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THE OLIVER WYMAN RE TAIL JOURNAL ... Sie wird stärker, da hier das Herz der Digitalisierung schlägt. Sie wird aber auch nochab- hängiger von der Umsetzung in Supply Chain und an

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  • THE OLIVER WYMAN

    RETAIL JOURNAL AUSGABE 5

  • THE OLIVER WYMAN

    RETAIL JOURNAL AUSGABE 5

  • 4

    Editorial

    Nichts im Handel ist so beständig wie der Wandel. Schon immer setzten sich im wett- bewerbsintensiven Geschäft mit Endverbrauchern diejenigen Unternehmen durch, denen die Anpassung an Veränderungen am besten gelang. Daran hat sich auch 2017 nichts geändert. Was sich jedoch massiv geändert hat, ist die Geschwindigkeit und das Ausmaß des Wandels. Angesichts der disruptiven Kraft heutiger Veränderungen können sich Unternehmen nicht mehr über Jahre hinweg Schritt für Schritt anpassen. Wir befinden uns in einem tief greifenden, wenn auch manchmal nur schwer erkennbaren Wandel in atemberaubend kurzer Zeit.

    Das neue Umfeld bringt Chancen und Risiken für nahezu alle Aspekte des Geschäfts mit sich – und das wesentlich schneller als bei früheren Umbrüchen. Eine beschleunigte Anpassungsfähigkeit wird daher zur Überlebensfrage. Doch es geht nicht unbedingt nur darum zu überleben. Vielmehr können Einzelhändler deutlich prosperieren, wenn sie die neuen Spielregeln annehmen, gezielt investieren und von Anfang an die neuen Standards mitprägen. Die vorliegende fünfte Ausgabe unseres Retail Journals erklärt, wie das gelingen kann.

    Viele Veränderungen basieren auf neuen Technologien. Damit beschäftigt sich die Rubrik „Strategien“. Einzelhändler sammeln bereits große Mengen von Daten über das Verhalten ihrer Kunden und nutzen immer häufiger moderne Analysemethoden, um aus diesen Infor- mationen Wissen zu generieren und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Einzelhändler sollten und können damit zunehmend zu Anbietern personalisierter Onlinelieferservices werden. Näheres dazu findet sich im Artikel „Die nächste Revolution im Handel“.

    Moderne Technologien werden auch die Ansprache von Kunden verändern und erleichtern. Hier sei auch auf die Revolution rund um den Bezahlvorgang verwiesen. Neue Zahlungs- optionen und die Nutzung von Smartphones werden die Interaktion mit dem Kunden nachhaltig verändern, bekannte Prozessabläufe aufbrechen und neue Geschäftsmodelle befeuern.

  • 5

    Sirko Siemssen

    Co-European & DACH

    Retail Practice Leader

    [email protected]

    +49 89 939 49 574

    Ein weniger offensichtlicher, aber eventuell sehr wichtiger Wettbewerbsvorteil kann sich für Lebensmittelhändler und Nahrungsmittelhersteller mit Blick auf das wachsende Misstrauen staatlicher Institutionen gegenüber zuckerhaltigen und generell verarbeiteten Lebensmitteln ergeben. Alarmiert von den steigenden Kosten für die Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten wie Diabetes prüfen Regulierungsbehörden staatliche Eingriffe, zumal sie Hersteller und Händler der „Komplizenschaft“ verdächtigen. Darauf sollte die Branche konstruktiv mit Innovationen reagieren. Der Artikel „Ran an den Speck“ beschreibt, wie sich Unternehmen wieder einen Vorsprung verschaffen können.

    Ungeachtet der rasanten und tief greifenden Veränderungen kommen einige Themen im Handel und bei Konsumgüterherstellern nie aus der Mode. In der Rubrik „Transformation“ beschäftigt sich ein Artikel mit der Expansion in Schwellenländer, ein anderer mit Möglichkeiten für den Lebensmittelhandel, seine Abhängigkeit von Aktionen zu überwinden. In der Rubrik „Operational Excellence“ stellen wir unter anderem neue Ansätze vor, wie sich Kosten und Schwund reduzieren sowie die Zusammenarbeit mit Supply-Chain-Partnern verbessern lassen.

    Schnelle und tief greifende Veränderungen sind das Thema der Stunde im Handel. Die Anbieter haben nur die Wahl, ob sie diesen Wandel vorantreiben oder selbst zu Getriebenen werden wollen. Wir würden uns freuen, wenn das vorliegende Retail Journal die Diskussion in Ihrem Unternehmen bereichert und neue Denkanstöße liefert.

    Ihr

    Sirko Siemssen

  • 6

    TRANSFORMATION

    Inhalt Ausgabe 5

    STRATEGIEN

    14 RAN AN DEN SPECK Die Rolle des Lebensmittelhandels beim Kampf gegen Übergewicht

    22 SICHER, SCHNELL, DIREKT Überweisungen werden ab 2018 den Alltag erobern

    28 EXPANSION IN SCHWELLENLÄNDER Vier Handlungsempfehlungen für Einzelhändler

    26 WENN CHINESEN EINKAUFEN Chancen für Händler in Einkaufs- zentren und jenseits der Grenzen

    8 DIE NÄCHSTE REVOLUTION IM HANDEL Seit jeher bestimmt der Warenfluss das Geschäft im Einzelhandel. Künftig wird der Datenfluss genauso wichtig sein

