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29/01/2013 Mittelhochdeutsche Metrik – Wikipedia de.wikipedia.org/wiki/Mittelhochdeutsche_Metrik 1/5 Mittelhochdeutsche Metrik aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Die mediävistische Literaturwissenschaft rekonstruiert die Metrik, d. h. die Strukturprinzipien von Vers und Versmaß in der mittelhochdeutschen Versdichtung in frühmittelhochdeutschen und hochmittelalterlichen Texten. Inhaltsverzeichnis 1 Reimpaarvers 2 Allgemeines 3 Metrische Zeichen 4 Der Vers 4.1 Der Auftakt 4.2 Das Versinnere 4.3 Die Kadenz 5 Elision und Aphärese 6 Fugung 7 Siehe auch 8 Literatur 9 Weblinks Reimpaarvers Eine Grundgröße der Metrik mittelhochdeutscher Literatur stellt das Versmaß der weit verbreiteten Reimpaarverse dar, in denen die überwiegende Zahl der mittelalterlichen deutschen volkssprachigen Erzählliteratur abgefasst ist, z. B. Wolframs Parzival , Gottfrieds Tristan, die Artusromane Hartmanns Erec und Iwein, aber auch dessen Legendenerzählungen Gregorius und Der arme Heinrich. Allgemeines Die mittelhochdeutsche Metrik basiert auf der Annahme, dass im mittelhochdeutschen Reimpaar vier Hebungen und alternierendes Versmaß, also der regelmäßige Wechsel von Hebung und Senkung, angestrebt sind. Ein Vers besteht also aus vier Takten und ggf. einem einsilbigen oder auch mehrsilbigen Auftakt. Die Hebungen müssen so gesetzt werden, dass sie der natürlichen Betonung der Wörter nicht zuwiderlaufen, also keine „Tonbeugungen“ entstehen. Alle Silben, die auf einen Kurzvokal enden, sind metrisch kurz (hier ist eine Viertel oder Achtelnote möglich), Bsp.: le ben, vo gel, alle anderen Silben (Endung auf Langvokal, Diphthong, Konsonant) gelten als metrisch lang (hier ist eine halbe oder eine Viertelnote möglich): slâfen, lieben, sterben. Bei zweisilbigen Wörtern mit intervokalischem – ch (Bsp: lachen, sachen) gilt die erste Silbe nicht als kurz und offen, sondern als geschlossen und somit lang, da /ch/ im Mhd für die Doppelkonsonanz /hh/ steht.

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Mittelhochdeutsche Metrikaus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die mediävistische Literaturwissenschaft rekonstruiert die Metrik, d. h. die Strukturprinzipien von Vers undVersmaß in der mittelhochdeutschen Versdichtung in frühmittelhochdeutschen und hochmittelalterlichen Texten.

Inhaltsverzeichnis

1 Reimpaarvers2 Allgemeines3 Metrische Zeichen4 Der Vers

4.1 Der Auftakt4.2 Das Versinnere4.3 Die Kadenz

5 Elision und Aphärese6 Fugung7 Siehe auch8 Literatur9 Weblinks

Reimpaarvers

Eine Grundgröße der Metrik mittelhochdeutscher Literatur stellt das Versmaß der weit verbreiteten Reimpaarversedar, in denen die überwiegende Zahl der mittelalterlichen deutschen volkssprachigen Erzählliteratur abgefasst ist, z.B. Wolframs Parzival, Gottfrieds Tristan, die Artusromane Hartmanns Erec und Iwein, aber auch dessenLegendenerzählungen Gregorius und Der arme Heinrich.

Allgemeines

Die mittelhochdeutsche Metrik basiert auf der Annahme, dass im mittelhochdeutschen Reimpaar vier Hebungen undalternierendes Versmaß, also der regelmäßige Wechsel von Hebung und Senkung, angestrebt sind. Ein Vers bestehtalso aus vier Takten und ggf. einem einsilbigen oder auch mehrsilbigen Auftakt. Die Hebungen müssen so gesetztwerden, dass sie der natürlichen Betonung der Wörter nicht zuwiderlaufen, also keine „Tonbeugungen“ entstehen.Alle Silben, die auf einen Kurzvokal enden, sind metrisch kurz (hier ist eine Viertel­ oder Achtelnote möglich), Bsp.:le­ ben, vo­ gel, alle anderen Silben (Endung auf Langvokal, Diphthong, Konsonant) gelten als metrisch lang (hier isteine halbe oder eine Viertelnote möglich): slâ­fen, lie­ben, ster­ben. Bei zweisilbigen Wörtern mit intervokalischem –ch­ (Bsp: lachen, sachen) gilt die erste Silbe nicht als kurz und offen, sondern als geschlossen und somit lang, da /ch/im Mhd für die Doppelkonsonanz /hh/ steht.

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Metrische Zeichen

Um die metrische Analyse darstellen zu können, wird ein Grundinventar an metrischen Zeichen benötigt.

