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Pressekonferenz: "TK-Gesundheitsreport 2014" (17. Juni 2014)

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Deutschland hat immer noch "Rücken". Obwohl in den Betrieben immer mehr Abläufe automatisiert werden und immer mehr Menschen an Schreibtischen arbeiten, geht jeder zehnte Krankschreibungstag in Deutschland auf den Rücken. Statistisch gesehen, war jede TK-versicherte Erwerbsperson - dazu gehören sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld 1 - in 2013 1,4 Tage wegen Rückenbeschwerden arbeitsunfähig. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung ergeben sich 40 Millionen Fehltage bundesweit. Die hohen Fehlzeiten resultieren nicht nur aus der Falldauer, sondern auch aus der großen Zahl der Betroffenen: Statistisch gesehen war jede zwölfte Erwerbsperson 2013 wegen "Rücken" arbeitsunfähig. Eine Krankschreibung aufgrund von Rückenbeschwerden dauert im Schnitt 17,5 Tage und damit fünf Tage länger als eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit. Der TK-Gesundheitsreport analysiert jährlich die Krankschreibungen und Arzneimitteldaten der 4,1 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Der Gesundheitsreport 2014 wurde am 17. Juni 2014 anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt. Dieses Dokument kann für redaktionelle Zwecke und mit dem Hinweis "Quelle: Techniker Krankenkasse" honorarfrei verwendet werden. Eine Nutzung zu Werbezwecken ist ausgeschlossen.

Text of Pressekonferenz: "TK-Gesundheitsreport 2014" (17. Juni 2014)

  • 1. Gesundheitsreport Risiko Rcken 2014
  • 2. Gesundheitsreport 2014 Verffentlichungen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement der TK, Band 29 Herausgegeben von der Techniker Krankenkasse, Hamburg, Fax 040 - 69 09-22 58, Internet: www.tk.de, Bereich Kunde/Vertrieb, Fachreferat Gesundheitsmanagement, Autor: Dr. Thomas Grobe, AQUA Institut fr angewandte Qualittsfrderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH, Gttingen, Redaktion: Gudrun Ahlers, Gestaltung: fischerAppelt AG, Hamburg, Produktion: Nicole Klver, Druck: Schmid Druck+Medien, Kaisheim. Techniker Krankenkasse. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und sonstige Formen der Vervielfltigung auch auszugsweise nicht gestattet.
  • 3. Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse mit Daten und Fakten zu Arbeitsunfhigkeit und Arzneiverordnungen Schwerpunktthema: Risiko Rcken
  • 4. Inhalt Vorwort 7 Zusammenfassung 9 Schwerpunkt: Risiko Rcken ............................................................................ 14 Schwerpunkt: Risiko Rcken 19 Rckenbeschwerden als Ursache von Fehlzeiten ............................................ 20 Rckenbeschwerden Betroffene und Risikofaktoren...................................... 47 Erwerbspersonen in der TK 71 Erwerbspersonen nach Geschlecht und Alter ................................................... 71 Erwerbspersonen nach Bundeslndern ............................................................ 73 Arbeitsunfhigkeit 76 Arbeitsunfhigkeit insgesamt ............................................................................ 76 Interpretation von Stichtagsstatistiken .............................................................. 78 Arbeitsunfhigkeit nach Dauer .......................................................................... 82 Arbeitsunfhigkeit nach Alter und Geschlecht .................................................. 83 Arbeitsunfhigkeit nach Bundeslndern ........................................................... 85 Arbeitsunfhigkeit nach Diagnosen .................................................................. 87 Arbeitsunfhigkeit nach Berufen ..................................................................... 102 Arbeitsunfhigkeit nach Schul- und Ausbildungsabschluss ............................ 108 Arbeitsunflle bei Erwerbspersonen ............................................................... 