  • 7

    OPERATIONAL EXCELLENCE

    34 KAMPF DER FORMATE WIRD ENGER Kundenzufriedenheit im deutschen Lebensmitteleinzelhandel

    38 KEINE MACHT DEN AKTIONEN In sechs Schritten kann der Handel seine Abhängigkeit überwinden

    46 DIGITALISIERUNG KOMMERZIELL NUTZEN Neue Erlösquellen in der Konsumgüterindustrie

    62 VERTRAUEN IST BESSER Wer mit Lieferanten kooperiert, kann Millionen einsparen

    72 STOPP DER VERSCHWENDUNG So lassen sich Abfälle bei Frischwaren vermeiden

    78 RETAIL LEADERSHIP CIRCLE CEO-Event von Oliver Wyman

    56 ZURÜCK AUF NULL Wie sich die Kosten im Handel um 20 bis 40 Prozent reduzieren lassen

  • Nach Jahrzehnten mit mehr oder minder dem gleichen Geschäftsmodell durchläuft der Einzelhandel derzeit einen radikalen Wandel. In einer Zeit erkennbarer Sättigung vieler Verbraucher mit physischen Gütern ermöglichen es heute digitale Technologien, dem Kunden einen besseren Zugang zu einer breiteren Palette von Produkten und Dienstleistungen zu eröffnen. Dieser Wandel macht Einzelhändler zu Informationsanbietern. Ihr Wettbewerbsvorteil muss nun auch auf der Erfassung, Analyse und Nutzung von Daten beruhen.

    DIE NÄCHSTE REVOLUTION IM HANDEL SEIT JEHER BESTIMMT DER WARENFLUSS DAS GESCHÄFT IM EINZELHANDEL. KÜNFTIG WIRD DER DATENFLUSS GENAUSO WICHTIG SEIN

  • 10

    Der technologische und gesellschaftliche Wandel löst eine Revolution im Einzelhandel aus. Er erfasst die Lieferketten, den gesamten Betrieb und wirkt sich auch auf die Größe der einzelnen Anbieter aus. Ambitionierte Unternehmen sollten sich an die Spitze der Veränderungen setzen, ansonsten geraten sie gegenüber neuen Wettbewerbern mit disruptiven Geschäftsmodellen ins Hintertreffen. Noch weiß niemand, wo die Reise genau hingeht. Die nachfolgenden fünf Prognosen umreißen jedoch, wie die Zukunft im Handel aussehen könnte.

    BEDÜRFNISSE BEFRIEDIGEN STATT PRODUKTE VERKAUFEN

    In vielen Handelszweigen steht schon heute nicht mehr der Verkauf von Waren sondern die Befriedigung von Kundenbedürfnissen im Mittelpunkt. Wer früher CDs erwarb, abonniert nun Streaming-Dienste. Bislang hinkt der traditionelle Einzelhandel diesem Wandel hinterher. Lebensmitteleinzelhändler könnten nun beispielsweise die Aufholjagd mit personalisierten Onlineeinkaufszetteln und Empfehlungen starten und so die Nachfrage nach vegetarischer oder laktosefreier Ernährung oder einem niedrigen Anteil gesättigter Fette gezielt adressieren. Im Rahmen solcher Einkaufszettel ließen sich zudem Grenzwerte festlegen und so beispiels- weise der Anteil salziger und süßer Snacks auf fünf Prozent des Gesamtwertes eines Einkaufs beschränken. Auch die Terminkalender von Konsumenten könnten einfließen – bei Kurzreisen sinken dann automatisch die Mengen für den normalen Wocheneinkauf. Zu den ersten Beispielen für Lebensmittel-as-a-Service-Modelle zählen Kochboxen, in denen sich alle Zutaten für ein Gericht befinden. Den Anfang machten hier Start-ups und einzelne Handelskonzerne. Diese Händler könnten nun durch eine clevere Nutzung von Daten das Geschäftsmodell erweitern und im Rahmen von Lebensmittelabonnements Verbrauchern den Kauf der noch fehlenden Zutaten vorschlagen, um ein neues Rezept auszuprobieren – den bestehenden Inhalt des Vorratsschranks ihrer Abonnenten kennen sie ja. Noch weiter gedacht würden Kunden bei solchen Abomodellen nur noch grobe Vorgaben darüber machen, was sie gerne essen und wie hoch ihr Budget ist. Der Supermarkt entscheidet dann, was es wann in welcher Menge dazu braucht. In einem solchen Szenario erledigen Kunden ihre Einkäufe nicht mehr in einem Laden, sondern schließen Abos bei einem Anbieter ab, der Ernährungsbedürfnisse befriedigt. Nach demselben Prinzip ließen sich auch Bedürfnisse im Textilbereich erfüllen. Kunden würden hierbei festlegen, welche Farben, Größen und Pass- formen sie bevorzugen. Der Händler liefert ihnen dann eine Mischung aus Basics und modischer Saisonware – und bei besonderen Gelegenheiten verleiht er zusätzlich Designer-Outfits.

    EINZELHÄNDLER WERDEN MEHR ÜBER VERBRAUCHER WISSEN ALS FACEBOOK

    Um Bedürfnisse effektiv befriedigen zu können, müssen Einzelhändler ihre Kunden noch besser kennenlernen. Da Kassendaten viel über den Alltag von Menschen verraten, verfügen Händler schon heute über jede Menge Informationen. Anbieter mit einem breiten Leistungs- spektrum wissen darüber hinaus zum Teil schon über den Umgang mit Festnetz- und Mobil-

  • DIE NÄCHSTE REVOLUTION IM HANDEL

    11

    funkdiensten, Versorgern und Finanzdienstleistungen Bescheid. In einem entscheidenden Punkt haben Handelsunternehmen sogar aussagekräftigere Daten als selbst Facebook & Co: Einzelhändler wissen, was Konsumenten tatsächlich tun – und zudem wann und wo.

    Je breiter das Leistungsspektrum wird, desto mehr Informationen werden vorliegen. In der Folge könnten Einzelhändler zum Beispiel Verbrauchern, die sich offenkundig gesund ernähren, passende Dienstleistungen

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