Future Evolution House

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    21-Feb-2016

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Mission impossible Das Future Evolution House der Familie Horx-Strathern in Wien. Architekt: Hans Peter Wrndl, Wien

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  • MISSION [IM]POSSIBLEDAS FUTURE EVOLUTION HOUSE DER FAMILIE HORX-STRATHERN IN WIEN, AARCHITEKT HANS PETER WRNDL, WIEN

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    ES IST AN DER ZEIT...

    Von Friedrich H. Dassler

    Matthias Horx ist Reisender in Sachen Trend- und Zukunftsforschung,

    ein angesagter dazu, mit Basislagern in Wien und Kelkheim im Taunus.

    Unter Zukunft stellt sich jedermann etwas vor, allgemein das, was

    jeden Moment anfngt, nach vorne offen und mehr oder weniger unge-

    sichert scheint. Komplizierter liegen die Dinge beim Trend im Trend

    und man fragt sich, ob sie tatschlich gemacht werden die Trends

    oder ob sie mit Fingerspitzengefhl und statistischen Methoden aus

    dem herausgelesen werden, was schon da, beziehungsweise gerade

    im Entstehen ist.

    Fr den Trendprofi Matthias Horx ist klar, dass heute beides stattfindet

    und zwar gleichzeitig. Trends werden gesucht, gelesen, aufgesprt,

    auch gemacht und es wird ihnen nachgelaufen. Aus seiner Sicht hat

    der englische Begriff Trend, der wohl ber den Sprachgebrauch an

    den Finanzmrkten auf das allgemeine Wirtschaftsleben bergesprun-

    gen ist, eine Art semantische Karriere durchlebt. Dabei nennt er ihn

    heute einen Lmmel unter den Begriffen, weil man so ziemlich alles in

    einen Trend hineinprojizieren kann. Zudem sei der Begriff Trend, wie wir

    ihn heute gebrauchen, in einem wissenschaftlichen Sinne wenig belast-

    bar. Im Kontext seiner Zukunftsforschung hlt er den Trend aber fr

    unverzichtbar. Denn wenn man nur als Zukunftsforscher unterwegs

    sei, gelte man leicht als reiner Utopist. Die Kenntnisse ber die Trends

    der Zukunft schaffen den unmittelbaren Bezug zur Wirtschaft und

    damit erst ein Geschftsmodell. Der Punkt ist, dass sich die Gesell-

    schaft und natrlich auch die Industrie dafr interessieren, was sich

    aktuell verndert, was zu erwarten ist, vor allem welches Kuferverhal-

    ten. Demzufolge ist die Fragestellung an eine komplexe Trendwissen-

    schaft die der Einordnung. Man will wissen: Was geht? Welche Trends

    gibt es in welchen Bereichen? Und wie kann man von diesem Wissen

    profitieren? So definierte Trends werden dann auch gern phnomeno-

    logisch verstrkt, zum Beispiel in der Mode.

    Mit seinem Zukunftsinstitut geht Matthias Horx noch weiter. Es gibt tie-

    fer liegende Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft, der Wirtschaft,

    der Politik, der Systeme, die man forschend als Trends definieren kann.

    Mit denen beschftigen sich der Zukunftsforscher und seine Mitarbeiter

    und Mitarbeiterinnen bevorzugt. Aber er htet sich davor, den Begriff

    Trend, so wichtig er ist, ganz nach vorne zu stellen, denn man kommt

    damit leicht in Teufels Kche. Was man schon daran sehen mag,

    dass wir diese Klrungen ganz an den Anfang gestellt haben.

    Die Mission des Matthias Horx besteht darin, die Handlungsspielrume

    von Unternehmen und Institutionen auszurichten und zwar an den zu

    erwartenden Realitten. Wobei er betont, dass genau das eigentlich

    das Wesen von Management darstelle, denn Management msse ja

    antizipieren, was auf ein Unternehmen zukommt. Das Gleiche gelte

    brigens fr eine Familie, wenn sie beispielsweise ein Haus bauen will.

