Nr erhalten gestalten - keim.com gestalten Nr – 1 KEIMFARBEN Farbe als Gestaltungs- mittel im Schaffen von Bruno Taut

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    1KEIMFARBEN

    Farbe als Gestaltungs-

    mittel im Schaffen von

    Bruno Taut

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    Er war einer der produktivsten

    Siedlungsbauer der Zwischen-

    kriegszeit. Unter seiner

    Leitung entstanden zahlreiche,

    vornehmlich genossenschaft-

    liche, Wohnanlagen in Berlin

    und Magdeburg. Bruno Taut

    gab dem grostdtischen

    Siedlungsbau wichtige refor-

    merische Impulse und stellte

    die soziale Verantwortung

    des Architekten in das Zen-

    trum seines Schaffens. Taut

    beschritt damals einen Weg

    zwischen der Avantgarde und

    dem konservativen Bauen.

    Nicht der von den Vertretern

    der Moderne propagierte,

    aber letztlich Utopie bleibende

    neue Mensch war das Ma

    Tauts, sondern der einfache

    Stadtbewohner mit seinen

    alltglichen Bedrfnissen. Taut

    versuchte, den Menschen, die

    wenige Jahre zuvor noch in

    schrecklichen Mietskasernen

    hausten, ein ansprechendes,

    menschenwrdiges und funkti-

    onales Wohnumfeld zu geben,

    oder, in eigenen Worten: ()

    Wohnungsbauten, die keine

    Knstlerlaune darstellen, son-

    dern ehrliche und gesunde

    Erscheinungen, klare Hllen

    ihres Inhalts sind. Und Bruno

    Heiterkeit und LebensfreudeBruno Tauts farbige Architektur

    Brenne, der mit seinem

    Kollegen Helge Pitz 1977

    die Wiederherstellung der

    Siedlung Onkel Toms Htte

    in Berlin-Zehlendorf initiierte.

    Mittlerweile hat Winfried

    Brenne nicht nur ein umfas-

    sendes Archiv von Quellen

    und Befunden angelegt,

    sondern auch zahlreiche Sanie-

    rungen geleitet. Zunchst im

    Westen Berlins, dann nach

    der Wende schwerpunktm-

    ig im Osten der Stadt und in

    Magdeburg.

    Stets dabei: Keimsche Mi-

    neralfarben fr eine material-,

    denkmal- und farbgerechte

    Sanierung. Diese Ausgabe

    von erhalten & gestalten

    widmet sich ganz den Far-

    ben Bruno Tauts, prsentiert

    herausragende Objekte aus

    Berlin und stellt den Taut-

    Experten Winfried Brenne vor.

    Bruno Tauts farbige Architektur

    Bruno Taut:

    Meister des

    farbigen

    Bauens

    Hohe Qualitt und tragbare

    Kosten: Wohnanlage Paul-

    Heyse-Strae

    Die Gartenstadt Falkenberg

    Das Wohn-

    haus von

    Bruno Taut

    Wohnblock an der Trierer Strae

    Interview

    mit Winfried

    Brenne

    15 Bruno Tauts Bauten in Berlin

    16 KEIMFARBEN

    Taut war auch ein politischer

    Architekt: Sein Streben galt

    einer neuen Volkskultur,

    einer egalitren Gesellschaft,

    geprgt von Lebensfreude und

    Heiterkeit.

    Wie kein anderer Architekt

    seiner Zeit nutzte Taut die

    Farbe als identittsstiftendes

    und belebendes Medium

    und auch als Mittel, sich

    gegenber dem brgerlichen

    Bauen abzugrenzen, das sich

    geradezu vor der Farbe frch-

    tete. Da alles seine Farbe

    hat, muss auch alles, was

    Menschen tun, farbig gestaltet

    sein, so Bruno Taut. Sorgte

    er schon mit seinem Aufruf

    zum farbigen Bauen des

    Jahres 1920 fr Wirbel, so

    tat er es noch viel mehr mit

    seinen von starken Farben und

    Kontrasten geprgten Bauten,

    die er allesamt mit Keimschen

    Mineralfarben realisierte.

    Inzwischen wird das bauliche

    Erbe Bruno Tauts systema-

    tisch aufgearbeitet eine

    zentrale Person ist Winfried

    IMPRESSUM erhalten & gestalten

    Herausgeber: KEIMFARBEN GmbH & Co. KG,

    Keimstrae 16, 86420 Diedorf, www.keimfarben.de

    Verlag und Redaktion: mk Fachverlag fr Kundenmagazine,

    M. Kieling e.K., Johannes-Haag-Str. 3, 86153 Augsburg,

    Freie Mitarbeit: Gabriele Betz

    Bildnachweise:

    mk, KEIMFARBEN, Brenne Architekten, Grfe + Unzer

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    Ziel war immer die genossenschaftlich organisierte Siedlung, eine sozialistische Lebensform,

    frei von jeglichen Herrschaftsansprchen. Dieser Grundgedanke wurde zum eigentlichen

    stilbildenden Faktor in seinem Werk.

    Taut, der als radikaler Knstler galt, wurde 1921 mit Hilfe der Linksparteien zum Stadtbaurat

    von Magdeburg gewhlt. Sein zweieinhalbjhriges Wirken dort ist vor allem mit seinem

    Propagandafeldzug fr Farbe im Stadtbild verbunden, eine Vorstufe zu seinem spteren

    Umgang mit der Farbe im Berliner Siedlungsbau.

