Taiwan Aktuell #558 30.11.2012

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    17-May-2015

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* Prsident Ma bekrftigt den Konsens von 1992 * Engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Taiwan und EU * Neue Regeln fr Pensionre * Schler sollen weniger lernen

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  • 1. Zweiwchentliche Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft derChi Republik ChinaHerausgeber: Karl C.Y. Cheng, Chefredakteur: Bo-Sung Hsu Redaktion: Helga Doppler Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, Bro Mnchen - Presseabteilung Sonnenstrae 25, 80331 Mnchen, Tel: 089-271 19 58, Fax: 271 32 02Email:helga.doppler@gmx.net, Internet: www.taiwanembassy.org.dePrsident Ma bekrftigt den Konsens von 1992Engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Taiwan und EUMehr Geld fr PensionreSchler sollen weniger lernenPolitikPrsident Ma bekrftigt den Konsens von 1992Der sogenannte Konsens von 1992 sei eine historische Tatsache, und dazugebe es verbriefte Beweise, hat Prsident Ma Ying-jeou am Freitag, den 09.November 2012, erklrt. Er fgte hinzu, auch der frhere StaatsprsidentFestlandchinas Hu Jintao habe im Rahmen seiner Rede bei derErffnungsfeier zum 18. Nationalkongress der Kommunistischen Partei Chinasvom Konsens von 1992 gesprochen. Damit habe Hu die Bedeutung desKonsens als Richtlinie in den Beziehungen ber die Taiwan-Straeunterstrichen.Nr. 558 30.11.2012 21. Jahrgang ISSN 0945-618X

2. 2Heuer jhrt sich zum zwanzigsten Mal das Treffen, das im Jahr 1992 in Hongkong abgehaltenworden war zwischen der festlandchinesischen Gesellschaft fr Beziehungen ber die Taiwan-Strae (ARATS) und der Stiftung fr den Austausch ber die Taiwan-Strae (SEF) aus Taiwan.Whrend dieser Zusammenkunft, so heit es, sollen sich die Beteiligten auf den Konsensgeeinigt haben.Prsident Ma hat erneut bekrftigt, dass der Konsens nicht allein eine historische Tatsache ist,sondern, dass er auch die Grundlage bildet fr den Austausch ber die Taiwan-Strae sowieder Schlssel ist fr die friedliche Entwicklung zwischen dem Festland und Taiwan.Daneben erklrte Ma, dass seinerzeit der Rat fr Nationale Wiedervereinigung, dessen Vorsitzder damalige Prsident Lee Teng-hui innehatte, eine Resolution erarbeitet hatte zur Bedeutungdes einen China. Der Inhalt der Resolution habe der Darstellung der SEF entsprochen, dassbeide Seiten an der Taiwan-Strae dahingehend bereinstimmen, dass es nur ein China gibt.Dennoch vertreten beiden Seiten an der Taiwan-Strae eine von einander abweichendeMeinung darber, was das eine China bedeutet. Fr Taipeh bedeutet ein China die RepublikChina, die im Jahr 1911 gegrndet worden ist und die de jure die Souvernitt ber ganz Chinainne hat. Zum jetzigen Zeitpunkt erstreckt sich der Zustndigkeitsbereich der Republik Chinaallerdings nur auf Taiwan sowie auf die Inseln Penghu, Kinmen und Matsu.In Erwiderung auf die Unterstellungen aller, die behaupten, der Konsens von 1992 sei vondem ehemaligen Minister der Kommission fr Angelegenheiten des Festlandes Su Chi fabriziertworden, erklrte Ma, dass Su im Jahr 2000 tatschlich den Begriff als solchen geprgt habe,dass aber hinsichtlich der Existenz des Konsens keinerlei Zweifel existierten.Der Prsident fgte hinzu, er sei erstaunt gewesen, dass sich der Konsens von 1992 whrendder Prsidentschaftswahlen in diesem JahrzueinemGegenstandgroerAuseinandersetzungen zwischen der Regierung und den Oppositionsparteien entwickelt hatte.Nun, da die Wahlen vorbei seien, werde man eine sachliche Diskussion darber fhren knnen,welche Rolle der Konsens in den Beziehungen ber die Taiwan-Strae spielt. Ebenso knneman ber seine Vor- und Nachteile sprechen sowie ber die Mglichkeiten, die er bietet,ergnzte Ma.Der Prsident erklrte, der Konsens von 1992 sei in Einklang mit der Verfassung der RepublikChina formuliert worden, und er fgte hinzu, es handle sich dabei um einen wichtigen Schritt inden Bemhungen, umstrittene Themen beiseite zu legen und den politischen Realitten insAuge zu sehen.Abschlieend erluterte Ma, der Konsens halte nicht allein am Wortlaut der Verfassung fest,sondern er folge auch der Resolution hinsichtlich der Definition des einen China wie sie derRat fr Nationale Wiedervereinigung unter dem Vorsitz des damaligen Prsidenten Lee Teng-hui vorschreibt.