    Daraus resultiert die Frage, wo hier ein Geschftsfeld fr einen profes-

    sionellen Consultant auszumachen ist. Das ist nicht leicht zu beantwor-

    ten, so Horx. Er nennt es etwas umstndlich: Die Schrfung der sen-

    sorischen Wahrnehmung komplexer Prozesse vornehmen zu lassen.

    Dafr hinreichend viele Abnehmer zu finden, ist sicherlich das ungel-

    ste Berufsproblem eines Trend- und Zukunftsforschers. Aber, wie wir

    wissen, gibt es heute auch jede Menge ungelster Berufsprobleme bei

    Architekten und Ingenieuren.

    Vor diesem Hintergrund hat sich Familie Horx am Rande Wiens das

    Wohn- und Arbeitshaus planen und errichten lassen, was eigentlich

    zwei Huser sind, die aber eine ideelle Einheit darstellen. Der Architekt

    ist Hans Peter Wrndl, das implizierte Lebens- und Arbeitskonzept der

    Bewohner made by Familie Horx-Strathern, denn auch Frau Oona

    wirkt als Trend Consultant und Autorin. Sie nennen es Future Evolution

    House, was natrlich lngst eine geschtzte Bezeichnung ist.

    Die Presse, vor allem die am Trend-Ambiente interessierte, war schnell

    dabei, ein Zukunftshaus oder Smarthome zu verorten. Die Bauherren

    nennen es aber Future Evolution House, weil sie in ihm die prozess-

    haften Entwicklungen von Lebenskonzepten und Technologien ber

    einen lngeren Zeitraum erforschen und zeigen wollen. Das war aller-

    dings nicht von Anbeginn so beabsichtigt, ging man als interessierte

    Laien des Bauwesens, was ja die meisten Bauherren sind, davon aus,

    dass die werbliche Verheiung Nichts ist unmglich! in der Haustech-

    nik lngst Wirklichkeit geworden sei.

    Matthias Horx sagt es mittlerweile salopp: Wir sehen bis heute keine

    Chance, das, was wir erwarten und das, was wir konzeptionell vertre-

    ten, tatschlich realisieren zu knnen. Das hat strukturelle Grnde, weil

    sich diese Komplexitt fr einen privaten Bauunternehmer nicht in

    Technik auflsen lsst und, weil wir keine Millionre sind.

    Nun muss man als Bauherr kein Zukunftsforscher sein, um sich bei der

    Frage danach, was man eigentlich will mit seinem Haus, mit der

    Zukunft zu beschftigen. Huser werden pers fr die Zukunft gebaut,

    gestalten diese positiv mit oder belasten sie nachhaltig. Darum geht es

    beim Bauen immer, nmlich um die nchsten 25 und mehr Jahre. Wer

    sich darum ernsthaft kmmert, wie Matthias Horx, der denkt technolo-

    gisch ein paar Jahre voraus und stellt voller Schrecken fest, dass die

    Technik frs Haus in Bezug auf das Jetzt schon zwei, drei Jahre hinter-

    herhinkt. Wir verfgen ber ein iPad der zweiten Generation, die ver-

    fgbare Technik frs Wohnhaus hat schon einige Jahre auf dem

    Buckel.

    Wir sehen bis heute keine Chance, das,was wir erwarten und das, was wir kon-zeptionell vertreten, tatschlich realisierenzu knnen...

