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Was machen Sie als Geschäfts-führer des Bankenverbandes?

Meine Aufgabe ist zum einendie Information über wichtigeVeränderungen, etwa aus derPolitik, für unsere 66 Mitglieds-institute in NRW. Und natürlichdie Vertretung unserer Interes-sen gegenüber der Landespoli-tik. Zuletzt etwa, als eine neueRichtlinie aufkam, die dazu ge-führt hätte, dass Banken im Ext-remfall älteren Kunden ab 60keine Immobilienkredite mehrhätten geben können.

Das kann doch auch im Sinne derBanken sein?

Nein. Banken wollen ja Kre-dite vergeben und das Risikokönnen Banken auch selbst be-werten. Zumal dann im konkre-ten Fall ja eine Immobilie als Si-cherheit da wäre. Und natürlichdürfen auch junge Familiennicht diskriminiert werden, wovielleicht der Job noch nicht sosicher ist. Das sind Momente,wo Verbände wie meiner gefor-dert sind, um zu erklären, erklä-ren, erklären.

Was ist noch ein Thema?Etwa die Pläne, das Bargeld

ganz abzuschaffen. Auch da ha-ben wir uns öffentlich positio-niert. Denn: Die Deutschenhängen am Bargeld. Das wärepraxisfern gewesen.

Trotzdem kommt Bargeld im-mer mehr aus der Mode?

Der Anteil bargeldloser Bank-geschäfte steigt stetig an, dasstimmt. Aber das Tempo be-stimmen die Kunden: Bargeldbedeutet eben auch ein StückFreiheit. Man möchte auch maletwas einfach so ohne Karte be-zahlen, zum Beispiel ein Trink-geld geben, und behält leichterden Überblick.

Führt die Digitalisierung zu we-niger Banken und weniger Ar-beitsplätzen dort?

Noch gibt es genauso vieleBank- wie Bäckereifilialen. ImZuge der Digitalisierung wirdsich das ändern. Gute Bankerwerden aber weiter gebraucht,zum Beispiel solche, die auchApps für Banken entwickeln

können, oder Berater: Das per-sönliche Gespräch mit demBanker des Vertrauens wird esimmer geben.

Wollen denn junge Leute nochBanker werden?

Das Ansehen hat etwas gelit-ten. Aber es gibt noch genugjunge Leute, die wissen, dassdas ein interessanter Job ist, obman gerade bei den großenBanken die Welt sehen möchte,oder in seiner Region nah amKunden ist. Und alles wird digi-taler. Das zieht Talente an.

Wodurch hat das Ansehen gelit-ten?

Wir müssen uns schon an dieeigene Nase fassen. Es gab Zei-ten, in denen Kontrollsystemeder Banken nicht richtig funk-tionierten. Da haben wir Ban-ken Fehler gemacht und an ei-nigen Stellen falsch gehandelt.Wir haben viel Vertrauen verlo-ren, das wir jetzt aber wiederzurückgewinnen. Wir arbeitenhart daran.

Apropos Gewinnen. Auf demSparbuch gibt es ja derzeitnichts. Wie soll man denn anle-gen?

Das Sparbuch ist typischdeutsch, macht aber derzeitwenig Spaß. Gucken Sie sichaber doch mal die Börse an. SeitBestehen des Dax in den 80erJahren hat der eine jährlichePerformance von 8 Prozent.

Aber das Risiko…Klar ist: Je mehr Rendite man

will, umso höher das Risiko.Aber vielleicht nimmt mandann ein Dax-Zertifikat. Dasind Aktien aller 30 Dax-Unter-nehmen drin, also eine gute Mi-schung. Manchmal brauchtman einen langen Atem. Aufdie bisherige Entwicklung gese-hen ist die Wahrscheinlichkeitauf langfristige Gewinne hoch.Die Deutschen informierensich detailliert über Autos, ver-gleichen beim Handykauf alleTarife. Aber bei Krediten undGeldanlagen wird sich zu weniginformiert oder Konditionenverglichen.

Brauchen wir also ein SchulfachFinanzen?

So etwas soll ja kommen. Wirbegrüßen es ausdrücklich, dassdie neue Landesregierung dasab 2020 einführen will. Schul-kindern Grundkenntnisse derWirtschaft beizubringen, lohntsich. Baden-Württemberg hatdas schon. Und Sie wissen, wiegut dieses Bundesland dasteht.

In Düsseldorf kennt man Sie nurmit Fliege. Können Sie keineKrawatten binden?

Ich besitze keine einzige Kra-watte. Aber 46 Fliegen. Das istinzwischen sogar mein Mar-kenzeichen. Man spart übri-gens auch Geld, weil es viel teu-rer ist, bekleckerte Krawattenreinigen zu lassen als Hemden.Es gibt da auch eine Geschichte

Düsseldorf – Anzug, Fliege, schlauer Kopf, guter Netzwerker.Steffen Porner (54) ist Geschäftsführer des Bankenver-bandes NRW: Von der Kö aus spricht der gelernte Bör-senhändler und frühere Theatermann für die 66 privatenGeschäftsbanken des Landes. „Düsseldorf ist einer derwichtigsten Finanzplätze des Landes. Die Region NRWist wirtschaftlich top und wir Banken helfen dabei.“ Waser noch macht, was er zur Krise der Banken sagt und wiesoman ihn nur mit Fliege kennt.

zu meiner Fliegen-Vorliebe.

Dann erzählen Sie mal...Ich war in den 80er Jahren als

junger Mann beim Mannhei-mer Maimarkt für die PR zu-ständig. Zur Eröffnung kam derdamalige Bundesforschungs-minister Heinz Riesenhuber.Der Abend war sehr lang undsehr fröhlich und zum Schlussmeinte Riesenhuber, ich sollejetzt mal „was Anständiges“ an-ziehen und band mir seine Flie-ge um. Meiner Frau gefiel die,den Kollegen auch. Ich bin da-bei geblieben.

Wofür haben Sie zuerst gespart?Für meine Modellbahn, eine

Fleischmann HO. Ich muss so12 Jahre alt gewesen sein. Ichbesitze heute noch eine Lokund einige Waggons von da-mals, die fahren sogar noch.Das war übrigens ein gutes In-vestment, weil inzwischen mei-ne Kinder mitspielen.

NACHRICHTEN Montag, 17. Juli 2017

Steffen Pörner ist gebürtigerMannheimer, kam über Wiennach Düsseldorf. Zunächstmachte er hier die Presse-arbeit fürs Capitol, wech-selte dann in die Öffentlich-keitsarbeit der DüsseldorferBörse. Dort wurde er dannBörsenhändler („Ich wollteja wissen, worüber ich spre-che“). Viele Jahre leitete erdie Kommunikation vonHSBC Trinkaus, ist jetzt seitgut einem Jahr Geschäfts-führer des Bankenverban-des NRW. Pörner lebt mitFrau (Bankerin) und zweiTeenie-Töchtern in einemVorort.

Pörner: Aus Mannheim überWien an den Rhein

HeutemitSteffenPörner,GeschäftsführerdesBankenverbandesNordrhein-WestfalenmitStammsitzKönigsallee

Das Düsseldorf-GesprächDas Düsseldorf-Gespräch

WarumWarumich nurich nurFliegenFliegentragetrage

In seinem Büro, vor Fotosder alten DüsseldorferBörse: Steffen Pörner

Fotos: Lammert

Gute Laune beim Interview: Steffen Pörner und EXPRESS-Re-daktionsleiter Jörg Philippi-Gerle

VON JÖRG [email protected]

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