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Zukunft der Artillerie - news.admin.ch · PDF fileMit intelligenter Munition können auch Einzelziele punktgenau bekämpft werden, was grund-sätzlich auch dazu beitragen kann, Kollateralschäden

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  • Der Bundesrat

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    20.01.2016

    Zukunft der Artillerie

    Bericht des Bundesrates in Erfllung des Postulates 11.3752

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    Zukunft der Artillerie

    Inhalt

    1 Einleitung ............................................................................................................. 3

    2 Wirkung der Artillerie........................................................................................... 3

    2.1 Artilleriefeuer in heutigen bewaffneten Konflikten ................................................... 3

    2.2 Humanitres Vlkerrecht und Verbot von Streumunition ........................................ 7

    3 Gesamtsystem der Artillerie................................................................................ 9

    3.1 Munition ................................................................................................................. 9

    3.2 Waffenplattformen ................................................................................................ 10

    3.3 Aufklrung, Beobachtung und Feuerleitung, Feuerfhrung .................................. 11

    3.4 Entwicklungstendenzen bei auslndischen Streitkrften ...................................... 12

    4 Optionen fr die Weiterentwicklung der Artillerie ........................................... 16

    4.1 Einsatz von indirektem Feuer in der Schweiz ....................................................... 16

    4.2 Rahmenbedingungen fr die Weiterentwicklung der Artillerie .............................. 18

    4.3 Angestrebtes Fhigkeitsprofil der Artillerie ab 2025 ............................................. 18

    4.4 Heute vorhandene Fhigkeiten und Mittel sowie Fhigkeitslcken ....................... 19

    4.5 Weiterentwicklung des Systems Artillerie ............................................................. 21

    4.5.1 Kurz- bis mittelfristige Weiterentwicklung (bis 2025) ............................................ 22

    4.5.2 Optionen fr die lngerfristige Weiterentwicklung der Artillerie (ab 2025) ............. 24

    5 Fazit .................................................................................................................... 26

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    1 Einleitung Am 4. Juli 2011 beauftragte der Stnderat den Bundesrat mit dem Postulat 11.3752, die Zu-kunft der Artillerie und des indirekten Feuers im Allgemeinen in einem Bericht darzulegen und dabei namentlich folgende Fragen zu prfen:

    Welche Munitionsentwicklungen bzw. -beschaffungen sind unter dem bereinkommen ber Streumunition mglich und finanzierbar, um die Wirkung der Artillerie aufrechtzuer-halten?

    Soll die heutige Artillerie durch przise Waffen hnlicher Reichweite ersetzt werden und welches wren die Auswirkungen hinsichtlich Waffenwirkung und Finanzbedarf?

    Mit welchem Bestand an Artillerie (Geschtze / Truppe) ist in Zukunft zu rechnen?

    In seiner Stellungnahme zum Postulat kndigte der Bundesrat an, diese Fragen in der Bot-schaft zur nderung der Rechtsgrundlagen fr die Weiterentwicklung der Armee zu beant-worten. Eine ausfhrlichere Behandlung der Thematik in dieser Botschaft erwies sich aber aus zwei Grnden als unzweckmssig. Erstens war es nach der Ablehnung des Gripen-Fonds-Gesetzes ntig, die gesamte Rstungsplanung auf die neue Ausgangslage hin auszu-richten, wie sie mit dem vorlufigen Verzicht auf die Beschaffung von Kampfflugzeugen ge-schaffen worden war. Verschiedene dringende Vorhaben werden vorgezogen, die Beschaf-fung neuer Kampfflugzeuge in die zwanziger Jahre verschoben. Diese Verschiebungen wirken sich auch auf eine allfllige Modernisierung der Artillerie aus. Zweitens erschien es dem Bundesrat geboten, das fr die Armee bedeutende Thema der indirekten Feuerunter-sttzung eingehender darzustellen, als dies im Rahmen der Botschaft zur Weiterentwicklung der Armee mglich gewesen wre. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die indirekte Feuerunter-sttzung sehr wesentlich mit der grundlegenden Frage zusammenhngt, wie die Verteidi-gung in dem fr die Schweiz typischen, weitgehend berbauten Gelnde gefhrt werden soll.

    Zur umfassenden Beantwortung der aufgeworfenen Fragen stellt der vorliegende Bericht zunchst in allgemeiner Form die Wirkungen und die Bedeutung des indirekten Feuers auf dem modernen Gefechtsfeld dar. Anschliessend wird das Gesamtsystem Artillerie dargelegt, welches diese Wirkungen erbringt. Illustrativ werden fr die Schweiz bedeutende Entwick-lungstendenzen auslndischer Streitkrfte beschrieben. Vor diesem Hintergrund wird die Weiterentwicklung der Artillerie der Schweizer Armee dargestellt: zuerst die massgebenden Rahmenbedingungen, dann die mgliche Weiterentwicklung in der zweiten Hlfte der zwan-ziger Jahre.

