Das Problem der Inder in der Südafrikanischen Union

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  • Das Problem der Inder in der Sdafrikanischen UnionAuthor(s): KURT STEINBERGSource: Archiv des Vlkerrechts, 7. Bd., 1./2. H. (Juli 1958), pp. 68-87Published by: Mohr Siebeck GmbH & Co. KGStable URL: http://www.jstor.org/stable/40796154 .Accessed: 12/06/2014 13:16

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  • Das Problem der Inder in der Sdafrikanischen Union

    Von Dr. KURT STEINBERG Oberlandesgerichtsrat a. D. Johannesburg, Sdafrika

    i. Die Entwicklung und Bedeutung der Inder-Frage in Sdafrika

    Das Problem der Inder in Sdafrika ist lter als die Sdafrikanische Union. Es bestand - mit Ausnahme des Oranje-Freistaats - bereits in den Landesteilen, die sich im Jahre 1910 zur Union zusammenschlssen. Die Anfnge des Problems reichen in die Zeit zurck, in der die ersten Inder sdafrikanischen Boden betraten und in dem Teil der Union angesiedelt wurden, der die damalige Kolonie und heutige Provinz Natal bildet. Die Inder-Frage ist in den ber hundert Jahren trotz groer Anstrengungen einer Lsung nicht nher gebracht worden. Der Konflikt zwischen Braun und Wei hat vielmehr an Schrfe zugenommen, ebenso wie der Gegensatz zwischen Wei und Schwarz.

    Die Inder bilden einen Teil der asiatischen Bevlkerung der Union (Asia- tics"). In den Statistiken werden die Inder gewhnlich nicht besonders auf- gefhrt; sie sind in dem weiteren Begriff Asiatics" aufgegangen, die einen Teil der coloured oder non-white Bevlkerung bilden. Auch in der Gesetz- gebung finden wir selten Ausnahmegesetze, die sich ausdrcklich gegen die Inder richten. In lteren Gesetzen (. . im Transvaalgesetz Nr. 3 aus dem Jahre 1885) werden die Inder Coolies" genannt; die Bezeichnung wird im Sprachgebrauch auch heute noch auf Inder angewendet, obwohl die Coo- lies" nur die niedrigste Schicht der Inder bilden1). Aus der Gesetzgebung ist der Ausdruck inzwischen verschwunden. Hufiger wird der Begriff

    1) Kaper y Changes in Caste of the South African Indians. Race Relations Journal Nr. 4 (1955) S. 18 ff. Vgl. auch Walker, A History of South Africa, 1947, The Indians in South Africa, State Information Office 1947 und Handbook of Race Relations in South Africa, 1949.

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    Asiatics" oder der weitere Begriff Coloureds" verwendet. Zu den Asiatics gehren auer den Indern, die den grten Bestandteil dieser Gruppe aus- machen, auch die kleine Schicht der Chinesen, die vor allem in Transvaal, sowie die Malayen, die hauptschlich in der Kap-Provinz leben. Juden und Libanesen - in vieler Beziehung auch die Malayen - sind von den gegen die Asiatics erlassenen Sondergesetzen ausgenommen.

    Zahlenmig ist das Problem der Asiatics - das bedeutet hauptschlich das der Inder - von geringer Bedeutimg fr Sdafrika, mit Ausnahme der Provinz Natal2). Im Jahre 1904 lebten in der Union 11 16 806 Europer, 122734 Asiaten und 3491 056 Natives oder Bantus, worunter die eingeborene schwarze Bevlkerung zu verstehen ist. Im Jahre 1936 war die Zahl der Europer auf 2003857 gestiegen, whrend die Zahl der Asiaten 219 691 be- trug. Im Jahre 1951 befanden sich in der Union 2643 187 Europer, 365524 Asiaten und 8535341 Natives3). Gegenwrtig wird die Zahl der Asiaten in der Union auf 410000 geschtzt4). Die Hlfte der asiatischen Bevlkerung lebte bereits im Jahre 1936 in der Stadt Durban; hieran hatte sich bis zum Jahre 1951 nichts gendert5). Nchst Natal ist Transvaal die fr die Inder wichtigste Provinz. Hier lebten im Jahre 195 1 1 205458 Europer gegenber 48892 Asiaten. Im Oranje-Freistaat gab es im Jahre 1951 nur 16 Asiaten. Zahlenmig ist das indische Problem nur in der Provinz Natal von Bedeu- timg. Man hat es, mit einiger bertreibimg, ein Problem der Stadt Durban genannt6). Im Oranje-Freistaat besteht aus spter zu errternden Grnden keine Inder-Frage. In Transvaal geben die Zahlen dagegen nur unvollkom- menen Aufschlu ber die Bedeutimg des Inder-Problems.

