Leseprobe zu «Der feine Unterschied»

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Auszug aus dem Buch «Der feine Unterschied – Ein Handbuch für Deutsche in der Schweiz» (Midas Management, ISBN 978-3-907100-46-2), Bestellung: www.midas.ch

Text of Leseprobe zu «Der feine Unterschied»

  • DeR feine

    Unterschied

    Midas ManageMent verlag

    Ein Handbuch fr Deutsche in der Schweiz

    UnterschiedDER feine

    Bruno Reihl

  • Bruno Reihl

    Der feine Unterschied

    Ein Handbuch fr Deutsche in der Schweiz

    Midas Management VerlagSt. Gallen / Zrich

  • Der feine UnterschiedEin Handbuch fr Deutsche in der Schweiz

    2. Auflage 2013 Midas Management Verlag AG

    Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

    Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet abrufbar ber http://dnb.d-nb.de

    ISBN 978-3-907100-46-2

    Midas Management Verlag AG

    Reihl, Bruno:Der feine Unterschied Ein Handbuch fr Deutsche in der SchweizSt. Gallen/Zrich: Midas Management Verlag, 2013.

    Lektorat: Patrick Brauns, KonstanzLayout: Simone Pedersen, St. GallenCover: Agentur 21, Zrich

    Druck- und Bindearbeiten: GGP Media GmbH, PneckPrinted in Germany

    Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Bilder, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlages urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere fr die Vervielfltigung, bersetzung oder die Verwendung in Kursunterlagen und elektro nischen Systemen.

    Verlagsanschrift:Midas Management Verlag AG, Dunantstrasse 3, CH-8044 Zrich

  • inhaltsverzeichnis

    Kapitel 1Einleitung 9

    Kapitel 2Hochdeutsch und Schriftdeutsch 11

    Kapitel 3Sprach-Geografie der Schweiz 17

    Kapitel 4Image, Klischees und Vorurteile 21

    Kapitel 5Begrssung und Hflichkeitsformeln 23

    Kapitel 6Einkaufen, Essen und Trinken 27

    Kapitel 7Politisches System und Staatsverstndnis 35

    Kapitel 8Verkehrsregeln und verhalten 47

    Kapitel 9Kinder in Kindergarten und Schule 55

    Kapitel 10Wohnen und Nachbarschaft 63

    Kapitel 11 Sport und Sportarten 71

    Kapitel 12 Schweizer Kultur 75

    Kapitel 13 Reisen und ffentlicher Verkehr 83

  • Kapitel 14 Wetter und Wetterlagen 87

    Kapitel 15 Wirtschaftsleben und Verhandlungen 95

    Kapitel 16 Steuern und Altersversorgung 111

    Kapitel 17 Gesundheit und Krankenversicherung 123

    Kapitel 18 Schweizerdeutsch verstehen und sprechen 129

    Kapitel 19 Das ist von Kanton zu Kanton verschieden 151

    a) Zrich Stadt und Kanton 153 b) Bern Stadt und Kanton 160 c) Basel 164 d) Luzern und die Zentralschweiz 168 e) Fribourg / Freiburg 172 f) Solothurn 173 g) Neuchtel 174 h) St. Gallen und Glarus 174 i) Aargau und Thurgau 176 j) Graubnden 177 k) Wallis / Valais 180 l) Tessin / Ticino 183

    Kapitel 20 Resmee 185

    Kapitel 21 Nachwort 191

    Kapitel 22 Wrterbuch: Schweizerdeutsch Hochdeutsch 207

    Kapitel 23 Sachwrter-Index 221

  • Vorwort

    Wenn Sie aus dem Mund eines Schweizers den Satz Ich htte gerne eine Stange hren und meinen, diese Person kaufe eine Stange Zigaretten oder bewege sich im Sex-Milieu, dann empfeh-le ich Ihnen die Lektre des vorliegenden Handbuchs, um dieses und weitere Missverstndnisse zu vermeiden, denen Deutsche als Touristen oder Zugewanderte in der Schweiz begegnen. Mit einer Stange meinen Schweizer ein frisch gezapftes Bier, das in hohen Glsern mit 0,3 l Inhalt serviert wird.