(cp) TAIWAN AKTUELL Nr. 558 30.11.12 3. 3WirtschaftEngere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Taiwan und EUDie Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Taiwan und der Europischen Unionwerden aller Voraussicht nach zu immer besseren Ergebnissen fhren, erklrte der Vizeministerdes Wirtschaftsministeriums der Republik China Francis Kuo-hsin Liang am Mittwoch, den 21.November 2012. Er fhrte diese Entwicklung auf die bilateralen Manahmen zur Frderung vonZusammenarbeit und Investitionen zurck.Ich bin sehr zuversichtlich, was die Zukunft der wirtschaftlichen Verbindungen zwischenTaiwan und der EU angeht, sagte Liang und fgte hinzu, Wir freuen uns darber, dass mehreuropische Unternehmen in Taiwan investieren wollen. Dadurch wird sich unser Land zu einerAusgangsbasis fr die Unternehmensttigkeiten in Ostasien entwickeln.Der stellvertretende Wirtschaftsminister gab diese Erklrungen am 21. November gegenberMedienvertretern in Brssel ab im Anschluss an die dort jhrlich stattfindendenWirtschaftsberatungen zwischen Taiwan und der EU.Liang erklrte, die Gesprche seien eine wichtige Plattform zur Frderung der Verbindungenzwischen Taiwan und der EU. Sie werden von vier Gruppen von Gesprchspartnern gefhrt, diefr unterschiedliche Bereiche des bilateralen Wirtschaftsaustausches zustndig sind.Das diesjhrige Treffen hat zu besonders lohnenden Ergebnissen gefhrt, da einige derThemen des gemeinsamen Interesses nun auf einer Ebene angelangt sind, wo sich Expertendamit auseinander setzen, sagte Liang.Unabhngig davon hat die in Taipeh ansssige Chinese National Association of Industry andCommerce and Business Taiwan, die Industrie- und Handelskammer Taiwans, eineAbsichtserklrung mit BusinessEurope in Brssel unterzeichnet als Teil einesManahmenpakets zur Erleichterung der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen aus Taiwanund der EU.Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Taiwan und Europa ergnzen sich in hohem Mae,und sie werden von dem Abkommen mageblich profitieren, erklrte der Generalsekretr derKammer Fritz J.C. Jang. Wir erwarten fr beide Seiten eine verbesserte Zusammenarbeit derPrivatwirtschaft.Laut Jang plant die Industrie- und Handelskammer im kommenden Jahr, eine Reise einerDelegation hochrangiger Regierungsbeamter und fhrender Industrieller der Republik China indie EU zu organisieren. TAIWAN AKTUELL Nr. 558 30.11.12 4. 4Die Statistiken der Regierung haben gezeigt, dass die EU der viertgrte WirtschaftspartnerTaiwans ist. Im vergangenen Jahr betrug der wechselseitige Handel 40,1 Milliarden Euro, daswar ein Plus von 3,1 Prozent gegenber dem Jahr 2010.Unabhngig davon hat die EU im gleichen Zeitraum 23,5 Milliarden Euro in Projekte in Taiwaninvestiert. Dadurch ist der europische Wirtschaftsraum zum wichtigsten auslndischen Investorfr Taiwan geworden sogar noch vor Japan und den Vereinigten Staaten.Auch im Bereich kleiner und mittelstndischer Unternehmen wchst die Zusammenarbeitzwischen Taiwan und der EU weiter. Die Small and Medium Enterprise Administration (SMEA),die dem Wirtschaftministerium der Republik China untersteht und das European Business andInnovation Center Network (EBN) haben eine fr ein Jahr gltige Absichtserklrung zurFrderung der Zusammenarbeit bei Unternehmensgrndungen unterzeichnet.Dieses Abkommen ist die Erweiterung einer hnlichen Absichtserklrung, die im Jahr 2011zwischen beiden Seiten unterzeichnet