Click here to load reader

100 Jahre Frankfurter Tennisclub 1914 Palmengarten e.V. ... 2 100 Jahre Frankfurter Tennisclub 1914 Palmengarten e.V. Die Tennisanlage im Frankfurter Palmengarten um die Jahrhundertwende

  • View
    2

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of 100 Jahre Frankfurter Tennisclub 1914 Palmengarten e.V. ... 2 100 Jahre Frankfurter Tennisclub 1914...

  • 100 Jahre Frankfurter Tennisclub 1914 Palmengarten e.V.

    eINe teNNIsgeschIchte

  • 2

    100 Jahre Frankfurter Tennisclub 1914 Palmengarten e.V.

    Die Tennisanlage im Frankfurter Palmengarten um die Jahrhundertwende inmitten von Bäumen, Wiesen und exotischen Pflanzen gehörte sicherlich zu den schönsten Sportstätten weit und breit.

  • 3

    eine TennisgeschichTe

    In turbulenten Zeiten gegründet, hat der FTC 1914 Palmengarten den Tennissport in

    Deutschland von den Anfängen an mitgestaltet und sich durch sportliche Leistungen

    hohes Ansehen erworben. Heute, nach 100 Jahren, bietet er seinen deutschen und

    internationalen Mitgliedern Leistungs- und Breitensport, gesellschaftliche Highlights

    und eine professionelle Jugendförderung.

    clubgeschichTe Chronik

  • 4

    Ernste Miene und Aufstellung in Reih und Glied: Damen- und Herrenmannschaft aus den Anfängen des FTC Palmengarten.

  • 5

    im Palmengarten wurden die ersten Deutschen Jugendmeisterschaften ins Leben gerufen. Das alles kam nicht von ungefähr: Denn von Beginn an

    begriffen die Mitglieder des Vereins das Spiel mit dem weißen Ball nicht nur als Partyspaß und Frei- zeitaktivität, sondern sie betrieben Tennis auch als Turnier- und Leistungssport.

    Der weIsse sport wIrD geboreN Das moderne Rasentennis hat seine Ursprünge in England. Auf der Insel wurde 1874 ein Set mit zwei Schlägern, Bällen und einem Netz patentiert, das auf jeder ausreichend großen Wiese gespielt werden konnte. Zunächst war das Spiel ein gro- ßer Partyspaß, wohl deshalb verbreitete es sich so rasch. 1884, also nur zehn Jahre später, war Tennis schon in Frankfurt angekommen. Die Stadt ließ für den neuen Sport, den man in weißer Kleidung betrieb, zwölf Mietplätze im Palmengarten anle- gen. Damals gehörte der Palmengarten mit 29 Hek- tar Grundfläche zu den größten botanischen Gärten Deutschlands – und die Tennisanlage inmitten von Bäumen, Wiesen und exotischen Pflanzen sicher- lich zu den schönsten Sportstätten weit und breit.

    1895 beschrieb August Siebert, der damalige Direktor des Palmengartens, die Tennisplätze so: Die innere, vertieft angelegte etwa 6.200 qm große, von der Rennbahn umschlossene Rasenfläche wird im Sommer zu Lawn-Tennis und Croquetspiel ver- wendet, im Winter zu einer künstlichen Eisbahn hergerichtet… Ein einfaches Gebäude enthält neben Erfrischungen noch Kasse, Garderoben und Toiletten. Im FTC 1914 Palmengarten wurde deutsche Ten- nisgeschichte geschrieben. Der Verein gehörte zu den Mitbegründern des Deutschen Tennisbundes,

    Im FTC 1914 Palmengarten wurde

    deutsche Tennisgeschichte geschrieben.

    Auszug aus dem FTC-Kassenbuch Juli 1914

    clubgeschichTe Chronik

  • 6

    VereINsgrüNDuNg am VorabeND Des ersteN weltkrIegs Am 6. Mai 1914 unterzeichneten die Herren Albert Stoffel, Behrens, Kittel, Grasshoff, Karl Möbus, Scharpf, Schütze und die Brüder Lohnert die Gründungsurkunde der „Frankfurter Lawn Ten- nis Gesellschaft“ – die nicht lange Zeit darauf in „Frankfurter Tennisclub 1914“ umbenannt wurde.