    Er verweist auf Elektromobilitt, was derzeit durchaus ein groes

    Thema ist. Er selbst fhrt neuerdings ein Elektroauto aus Skandinavien,

    dessen starke Batterie demnchst auch als Pupperbatterie fr das

    Haus dienen soll - Anfang des Energy Grid, bei dem Huser als Ener-

    gieproduzenten dienen. All das kann man nur provisorisch zeigen,

    denn die Realisierung eines solchen Netzes msste mindestens den

    ganzen Stadtteil erfassen. Horx hat erkannt, dass diese Differenz zwi-

    schen Wollen und Knnen auch dazu fhrt, dass sich das Haus und

    seine Bewohner stndig umbauen werden. Lachend erklrt er, dahin-

    ter stehe wohl letztendlich die indianische Idee, dass man erst fertig

    sei, wenn man wieder auszieht. Der Mensch steht in Kontexten zu sei-

    ner sthetischen und faktischen Umgebung. Ein Haus lebt, wenn es

    dauernd bearbeitet und verndert wird, eben evolutionr. Unter dieser

    Prmisse wurde das Haus der Familie Horx schlielich gebaut.

    Stand der Technik ist noch immer, dass Technologiefirmen den Nutzern

    von Gebuden Funktionalitten anbieten, zwischen denen diese, je

    nach Geldbeutel, aussuchen knnen. Smart wre aber, wenn der Nut-

    zer am Anfang definiert, was er von seinem Haus erwartet und die

    Technik das dann kann und zwar in der Bedienung vllig unkompliziert

    und finanziell erschwinglich.

    Familie Horx ist berzeugt, dass es in diesem Sinne ein Totalversagen

    der fr den Wohnbereich zustndigen Elektroindustrie zu beklagen

    gbe. Wir haben einfach diese Erfahrung gemacht. Haben smarte

    Technik angefragt, aber nichts von dem, was uns angeboten wurde,

    war smart. Smarte Technologie soll intuitiv erlernbar, sinnlich, habituell

    quasi in menschliche Gewohnheiten integrierte Technologie sein.

    Wenn Sie mit einem i-Phone umgehen knnen, knnen sie jede Art von

    App nutzen. Die Technologie soll uns auch im Haus die Technik fr den

    Finger aufbereiten. Es geht um einen technologischen Begriff, wie ihn

    Apple versucht zu definieren. Wir wollten ein Haus an der Nutzerfrage

    IM GESPRCH MIT DEM TREND- UND ZUKUNFTSFORSCHER MATTHIAS HORX:

    Matthias Horx

    Trend- und Zukunftsforscher(www.zukunftsinstitut.de)Foto: Klaus Vyhnalek

  • Grundriss Wohnhaus Erdgeschoss Grundriss Wohnhaus Untergeschoss

    Lngsschnitt Wohnhaus Das E-Mobil an der hauseigenen Tankstelle

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    entlang entwickeln, auch an den sinnlichen Bedrfnissen des Men-

    schen, nicht an technischen Vorgaben. Und da sind wir einfach nicht

    fndig geworden.

    Klar ist, die Firmen wollen verkaufen, was sie gerade knnen und im

    Angebot haben. Dazu erfinden sie sich einen potenziellen Kufer, den

    sie den Kunden dann in der Werbung zur Identifikation anbieten. Mat-

    thias Horx sagt: Diese Typen sind wir aber nicht. Wer glaubt, an die-

    sem Geschfts- und Marketingmodell festhalten zu knnen, wird zu-

    knftig nicht mehr sehr viel verkaufen.

    Was man uns vorgefhrt hat, basierte letztlich auf einer reduzierten

    Vorstellung mnnlicher Kontrolle. Huser werden von den Anbietern

    wie elektrische Eisenbahnen konstruiert, die der Hausherr lchelnd

    fernsteuert. Frauen halten das zu Recht normalerweise fr vlligen

    Unsinn: maximal viele Schalter sind gut und maximal viele Funktionen

    mssen bezahlt werden. Der Gipfel ist dann schon erreicht, wenn all

    diese vielen Funktionen von einem Pannel aus bedient werden knnen.

    Aber wer braucht das? Wenn ich gerade im Garten bin und ein Beet

    umgrabe, brauche ich dann 150 Funktionen, die ich a