worden ist. Sie erlaubt eine weiterfhrende Partnerschaftbei Existenz- und Unternehmensgrndungen, bei der Zusammenarbeit von Wissenschaft undIndustrie sowie bei der Kombinierbarkeit von Geschftsmglichkeiten, erklrte derGeneraldirektor der SMEA Yeh Yun-lung am 20. November.Fr Taiwan wird das Abkommen vorteilhaft sein, denn die Sparten unsererUnternehmensgrndungen werden internationaler werden, fgte er hinzu. Durch dieEinfhrung eines Konzeptes zur Zusammenarbeit hoffen wir fr unsere Unternehmens- undExistenzgrndungszentren wechselseitige Mrkte zu entwickeln.Lennard Drogendijk, der Vizeprsident des EBN, kndigte an, seine Behrde werde im Rahmendes Abkommens die Verbindungen zwischen den kleinen und mittelstndischen Unternehmenund den Unternehmens- und Existenzgrndungszentren in Europa und Taiwan noch engerziehen.Einzelheiten der Absichtserklrung beinhalten die Einrichtung eines Soft Landing Club inTaiwan, dabei handelt es sich um eine Serviceleistung fr gemeinschaftlicheUnternehmensgrndungen fr innovationsorientierte Unternehmen, die in neue Mrktevorstoen wollen, die Teilnahme an Seminaren und internationalen Foren, die von beidenSeiten abgehalten werden, der Austausch von Informationen zu Unternehmensgrndung undIndustrie durch geeignete Kanle sowie die Umsetzung von Vorhaben, die den Interessenbeider Seiten dienen, erluterte Yeh.Nach eigenen Angaben wurde der EBN im Jahr 1984 in Belgien gegrndet als einegemeinsame Initiative der Europischen Kommission, der europischen Branchenfhrer sowieder ersten zukunftsweisenden Unternehmens- und Innovationszentren, und widmet sich derFrderung von Unternehmertum, Innovation und Unternehmensgrndungen.(taito)TAIWAN AKTUELL Nr. 558 30.11.12 5. 5GesellschaftMehr Geld fr PensionreDie Regulierungen der Pensionsbezge von Beamten werden wahrscheinlich neu angepasst.Derzeit unterliegen die vollen monatlichen Pensionen von Beamten des ffentlichen Dienstesder Regulierung 85, zuvor galt die Regulierung 75, erklrte der Prsident des Prfungs-Yuans*, Kuan Chung. Er stellte jedoch in Aussicht, dass es in Zukunft eine Regulierung 90oder sogar eine Regulierung 95 geben knnte, um die finanzielle Stabilitt aufrecht zuerhalten.Die Pensionsregulierungen ermitteln sich aus der Summe der Jahre, die der Beamte/dieBeamtin im ffentlichen Dient ttig war plus seinem/ihrem Alter. Mit der Regulierung 85 istdann folgendes Rechenbeispiel gemeint: eine verbeamtete Person kann die vollen monatlichenPensionsbezge im Alter von 60 Jahren erhalten, wenn sie 25 Dienstjahre vorweisen kann. ImFalle einer Dienstzeit von 30 Jahren im ffentlichen Dienst kann der Beamte/die Beamtin bereitsmit 55 Jahren die volle monatliche Pension beantragen.Kuan bekrftigte, dass es sich hierbei um ein uerst sensibles Thema handle, und dass derPrfungs-Yuan mit groer Umsicht an die Reformen heran gehen werde. Dazu werde derPrfungs-Yuan sowohl mit den Bediensteten im ffentlichen Dienst wie auch mit derBevlkerung in einen Dialog treten.Kuan war am Mittwoch, den 21. November 2012, mit Prsident Ma Ying-jeou, PremierministerSean Chen und dem Parlamentssprecher Wang Jin-pyng im Prsidialbro zusammengetroffen,um ber eine Strategie fr das Reformvorhaben hinsichtlich der Pensionen und Ruhegelder zuberaten.Prsident Ma mchte die Reform des Pensionssystems so bald wie mglich in Angriff nehmen.Dazu versicherte er am 21. November 2012, dass die Pensionsfonds des Landes zwar vonVerlusten geplagten seien, dass sie jedoch nicht Pleite gehen knnen. Er versprach, bereits imJanuar des kommenden Jahres ein pragmatisches und machbares Reformprogrammvorzulegen. Die Oppositionsparteien beklagen sich whrenddessen ber die Art wie erversucht, die anstehenden Probleme zu lsen.Der Prsident will seinen Gegnern den Wind aus den Segen nehmen und kndigte an, dassdas gesamte Pensionssystem so schnell wie mglich komplett berarbeitet werden msse. DieAufgabe mag schwer zu bewltigen und uerst komplex sein, aber wir knnen nichts mehr aufdie lange Bank schieben, denn das angeschlagene System knnte unser gesundesFinanzwesen beschdigen und das Wohlergehen der Angestellten sowohl im ffentlichenDienst wie auch in der Privatwirtschaft negativ beeinflussen, schlussendlich mit Auswirkungenauf die gesamte Gesellschaft unseres Landes, so Ma.TAIWAN AKTUELL Nr. 558 30.11.12 6. 