    Es ist nicht mglich, das Problem der Inder vom Anfang an einheitlich fr Sdafrika zu behandeln. Die Entwicklung in einem Teil der spteren Union weicht von der in anderen Teilen ab. In den einzelnen Landesteilen ist nicht nur die Zahl, sondern auch die wirtschaftliche Bedeutung der Inder ver- schieden. Die Darstellung ber die Entwicklung des Inder-Problems mu daher nach den heutigen Provinzen getrennt werden, wenn auch nicht ver- kannt werden darf, da das Problem seinem Wesen nach das gleiche ist. Es ist eines der Rassenprobleme, die als schwere Hypothek die Zukunft der Union belasten, ihren inneren Frieden gefhrden und ihrem internationalen Ansehen schaden. Es kann nur dann richtig gewrdigt werden, wenn man auch seinen Zusammenhang mit anderen Rassenproblemen bercksichtigt. Zugestndnisse, die heute den Indern gemacht werden, knnen spter den Natives, wenn sie eine hhere Entwicklungsstufe erreicht haben, nicht ver-

    2) In Natal wohnten im Jahre 1936 190549 Europer und 183 661 Asiaten, im Jahre 195 1 274468 Europer und 299068 Asiaten.

    ) Official Yearbook of the Union of South Africa Bd. 26 (1950) S. H57 ff. 4) Survey of Race Relations in South Africa 1954/55 S. 49. 5) Indian Imbroglio 1947 S. 90. 6) Indian Imbroglio S. 90.

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    weigert werden. Diese berlegung war und ist den Staatsmnnern der Union bewut. General Smuts hat wiederholt auf diesen Gesichtspunkt hingewie- sen. Nirgends manifestiert sich der Zusammenhang zwischen den farbigen Rassen strker als in der Tendenz zu einer Einheitsfront und zu gemein- samer Abwehr7), wenn es auch verfehlt wre, von organisiertem Widerstand zu sprechen8). Trotz der Verbundenheit mit den brigen Rassenproblemen der Union weist aber die Inder-Frage Besonderheiten auf. Die Inder sind, ungleich den Schwarzen und Coloureds, ursprnglich von einem anderen Erdteil gekommen; allerdings waren bereits im Jahre 1936 etwa 80% der indischen Bevlkerung in der Union geboren und besa deren Staatsbrger- rechte. Ihre wirtschaftliche Entwicklung ist weiter fortgeschritten; sie stehen kulturell auf einer hheren Stufe. Jede Andersbehandlung wird von ihnen als Entehrung empfunden, auf die sie mit groer Bitterkeit reagieren. Es kommt hinzu, da die Inder zu allen Zeiten den mehr oder minder wirk- samen Schutz des Imperial Government und der Indischen Regierung ge- nossen haben; er wird ihnen seit der Unabhngigkeit Indiens weiterhin in wirksamer Weise zuteil. Obwohl das Native-Problem in der Union potentiell das bedeutsamere ist, steht in der Gegenwart doch die Inder-Frage im Vor- dergrund des Interesses.

