Zu schnell zu hoch

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    19-Dec-2016

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  • 22 MMW-Fortschr. Med. Nr. 11 / 2012 (154. Jg.)

    AKTUELLE MEDIZINREPORT

    _ Eine akute Bergkrankheit (Tab. 1) tritt hufig ab Hhen von 3500 bis 4000 m auf. Charakteristisch sind Kopf-schmerzen, belkeit, Erbrechen, M-digkeit, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit und Benommenheit.

    Wer das Gipfelglck in Hochgebirgs-regionen sucht, mchte mglicherweise schon vorher wissen, ob ihm eine Berg-krankheit droht. Die arterielle Sauer-stoffsttigung gibt zwar einen gewissen Anhaltspunkt fr das Risiko einer H-henkrankheit, wie Priv.-Doz. Dr. Rai-nald Fischer, Pneumologe am Klinikum der Universitt Mnchen, berichtete. Ei-ne erniedrigte O2-Sttigung allein ist aber noch kein guter Prdiktor fr eine Hhenkrankheit.

    Vorsorge ist besserDie Prvention der teilweise mit hoher Letalitt verbundenen Hhenkrank-

    Tabelle 1

    Akute HhenkrankheitZerebrale Hhenkrankheit _ Akute Bergkrankheit _ HhenhirndemPulmonale Hhenkrankheit _ HhenlungendemPeriphere Hhendeme

    Retinablutungen

    Tabelle 3

    Die 5 goldenen Regelnder Himalayan Rescue Association

    1. Jeder kann hhenkrank werden, aber niemand muss daran sterben.

    2. Jede Gesundheitsstrung ist im Zweifel hhenbedingt.

    3. Nur symptomfrei hher steigen!

    4. Bei Verschlechterung sofortiger Abstieg!

    5. Hhenkranke niemals alleine lassen!

    Tabelle 2

    Das gehrt in die Reiseapotheke gegen HhenkrankheitWirkstoff Dosierung

    Nifedipin sofort, dann alle sechs Stunden 20 mg retard

    Dexamethason 8 mg, dann alle sechs Stunden 4 mg oral

    Acetazolamid (auch Prven-tion)

    1 x 125 mg/d bis 2 x 500 mg/d

    heiten ist eigentlich simpel: Gengend trinken, langsam aufsteigen und gen-gend Zeit lassen zur Anpassung. Bei einem 14-Tage-Trip in den Himalaya wird das aber kaum gelingen. Zur medi-kamentsen Prvention wird Acetazola-mid (250 mg zwei- bis dreimal tglich) eingesetzt. Der Carboanhydrasehemmer bewirkt eine dauernde Hyperventilation durch die metabolische Acidose und fhrt so zu einer besseren Oxygenie-rung. Oft wird auch Dexamethason (dreimal 24 mg/Tag) genannt, wobei Fischer das Steroid aber wegen der Ne-benwirkungen eher zur Therapie als zur Prophylaxe empfiehlt.

    Hhenkrank was nun?Zeigen sich erste leichte Symptome ei-ner Bergkrankheit, sollten Reisende mindestens einen Ruhetag auf gleicher Hhe einlegen oder 500 m absteigen. Die Symptome knnen dabei mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) behandelt werden. Bei schwereren Symptomen heit es: Ab-steigen bis zum letzten Lagerplatz, Sau-erstoffgabe oder hyperbare Kammer, symptomatische Therapie mit NSAR und Acetazolamid 250 mg dreimal tg-lich oder Dexamethason (48 mg bis zu dreimal tglich).

    Ein Hhenhirndem zeigt sich hu-fig durch Ataxien (auf Linie gehen, Fin-ger-Nase-Versuch). Auch hier ist der ra-

    Hhenkrankheit

    Zu schnell zu hochEine Hhenkrankheit wre durch ein langsames Aufsteigen in die Hhe mit gengend Zeit zur Anpassung zu ver-meiden. Doch bei immer krzeren Reisezeiten wird das gerne ignoriert.

    sche passive Abstieg wichtig, dazu mglichst eine Sauerstoffgabe, auf jeden Fall Dexamethason, und, falls vorhan-den, die Lagerung in einer hyperbaren Klammer. Die meisten Expeditionen haben heute so etwas dabei, sagt Fi-scher.

    Auch beim Hhenlungendem sollte ein schneller Abstieg um 1000 m und Sauerstoffgabe erfolgen, gegebenenfalls Lagerung im berdrucksack. Nifedipin reduziert zudem den pulmonal-arteriel-len Druck (sofort, dann alle sechs Stun-den 20 mg retard).

    Unterm Strich empfiehlt Fischer fr die Reiseapotheke im Hinblick auf die Hhenkrankheit genau drei Medika-mente Acetazolamid, Dexamethason und Nifedipin. Mehr brauchen Sie nicht. Friederike klein

    Quelle: Symposium Pneumologie fr Reisen-de. 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft fr Pneumologie und Beatmungsmedizin vom 29. Mrz bis 1. April 2012 in Nrnberg

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