Aus Unfällen lernen: Junger Temporärarbeiter durchs Dach gestürzt – Suva – SuvaPro

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http://www.suva.ch/HasPm9q - Ein Unfallbeispiel zur Schulung und Sensibilisierung von Vorgesetzten und Mitarbeitenden in den Betrieben. Sie können einen solchen Unfall in Ihrem Betrieb verhindern, wenn Sie dafür sorgen, dass die lebenswichtigen Regeln für das Arbeiten auf Dächern eingehalten werden.

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Publikation Nr. 13036.d

Junger Temporärarbeiter durchs Dach gestürzt

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* Dieses Unfallbeispiel basiert auf realen Begebenheiten. Einzelheiten und Namen wurden geändert.

Junger Temporärarbeiter durchs Dach gestürzt

Kevin A. (25)* deckt zusammen mit einem Kollegen das Dach einer Scheune mit Wellplatten aus Faserzement.

Plötzlich bricht eine Wellplatte ein. Kevin stürzt 6,5 Meter tief ins Gebäudeinnere und erleidet schwerste Verletzungen.

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• Kevin A., 25 Jahre alt

• ledig, wohnt mit Freundin in einer WG

• Hobby: Eishockey (Verteidiger)

• Temporärarbeiter

• Aufgabe: Den gelernten Dachdecker Massimo P. (34) unterstützen.

Das Unfallopfer

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Auf einem Bauernhof ist eine ältere Scheune mit einem Anbau erweitert worden. Massimo und Kevin sind daran, den neuen Gebäude-teil einzudecken.

Am Unfalltag montiert Massimo die Firstkappen (Abschlussteile). Kevin trägt diese zum First hinauf. Dazu wählt er den direkten Weg über den alten Teil des Scheunendachs.

Situation vor dem Unfall

Neuer Anbau Alter Teil

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Plötzlich bricht eine spröde Faserzement-Wellplatte des alten Scheunendachs entzwei. Kevin stürzt durchs Dach hindurch ins Gebäudeinnere und fällt in die Tiefe.

Reglos bleibt er am Boden liegen.

Was passiert?

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• offener Armbruch

• schwere innere Verletzungen

• langer Spitalaufenthalt

• Arbeitsunfähigkeit von mehreren Monaten

• Kevin kann nicht mehr Eishockey spielen. Er ist nur noch Zuschauer.

Die Folgen

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Unfallabklärung der Suva

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Warum kommt es zum Unfall?

1. Kevin A. hat ohne Ab-sturzsicherung ein nicht durchbruchsicheres Dach betreten. Er selbst und seine Vorgesetzten haben die Gefahr nicht erkannt oder das hohe Risiko unterschätzt.

In dieser Situation hätten alle Beteiligten sofort STOPP sagen müssen.

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2. Die Schutzvorkehrungen waren unvollständig.

Unter der Tragkonstruktion des neuen Scheunendachs wurde vorschriftsgemäss ein Auffangnetz montiert. Leider unterliessen es die Dachdecker, auch das alte Scheunendach zu sichern.

Sie hätten das alte Dach zumindest klar sichtbar absperren müssen (Abschrankung).

Warum kommt es zum Unfall?

Auffangnetz unter dem neuen Teil des Scheunendachs

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3. Auf dem ganzen Dach fehlten Laufstege!

Im Betrieb gab es keine klaren Arbeitsanweisungen für das Arbeiten auf nicht durchbruchsicheren Dach-flächen oder im Bereich solcher Flächen.

Deshalb wurden bei der AVOR die Massnahmen für das Sichern des alten Scheunendachs und die Laufstege «vergessen».

Warum kommt es zum Unfall?

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• Es wurde eine nicht durchbruchsichere Dachfläche betreten.

• Die nicht durchbruchsichere Dachfläche des alten Scheunenteils war weder abgeschrankt noch sonstwie gesichert.

• Im Betrieb waren keine klaren schriftlichen Arbeitsanweisungen vorhanden.

• Weder Vorgesetze noch Mitarbeiter waren dafür sensibilisiert, in dieser Situation STOPP zu sagen.

Unfallursachen zusammengefasst

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Lebenswichtige Regeln

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Instruktionshilfe 88815.d für Vorgesetzte

Faltprospekt 84041.d für Arbeitnehmende

Lebenswichtige Regeln: Sagen Sie bei Gefahr STOPP!