    Albert Stoffel wurde zum Vorsitzenden gewählt. Gespielt wurde jedoch gar nicht im Palmengarten, sondern im Sportpark Taunusblick an der Eschers- heimer Landstraße 219.

    Das Gründungsjahr des Vereins stand unter einem tragischen Stern. Kurz bevor das erste Clubturnier ausgetragen wurde, griffen die mitteleuropäischen

    Tennisbälle zu beschaffen, erwies sich nach dem Krieg als fast größte Herausforderung.

    Clubhaus Palmengarten, 1920

  • 7

    Und dies alles 1919, dem ersten Jahr nach dem verlustreichen Krieg – einem Jahr des Hungers und der Entbehrungen nicht nur in Deutschland. Die Mitglieder organisierten sogar ein Clubtur- nier – das zweite seit Bestehen des Vereins. Zum 21. November lud der „Vergnügungs-Ausschuss“ zu einem Ball in die „Loge Karl“ am Mozart- platz unweit der Oper ein; der Dresscode schrieb „Gesellschaftsanzug oder Cut-away“ vor.

    Tennisbälle zu beschaffen, erwies sich nach dem Krieg als fast größte Herausforderung. Aus Kel- lern und Speichern kramten die Mitglieder uralte Bälle hervor und pumpten sie nötigenfalls mit einer Sonde wieder auf. Dann wurden sie den Spielern überlassen – leihweise.

    Ein anderes Problem war die fortschreitende Inflation: Im Frühjahr 1923 stellte der Vorstand Nachforderungen an aktive und passive Mitglie- der in Höhe von je 38.000 bzw. 4.500 Mark, außerdem setzte er die Aufnahmegebühr am 9. Mai auf 10.000 Mark und schon am 6. Juni auf 20.000 Markt herauf. Und dies bei einem Kas- senbestand von rund 101 Milliarden Mark gegen Jahresende.

    Nationen zu den Waffen. Infolge der Kriegsereig- nisse dachte kaum jemand mehr ans Tennisspielen, zudem wurden die meisten der aktiven Herren zum Militärdienst einberufen. 1918 kamen alle sportli- chen Aktivitäten an der Eschersheimer Landstraße zum Erliegen. Die Zahl der Mitglieder sank von 100 auf 13. Nur einige Damen spielten noch Ten- nis; und zwar nun auf den Mietplätzen im Palmen- garten. Dieser Umstand führte später zur Übersie- delung des Vereins auf die Anlage im Herzen des Botanischen Gartens.

    „hat hIer JemaND teNNIsbälle?“ Gleich nach Kriegsende gelang es den Herren Karl Möbus und Oskar Lohnert, den FTC zu reaktivie- ren. Die erste Mitgliederversammlung nach dem Krieg fand am 6. April statt, acht Tage später erklärte das Präsidium die Tennissaison für eröff- net. Am 18. Mai feierte der Verein sein Stiftungs- fest im Palmengarten-Restaurant.

    Einladung zum FTC-Ball 1919

  • 8

    golDeNe 20er-Jahre 1920 kehrte der Frankfurter Tennisclub in den Pal- mengarten zurück. Zunächst durften die Mitglieder die Hälfte der 16 vorhandenen Plätze nutzen; die anderen acht Plätze waren weiterhin der Allge- meinheit zugänglich. 1924 übergab die Palmengar- ten-Gesellschaft die gesamte Anlage in die Hände des FTC. Nachdem der Verein vier Plätze in zwei Centrecourts umgestaltet hatte, konnte auf insge- samt 14 Tennisplätzen gespielt werden.

