Alois Gl¼ck / Holger Magel (Hrsg.) - hss.de .Alois Gl¼ck / Holger Magel (Hrsg.) Zukunftsf¤hig

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  • Alois Glck / Holger Magel (Hrsg.)

    Zukunftsfhig bleiben!Welche Werte sind hierfrunverzichtbar?

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  • Impressum ISBN 978-3-88795-383-6 Herausgeber Copyright 2010, Hanns-Seidel-Stiftung e.V., Mnchen Lazarettstrae 33, 80636 Mnchen, Tel. 089/1258-0 E-Mail: info@hss.de, Online: www.hss.de Vorsitzender Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair, Staatsminister a.D., Senator E.h. Hauptgeschftsfhrer Dr. Peter Witterauf Leiter der Akademie fr Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser Politik und Zeitgeschehen Leiter PR/Publikationen Hubertus Klingsbgl Redaktion Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser (Chefredakteur, V.i.S.d.P.) Barbara Frbeth M.A. (Redaktionsleiterin) Susanne Berke, Dipl. Bibl. (Redakteurin) Claudia Magg-Frank, Dipl. sc. pol. (Redakteurin) Marion Steib (Redaktionsassistentin) Druck Hanns-Seidel-Stiftung e.V., Hausdruckerei, Mnchen Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfltigung, Verbreitung sowie bersetzung, vorbehalten. Kein Teil dieses Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfltigt oder verbreitet werden. Das Copyright fr diese Publikation liegt bei der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. Namentlich gekennzeichnete redaktionelle Beitrge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder.

  • Inhaltsverzeichnis Silke Franke Zukunftsfhig bleiben! Ein Auftrag der nachhaltigen Entwicklung ........................................ 5 Holger Magel Neue Werte Mode oder berlebensthema? ........................................................................... 11 Zukunftsfhig bleiben! Welche Werte sind hierfr unverzichtbar? ......................................... 15 Martin Grambow Antworten aus Sicht einer internationalen Expertengruppe ..................................................... 17 Alois Heienhuber Antworten aus Sicht eines konomen ...................................................................................... 27 Wilhelm Vossenkuhl Antworten aus Sicht eines Philosophen .................................................................................... 37 Alois Glck Antworten aus Sicht eines Politikers ........................................................................................ 41 Holger Magel Freiheit, das Notwendige zu tun ................................................................................................ 47 Autorenverzeichnis .................................................................................................................... 51

  • Zukunftsfhig bleiben! Ein Auftrag der nachhaltigen Entwicklung

    Silke Franke Zukunftsfhig bleiben! Welche Werte sind hierfr unverzichtbar? Das Thema der vorliegen-den Ausgabe basiert auf einem Sommerkolloquium 2010, das bereits zum zweiten Mal in einer gemeinsamen Kooperation der Hanns-Seidel-Stiftung und der Bayerischen Akademie Lndli-cher Raum zum Thema Werte veranstaltet wurde.1 Die Frage nach dem Kompass, der uns in die Zukunft weist, ist gerade fr die politische Bildungsarbeit eine zentrale Aufgabe. In Zeiten des Wandels brauchen die Menschen mehr denn je Orientierung und eine Rckbindung an die normativen Grundlagen und verbindenden Werte unseres Gemeinwesens. Angesichts der viel-schichtigen Herausforderungen, die die Wirtschafts- und Sozialsysteme genauso betreffen wie die Umwelt- und Natursysteme, ist eine multiperspektivische Beleuchtung erforderlich, die die unterschiedlichen Denk- und Arbeitsweisen etwa der Naturwissenschaftler, konomen, kolo-gen, Politologen und Philosophen einbezieht. So entstehen neue Modelle, die nicht nur die Wirtschaftsleistung als Leitindikator setzen, sondern verstrkt auch das Wohlbefinden des Menschen und die Leistungen der Umwelt einbeziehen. 1. Die gegenwrtigen Krisen fordern

    unsere Zukunftsfhigkeit heraus Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hat nicht nur Aktienkurse, sondern auch ganze Banken und Staaten ins Trudeln ge-bracht. Als im Mrz 2010 der islndische Vulkan Eyjafjallajkull ausbrach, haben die Aschewolken zeitweise den Flugverkehr und damit wichtige Teile der Wirtschaftsstrme lahmgelegt. Noch viel verheerender waren die groflchigen Wald- und Torfbrnde in Russland und die berschwemmungen in Pakistan im August 2010. Die Naturkata-strophen haben schwere Schden angerichtet, zahlreiche Menschen starben oder verloren ihr Heim. Der Unfall auf der lbohrinsel Deepwater Horizon hat im April 2010 zu einer traurigen Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko gefhrt. Nach dem Chemie-unglck einer Aluminiumfabrik im Oktober 2010 vergiftete eine Lawine aus schwerme-tallhaltigem Schlamm einen ganzen Land-strich in Westungarn. Dies sind Ereignisse, die uns nicht nur die Vulnerabilitt und wechselseitige Beeinflussung der Wirtschafts-

    und Natursysteme vor Augen fhren. Kata-strophen zerstren viele aufgebaute kono-mische Werte. Menschen verlieren ihr Hab und Gut. Sie sind zugleich die Nagelprobe fr unsere menschlichen Werte wie Empa-thie, Hilfsbereitschaft und Solidaritt. Die Folgen des Klimawandels sind nicht so dramatisch und pltzlich sicht- und sprbar wie ein Vulkanausbruch oder ein lteppich. Dennoch zwingt er uns, ber unseren gegen-wrtigen Energie- und Rohstoffverbrauch nachzudenken, wenn wir zukunftsfhig blei-ben wollen. Das Ziel ist, weniger Treibhaus-gase zu emittieren und sorgsamer mit den Ressourcen umzugehen. Wie ist dies in einer Zeit zu schaffen, in der die Weltbevlkerung wchst und mit ihr der Hunger nach mehr? Mssen wir Industrielnder uns als reife, schrumpfende Gesellschaften im Gegen-zug begrenzen? Mssen wir lernen, mit we-niger Konsum zufriedener und glcklicher zu sein? Der Klimawandel ist ein ungerech-tes Phnomen: Wir reichen Lnder sind fr den grten Teil der bisherigen Emissionen verantwortlich. Die Entwicklungslnder, die