    Wenn hier das Hauptgewicht auf die Behandlung des Inder-Problems in Gesetzgebung und Rechtsprechung gelegt wird, so darf die dadurch hervor- gerufene Einseitigkeit nicht verkannt werden. Es ist nmlich zu bercksich- tigen, da die oft harten Gesetze entweder kaum oder nur zgernd angewen- det, whrend umgekehrt mitunter fehlende Ausnahmegesetze durch eine Ausnahmebehandlung seitens der Verwaltungsbehrden ersetzt worden sind.

    2. Die Inder-Frage in den sdafrikanischen Kolonien und Freistaaten

    a) Natal Das Inder-Problem hat seinen Ursprung in der Kolonie Natal. Seit den

    vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde in immer strkerem Mae das Verlangen laut, an Stelle der eingeborenen Arbeiter Coolies" aus Indien einzusetzen; es wurde vor allem von den Besitzern der Zuckerplantagen er- hoben, die einen Druck auf die Regierung ausbten. Die bestehenden Ar- beitsschwierigkeiten hatten ihren Grund in der Unzuverlssigkeit und viel- fach auch in der Arbeitsunwilligkeit der schwarzen Bevlkerung, die keine Vorstellung von der Bedeutung eines Arbeitsvertrages hatte und hufig ihre Arbeitsstelle in der kritischsten Zeit des Jahres verlie, um in ihre Kraals

    7) C. W. de Kiewiet, Fears and Pressures in the Union of South Africa, Race Rela- tions Journal Nr. 4 (1955) S. 6 if.

    8) Survey of Race Relations 1945/55 S. IV.

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    zurckzukehren. Was die Zucker- und Tee-Farmer aber brauchten, war eine stetige und zuverlssige Arbeiterschaft, wie sie weder in der Kolonie noch in ihrer Nhe auerhalb ihrer Grenzen zu finden war. Die Inder wurden wegen ihrer hheren Entwicklungsstufe fr geeignet gehalten, dem Arbeiter- mangel abzuhelfen, zumal auch das Klima im Kstengrtel Natals einer indischen Einwanderung gnstig war. Hinzu kam, da sich die Inder bereits in anderen Teilen des Britischen Reiches (z. B. in Mauritius) auf Zucker- und Tee-Plantagen bewhrt hatten. Dem Drngen der Zuckerfarmer fol- gend, wandte sich die Regierung der Kolonie an die Knigliche und durch sie an die Indische Regierung, die nach anfnglicher Ablehnung gewisse, in anderen Teilen des British Empire bereits angenommene Mindestbedin- gungen hinsichtlich des Schutzes indischer Arbeiter stellte. Im Jahre 1859 verabschiedete der Gesetzgebende Rat der Kolonie Natal drei Gesetze, von denen das Gesetz Nr. 14 die Einwanderung indischer Arbeiter, der so- genannten Coolies", zulie, fr die die Natal-Regierung einen Teil der Reisekosten zu tragen oder vorzulegen hatte, und das Gesetz Nr. 15 die An- dingung indischer Arbeiter durch die Arbeitgeber in Natal auf deren Kosten gestattete.