    Den deutschen Touristen in den schweizerischen Ferienorten wird mein zweiter Beispielsatz Grtzi. Ich kriege ein Bier! nachgese-hen, denn oft ist das Bedienpersonal heute selbst aus Deutschland und daran gewhnt. Wer jedoch in der Schweiz lebt und arbeitet, sollte sich diese Worte abgewhnen, denn sie klingen in schweizeri-schen Ohren unhflich und typisch deutsch. Aber auch der Wunsch Ich bekomme ein Bier! wirkt unhflich, ja herrisch. Richtig in der Schweiz wre zum Beispiel: Ich htte gerne ein Bier, bitte.

    Dieses Beispiel zeigt, dass im gegenseitigen Verstndnis von Deut-schen und Schweizern leicht Missverstndnisse entstehen und Vor-urteile zementiert werden knnen. Schade eigentlich. Denn seit 2008 wanderten tglich im Schnitt 100 Deutsche in die Schweiz ein. Darunter finden sich berdurchschnittlich viele Hochqualifizierte und Akademiker. Die Schweizer Ressentiments haben dadurch aber eher noch zugenommen, weil pltzlich dem Durchschnittsschwei-zer im tglichen Leben deutsche rzte, Zahnrzte, Angestellte bei Banken und Versicherungen usw. mit ihrem Hochdeutsch auffallen. Wenig hilfreich auch die martialische Art des deutschen Finanzmi-nisters, welcher der Schweiz wegen ihres Bankgeheimnisses mit der Peitsche drohte und die Schweizer als Indianer bezeichnete, denen

  • die deutsche Kavallerie einen Schreck einjagen soll. Auch andere Exponenten Deutschlands stossen Drohungen aus und gehen mit ihrer Besserwisserei auf die Nerven. In der Schweiz lsen sie damit starke Abwehrreflexe aus, obwohl eine Spur Gelassenheit und mehr Selbstbewusstsein auch auf Schweizer Seite gerade im Hinblick auf die historischen Begebenheiten von Vorteil wren.

    Mit diesem Handbuch mchte ich dazu beitragen, dass auch mei-ne deutschen Landsleute die schweizerischen Eigenheiten und die Mentalitt der Bewohner dieses schnen Landes wahrnehmen und achten lernen und im Idealfall auch fr sich selbst bernehmen. Nur so kann es auf die Dauer zu einem positiven Miteinander der beiden deutschsprechenden Lnder kommen, die in manchen Dingen hn-lich, aber in vielen Dingen auch sehr unterschiedlich sind.

    Ich beschreibe die Unterschiede aus meiner persnlichen Wahr-nehmung und Erfahrung. Auch meine Regeln zum Verstehen und eventuell Erlernen des Schweizerdeutschen sind die eines Laien. Weder mchte ich damit den Schweizern mit ihren vielen Dialekten einen Einheitsbrei servieren noch den professionellen Lehrern ins Handwerk pfuschen.

    Ich wnsche Ihnen viel Vergngen beim Lesen meines Buches Der feine Unterschied. Dabei hat fein zwei Bedeutungen: erstens klein, denn Deutschland und die Schweiz unterscheiden sich verglichen mit anderen Lndern nicht sehr stark voneinander; und zweitens gut im Sinne vom feinen Essen. Wenn Unterschiede gut sind, sollte das bei den Politikern und Menschen beider Lnder Interesse wecken, und beide Seiten knnten aus den Unterschieden etwas lernen.