    Für den FTC waren diese Jahre die „Goldenen 20er“: Zwischen 1919 und 1924 stieg die Mitglie- derzahl auf insgesamt 124 Damen, Herren und Jugendliche an. Da viele starke Turnierspieler dem neuen Verein beitraten, nahm auch seine sportliche Bedeutung rasch zu. Das prächtige Clubhaus Villa Leonhardi, das 1806 errichtet und 1911 moderni- siert worden war, bot Raum für glanzvolle gesell- schaftliche Ereignisse. So entwickelte sich der FTC innerhalb weniger Jahre von einem lokalen Sportverein zu einem der renommiertesten deut- schen Tennisclubs.

    Otto Froitzheim und Ferdi Gosewich

  • 9

    erste sportlIche erfolge Ab 1921 veranstaltete der FTC ein „Allgemeines Palmengarten-Turnier“. Ihm folgten nationale und internationale Wettkämpfe, die den Verein selbst und den Palmengarten als Gartenanlage deutsch- landweit bekannt machten. Gottfried von Cramm, Otto Froitzheim, Oskar Kreuzer und der spätere HTV-Präsident Ferdi Gosewich zählten zu den

    damaligen Spitzenspielern des Clubs. Bei den Damen waren vor allem die Weihemann-Schwes- tern, Ilse Friedleben (14-malige Deutsche Meiste- rin), Toni Weihemann und Anna Hemp, aber auch Hanne Nüsslein überregional erfolgreich.

    Einen Namen machte sich der FTC in dieser Zeit auch als Ausrichter großer Jugendturniere.

    Nach dem Ersten Weltkrieg stiegt die Mitgliederzahl rasch an und der Verein gewann schnell an sportlicher und gesellschaftlicher Bedeutung. – FTC-Tennisspieler in den 1920er-Jahren.

    clubgeschichTe Chronik

  • 10

  • 11

    Die Geschichte der Deutschen Jugendmeister- schaften nahm 1924 hier ihren Anfang; sie gingen aus dem Palmengarten-Jugendturnier hervor.

    Ende der 20er-Jahre war der FTC 1914 zu einem festen Bestandteil des Palmengartens geworden. Unvergessen bleibt das Gastspiel der australischen Daviscup-Mannschaft 1929. Das Publikum sah ein hinreißendes Match des mehrfachen Wimbledon- Siegers Jack Crawford gegen Otto Froitzheim. Aber auch wenn gerade kein Spitzensport auf dem Pro- gramm stand, verfolgten die flanierenden Besucher des Palmengartens mit regem Interesse das Treiben des Tennisvölkchens in Weiß.

    weltwIrtschaftskrIse uND ZweIter weltkrIeg Diese Idylle wurde Ende der 20er-Jahre gestört. Mit der 1929 hereinbrechenden Weltwirtschaftskrise radikalisierte sich die politische Lage in Deutsch- land. Die bürgerlich-demokratischen Parteien zer- splitterten, die Arbeitslosigkeit stieg sprunghaft, und auch über dem zu einer großen Tennisfamilie zusammengewachsenen FTC zogen dunkle Schat- ten auf. Mit ihrer antisemitischen Ausrichtung bestimmte die NSDAP bald das gesamte politische,

    wirtschaftliche, kulturelle und sportliche Leben. Unter den Vereinsrundschreiben, die vormals „Mit sportlichen Grüßen“ schlossen, stand nun „Heil Hitler!“

    Auch der FTC konnte sich den Verhältnissen nicht entziehen. Viele jüdische Mitglieder mussten den Verein und das Land verlassen. Alle bisherigen Jugendverbände wurden aufgelöst und durch die Hitlerjugend ersetzt. Wie zwei Dekaden zuvor erhielten die meisten aktiven männlichen Spieler ihren Stellungsbefehl zum Militäreinsatz.

    Schon zu Beginn des Weltkrieges fanden sich nur noch vereinzelte Tennisspieler im Palmengarten. 1943 wurde zwar noch ein kleines Turnier aus- getragen, doch als das Bombardement Frankfurt erreichte, musste der Spielbetrieb eingestellt wer- den. Im Clubhaus wurde ein Lazarett unt

Search related