Bob Dylan - Bob Dylan.آ» Eine sonore Stimme ab Tonband erأ¶ffnet traditionsgemأ¤ss jedes Dylan-Konzert

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  • MAI.11

    Bob Dylan

  • EINSCHLAUFEN «Ladies and gentlemen, please give a very warm hand to Columbia recording artist – Mister Bob Dylan.» Eine sonore Stimme ab Tonband eröffnet traditionsgemäss jedes Dylan-Konzert. Das Licht in der Halle ist bereits erloschen, die Gespräche im Publikum werden eingestellt und Tausende von Augenpaaren richten sich auf die schwach beleuchtete Bühne, wo ein paar Musi- ker zu ihren Instrumenten schreiten, bevor ER schliesslich zum Mikrofon schlurft und die ers- ten paar Songzeilen nuschelt. Sofort verfallen die Fans in Ehrfurcht – und beginnen mit dem Entziffern der Songs, die der Jokerman gerade spielt. Denn seit sich Bob Dylan auf seiner gros- sen «Never ending tour» befi ndet, die 1988 be- gann, variiert er sein Repertoire und vor allem seine Lieder oftmals derart radikal, dass man sie bloss noch an den Texten erkennen kann. Eine durchaus logische Konsequenz, wirft man ein- mal einen Blick auf die lange Karriere, die der Mann aus Minnesota hinter sich hat. Einige Momente dieser grossen amerikanischen Laufbahn haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Etwa das Umschlagbild zum Al- bum «The Freewheelin’ Bob Dylan», das den blutjungen Bobby Arm in Arm mit seiner dama- ligen Freundin Suze Rotolo auf der Jones Street zeigt. Oder Dylan im gepunkteten Hemd, wie er 1966 beim Newport Folk Festival erstmals mit elektrischer Gitarre auftritt und für diese Akti-

    Impressum Nº 04.11 DER MUSIKZEITUNG LOOP 14. JAHRGANG

    P.S./LOOP Verlag Postfach, 8026 Zürich Tel. 044 240 44 25, Fax. …27 info@loop.music.ch www.loopzeitung.ch

    Verlag, Layout: Thierry Frochaux

    Administration, Inserate: Manfred Müller

    Redaktion: Philippe Amrein (amp), Benedikt Sartorius (bs), Koni Löpfe

    Mitarbeit: Reto Aschwanden (ash), Silvio Biasotto (sio), Thomas Bohnet (tb), Pascal Cames, Philipp Dubach (dub), Marcel Elsener, Felix Epper, Christoph Fellmann (cf), Chrigel Fisch, Christian Gasser (cg), Michael Gasser (mig), Mauro Guarise, Martin Hauzenberger, Albert Kuhn, Nino Kühnis (nin), Hanspeter Künzler, Tony Lauber (tl), Sam Mumenthaler, Philipp Niederberger, Markus Roesch, Nina Scheu (nsc), Sarah Stähli, Benjamin Walter (wal)

    Druck: Rotaz AG, Schaffhausen

    Das nächste LOOP erscheint am 26. Mai 2011 Redaktions-/Anzeigenschluss: 19. Mai 2011

    Ich will ein Abo: (Adresse) 10 mal jährlich direkt im Briefkasten für 30 Franken (in der Schweiz). LOOP Musikzeitung, Langstrasse 64, Postfach, 8026 Zürich, Tel. 044 240 44 25, admin@loopzeitung.ch

    Betrifft: Der Mann aus Minnesota feiert Geburtstag

    on von den Puristen verteufelt wird. Aber auch der bedenkliche Auftritt beim Live-Aid-Festival 1985, als der stockbesoffene Bob Dylan mit den ebenfalls übel angetrunkenen Stones-Gitarris- ten Keith Richards und Ron Wood zum Finale «Blowin’ in the Wind» anstimmt. Der Auftritt für Papst Johannes Paul II in Bologna bleibt ebenso in Erinnerung wie die Performance des Songs «Things Have Changed», den Dylan aus einem abgedunkelten Hotelzimmer in Australi- en per Direktschaltung für die Oscar-Verleihung 2001 spielte. Ähnlich variantenreich gestaltete sich auch der musikalische Werdegang. Vom Folkie der frühen Sechzigerjahre über den Proto-Rocker und den smoothen Balladenmann, den ziellosen Zyniker der Achtzigerjahre bis hin zum gereiften Musi- ker der Gegenwart, der in den Appalachen nach den archaischen Songs der Gründerzeit fahndet. Hinter der wandlungsfreudigen Fassade des öf- fentlichen Bob Dylan gibt es aber auch noch den Privatmann, von dem nicht viel bekannt ist. Ein Egozentriker, Womanizer und Kettenraucher, der seine Melancholie wie eingangs erwähnt mit einer endlosen Welt-Tournee bekämpft. Doch er setzt seinen Weg unbeirrt fort und feiert Ende Mai seinen 70. Geburtstag. Also gratulieren wir dem «song and dance man» stilgerecht mit ei- nem Stapel Papier.

