Der Schiffbruch an der spanischen Kأ¼ste - uni-graz. AN DER SPANISCHEN KأœSTE ODER: DER BRAVE LEIBARZT.*

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  • Der Schiffbruch an der spanischen Küste

    (Fanny und Durmann | Der brave Leibarzt)

    (Georg Grube

  • Der Schiffbruch an der spanischen Küste (Fanny und Durmann | Der brave Leibarzt) (Georg Grube)

    http://lithes.uni-graz.at/texte.html

    [U1]

    Diarium FÜR

    SCHIFFBRUCH. U[ND] PULFERMANN

    [U2] {von C[arl Ferdinand] Kapphahn, [18]93, geliehen März 1893}

    DER SCHIFFBRUCH AN DER

    SPANISCHEN KÜSTE

    Geschrieben v[on] G[eorg] Grube. {Leipzig}

    G.

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    http://lithes.uni-graz.at/texte.html

    [1]

    DER SCHIFFBRUCH AN DER SPANISCHEN KÜSTE

    ODER:

    DER BRAVE LEIBARZT.*

    Schauspiel in 5 Akten.

    PERSONEN.

    Eduard, König v[on] England.

    Fanny, seine Tochter.

    Thurmann, Prinz v[on] Schottland.

    Kasper, Hofnarr.

    Figolino, Leibartzt.

    Gretchen, Küchenmeisterin.

    Lorenzo, ein spanischer Gesander.

    Ein Ehremit.

    * Der Schiffbruch an der spanischen Küste oder Der brave Leibarzt. Schauspiel in 5 Akten. 1. Stück einer mit »Diarium für Schiffbruch. u[nd] Pulfermann« betitelten Handschrift. Format: 16,5 x 20 cm, hart gebunden. (Enthält als 2. Stück: Pulvermann als Arrestant.) Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Sign. Ms. D4-141. Herausgegeben von Sarah Stadler und Beatrix Müller- Kampel. Orthographie und Interpunktion wurden im Haupttext beibehalten, im Nebentext (Regieanweisungen) der leichteren Lesbarkeit und Verständlichkeit halber vereinheitlicht und vervollständigt. Einfügungen durch andere Hand und in anderer Farbe (grün oder blau) wurden zwischen »{ }« gesetzt. © Mit freundlicher Genehmigung der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dres- den.

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    [2: leer] [3]

    1. AKT.

    Garten.

    KÖNIG. GESANDER.

    [GESANDER] tritt ein.[1] Gott zum Gruß, Majestät!

    KÖNIG. Ah, was sehe ich da, wohl gar ein Gesander aus Spanien, Was bringt ihr, lieber Gesan-

    der.

    GESANDER. Majestät! mein Herr und König „Don Carles“ in Spanien läßt euch zu eurem 42.

    Geburtstag

    seine herzlichsten Glückwünsche dar bringen, – auch läßt er [4]

    euch einladen zu seinem zweiten Beilager!

    KÖNIG. Wie, was muß ich höhren, mein alter Freund „Don Carles“ in Spanien will sich zum

    zweiten Male vermählen? – Ha, ha, ha, dieser alte Narr! – Doch es macht mir Vergnügen, dies

    zu hören; – doch ich muß bedauern, daß ich bei dieser Festlichkeit nicht mit beiwohnen will

    kann, [5]

    denn wißt lieber Gesander, ich stehe im Kriege zwischen Schottland, – und wenn der Prinz

    Thurmann es erführe, das ich meine Landen verlassen hätte, er würde mit seinen Heerscharen

    einfallen, und meine Länder gänzlich verwüßten! –

    GESANDER. Wie, Majestät? – Ihr wollt nicht am spanischen Hofe erscheinen? – O das wird

    große Trauer erregen! [6]

    KÖNIG. Doch halt, lieber Gesander, wie lange braucht denn ein Schiff, um von England nach

    Spanien zu segeln?

    GESANDER. Majestät, wenn wir guten Wind haben, so machen wir die Fahrt in 3 Tagen!

    KÖNIG. Statt meiner kann ja meine Tochter Fanny die Reise thun!

    GESANDER. Wie, die Prinzeß von England [7]

    soll am spanischen Hofe erscheinen? O das wird viel Freude erregen!

    KÖNIG. Ja lieber Gesander, geht nach dem Hafen und sagt dem Admiral, er soll das schönste

    Schiff im Hafen bereit halten!

    GESANDER. Zu Befehl Majestät! – O erlaubt mir, daß ich euern Hof verlassen darf, um meinen

    Herrn und König diese fröhlichen Botschaft zu hinterbringen! Geht ab.

    1 Mit Ausnahme der nach dem ersten Akt nachträglich eingefügten Einlage weisen alle Akte farbliche (grüne oder blaue) Hervorhebungen der Regieanweisungen im Fließtext auf: entweder durch Rahmung oder durch bloße Unterstreichung. (Anm. Sarah Stadler; i. d. F.: S. St.)

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    [8]

    KÖNIG. Thue das lieber Gesander! Ja, meine Tochter soll nach Stpanien reisen, um meine Per-

    sönlichkeit zu vertreten! Wenn doch gleich ein Diener da wäre, um meine den ich zu meiner

    Tochter schicken könnte! –

    KASPER von außen. Na, was wollt ihr hier? –

    STIMMEN von außen. Wir wollen zum Herrn König rein! – [9]

    KASPER von außen. Das geht nicht?! – Da muß ich euch doch erst anmelden.