X Mora (Einheit) (entspricht einer Viertelnote in der Musik)– Doppelmora (entspricht einer halben Note in der Musik)ᴗ halbe Mora (entspricht einer Achtelnote in der Musik)^ Viertelpause´ Haupthebung` Nebenhebung| Taktstrich|| Versende

Der Vers

Ein Vers gliedert sich in drei Teile: Auftakt, Versinneres und Kadenz.

Der Auftakt

Als Auftakt bezeichnet man alle Silben vor der ersten Hebung eines Verses, er steht also vor dem ersten Taktstrichund kann ein­ oder mehrsilbig sein. Ein Vers kann, muss aber nicht mit einem Auftakt beginnen.

Das Versinnere

Mit der ersten Hebung beginnt das Versinnere, welches in Takte untergliedert wird. Jeder Takt beginnt mit einerHebung, wobei die Silben in einem Takt zusammen niemals den Wert einer halben Note überschreiten dürfen. Vorder ersten Hebung wird ein Taktstrich gesetzt, der Versschluss wird stets durch zwei aufeinander folgendeLängsstriche || markiert. Es gibt drei Arten der Taktfüllung. Bei der zweisilbigen Taktfüllung wird der Takt durch eineHebung und eine Senkung aufgefüllt. Liegt eine einsilbige Taktfüllung vor, spricht man von einer beschwertenHebung. Diese ist aber nur bei langen Silben möglich und tritt häufig bei Sinn tragenden Wörtern auf, um diesebesonders hervorzuheben. Bei einem mehrsilbigen Wort wird die darauf folgende Silbe, sofern sie noch zu diesemWort gehört nach einer beschwerten Hebung mit einer Nebenhebung versehen. Gehört die darauf folgende Silbenicht mehr zum selben Wort, so wird sie mit einer Haupthebung versehen. Dann spricht man von einemHebungsprall. Eine weitere Möglichkeit ist die der dreisilbige Taktfüllung, bei der es wiederum zwei Untergruppengibt. Ist die erste betonte Silbe kurz, so wird die Hebung gespalten |´ᴗ ᴗ x|, ist die erste betonte Silbe jedoch lang,so kommt es zu einer Senkungsspaltung |´x ᴗ ᴗ|. Bevor man jedoch eine Hebung oder Senkung spaltet, sollte manüberprüfen, ob nicht eine Silbenreduktion mithilfe von Aphärese oder Elision erreicht werden kann.

Die Kadenz

Als Kadenz wird die Gegend nach der letzten Haupthebung bezeichnet, der sog. Versschluss. Beim Paarreimmüssen die Kadenzen gleich sein. Eine Kadenz wird als „voll“ bezeichnet, wenn sie sich nur über den letzten Takterstreckt. Eine Kadenz, die sich über die letzten beiden Takte erstreckt, wird als „klingend“ bezeichnet. Bei derstumpfen Kadenz wird der letzte Takt des Schemas sprachlich nicht realisiert (= vollständig pausiert). Eine Kadenzwird als „männlich“ bezeichnet, wenn sie pausiert ist. Ist sie unpausiert, spricht man von einer „weiblichen“ Kadenz.Für die metrische Analyse der Literatur der mhd. Blütezeit genügen i.d.R. sechs Kadenzen. Es ist durchaus sinnvoll,bei der Analyse von Reimpaaren mit der Festlegung der Kadenzen zu beginnen, da danach ersichtlich ist, wie viele

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Hebungen noch auf den übrigen Vers zu vergeben sind.

Einsilbig männlich volle Kadenz Die Quantität der letzten Hebung spielt keine Rolle.

Ein ritter so gelêret was (H.v. Aue, Der arme Heinrich)x | ´x x | ´x x | ´x x | ´x ^ ||daz er an den buochen las| ´x x | ´x x | ´x x | ´x ^ ||

Zweisilbig männlich volle Kadenz Bedingung: Die letzte betonte Silbe (vorletzte Silbe des Verses=Paenultima)muss kurz und offen sein.

Und erlɶse sich dâ mite (H.v. Aue, Der arme Heinrich)| ´x x | ´x x | ´x x | ´ᴗ ᴗ ^ ||Swer vür des andern schulde bitex | ´x x | ´x x | ´x x | ´ᴗ ᴗ ^ ||

Zweisilbig klingende Kadenz Bedingung: Die Silbe, die den letzten Hauptton trägt, muss lang sein. In der Regelwird die zweisilbig klingende Kadenz bei zweisilbigen Wörtern mit dem Hauptton auf der ersten Silbe angesetzt, z.b.„minne“.

Dienstman was er zẹ Ouwe (H.v. Aue, Der arme Heinrich, zu "ze" s. unten Elison)| ´x x | ´x x | ´­ | `x ^ ||er nam im manige schouwex | ´x x | ´ᴗ ᴗ x | ´­ | `x ^ ||

Zweisilbig weiblich volle Kadenz Bedingung: Die letzte betonte Silbe muss lang sein.