    Blind Boy Guido

  • KARRIERE IM ZICKZACK Der allseits geschätzte und verehrte Bob Dylan ist vom Schlag eines Baron Münch- hausen. Wie dieser trägt er stolz seine Locken, erzählt Schnurren und zieht sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf. Dazu hatte er in den vergangenen 70 Jahren öfter mal Gelegenheit. Geboren am 24. Mai 1941 in Duluth und aufgewachsen in der Bergarbeiterstadt Hibbing, hat der junge Robert Zim- merman bald genug von Minnesota. Die alten Lieder des jungen Amerika und Rock’n’Roll üben eine magische Kraft auf ihn aus. Dylan hat das Glück, eines der letzten Konzer- te von Buddy Holly zu erleben. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Nach vergeigtem Studium verschlägt es ihn 1960 ins Greenwich Village, NYC, den Mutterkuchen von Amerikas Folk. «Blowin’ in the Wind», Ausreisserstorys und andere Flun- kereien machen aus dem Hinterwäldler den «Herold des jungen Amerikas», wie Willi Winkler später schreibt. Der «King» hat zu dieser Zeit nicht nur Babyspeck, sondern auch eine «Queen» (Joan Baez), bald eine (The) «Band». Dreieinhalb LPs macht er in Folk und verdient extrem gut, bleibt aber auf dem Teppich. Dylan über Ruhm: «Ich weiss, irgendwann ist damit Schluss. Hundertprozentig.» Bekanntlich irrte er gewaltig.

    «JUDAS» DES FOLK

    Dylan macht Schluss mit Folk und alles richtig. Er entdeckt die Beatles und die Beatles ihn. Der Protestsänger hatte ja schon 1962 eine Rockabilly-Single («Mixed up Confu- sion») aufgenommen, der Wechsel ins elektrische Fach kommt also nicht von ungefähr. «Der kleine Gitarrenzu- pfer» (Joan Baez) nimmt Speed und steht unter Strom. «Bringing it All Back Home» und andere Meisterwerke gehören ins Fach Rock. So nebenbei wird er zum Musiker für Musiker: The Byrds, Manfred Mann, Jimi Hendrix, The Hollies und andere machen aus Dylan-Songs Hits. Für die Folkies kommts nun dick: Dylan gabelt am Strassen- rand ein paar Kerle aus Kanada auf und hat für eine Wei- le die härteste Band der Welt an seiner Seite. Dylan wird zum «Judas» des Folk. Wie fühlt sich denn das an? Scheiss drauf, wird er sich gedacht haben, Dylan dreht weiter am Rad und spielt das überlange und übergrosse «Like A Rol- ling Stone» ein. Der damals 16-jährige Bruce Springsteen fühlt sich, «als ob eine Tür zu meinem Bewusstsein auf- gestossen worden wäre.» Er war nicht alleine mit seiner Einschätzung über «den perfekten, explosiven Rock-Ever- green» (Michael Gray). Der Motorrad-Crash 1966 macht Dylan nicht à la James Dean unsterblich, sondern für viele sterbenslangweilig. Er verschwindet mit The Band im Keller («Basement Tapes»), besingt mit Johnny Cash sein altes «Girl from the North Country» und haust als Hausmann in Woodstock, wäh- rend das Festival «Woodstock» in Bethel stattfi ndet. Kurz und gut, der noch nicht dreissigjährige Bob Dylan spielt sich ins Abseits der Rockmusik. Dylans Gastspiele für The Band und seinen Kumpel George Harrison zählen nicht und ändern nichts. Danach geht das Taumeln weiter. Die erste Hälfte der Siebzigerjahre wird damals nicht unkri-

    tisch gesehen. Heute wird «Tangled Up in Blue» gar als sein bester Song gehandelt. Mit «The Rolling Thunder Revue» (1975) ruiniert er sich die Stimme, mit christlichen Alben wie «Saved» (1980) und Gospelkonzerten den Ruf. Mit Dylan ist es ein Kreuz. Wurde der Jude Zimmerman an sei- nem 30. Geburtstag nicht an der Klagemauer fotografi ert?

    NÖRGELNDE DYLANOLOGEN

    Nach der religiösen Phase ist weiterhin «no direction home» angesagt, die Karriere verläuft im Zickzack. Dylan erkrankt, trinkt zu viel und holt sich mit Daniel Lanois den falschen Mann ins Studio. Peinliche Konzerte sind an der Tagesordnung. Auch andere Mühen bleiben ihm nicht er- spart. Writer’s Block. Fast zehn Jahre fällt ihm nichts mehr Gescheites ein, dafür entdeckt und interpretiert er Tradi- tionals und Lieder von unbekannten Knochen wie einem Hambone Willie Newbern, von dem der «Roll and Tumble Blues» stammen soll. Die Dylanforschung schnuppert da schon lange «in Mülleimern» (Alan Weberman), betreibt Exegesen und listet jedes Konzert bis zur obligatorischen Zugabe «Blowin’ in the Wind» auf. Und die Dylanologen dieser Welt nörgeln: Thomas Gross fragt sich, wie lange «der Stammesälteste» noch diesen Müll aus sich heraus- kratzen will? Konrad Heidkamp zitiert amüsiert aus Hel- mut Salzingers Liste von Vorwürfen an den grossen Vor- sitzenden: «Er ist älter geworden... Er verdient Geld mit seiner Musik... Er kann nicht pfeifen...» Gesang und Gi-

    tarren werden wie grosse Weine besprochen. Was den «Minnesota-Boy» (Sam Shepard) nicht die Bohne interessierte, da die- ser mit Schreiben, Malen, Radio und einer Weih- nachtsplatte ausgefüllte Tage erlebt. Seit 1988 befi n- det er sich auf seiner«Never Ending Tour» und inter- pretiert mal an der Gitar- re, mal am E-Piano Songs, deren Originale er nicht zu kennen scheint. Eventu- elle Schaffenspausen wer- den mit der Bootleg-Series überbrückt, die Konzerte, Outtakes und Alternative Versions enthält. Und während die Gemein- de sich in der Vergangen- heit suhlt, brütet der Chef bereits etwas Neues aus. Es kann gar nicht anders sein. Don’t look back.

    Pascal Cames

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