche Assistenz bei Untersuchungen

    Intensivpflege z.B. Portversorgung, Wechsel und Pflege von Trachealkanlen, Beatmungstherapie, spezielle Wundversorgung, Legen gastraler Ernhrungssonden und deren Pflege, Versorgung von Nieren-, Galle- und Stuhlfisteln.

    Fr die ambulante Pflege ist eine Schutzstufenzuordnung nicht erforderlich, weil das Spektrum der auftretenden Biostoffe im huslichen Bereich in Abhngigkeit vom Gesundheitszustand des pflegebedrftigen Menschen starken Schwankungen unterliegt. Art, Dauer oder Hufigkeit der Exposition durch gesundheitsgefhrdende Biostoffe knnen stark wechseln. Auch ist die Umsetzung von Schutzmanahmen in der huslichen Versorgung auf organisatorische Schutzmanahmen, Hygienemanahmen und die Verwendung geeigneter persnlicher Schutzausrstung einschlielich Schutz- und Arbeitskleidung weitestgehend beschrnkt.

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    In der ambulanten Pflege werden im Umgang mit pflegebedrftigen Menschen Ttigkeiten der Grundpflege durchgefhrt, bei denen kein oder sehr selten geringfgiger Kontakt mit potenziell infektisen Materialien wie Krperflssigkeiten, -ausscheidungen oder -gewebe und keine offensichtliche Ansteckungsgefahr fr Beschftigte besteht. Diese Ttigkeiten sind nach TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege [3] der Schutzstufe 1 vergleichbar. Davon ausgenommen ist die Versorgung inkontinenter Personen.

    Bei vereinzelten Ttigkeiten in der Grundpflege wie z.B. der Versorgung inkontinenter Personen und vielen Ttigkeiten der Behandlungs- und Intensivpflege kann es zu Kontakten mit potenziell infektisen Materialien wie Blut, Exkreten, Sekreten oder Ausscheidungen kommen, so dass eine Infektionsgefhrdung durch Biostoffe der Risikogruppe 2 bzw. 3** besteht.

    Beispiele fr infektionsgefhrdende Ttigkeiten, die nach der TRBA 250 [3] der Schutzstufe 2 vergleichbar sind:

    Krperpflege bei inkontinenten Patienten Hilfe bei der Nahrungsaufnahme (Sondenernhrung) Injektionen Blutentnahme, Legen von Infusionen Wundversorgung Darmentleerung Blasenkatheder- und Stomapflege Absaugen der Trachea Instrumentendesinfektion und -reinigung Desinfektion und Reinigung kontaminierter Flchen.

    Aufgrund der Art der Ttigkeit und bertragungswege der erfahrungsgem auftretenden bzw. diagnostizierten Biostoffe ist zu prfen, welcher Gefhrdung die Beschftigten im Allgemeinen grundstzlich bei Pflegettigkeiten und konkret bei der Betreuung von infektisen Patienten ausgesetzt sein knnen. Als Hilfestellung zur Beurteilung der Ttigkeiten einschlielich mglicher Infektionsgefhrdungen kann die Dokumentation der Pflegeplanung genutzt werden, aus der der Gesundheitszustand des Patienten und die durch die Pflegekraft auszufhrenden Ttigkeiten am Patienten zu entnehmen sind.

    Arbeitsplatzaspekte, die Auswirkungen auf die Sicherheit und Gesundheit der Beschftigten haben knnen, sind in die Gefhrdungsbeurteilung einzubeziehen. Insbesondere sind auch Fragen der Arbeitsorganisation, z.B. die Personalausstattung und Qualifikation der Ausfhrenden, mgliche psychische Belastungen wie u.a. bestehender Zeitdruck zu bercksichtigen. Der Arbeitgeber darf Pflegettigkeiten nur Personen bertragen, die eine abgeschlossene Ausbildung in Berufen des Gesundheitswesens haben oder die von einer fachlich geeigneten Person unterwiesen sind und beaufsichtigt werden.