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    unserem kohlenwasserstoffintensiven Ent-wicklungsmodell folgen, werden in Zukunft fr den grten Teil der Emissionen verant-wortlich sein und sie werden zugleich am schnellsten und hrtesten vom Klimawandel betroffen sein.2 2. Neue Werteorientierung:

    Glck statt Wachstum? Dies sind berlegungen, die wir nicht gerne anstellen. Wir sind eine wohlhabende Ge-sellschaft mit sozialer Sicherheit und haben Angst, dieses Niveau wieder zu verlieren. Auch wir sind auf eine gesunde Wirtschaft angewiesen, etwa um unsere Staatsverschul-dung abzubauen, die Sozialsysteme aufrecht-zuerhalten und durch Innovationen weiter-hin im globalisierten Markt bestehen zu kn-nen. Wirtschaftliches Wachstum und Selbst-verwirklichung sind nicht per se schlecht. Sie sind durchaus entscheidende Gren fr unser Wohlbefinden, wie Ulrich van Suntum, geschftsfhrender Direktor des Centrum fr angewandte Wirtschaftsforschung der Universitt Mnster, herausgefunden hat.3 Aber bei einer zu starken Fokussierung dar-auf gert leicht aus dem Blick, dass darunter die Umwelt und die sozialen Beziehungen leiden knnen. Zu Recht stellt daher Alois Glck mit sei-nem Buch Warum wir uns ndern mssen. Wege zu einer zukunftsfhigen Kultur die Frage: Was passiert, wenn Wirtschaftswachs-tum oberste Prioritt eingerumt wird und welche Folgen hat das fr die Gesellschaft?4 Dieses Buch wurde im Februar 2010 im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stif-tung ffentlich vorgestellt. Die Resonanz war auerordentlich. Dies zeigt, dass es nicht nur Menschen gibt, die mit Gleichmut, Zynismus oder Resignation auf die Zukunfts-herausforderungen reagieren, sondern aktiv nach einer gemeinsamen Neuorientierung suchen, nach Leitplanken, die uns zukunfts-fhig machen.

    Glcklichsein, Wohlbefinden und Lebens-qualitt haben Konjunktur, knnte man an-gesichts der zahlreichen Modelle sagen, die derzeit zumindest als Ergnzung zu Wachs-tum und Bruttoinlandsprodukt diskutiert wer-den, beispielsweise mit Australiens Unity Wellbeing Index, Bhutans Gross National Happiness, Kanadas Index of Wellbeing oder dem an der niederlndischen Erasmus-Universitt Rotterdam erarbeiteten World Database of Happiness. Frankreichs Prsident Nicolas Sarkozy hat gleich eine Commission on the Measure-ment of Economic Performance and Social Progress eingerichtet, die von Joseph E. Stiglitz, Amartya Sen und Jean-Paul Fitoussi geleitet wurde. Ihren Abschlussbericht hat die Stiglitz-Kommission im September 2009 vorgelegt.5 Es sei Zeit, nicht mehr allein die Wirtschaftsleistung zu erfassen, sondern auch das Wohlbefinden der Menschen, wo-bei Letzteres in einen Zusammenhang mit Nachhaltigkeit zu setzen sei, so die Kern-botschaft der Autoren. Zu den Dimensionen des Wohlbefindens zhlt die Kommission neben den materiellen Lebensstandards (Einkommen, Konsum, Vermgen) auch Gesundheit, Bildung, persnliche Ttigkeiten einschlielich Arbeit, politische Stimme und Governance, soziale Verbindungen und Beziehungen, die Umwelt und Sicherheit. In Deutschland haben die Sozialwissenschaft-ler Roland Zieschank und Hans Diefenbacher im Auftrag der Bundesregierung das Kon-zept eines Nationalen Wohlfahrtsindex6 erarbeitet, das Variablen wie ehrenamtliche Arbeit und Hausarbeit oder Schden durch Umweltbeeintrchtigung zu integrieren ver-sucht. Auch die TEEB-Studie (The Economics of Ecosystems and Biodiversity),7 die 2007 vom deutschen Umweltministerium und der EU-Kommission initiiert wurde und durch das UN-Umweltprogramm geleitet wird, will den konomischen Kompass neu ausrichten. Grundgedanke ist, den Wert des Naturkapi-tals fr die globale konomie aufzuzeigen

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    und zu verdeutlichen, dass der Verlust von Biodiversitt und von kosystemdienstleis-tungen zunehmende Kosten verursacht. Ziel ist, dass Politik, Unternehmen und Brger neben dem Eigenwert der Natur auch den konomischen Wert von Natur erkennen und in ihren Entscheidungen strker bercksich-tigen. 3. Zukunftsfhig:

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