    1924 erhielt Taut zusammen mit Martin Wagner den Auftrag fr eine ausgedehnte Wohnanlage

    in Berlin-Britz. Die Hufeisensiedlung, die ihren Namen von der hufeisenfrmig angelegten

    Umbauung einer Senke erhielt, wurde die erste Grosiedlung Berlins. Ihrer Konzeption lag ein

    progressives, demokratisches Gesellschaftsmodell zu Grunde.

    Mit der Zehlendorfer Waldsiedlung Onkel Toms Htte verwirklichte Taut seine zweite,

    im Endzustand 2.200 Wohnungen umfassende Growohnanlage. Gleichzeitig markiert die

    Waldsiedlung mit ihrer expressiven Farbgebung den Hhepunkt der Architekturfarbigkeit im

    Siedlungsbau der 20er Jahre.

    Das zunehmend reaktionre

    politische Klima vertrieb Taut

    aus Deutschland. Er siedelte

    1932 zunchst in die Sowjet-

    union ber, ein Jahr spter

    emigrierte er nach Japan.

    Doch die Zeitumstnde verhin-

    derten eine freie Ttigkeit als

    Architekt. 1936 geht Taut,

    mageblich von Martin

    Wagner untersttzt, in die

    Trkei, die sich damals in

    der Absicht, das Land zu

    modernisieren, aktiv um euro-

    pische Architekten bemhte.

    Als Leiter der Bauabteilung

    im Unterrichtsministerium

    verwirklichte er neben

    mehreren Schulbauten auch

    den Universittsneubau der

    Literaturfakultt. Bruno Taut

    starb 1938 in seinem Haus

    am Bosporus.

    Soziale Verantwortung und die Reform

    des stdtischen Wohnens kennzeichnen

    Bruno Tauts Schaffen.

    Bruno Julius Florian Taut, am 4. Mai 1880 in Knigsberg

    geboren, absolvierte nach dem Abitur eine Maurerlehre und

    besuchte die Lehrveranstaltungen der Knigsberger Bau-

    gewerksschule. Bei Theodor Fischer, einem fhrenden Archi-

    tekten der Sddeutschen Schule, genoss er zwischen 1904

    und 1908 in Stuttgart eine Ausbildung, die ihn in vieler

    Hinsicht prgte. Besonders Fischers Bestrebungen, unter Be-

    rcksichtigung lokaler Traditionen identifikationsstiftende, den

    Historismus berwindende Bauten zu schaffen, verfestig-ten

    sich bei Taut zu einem Prinzip seines Schaffens.

    Nach Berlin zurckgekehrt, wo er zuvor bereits im Atelier des

    Architekten Bruno Mhring gearbeitet hatte, erffnete er

    1908 sein eigenes Bro. Auf waches Interesse stie bei ihm

    die zeitgenssische Stdtebaureformdiskussion, die sich vor

    allem an den zunchst ungebremsten Wucherungen der Ber-

    liner Mietskasernengrtel entzndet hatte. Tauts Hochbauent-

    wrfe jener Jahre, Mietshuser in Charlottenburg und im Tiergartenviertel (heute zerstrt), sind

    aber noch Kompromisse der Versuch einer Reform mit konservativen, weil von wilhelminischem

    Reprsentationsgeist geprgten Mitteln. 1913 begann Taut mit der Arbeit fr zwei Gartenstdte,

    die Kolonie Reform in Magdeburg und Falkenberg in Berlin-Grnau.

    Schlagzeilen machte Taut in jener Schaffensperiode jedoch mit vllig anderen Projekten:

    Ausstellungspavillons fr verschiedene Industriebranchen. Der bekannteste Bau, das im

    Auftrag der deutschen Glasindustrie erstellte Glashaus, war 1914 auf der Klner Werk-

    bundausstellung zu sehen. Der kleine Pavillon, berwlbt von einer Kuppel mit doppelter

    Verglasung, die nach innen farbige Prismen und nach auen Spiegelglas zeigte, sollte nach dem

    Stahl nun das Glas als Baumaterial der Zukunft publik machen.

    Leidenschaftlich nahm Taut, der den Ersten Weltkrieg zutiefst abgelehnt hatte, mit Aktionen und

    Publikationen an den geistig-kulturellen Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit teil. Aus dem

    Bewusstsein seiner sozialen Verantwortung heraus versuchte er, den Auftrag der Gesellschaft an

    den Architekten neu zu formulieren. Ausgangspunkt seiner Schriften, sei es Alpine Architek-

    tur (1919) oder Die Stadtkrone (1919), war ausnahmslos der unhaltbare Status quo der

    Stdte, die hygienischen Missstnde, die sozialen Ungerechtigkeiten der kapitalistischen Stadt.

    Bruno Taut Meister des farbigen Bauens

    Nur die unteren Schichten haben noch eine hnliche Naivitt

    und Unbefangenheit behalten

    wie das Kind. Das Brgertum

    hingegen ist zu verbildet und

    verknstelt.

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    Hohe Qualitt und tragbare Kosten

    Auch die Wohnanlage an der Paul-Heyse-Strae im Berliner

    Stadtteil Prenzlauer Berg zeigt diese differenzierte, bewegte

    Fassadenausformung. So sind Treppenhauszonen zurck-

    gesetzt und von schwungvollen, plastisch herausgearbeiteten

    Balkonen begleitet. Diese Dreidimensionalitt kontrastiert stark

    mit den flchigen Fassadenzonen der sich anschlieenden

    Gebudeteile. Zustzlich betont Taut diese Bereiche farbig:

    Whrend die Fassaden und die Auenflchen der Balkone wei

    sind, hlt er die Rckwnde der Balkone in tiefem Blau, das

    sich zum Treppenhaus hinberzieht und nach oben in die blaue

    Drempelzone bergeht. Der verti