    Die indischen Arbeiter kamen als sogenannte indentured labourers", die, bevor sie Indien verlieen, Dienstvertrge besonderer Art, die sogenannten indentures", zu unterzeichnen hatten. Dieser Vertrag war kein Dienstver- trag im modernen Sinne und fute auf hnlichen Bedingungen, wie sie in anderen Teilen der britischen Besitzungen, besonders in St. Lucia und Mau- ritius, galten. Was dem System der indentured labour sein eigentmliches Geprge gab, war die relative Unfreiheit der Arbeiter whrend der Vertrags- periode. Sie durften sich, ohne Erlaubnis des Arbeitgebers, nicht einen Tag von der Arbeitsstelle entfernen; andernfalls setzten sie sich Geld- und Ge- fngnisstrafen aus und verwirkten einen Teil ihres Lohnes. Die strafrecht- liche Sanktion eines zivilrechtlichen Vertrages gehrt zu den anfechtbarsten Bestimmungen dieser Gesetzgebung. Das System stellte eine Zwischenstufe zwischen der noch nicht lange abgeschafften Sklaverei und dem freien Ar- beitsvertrag in seiner heutigen Gestalt dar; von der Sklaverei unterschied es sich durch die gesicherte Erwartung des Betroffenen, nach fnf Jahren harter Arbeit ein freier Mann zu werden und sich wie alle anderen Arbeiter zu verdingen. Nach zehnjhrigem Aufenthalt in der Kolonie konnte der Coolie" Rckschaffung nach Indien auf Kosten der Natal-Regierung ver- langen. Statt der freien Rckfahrt konnte ihm auf seinen Wunsch ein Stck Kronland im Wert der Rckfahrtkosten zugewiesen werden. Hinzu kam, da die Arbeiter in Indien durch bezahlte Agenten der Natal-Regierung an- geworben wurden. Trotz einer berwachung der Anwerbung blieben Mi- bruche nicht aus, zumal die Agenten nach der Zahl der angeworbenen Ar- beiter bezahlt wurden. Die getroffene Auswahl war namentlich in den ersten Jahren ungnstig; neben landwirtschaftlichen Arbeitern, die man vor allem

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    bentigte, wurden auch Priester, Bettler sowie kranke und invalide Personen angenommen.

    An Schwierigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hat es nicht gefehlt. Rckkehrende Inder beklagten sich ber die ihnen widerfah- rene Behandlung bei der Indischen Regierung. Die Beschwerden gingen so weit, da sich die Natal-Regierung im Jahre 1872 gezwungen sah, eine Kommission einzusetzen, die eine ganze Reihe von Mibruchen feststellte und Abnderungen vorschlug, im ganzen aber die Ansicht vertrat, da das System als solches nicht versagt habe und von einer systematischen Schlecht- behandlung der Inder nicht gesprochen werden knne. Das Aufblhen der Kolonie, namentlich ihres Kstengrtels mit seinen Zuckerplantagen, wre ohne die Arbeit der Inder undenkbar gewesen. So unentbehrlich waren sie geworden, da die Nachfrage nach indischen Arbeitern nach berwindung der Krise der Jahre 1 866-1 874 stndig zunahm. Andererseits ist festzustel- len, da das Rasseproblem in Sdafrika sich durch die Einwanderung der Inder verschrft hat.

    Zur Entstehung des Inder-Problems gab Anla nicht das System der indentured labour", sondern die Anwesenheit der sogenannten freien In- der; es handelte sich dabei einmal um Coolies", deren Vertrag abgelaufen war, zum anderen um die nicht sehr groe Anzahl von Indern, die als freie Hndler - sei es von Indien, sei es von Mauritius - eingewandert waren. Da sich die Konkurrenz der freien Inder" bald bemerkbar machte, wendete die weie Bevlkerung Sdafrikas sich schon frher gegen die Anwesenheit freier Inder. Die Indian Immigrations Commission stellte in einem Bericht vom Jahre 1885 fest, da die ffentliche Meinung in der Kolonie sich nicht gegen die Anwesenheit von Indern als Arbeiter, sondern nur gegen das Ver- bleiben der Inder nach Ablauf des fnfjhrigen Vertrages richtete; die Mei- nung gehe dahin, da die Inder nach Erlschen der Vertrge nach Indien zurckgesandt oder ihre Arbeitsvertrge verlngert oder aber die Inder durch Beschrnkungen in einer untergeordneten Stellung gehalten werden sollten, was den von der Regierung vor der Einwanderung bernommenen Ver- pflichtungen jedoch widersprochen htte. Nachdem der Kolonie im Jahre 1893 responsible government" gewhrt worden war, wurde, um die Inder zu bewegen, nach Ablauf ihres Dienstvertrages die Kolonie zu verlassen oder einen neuen Arbeits vertrag abzuschlieen, durch den Act Nr. 17 vom Jahre 1895 allen Indern, die weder den einen noch den anderen Weg whlten, sondern als freie Pe...

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