    Weiterhin ist der Schutz besonderer Personengruppen zu beachten. Werdende und stillende Mtter drfen nicht mit Ttigkeiten beschftigt werden, von denen eine Infektionsgefhrdung ausgeht ( 4 Mutterschutzgesetz [4], 4 bis 5 Mutterschutzrichtlinienverordnung [5]), Jugendliche nur im Rahmen ihrer Ausbildung unter Fachaufsicht gem 22 Jugendarbeitsschutzgesetz [6]). Besondere Gefhrdungen, die fr Beschftigte bei einer dauernd verminderten Immunabwehr vorliegen knnen, sind zu bercksichtigen.

    Im Ergebnis der Gefhrdungsbeurteilung ist der Gesundheitszustand des pflegebedrftigen Menschen und die in der huslichen Versorgung durchzufhrenden Pflegettigkeiten beurteilen, um auf mgliche Infektionsgefhrdungen fr die Pflegekrfte schlieen und geeignete Manahmen zur Hygiene und zum Schutz der Sicherheit und Gesundheit der Beschftigten veranlassen zu knnen.

    Treten Erkrankungen des Pflegebedrftigen auf, die zu einer erhhten Infektionsgefhrdung fhren, sind unter Bercksichtigung des bertragungsweges weitere Schutzmanahmen, die dieser gesundheitlichen Gefhrdung Rechnung tragen, festzulegen und zu ergreifen.

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    Werden in den Dienstrumen der Sozialstation oder des Pflegesttzpunktes gesundheitsgefhrdende Ttigkeiten mit Biostoffen wie z.B. das Reinigen kontaminierter Wsche, kontaminierter wiederbenutzbarer Persnlicher Schutzausrstung oder Arbeitsmittel durchgefhrt, sind diese in die Gefhrdungsbeurteilung ebenfalls einzubeziehen.

    2 Schutzmanahmen

    Die im Merkblatt ausgewiesenen Manahmen sind grundstzlich vor Aufnahme der Arbeiten fr die Situation vor Ort zu konkretisieren. Dazu kann der fr die arbeitsmedizinische Vorsorge beauftragte Betriebsarzt, aber auch der fr den Patienten verantwortliche Hausarzt und die Fachkraft fr Arbeitssicherheit (FASI) beratend einbezogen werden.

    Allgemeine sowie zustzliche Schutzmanahmen sind zum Schutz der Beschftigten fr Pflegettigkeiten in der ambulanten Pflege (Versorgung) in der Technischen Regel fr Biologische Arbeitsstoffe (TRBA 250) Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege [3] aufgefhrt. Bei Einhaltung der Vorgaben der TRBA 250 ist davon auszugehen, dass die gestellten Anforderungen der BioStoffV erfllt sind (Vermutungswirkung).

    In begrndeten Fllen kann der Arbeitgeber von den Vorgaben abweichen. Die Entscheidung dafr ist in der Gefhrdungsbeurteilung zu dokumentieren. Ein vergleichbarer Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Beschftigten ist zu gewhrleisten Der Nachweis der Gleichwertigkeit der Schutzmanahme ist auf Verlangen der zustndigen Arbeits-schutzbehrde, in Thringen die jeweils am Betriebsort des Unternehmens zustndige Regionalinspektion des TLV, zu fhren. Hat sich der Stand von Wissenschaft und Technik fortentwickelt und erhht sich die Arbeitssicherheit dadurch erheblich, sind Schutzmanahmen innerhalb einer angemessenen Frist anzupassen. Weiterhin wird auf den LASI Mindestkatalog von Beurteilungskriterien und Arbeitsbedingungsstandards fr abhngig beschftigte Pflegekrfte in ambulanten Pflegediensten [7] verwiesen.

    2.1 Ttigkeiten in den Dienstrumen der Sozialstation bzw. des Pflege-sttzpunktes

    Fr Beschftigte sind Pausenbereiche auszuweisen, in denen sie ohne Beeintrchtigung ihrer Gesundheit essen und trinken knnen. Diese drfen in kontaminierter Arbeitskleidung nicht betreten werden.

    Leicht erreichbare Handwaschpltze mit flieendem warmem und kaltem Wasser, Direktspender fr Hndedesinfektionsmittel, hautschonendem Reinigungsmittel, geeigneten Hautschutz- und Hautpflegemitteln und Einmalhandtcher sind zur Verfg

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