    Bruno Reihl Frhling 2013

  • 1. einleitung Deutsche ber die SchweizerIn Deutschland ist das Image der Schweiz und ihrer Bewohner positiv besetzt, trotz oder wegen der sich immer wiederholenden Vorwrfe der deutschen Politiker, dass die Schweiz mit ihrem Bankgeheimnis der Steuerflucht aus Deutschland Vorschub leistet. Deutsche fin-den den Schweizer Dialekt niedlich, lieben Schweizer Schokolade, fahren gern in die Schweiz zum Skifahren oder im Transit weiter in den Urlaub ans Mittelmeer. Schweizer Uhren und Schweizer Kse runden das positive Klischeebild ab. Manche meinen auch, dass die Kuckucksuhren aus der Schweiz stammen und verwechseln dann Schweiz und Schwarzwald. Eigentlich ist die Schweiz aus deutscher Sicht wie sterreich, nur viel teurer, und irgendwo sprechen sie auch noch Franzsisch. Diese Unkenntnis ber die Schweiz nimmt in Deutschland vom Bodensee Richtung Norden stark zu. Ein Ham-burger hlt Zrich fr die Hauptstadt der Schweiz und Lausanne fr den franzsischen Namen der Stadt Luzern.

    Schweizer ber DeutscheUmgekehrt wissen die Schweizer sehr viel ber Deutschland und kn-nen durchaus zwischen den verschiedenen Landsmannschaften un-terscheiden. Praktisch berall in der Schweiz kann man die deutschen Fernsehprogramme empfangen, umgekehrt ist das nicht der Fall. So sind die Bewohner Bayerns und Baden-Wrttembergs in der Schweiz besser gelitten als Landsleute aus den nrdlichen und stlichen Bun-deslndern, ganz einfach weil sie auch einen Dialekt sprechen, den die Schweizer einigermassen verstehen. Auch fahren viele Schweizer bers Wochenende zum Einkaufen, zu einem Bundesliga-Spiel oder zu den Weihnachtsmrkten nach Stuttgart, Nrnberg oder Mnchen.

  • 10 Einleitung

    In die Gegenden nrdlich des Mains kommen Schweizer seltener, und dort wollen sie auch gar nicht hinfahren, denn hier wohnen die Schnellschwtzer. Das sind diejenigen Deutschen, die erstens Hochdeutsch sprechen (oder was sie dafr halten) und dies zweitens so schnell, dass sie praktisch kein Schweizer versteht. Hier geht es brigens den Bayern, Schwaben und Badenern hnlich wie den Schweizern. Die Abneigung geht aber ber das reine Verstndnis der Wrter und Stze hinaus: Jemand der schneller spricht, als er denken kann, kann nicht seris sein; er gilt als Schwtzer, eben als Schnellschwtzer. Ein einfacher Ratschlag an meine Hochdeutsch sprechenden Landsleute in der Schweiz ist darum: Langsam spre-chen und die Wrter einzeln betonen.

  • 2. hochdeutsch und schriftdeutsch

    Schweizerdeutsch ist etwas ganz anderesVor vielen Jahren besuchte ich damals als Tourist in Bern, der Hauptstadt der Schweiz, das Parlamentsgebude, Bundeshaus ge-nannt. Bei einer Fhrung stellte ich zu meiner Befriedigung fest, dass ich mehr als die Hlfte der Ausfhrungen des uniformierten Parlamentsdieners verstand. Mein Schluss war damals, dass Schwei-zerdeutsch gar nicht so anders sei. Auch die Fernseh-Sketche des in Deutschland sehr populren Emil Steinberger hatten wir ja fast immer verstanden. Erst als einige Schweizer Besucher den Parla-mentsdiener direkt ansprachen und ich kein Wort mehr verstand, wurde mir klar, dass ich vorher eine Hochdeutsch-Variante die Schweizer nennen sie Schriftdeutsch oder Schriftsprache gehrt und immerhin auch viel, aber immer noch nicht alles verstanden hatte. Schweizerdeutsch oder im Dialekt Schwiizerttsch ist etwas ganz anderes. Manche Schweizer Dialekte sind fast so weit weg vom Hochdeutschen wie das Platt der Hollnder.

    Hochdeutsch ist auch etwas anderesDie meisten Landsleute aus Gegenden nrdlich des Mains glauben, dass sie perfektes Hochdeutsch sprechen. Dem ist aber gar nicht so. Um bei meinem Beispi