6Bei dem Treffen der fhrenden Politiker der drei Regierungsbereiche seien Entscheidungengetroffen worden ber die Verteilung der Verantwortlichkeiten bei der Reform desPensionssystems. Auerdem sei ein Zeitrahmen festgelegt worden in dem die gesamteberarbeitung zu geschehen habe, erklrte Ma abschlieend.Wie zu erwarten war, zeigte sich die opponierende Demokratisch Progressive Partei (DPP)unzufrieden mit der Planung des Prsidenten und erklrte dazu, es handle sich um einePseudoreform von verschiedenen Pensionsformen. Ma msse eine Nationalkonferenzeinberufen, an der Vertreter aller Parteien aus Wirtschaft, aus Wissenschaft und anderenBereichen des ffentlichen Lebens teilnehmen, um das komplexe Problem zu lsen.*Der Prfungs-Yuan ist fr die Prfungen der Mitarbeiter im ffentlichen Dienst sowie fr diePersonalverwaltung auf allen Verwaltungsebenen zustndig. Ihm sind das Prfungsministeriumund das Personalministerium unterstellt.(tt/cp)Schler sollen weniger lernenVerbringt Ihr Kind mehr als 12 Stunden am Tag in schulischen Einrichtungen? Die meistenEltern in Taiwan wrden diese Frage bejahen. Acht von zehn Dritt- und Viertklsslern in Taiwanhaben nach der regulren Schule tglich Zusatzprogramme, wie den Besuch von Tagessttten,Nachhilfeeinrichtungen oder ergnzendem Einzelunterricht.Die in Taipeh ansssige Child Welfare League Foundation stellt in ihrem jhrlichenUntersuchungsbericht hinsichtlich auerschulischer Bildungsprogramme von Grundschlernfest, dass die Anzahl der befragten Kinder, die zustzliche Verpflichtungen zur Schule haben,um fast sechs Prozent im letzten Jahr gestiegen ist dies ist ein mehr als beunruhigenderTrend.In Taiwan ist es eine tiefverwurzelte Tradition seine Kinder in den Nachhilfeunterricht zuschicken, denn die Noten werden als absolut wichtige Grundlage fr die sptere beruflicheKarriere angesehen. Seit Jahrhunderten ist es in Ostasien blich, dass die Eltern fr dieverschiedenen Aufnahmeprfungen fr ihre Kinder Tutoren beschftigen. Im modernen Taiwanhat sich dieser Wettstreit und Prfungsstress ins Extreme entwickelt, da die nationalenPrfungen und Examen heute entweder etwas aus jemanden machen oder ihn vernichten.Kinder derartig lange in der Schule zu lassen ist schlussendlich sinnlos.Erziehungswissenschaftler schlagen vor, den Kindern keinen Nachhilfeunterricht erteilen zulassen. Es ist in der Tat eine ineffektive Lernmethode und das aus unterschiedlichen Grnden:Zunchst haben die Schler im Alter zwischen acht und neun Jahren bereits viel fr die Schulezu tun. Zustzlicher Nachhilfeunterricht verstrkt nur den Stress, dem sie bereits ausgesetztsind. So verfhrerisch es auch sein mag die Kinder sieben Tage die Woche mit Extraunterrichtzu Hchstleistungen zu trimmen, sie schaffen es nicht. Das Gehirn kann gleichzeitig nur eineTAIWAN AKTUELL Nr. 558 30.11.12 7. 7geringe Menge an Informationen verarbeiten. Wenn man versucht alles auf einmal zu pauken,wird nicht viel davon hngen bleiben. Die Gehirne der Kinder sind wie Schwmme, die ersteinmal das, was sie in der Schule erfahren haben, aufsaugen und dann verarbeiten mssenbevor man versucht, ihnen zustzliches Wissen durch Nachhilfeunterricht zu vermitteln.Auerdem hat der zustzliche Unterricht auch Auswirkungen auf das krperliche Wohlergehender Kinder. Wenn sie bis spt abends aufbleiben und ihre Gedanken sich noch lange um all dieneuen Informationen drehen, fehlt der ausreichende gesunde Schlaf. Das Kind wird amn...

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