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Neuro Stress

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PHYSIOLOGIE DER STRESSBEWÄLTIGUNG

Text of Neuro Stress

  • NEUROSTRESS GUIDE

  • EINLEITUNGDer vorliegende NeuroScience-Guide ist als Anleitung fr Patienten, rzte und Therapeuten gedacht. Er soll einen Einblick in die Funktionsweise des Neuroendokriniums und in die Grund-lagen neuroendokriner Funktionsstrungen und deren Behandlung vermitteln. Die von uns entwickelte NeuroStress-Diagnostik wird vorgestellt und physiologische Behandlungsformen besprochen. Schon lange gibt es hochwirksame Substanzen fr die natrliche Behandlung psychoneurovegetativer Strungen, die allerdings durch die Entwicklung der modernen Psy-chopharmaka verdrngt wurden. Die unbefriedigenden Ergebnisse der Antidepressiva ha-ben die traditionellen Behandlungskonzepte jedoch wieder ins Bewusstsein gerckt. Unser aktuelles ganzheitliches diagnostisch-therapeutisches Konzept greift die bewhrten Verfahren auf und verbindet sie mit innovativen Diagnose- und Behandlungsformen aus den USA.

    Eingangsberlegungen:

    1. Die Zahl neurovegetativer Strungen und psychischer Krankheiten nimmt weltweit stark zu. Damit auch die Nachfrage nach neuen diagnostischen Mglichkeiten und effzienten, gut ver-trglichen Behandlungen. Seit Jahren steigt die Zahl psychischer Strungen in den westlichen Industrielndern. Man geht davon aus, dass bis zu 60% der Krankheitsflle in der tglichen rztlichen Praxis psychischer Natur sind bzw. eng mit psychischen Belastungen verbunden sind. Schon heute entfallen viele Krankheitstage auf psychische Strungen, ihre Zahl nimmt stndig zu, whrend die Gesamtzahl krankheitsbedingter Fehltage seit Jahren zurckgeht. Besonders gravierend ist die Zunahme der Depressionen. Whrend Herz-Kreislauferkrankungen, Herzin-farkt, sogar die hufigsten Krebserkrankungen (Lungen-, Brust- und Prostatakrebs) seit einigen Jahren abnehmende Tendenz zeigen, nimmt der Anteil von Depressionen stndig zu. Die WHO geht in einem ihrer jngsten Gesundheitsberichte (2006) davon aus, dass bereits in den nchsten 5-10 Jahren Depressionen die zweithufigste medizinische Krankheitsursache berhaupt sein werden.

    2. Psychopharmaka werden heute in enormem Mae eingesetzt, sie sind mit >65 Mrd die umsatzstrkste pharmazeutische Prparategruppe. Ihre Wirksamkeit, vor allem die der Antidepressiva, ist jedoch begrenzt. Die Nebenwirkungen sind zahlreich und zum Teil leb-ensbedrohlich. Immer wieder werden Zweifel am Aussagewert von Psychopharmakastudien geuert, die Publikation von klinischen Studien mit Antidepressiva erfolgt offensichtlich nach willkrlichen Kriterien (NEJM, 2008). In einer krzlichen Metaanalyse wurde die fehende Wirksamkeit von Antidepressiva bei leichten bis mittelschweren Depressionen konstatiert (PloS Medicine, 2008). Nur bei schweren Depressionen findet sich ein Vorteil von Antidepressiva gegenber Placebos.

    3. Die Neurobiologie psychischer Strungen wird seit Jahren intensiv untersucht, neue Unter-suchungsverfahren wie MRT, PET, SPECT, Immunologie oder Molekulargenetik haben das Verstndnis der zentralen Prozesse enorm verbessert. Neue Diagnose- und Behandlungsver-fahren knnen daher strker auf Wissen und weniger auf Zufallsbeobachtungen wie bisher basiert werden.