    STIMMEN von außen. Na ja, da melde er uns!

    KASPER. Na, da wartet ein bischen! Kreuz Patalion! Tritt ein. Schamster Diener und Diener

    Schamster! – Herr König!

    KÖNIG. Nun Hofnarr, was giebt es denn da draußen für einen Tumult?

    KASPER [Fingerzeig].

    [10]

    Na, da hat man immer seinen Ärger! – I da draußen sind eine Menge Leute, – das müssen Bau-

    ern sein, – die Kerle zanken und streiten sich und wollen durchaus zum Herrn König rein!

    KÖNIG. Nun, was wollen sie denn?

    KASPER. Na schauen sie mal an, Herr König, – da hats da neulich beim großen Wasser dem

    einen Bauer von [11]

    seinem Garten ein Stück Land weggeschwemmt, und das ist nüber geschwommen ans andere

    Ufer, und ist bei einem anderen Bauern am Garten wieder hängen geblieben, – und das will der

    nicht thun, und da wollen sie sich beim König verklagen, und da haben sie sich schon neun

    mal gewurzelt! –

    KÖNIG. Gehe und sage diesen Leuten, das ist des Königs Sache nicht, [12]

    sie sollen sich weiter befragen.

    KASPER. Gut, das will ich ihm gleich sagen! – Hört einmal, ihr Mord Elementskerle! Das ist des

    Königs Sache nicht das müßt ihr euch weiter befragen, – marsch! abgepriescht! Ach da laufen

    die Kerle hin! – ach jetzt wurzeln sie sich wieder! –

    KÖNIG. Nun, Hofnarr! hast du noch etwas bei zu bringen? – [13]

    KASPER. Ja Herr König! – Da draußen steht eine alte Frau mit 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, klei-

    nen Kinder, und wünscht gerne eine Gabe zu haben!

    KÖNIG. Gehe und sage dieser Frau, hier im Garten wird nichts ausgeteilt, – sie soll auf die

    Kammer gehen!

    KASPER. Gut, das will ich ihr gleich sagen. Geht auf die Seite. Höre mal, du alte Padron Tasche! – [14]

    mit deine kleinen Kinder! Hier im Garten wird nicht ausgeteilt, du mußt in die Kammer gehen!

    Marsch Abgepriescht! – Ach da läuft die Alte hin, – ach da läßt sie ein kleines Kind in Dreck

    fallen! – Na Herr König, ich habe gehört, daß heute ihr Geburtstag ist, und da komme ich

    denn, und wollte Sie grambulieren, daß sie möchten noch einmal so alt, so lang, so breit, so,

    dick, so schmal, – so

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    [15]

    korpulent, so eEfett werden, wie sie alle weile sind! –

    KÖNIG. Ich danke dir, mein Sohn! –

    KASPER. Weiter nichts?

    KÖNIG. Ist das nicht Ehre genug, wenn sich ein König bei einem Hofnarr bedankt? –

    KASPER für sich. Schade doch auf die Erhre, da kann mann sich keine Semmel davor kaufen?

    Laut. [16]

    Herr König, ich habe doch immer gehört, wenn man den vornehmen Leuten gratuliert setzt

    ein Trinkgeld, – gebt ihr nichts?

    KÖNIG. Du eigennützige Seele, komm in einer Stunde auf mein Kabinet, so sollst du eine

    Belohnung erhalten!

    KASPER. In einer Stunde erst, – gebt mirs doch lieber gleich alle weile.

    KÖNIG. [17]

    Du Narr, weiß du nicht, daß ein König kein Geld bei sich führt, daß ist wieder die Sitte!

    KASPER. Das ist aber eine dumme Sitte! Ein König führt kein Geld bei sich? –Nun weis ich erst

    wer ich bin, – ich muß schon ein Kaiser sein; denn ich habe den ganzen Tag kein roten Kup-

    ferdreier in der Tasche![2]

    KÖNIG. Doch es ist gut, daß du kommst! Gehe doch sogleich einmal zu meiner Tochter

    Fanny! – [18]

    und sage ihr, sie soll hier zu ihren Vater kommen!

    KASPER. Was soll sie denn hier machen!

    KÖNIG. Das braucht der Narr nicht zu wissen!

    KASPER. Da brauche ich sie auch nicht her zu holen!

    KÖNIG. Und du gehst! –

    KASPER. Ach ja, beis Zesselprinzel, [19]

    gehe ich gerne, – die hat immer so was Zuckergebacknes, so was süßes, – was kraftiges, – ach

    da kriegt mein klein Mäulchen immer mal was! – na ich will laufen, das die Stiefelabsätze in der

    Nachbarschaft rum fliegen! Geht ab.

    KÖNIG. Ja, so ist es mein Wille! – Meine Tochter soll nach Spanien reisen! – Ah, siehe da, meine

    Tochter Fanny! –

    FANNY tritt ein. Grüß euch Gott, hoher Vater! [20]

    Ich gratuliere euch zu eurem 42. Geburtstag! Möge euch der Himmel noch lange Jahre, so

    glückliche Stunden verleben lassen, wie die heutigen! –