111 Arzneimittelverordnungen 115 Arzneimittelverordnungen insgesamt ............................................................. 115 Arzneimittelverordnungen nach Alter und Geschlecht .................................... 117 Arzneimittelverordnungen nach Bundeslndern ............................................. 120 Arzneimittelverordnungen nach Arzneimittelgruppen ..................................... 123 Arzneimittelverordnungen nach Berufen ........................................................ 129 Arzneimittelverordnungen nach Ausbildungsstand ......................................... 132 Anhang 134 Tabellenanhang .............................................................................................. 134 Methodische Erluterungen ............................................................................ 166 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis ............................................................. 182
  • 5. Gesundheitsreport 20146
  • 6. Vorwort Die Fehlzeiten bei Deutschlands Beschftigten und ALG-I-Empfngern sind auch im Jahr 2013 weiter gestiegen. Anders als in Jahren zuvor, in denen viel disku- tiert wurde, ob die gute Konjunktur, die Verdichtung in der Arbeitswelt oder die mobile Kommunikation verantwortlich fr die Zunahme der Krankschreibungen sind, ist die Ursache diesmal offensichtlich: Eine Erkltungswelle Anfang des Jahres 2013 bescherte der Bundesrepublik den hchsten Krankenstand seit 14 Jahren. Whrend die Arbeitsunfhigkeit im Jahresverlauf bei durchschnittlich vier Prozent lag, fehlten Ende Februar 2013 auf dem Hhepunkt der Grippewelle 5,8 Prozent der Beschftigten in Deutschlands Betrieben. Die erkltungsbeding- ten Fehlzeiten lagen damit um fast ein Viertel hher als in 2012. Aber wir knnen auch zum ersten Mal in der Geschichte der TK-Gesundheits- berichterstattung vermelden, dass Krankschreibungen aufgrund psychischer Strungen nicht weiter zugenommen haben. Nachdem wir in den letzten zehn Jahren jhrliche Steigerungsraten von bis zu acht Prozent verzeichneten, stag- nieren die Fehlzeiten aufgrund von Depressionen, Angststrungen etc. mit durchschnittlich 2,5 Tagen je Erwerbsperson in 2013 auf Vorjahresniveau. Ebenfalls stagnierend - allerdings auch auf sehr hohem Niveau - sind Fehlzeiten aufgrund von Rckenbeschwerden. Sie sind verantwortlich fr etwa jeden zehn- ten Fehltag in Deutschland. Deshalb widmen wir den Rckenbeschwerden den diesjhrigen Themenschwerpunkt unseres Gesundheitsreports. Die Untersu- chung geht der Frage nach, welche Alters- und Berufsgruppen besonders betrof- fen sind und ob es regionale Unterschiede gibt. Neben der traditionellen Auswer- tung nach Bundeslndern, haben wir die Rckenbeschwerden bis in die Land- kreise und kreisfreien Stdte ausgewertet. So knnen wir erstmals einen Rckenatlas fr Deutschland vorlegen und der Frage nachgehen, warum die Menschen in Niedersachsen trotz insgesamt durchschnittlicher Fehlzeiten ber- durchschnittlich viel Rcken haben. Und warum es in Hamburg genau umge- kehrt ist. Diese Informationen helfen uns, unsere Versorgungsangebote wie zum Beispiel Zweitmeinung Rcken dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden. Der Report zeigt aber auch, dass nur jede 20. rckenbedingte Krankschreibung lnger als sechs Wochen dauert. Dennoch entfallen auf diese 4,6 Prozent der Flle fast die Hlfte aller Krankschreibungstage. Deshalb muss es auch darum gehen, die Versorgung der Patienten insgesamt zu verbessern, damit sie mg- lichst schnell wieder gesund werden. 7Gesundheitsreport 2014