    2 Wirkung der Artillerie 2.1 Artilleriefeuer in heutigen bewaffneten Konflikten Artilleriefeuer ist ein Element des Gefechts der verbundenen Waffen, bei dem es darum geht, Feuer und Bewegung von eigenen Kampfverbnden so zu koordinieren, dass die Auf-klrungs-, Wirkungs- und Bewegungsmglichkeiten des Gegners minimiert werden und dadurch der eigene Auftrag gegenber dem Gegner durchgesetzt werden kann. Direkt schiessende Waffensysteme1 (wie z. B. Kampfpanzer, Panzerabwehrwaffen, Gewehre) wir-ken eng mit indirektem Feuer von Bogenschusswaffen (Mrser2, Artilleriegeschtze) und

    1 Bei direkt schiessenden Waffen besteht in der Regel direkter Sichtkontakt zwischen Schtze und

    Ziel. Die Zielbekmpfung erfolgt mit Geschossen mit flacher Flugbahn (z. B. Gewehre, Panzerka-nonen). Im Unterschied dazu sieht der Schtze das Ziel bei indirekt schiessenden Waffen (Haubit-zen, Mrser) nicht. Die Zielinformation erhlt er von einem vorgeschobenen Beobachter. Die Be-kmpfung des Ziels erfolgt im Bogenschuss.

    2 Fr Steilfeuergeschtze mit kurzem Rohr, die vorne geladen werden, wurde bis zum Zweiten Welt-krieg im gesamten deutschsprachigen Raum die Bezeichnung Minenwerfer verwendet. Diese Be-zeichnung hat sich bis heute nur in der Schweizer Armee erhalten, whrend bei der deutschen Bundeswehr beispielswiese heute ausschliesslich Wurfsysteme zum Auslegen von Minen (soge-nannte Fernverminung) als Minenwerfer gelten. Steilfeuergeschtze mit kurzem Rohr werden in-

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    Mitteln der Luftwaffe (Kampfhelikopter und Erdkampfflugzeuge) zusammen. Indirektes Feuer wird vor allem gegen Ziele eingesetzt, die sich aufgrund der Topographie oder der berbau-ung, aber auch wegen der Distanz und der Zeitverhltnisse nicht mit direkt schiessenden Waffen bekmpfen lassen.

    Abb. 1: Indirekte Feueruntersttzung auf unterschiedliche Distanzen

    Indirektes Feuer wurde in praktisch allen militrischen Konflikten seit 1990 eingesetzt und es gibt keine Anzeichen dafr, dass sich daran in absehbarer Zukunft etwas ndern wrde. Mit indirektem Feuer werden die eigenen Kampftruppen untersttzt, indem ein Gegner in seiner Bewegungsfreiheit eingeschrnkt und damit in seiner Kampfttigkeit behindert wird. Artillerie-feuer leistet auch einen wesentlichen Beitrag bei Sperren, Hindernissen und im Flanken-schutz. Fehlen die Mittel zur indirekten Feueruntersttzung, ist die eigene Handlungsfreiheit in der Gefechtsfhrung massiv beeintrchtigt. Neben ihrer Funktion als Untersttzungswaffe vermag eine moderne Artillerie bis zu einem gewissen Grad auch einen reduzierten Trup-penbestand wettzumachen, indem sie mit rasch verlegbarem Feuer in Rume wirken kann, in denen sich keine eigenen Truppen befinden. Dies ist nicht zuletzt mit Blick auf die stetige Verkleinerung der Bestnde der meisten Streitkrfte seit Ende des Kalten Krieges von be-sonderer Bedeutung.

    Indirektes Feuer mit Bogenschusswaffen wurde und wird nicht nur von militrisch organisier-ten, staatlichen Streitkrften eingesetzt, sondern auch von nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen, beispielsweise mittels ungelenkten Raketen, Mrsern oder einzelnen Artilleriege-schtzen. Anders als staatliche Streitkrfte sind aber bewaffnete nichtstaatliche Gruppen in der Regel nicht in der Lage, grssere zusammenhngende militrische Aktionen durchzufh-ren und das Feuer von Bogenschusswaffen im Sinne eines Gefechts der verbundenen Waf-fen in einen Gesamtverbund zu integrieren. Indirektes Feuer wird von solchen Gruppierun-gen nicht nur gegen gegnerische Krfte, sondern hufig auch vlkerrechtswidrig gegen die Zivilbevlkerung eingesetzt. Allerdings sind heute auch viele nichtstaatliche Akteure mit mo-derner Elektronik zur Feuerfhrung ausgerstet, so dass sie Bogenschusswaffen ebenfalls gezielt und koordiniert einsetzen knnen.

    Bei staatlichen Streitkrften haben sich die Anforderungen an die indirekte Feuerunterstt-zung in den vergangenen Jahren wesentlich weiterentwickelt, dies im Zuge des allgemeinen technischen Fortschritts und in der Art, wie und in welchem Umfeld militrische Konflikte ausgetragen werden. Je nach Distanz, Verfgbarkeit der eigenen Mittel, Zielbeschaffenheit und angestrebter Wirkung werden dabei unterschiedliche Waffensysteme eingesetzt.

    ternational Mrser (engl. mortar) genannt. Mit der geplanten Beschaffung eines Mrsersystems im Rstungsprogramm 2016 soll die international bliche Bezeichnung auch in der Schweizer Armee eingefhrt werden.

    10km 20km 30km 40km 50km

    kurze Distanz

    mittlere Distanzgrosse Distanz

    Luftnah-untersttzung

    Abriegelung aus der Luft

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    Indirekte Feueruntersttzung auf kurze Distanz

    Kampfverbnde der taktischen Stufe (Bataillone) bekmpfen innerhalb ihres Einsatzraumes Ziele auf kurze Distanz (bis 10 Kilometer) mit Mrsersystemen. Aufgrund der steilen Flug-bahn eignen sich diese besonders gut fr den Einsatz in berbautem Gelnde. Sie erlauben es

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