Neun lebenswichtige Regeln für das Arbeiten auf Dächern und an Fassaden

Neun lebenswichtige Regeln für das Arbeiten auf Dächern und an FassadenInstruktionshilfeLernziel Die Arbeitnehmenden und ihre Vorgesetzten kennen die neun lebenswichtigen Regeln für das Arbeiten auf Dächern und an Fassaden und halten diese konsequent ein.

Ausbildner Vorarbeiter, Gruppenleiter, Sicherheitsbeauftragte, Kontaktpersonen für Arbeitssicherheit (KOPAS), Betriebsinhaber

Zeitbedarf ca. 10 Minuten pro Regel

Ausbildungsortam Arbeitsplatz

Gesetzliche Grundlagen

Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (VUV), Art. 6.1:«Der Arbeitgeber sorgt dafür, dass alle in seinem Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer, einschliesslich der dort tätigen Arbeitnehmer eines anderen Betriebes, über die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren informiert und über die Massnahmen zu deren Verhütung angelei-tet werden. Diese Information und Anleitung haben im Zeitpunkt des Stellenantritts und bei jeder wesentlichen Änderung der Arbeitsbedingungen zu erfolgen und sind nötigenfalls zu wiederholen.»

Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (VUV), Art. 6.4:«Die Information und die Anleitung müssen während der Arbeitszeit erfolgen und dürfen nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gehen.»

Dokumentation In der EKAS-Richtlinie 6508 «Richtlinie über den Beizug von Arbeitsärzten und anderen Spezialisten der Arbeits-sicherheit» wird ein betriebliches Sicherheitskonzept und in diesem Zusammenhang die Dokumentation der Mitar-beiterausbildung verlangt. Dokumentieren Sie die Instruk-tion, indem Sie das Beilageblatt «Instruktionsnachweis» ausfüllen. Es enthält alle notwendigen Angaben.

Neun lebenswichtige Regeln für das Arbeiten auf Dächern und an Fassaden:

Damit wir am Abend gesund nach Hause zurückkehren.

Regel 1Sichere Zugänge erstellen.

Regel 5Durchbruchsichere Dachfl ächen.

Regel 9Vor Asbeststaub schützen.

Regel 2Absturzkanten sichern.

Regel 6Fassadenarbeiten mit sicheren Arbeitsmitteln.

88815.d

Regel 3Sturz ins Gebäudeinnere verhindern.

Regel 7Gerüst kontrollieren.

Regel 4Dachöffnungen sichern.

Regel 8Anseilschutz korrekt einsetzen.

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1. Sichere Zugänge erstellen.

2. Absturzkanten sichern.

3. Sturz ins Gebäudeinnere verhindern.

4. Dachöffnungen sichern.

5. Durchbruchsichere Dachflächen!

6. Sichere Arbeitsmittel.

7. Gerüste kontrollieren.

8. Anseilschutz korrekt einsetzen.

9. Vor Asbeststaub schützen.

Die neun Regeln für das Arbeiten auf Dächern

5. Wir arbeiten nur auf durch-bruchsicheren Dachfl ächen.

Arbeitnehmer: Auf Dachfl ächen, die nicht unein-geschränkt durchbruchsicher sind, arbeite ich nur mit wirksamen Schutzmassnahmen.

Vorgesetzter: Ich vergewissere mich, dass die Arbeitsplätze auf Dachfl ächen durchbruchsicher sind.

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Wird eine lebenswichtige Regel verletzt, heisst es: STOPP, die Arbeit einstellen und die gefährliche Situation beseitigen. Erst dann weiterarbeiten.

Nulltoleranz bei Missachtung von lebenswichtigen Regeln

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AnhangInformationen für den Vortragenden

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• Merkblatt 44066: «Arbeiten auf Dächern. So bleiben Sie sicher oben», www.suva.ch/waswo/44066.d

• Arbeiten auf Dächern: www.suva.ch/dach

• Factsheet 33027 «Durchbruchsichere und beschränkt durchbruchsichere Dachflächen» www.suva.ch/waswo/33027.d

• Factsheet 33001 «Sicherheitsanforderungen für Auffangnetze», www.suva.ch/waswo/33001

Weitere Informationen zum Thema

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Schwerpunkte Prävention

Lebenswichtige Regeln

Weitere Unfallbeispiele

SuvaArbeitssicherheitPostfach, 6002 Luzern

Auskünfte: Tel. 041 419 58 51

Ausgabe: Juni 2014

Weitere Informationen

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