  • 7. Das vor drei Jahren eingefhrte neue Meldeverfahren zur Sozialversicherung, das genauere Angaben zur beruflichen Ttigkeit erfordert, liefert uns Informatio- nen, welche Jobs besonders auf den Rcken gehen, so dass wir auch unsere Angebote zum betrieblichen Gesundheitsmanagement auf die Bedrfnisse der Beschftigten ausrichten knnen. Traditionell sind vor allem die Berufsgruppen betroffen, in denen die Beschftigten krperlich sehr gefordert oder einseitigen Belastungen ausgesetzt sind. Dass vor allem die Bau, Metall- und Holzberufe mit durchschnittlich drei rckenbedingten Fehltagen im Jahr am meisten "Rcken" haben, mag wenig verwundern. Es gibt aber auch Berufe bei denen vor allem der Mangel an Bewegung zu Rckenbeschwerden fhrt wie zum Beispiel die Berufskraftfahrer, die nicht nur zu den Berufen mit den hchsten Fehlzeiten insgesamt gehren, sie haben es auch berdurchschnittlich oft im Kreuz. Wichtig ist deshalb neben guter medi- zinischer Versorgung und zielgerichteten Prventionsangeboten dass wir Ver- sicherte zu einem gesnderen Lebensstil motivieren. Die aktuelle TK-Bewegungsstudie zeigt, dass sich mehr als zwei Drittel der Er- wachsenen in Deutschland im Alltag maximal eine Stunde bewegen und darin sind bereits alle Fuwege enthalten. Das mchten wir ndern, indem wir zeigen, wie man mehr Bewegung in den Alltag bringt und wie bereits kleine Lebensstil- vernderungen den Rcken strken knnen. Hamburg, im Juni 2014 Dr. Jens Baas Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse Gesundheitsreport 20148
  • 8. Zusammenfassung Der jhrlich erscheinende Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) befasst sich in zwei Hauptabschnitten mit Arbeitsunfhigkeit sowie mit Arzneimit- telverordnungen. Betrachtet werden im Gesundheitsreport Daten zu Erwerbs- personen, zu denen neben den Berufsttigen auch Bezieher von Arbeitslosen- geld zhlen. Sowohl zu Arbeitsunfhigkeit als auch zu Arzneimittelverordnungen werden im aktuellen Report Daten ber einen Zeitraum von 14 Jahren von 2000 bis 2013 analysiert. Das diesjhrige Schwerpunktkapitel befasst sich mit dem Thema Rckenbeschwerden. Grundlage der Auswertung bilden routinemig erfasste und anonymisierte Da- ten zu aktuell 4,1 Millionen sozialversicherungspflichtig beschftigten oder ar- beitslos gemeldeten Mitgliedern der Techniker Krankenkasse. Von allen sozial- versicherungspflichtig Beschftigten in Deutschland waren 2013 nach einer Ge- genberstellung mit vorlufigen Angaben der Bundesagentur fr Arbeit circa 13,7 Prozent bei der TK versichert. Seit dem ersten Erscheinen werden im Gesundheitsreport der TK nahezu aus- schlielich geschlechts- und altersstandardisierte Ergebnisse prsentiert. Durch die Geschlechts- und Altersstandardisierung werden zum einen inhaltlich rele- vante Vergleiche von Ergebnissen aus unterschiedlichen Versichertengruppen erleichtert. Zum anderen werden bei Darstellungen zu unterschiedlichen Jahren Entwicklungen aufgezeigt, die unabhngig von demografischen Vernderungen beobachtet werden knnen (vgl. auch Erluterungen im Anhang ab Seite 172). Entsprechend den Empfehlungen der Ersatzkassen werden zur Standardisie- rung im Gesundheitsreport seit 2013 Angaben zur Geschlechts- und Altersstruk- tur von Erwerbsttigen in Deutschland aus dem Jahr 2010 genutzt. Dies gilt auch fr historische Ergebnisse aus zurckliegenden Jahren. Arbeitsunfhigkeit Krankenstnde und Arbeitsunfhigkeitsflle Im Jahr 2013 wurden bei TK-Mitgliedern insgesamt 4,68 Millionen Arbeitsunf- higkeitsflle und 61 Millionen Fehltage registriert. Die krankheitsbedingten Fehl- zeiten bei Erwerbspersonen sind damit im Jahr 2013 im Vergleich zu 2012 erneut gestiegen. Bezieht man die 2013 erfassten Arbeitsunfhigkeitstage auf die Versicherungszeiten der Erwerbspersonen, lsst sich nach geschlechts- und altersstandardisierten Auswertungen fr das Jahr 2013 bei TK-Mitgliedern ein Krankenstand von 4,02 Prozent berechnen. Im Vorjahr 2012 hatte er bei 3,88 Prozent gelegen. Der fr 2013 ermittelte Krankenstand von 4,02 Prozent entspricht einer durch- schnittlich gemeldeten erkrankungsbedingten Fehlzeit von 14,7 Tagen je Er- werbsperson. Die Fehlzeiten sind damit von 2012 auf 2013 altersbereinigt um 9Gesundheitsreport 2014