  • STRESSAls eines der zentralen Geschehen gilt chronischer Stress, der vielfach zu bleibenden psy-chovegetativen Strungen fhrt. Ein krzlich erschienenes Buch des Bonner Psychiaters Prof. Benkert (2006) hat den Begriff der StressDepression geprgt und damit Stress als ganz wesentlichen Grund fr psychische Strungen einschlielich Depressionen in den Mittelpunkt gestellt. Die medizinischen Konsequenzen dieser Neudefinition von Erkrankungen sind erhe-blich. War z.B. der Herzinfarkt lange Zeit fast ausschlielich eine Domne der Arteriosklero-seforschung und im engeren Sinne ein Cholesterin-Problem, so verndert sich inzwischen die Sicht der Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich. Natrlich spielen die bekannten Risikofaktoren wie falsche Ernhrung, Adipositas, Bluthochruck, Rauchen, Cholesterin, LDL/HDL nach wie vor eine bedeutende Rolle, aber nur maximal 50% der Herzinfarkte hngen mit hohem Cho-lesterin zusammen, hufig sind gar keine Risikofaktoren feststellbar und der Herzinfarkt kom-mt unvorbereitet, sozusagen aus heiterem Himmel. Heute wissen wir, dass Stress, bzw. die gravierenden gesundheitlichen Vernderungen durch anhaltenden Stress an dem Krankheit-sprozess beteiligt sind und sogar unmittelbare Auslser des Herzinfarkts sein knnen und dass die Vermeidung oder zumindest Verringerung von Stress eine der wichtigsten Manahmen zur Vorbeugung von Komplikationen bei erhhtem Infarktrisiko ist. Bei der Fuballweltmeis-terschaft 2006 in Deutschland stieg z.B. die Zahl der Herzinfarkte, die in Mnchner Klinken eingeliefert wurden, bis zum Dreifachen des mehrjhrigen Durchschnitts immer dann an, wenn die deutsche Mannschaft spielte (Wilbert-Lampen, 2008). Bei wichtigen Spielen anderer Mannschaften war die Infarktrate dagegen gegenber den Vorjahren nicht nennenswert er-hht. Psychosoziale Faktoren wiegen insgesamt schwerer fr das Herzinfarktrisiko als alle be-kannten wichtigen Faktoren (Adipositas, Rauchen, Diabetes, Hochdruck) zusammen (Interheart Study; Yusuf, 2004). Nach einem Herzinfarkt ist die Stressverminderung die zweiteffektivste Manahme zur Vermeidung erneuter kardialer Komplikationen, nach der Ernhrungsumstel-lung und noch vor fettarmer Kost, mediterraner Ernhrungsweise, verstrkter krperlicher Aktivitt und Beendigung des Rauchens (Kolenda, 2003). Nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auch eine wachsende Zahl weiterer gesundheitlicher Komplikationen sind Folgen von anhaltendem, chronischem Stress und den daraus entstehe-nden Strungen der neurovegetativen, hormonellen und metabolischen Regulation, wobei das Zentralnervensystem, das sympathische und parasympathische Nervensystem, die zen-trale Stresshormonachse, zahlreiche weitere Hormonsysteme wie u.a. die Nebenniere und die Schilddrse und darber hinaus das Immunsystem involviert sind (Lupien, 2009; Shonkoff, 2009; McEwen, 2008). Stress erhht das Risiko fr Infektionen (Grippe, Erkltungen), die Reaktivierung latenter Virusinfektionen (Grtelrose), die Entwicklung von Autoimmuner-krankungen und sowohl fr die Entstehung als auch die Ausbreitung von Krebserkrankungen, was unmittelbar mit den immunologischen Auswirkungen von anhaltendem Stress zusam-menhngt. Im Begriff der PsychoNeuroEndokrinoImmunologie werden inzwischen die Wech-selbeziehungen zwischen Nervensystem, Endokrinium, Immunsystem und Psyche zusam-mengefasst.