Ich lobe got der sîner güete, (Friedrich von Hausen MF 50,19f)x | ´x x | ´x x | ´x x | ´x x ||daz er mir ie verlêch die sinne.x | ´x x | ´x x | ´x x | ´x x ||

Dreisilbig klingende Kadenz

diu schɶne jugent diu lachende. (Tristan 3141f)x | ´x x | ´ᴗ ᴗ x | ´x x | `x ^ ||Sus ritens ir mære machendex | ´ᴗ ᴗ x |´x x | ´x x | `x ^ ||

Stumpfe Kadenz

In dieser Kadenz pausiert nicht nur ein Taktteil, sondern darüber hinaus auch ein ganzer weiterer Takt. Die stumpfeKadenz basiert auf der metrischen Theorie, dass immer vier Takte je Vers angestrebt wurden. In derZeichensprache gestaltet sich eine stumpfe Kadenz folgendermaßen:

| ´x ^ | ^ ^ ||

Elision und Aphärese

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Wenn die Alternation durch eine zu große Anzahl von Silben unterbrochen würde, haben die mhd. Dichter häufigSilben durch Verschmelzungen oder Wortkürzungen getilgt. Außerdem gibt es Maßnahmen, die vom Leser gewähltwerden können:

Mit einer Elision kann der Leser ein unbetontes /­e/ im Auslaut tilgen, Voraussetzung dafür ist, dass dasnachfolgende Wort mit einem Vokal beginnt. Eine Elision wird durch Unterpungierung markiert. Beispiel: begundẹer; dâhtẹ er. Des Weiteren kann ein anlautender Vokal getilgt werden, sofern das vorhergehende Wort mit einemLangvokal endet. In diesem Fall spricht man von einer Aphärese. Beispiel: nû ẹnist; dô ịch

Fugung

Mit dem Zusammenhang der Verse über die Versgrenze hinaus beschäftigt sich die Fugung. Bei einer synaphischenFugung geht ein Vers bruchlos ohne fühlbaren Einschnitt in den folgenden Vers über, der regelmäßige Wechsel vonHebung und Senkung wird also nicht unterbrochen. Im folgenden Beispiel folgt auf die Hebung am Ende des erstenVerses eine Senkung im Auftakt des zweiten Verses.

Dienstman was er zẹ Ouwe (H.v. Aue, Der arme Heinrich)| ´x x | ´x x | ´­ | `x ^ ||er nam im manige schouwex | ´x x | ´ᴗ ᴗ x | ´­ | `x ^ ||

Bei ungefugten Versen spricht man von Asynaphie, da an der Versgrenze entweder zwei Hebungen oder zweiSenkungen aufeinanderstoßen. Somit wird der regelmäßige Wechsel von Hebung und Senkung unterbrochen. Indiesem Beispiel für Asynaphie stoßen beim Versübergang zwei Hebungen aufeinander.

Ein ritter so gelêret was (H.v. Aue, Der arme Heinrich)x | ´x x | ´x x | ´x x | ´x ^ ||daz er an den buochen las| ´x x | ´x x | ´x x | ´x ^ ||

Siehe auch

Kanzone (Literatur)Nibelungenstrophe

Literatur

Siegfried Beyschlag: Die Metrik der mittelhochdeutschen Blütezeit in Grundzügen. Carl, Nürnberg 1950.Herbert Bögl: Abriss der mittelhochdeutschen Metrik mit einem Übungsteil. Hildesheim, Olms, Zürich2006.Thordis Hennings: Einführung in das Mittelhochdeutsche. 2. durchges. und verb. Auflage. Berlin [u.a.], deGruyter 2003, S.179­189.Andreas Heusler: Deutsche Versgeschichte mit Einschluss des altenglischen und altnordischenStabreimverses, Grundriss der germanischen Philologie 8/1­3, 2., unveränderte Aufl. Berlin 1956.Gesine Taubert: Mittelhochdeutsche Kurzgrammatik mit Verslehre. Examensvorbereitung ­ Referendariat­ Unterricht. Unter Mitwirkung von Elisabeth Miltschnitzky. Erding 1995.Helmut Tervooren: Minimalmetrik zur Arbeit mit mittelhochdeutschen Texten. Göppinger Arbeiten zur

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Germanistik 285, 4. Ergänzte und verb. Auflage. Kümmerle Verlag, Göppingen 1997.Richard von Muth: Mittelhochdeutsche Metrik (http://www.archive.org/details/mittelhochdeutsc00muthuoft), Wien 1882.Hilkert Weddige: Einführung in die germanistische Mediävistik, C. H. Beck Studium, München 6. A.2006, ISBN 3­406­36749­6, S. 117­154 (Rhetorik und Metrik), v.a. S. 143ff.

Weblinks

Tomas Tomasek (Hg.): Mittelhochdeutsche Metrik Online (http://www.uni­muenster.de/MhdMetrikOnline/index.html) , Münster 2009ff.Paul Sappler: Metrik (Verslehre) des Mittelhochdeutschen (http://www.germ.uni­tuebingen.de/abteilungen/mediaevistik/Downloads/metrik.pdf) , Tübingen.

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