  • 9. 0,48 Tage, also etwa einen halben Tag je Person, gestiegen. Dies entspricht ei- nem relativen Anstieg der Fehlzeiten um 3,4 Prozent (vgl. Abbildung 19 auf Seite 77). Seit einem historischen Tiefstand im Jahr 2006 ist es bis 2013 damit zu ei- ner Zunahme der gemeldeten AU-Zeiten um 28,1 Prozent gekommen. Seit 2000, dem ersten Beobachtungsjahr zum Gesundheitsreport, wurden in keinem Jahr hhere Fehlzeiten erfasst. Die Zunahme der Fehlzeiten 2013 resultierte ausschlielich aus einer Zunahme der AU-Fallzahlen. 2013 wurden mit 1,15 AU-Fllen je Erwerbsperson 8,0 Prozent mehr AU-Flle als 2012 gemeldet. Demgegenber waren einzelne Erkrankungsflle 2013 mit 12,8 Tagen je Fall im Mittel um 4,3 Prozent krzer als im Vorjahr. Erwerbspersonen waren 2013 demnach also deutlich hufiger, fallbezogen zugleich jedoch etwas krzer als im Vorjahr krankgeschrieben. Arbeitsunfhigkeit regionale Unterschiede Ansteigende AU-Fallzahlen und -Fehlzeiten waren im Vergleich zum Vorjahr 2013 in allen Bundeslndern zu beobachten (vgl. Tabelle A8 auf Seite 138 im Anhang). Die Zuwchse im Hinblick auf die Fehlzeiten variieren zwischen 0,19 Tagen je Erwerbsperson in Hamburg und 0,87 Tagen in Mecklenburg- Vorpommern sowie Thringen (vgl. Abbildung 27 auf Seite 87 sowie Tabelle A10 auf Seite 140 im Anhang). Unverndert findet sich eine erhebliche Spannweite hinsichtlich der erkrankungsbedingten Fehlzeiten in den einzelnen Bundesln- dern (vgl. Abbildung 26 auf Seite 85). Whrend nach den Ergebnissen von ge- schlechts- und altersstandardisierten Auswertungen eine Erwerbsperson in Ba- den-Wrttemberg und Bayern im Jahr 2013 durchschnittlich lediglich 12,1 Tage beziehungsweise 12,5 Tage krankgeschrieben war, entfielen auf eine Erwerbs- person in Thringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg- Vorpommern innerhalb des Jahres 2013 durchschnittlich 16,7, 17,3, 18,1 be- ziehungsweise 18,4 gemeldete erkrankungsbedingte Fehltage. Arbeitsunfhigkeit Diagnosen und Trends Fr den Krankenstand verantwortlich sind, bei einer Betrachtung der Ergebnisse nach einer Zusammenfassung von Diagnosen in bergeordneten Erkrankungs- gruppen beziehungsweise Diagnosekapiteln, insbesondere psychische Strun- gen, Atemwegserkrankungen, Krankheiten des Bewegungsapparats sowie Ver- letzungen.1 1 Formal ist diese Gruppierung von Diagnosen durch die Internationale statistische Klassifikation von Krankheiten vorgegeben, die in Deutschland seit 2000 in ihrer 10. Revision zur Erfassung von Ar- beitsunfhigkeitsdiagnosen verwendet wird (ICD 10). Die aufgefhrten Erkrankungsgruppen entsprechen einzelnen Kapiteln der ICD 10. In Verffentli- chungen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement wird bei Diagnosen in einer Gruppierung nach Kapiteln der ICD 10 in Deutschland oft auch von Krankheitsarten gesprochen. Gesundheitsreport 201410
  • 10. Von Arbeitsunfhigkeit mit einer Zuordnung zu den ersten drei Erkrankungs- gruppen sind unter den Erwerbspersonen mit Versicherung in der TK Frauen strker betroffen. Arbeitsunfhigkeit mit einer Diagnose von Verletzungen betrifft demgegenber Mnner in grerem Umfang als Frauen (vgl. Abbildung 30 auf Seite 90). Fr den Anstieg der Fehlzeiten von 2012 auf 2013 mageblich verantwortlich war ein erheblicher Anstieg der Fehltage mit Atemwegserkrankungen um 24,3 Prozent beziehungsweise um durchschnittlich 0,47 Tage je Erwerbsperson und Jahr (vgl. Abbildung 31 auf Seite 91). Whrend es im Jahr 2012 nur zu einer schwach ausgeprgten Erkltungswelle zu Jahresbeginn gekommen war, wur- den Anfang 2013 deutlich mehr Fehltage unter der Diagnose von Erkltungs- krankheiten erfasst als in allen vorausgehenden Auswertungsjahren zum Ge- sundheitsreport seit dem Jahr 2000 (vgl. Abbildung 34 und Abbildung 35 ab Sei- te 95). Demgegenber wurden im zweiten Halbjahr 2013 weitgehend mit 2012 identische Krankenstnde erfasst. Da zu Beginn des Jahres 2014 eine ausge- prgte Grippe- und Erkltungswelle nach bisherigen Beobachtungen ausgeblie- ben ist, knnte es im laufenden Jahr 2014 erstmals seit 2006 wieder zu ei- nem Rckgang der Fehlzeiten kommen (vgl. Abbildung 36, Seite 97). Im Gegensatz zur Entwicklung in den Vorjahren sind Fehlzeiten unter der Dia...