    Die heutige Vorstellung von Stress wurde bereits um 1930 von Selye geprgt, der die klas-sische Vorstellung erweiterte und als Stresssyndrom die Adaptation an jede Art von

  • physischen oder emotionalen Krften, die die Homostase des Organismus fordern, definierte. Stress wird heute als Zustand echter oder als solcher wahrgenommener Strung der krperlichen Homostase verstanden. Stress ist nicht nur Ausdruck von privaten oder sozialen, emotionalen oder psychischen Belastungen (psychischer und mentaler Stress). Auslser von Stress, also Stressoren, sind genauso Infektionen, Verletzungen, Entzndun-gen, auch und vor allem die zahlreichen normalen, physiologischen Ablufe wie die Nah-rungsaufnahme, deren Energiegehalt und Energiedichte den Stoffwechsel belasten und im berma einen erheblichen metabolischen Stress bedingen, da jede aufgenommene Kalorie die metabolische Aktivitt erhht und ber die Steigerung der mitochondrialen Energie-bereitstellung auch vermehr oxidative Metaboliten anfallen (ROS, oxidativer Stress); auch die Zusammensetzung der Nahrung, der Anteil an gesttigten/ ungesttigten Fettsuren, das Verhltnis von Fetten, Kohlehydraten und Eiwei in der Nahrung haben Einfluss; ebenso Bewegungsmangel, der die Stressadaptation beeintrchtigt, umgekehrt auch bermige krperliche Aktivitt (physischer Stress). Umweltnoxen, Schadstoffe, Schwermetalle, Chemi-kalien in Nahrungsmitteln (Konservierungsstoffe, etc), Pflegemittel ebenso wie Medikamente bewirken auf zellulrer Ebene vermehrte Belastung (chemischer Stress); Lrmbelastung, Reizberflutung, bermiger Fernseh-/EDV-Konsum, Schlafmangel (sensorischer Stress), schulische, berufliche Belastungen, Freizeit-Belastungen, die hohe Arbeitsintensitt, berufli-cher Konkurrenzdruck, mangelnde Anerkennung, Mobbing,soziale Vereinzelung, Einsamkeit, familire Schicksalsschlge, Partnerkonflikte, sexueller Missbrauch, ngste (psychischer und sozialer Stress).

    All diese Stressoren aktivieren ber einen einheitlichen, zentralen Mechanismus das kr-pereigene Stressbewltigungsprogramm, bestehend aus hormonellen Faktoren, Anteilen des zentralen und autonomen Nervensystems und dem immuninflammatorischen Komplex. Die Stresstoleranz, die Fhigkeit auch strkere und lang anhaltende Belastungen ausgleichen, ist individuell unterschiedlich ausgeprgt. Bei einer wachsenden Zahl von Menschen fhrt lang anhaltender Stress zu gesundheitlichen Strungen, die nicht selten in Krankheiten berge-hen. Dabei sind es seltener einzelne, extreme Stresssituationen wie das Postraumatische Stressyndrom (PTSD/PTSS) oder das Gofkriegssyndrom, sondern eher die kumulative Langzeitwirkung von Stressoren. Das Auftreten und Ausma gesundheitlicher Komplikationen ist nicht nur von der Stressdauer und -intensitt abhngig sondern eben auch von individuell disponierenden Faktoren (familire Besonderheiten, angeborene Risikofaktoren), die mage-blich fr die individuelle Toleranzschwelle sind (Su, 2009).

    Zu den hufigsten gesundheitlichen Auswirkungen zhlen Schlaflosigkeit, Leistungsabfall, Nervositt, Konzentrationsschwche, Motivationsverlust bis zum Burn-out, Gedchtnis-strungen, auch Essstrungen, berempfindlichkeitsreaktionen, ggf. auch Schmerzen, Stim-mungsschwankungen, ngste und Depressionen. Die wichtigsten Erkrankungen, die auf anhaltenden Vernderungen des neuroendokrin-immunologischen Steady-state basieren, sind im Folgenden aufgelistet (Hufigkeit in %):

  • ADS/ADHS 10 15 % CFS/Chronisches Mdigkeitssyndrom 1

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