Die Welt verändern - Ausgabe 9

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Zwei Dutzend Universitäten, Hochschulen und Akademien, mehr als 59.000 Studierende und zahlreiche öffentliche und private Forschungseinrichtungen machen die Region Stuttgart zu einem herausragenden Hochschul- und Wissenschaftsstandort. Mit Porträts, Meldungen, Infos und vielen unterhaltsamen Elementen steht beim neuen Magazin "Die Welt verändern" die Hochschul- und Wissenschaftsregion Stuttgart im Mittelpunkt

Text of Die Welt verändern - Ausgabe 9

  • AUSGABEMAI 2014

    typisch Hochschul- und Wissenschaftsregion Stuttgart.

    die welt verndern.

    Camilo MichalkaWeitgereister Stadtforscher

    Julia PremarSchlagfertige Studentin

    Artemis AlexiadouPreisgekrnte Sprachforscherin

    Kristian KuntzEinfhlsamer Suchttherapeut

    Ingo RustGewissenhafter Politiker

    Peter FrschlerVielseitiger Wirtschaftsrechtler

    N9

    Regina BirnerBerufene Ernhrungsexpertin

    Andreas HykadeRenommierter Trickfilmer

  • 22

    Weitere Informationen rund um Studienmglichkeiten, Forschungseinrichtungen und kooperierende Unternehmen in der Region Stuttgart finden Sie in unserem Internetportal:

    www.campus.region-stuttgart.de

    +

    Andreas Hykade | Filmakademie Baden-Wrttemberg

    BeseelteCharaktere Seite 4Artemis Alexiadou | Universitt Stuttgart

    Eine Forscherin auf dem Olymp Seite 8Peter Frschler | Hochschule Nrtingen-Geislingen

    Der Hrsaal als Bhne Seite 12Camilo Michalka | Universitt Stuttgart

    Don Camilo und die Favelas Seite 16Regina Birner | Universitt Hohenheim

    Feldversuch fr die Erde Seite 20Kristian Kuntz | Duale Hochschule Baden-Wrttemberg

    Zurck indas Leben Seite 24Julia Premar | Universitt Hohenheim

    Hieb- und stichfest Seite 28Ingo Rust | Hochschule Esslingen

    Der unverbogene Staatssekretr Seite 32

    Nach der Vorlesung: der persnliche Tipp Seite 36Studierende bers Studieren Seite 38Lehre und Forschung in der Region Stuttgart Seite 40Leben in der Region Stuttgart Seite 46Hochschul- und Wissenschaftsregion Stuttgart e.V. Seite 47Impressum Seite 47

    N9AUSGABEMAI 2014

  • 3Editorial

    orte sind mehr als Schall und Rauch, hat der Meister Goethe einst seinem Faust einge-

    haucht. Schall und Rauch stehen sinnbildlich fr eine flchtige Erscheinung. Das Wort ist mehr, viel mehr. Artemis Alexiadou kann das besttigen. Sie setzt seit langem auf das Wort und hat jetzt eine reiche Ernte eingefahren, um genau zu sein 2,5 Millionen Euro. Artemis Alexiadou ist Linguistik-Professorin an der Universitt Stuttgart. Ihre groe Leidenschaft gilt im besten Wortsinn der Forschung, was ihr jetzt den renommierten Leibniz-Preis eingetragen hat, der als eine Art deutscher Nobelpreis gilt. Ausge-zeichnet wurde sie fr die Weiterentwicklung von Modellen und Theorien zum menschlichen Sprach-verstndnis. Seit 2006 arbeitet die gebrtige Grie-chin in Stuttgart an einem Forschungsprojekt, in dem sich 50 Linguisten, Informatiker und andere Wissenschaftler mit Mehrdeutigkeiten in der Spra-che beschftigen. Es geht dabei auch darum, wie fehlende Informationen in einem Satz ergnzt oder interpretiert werden und wie diese Prozesse fr ma-schinelle Sprachverarbeitung genutzt werden kn-nen. Fr Google-bersetzungen beispielsweise, die meist noch uerst fehlerhaft sind, wie Artemis Ale-xiadou sagt, der ein Portrt in der neuen Ausgabe des Magazins Die Welt verndern gewidmet ist. Mit Worten hat es auch Ingo Rust. Fr den Po-litiker sind sie Werkzeug, fr den Privatmann noch weit mehr. Im Anfang war das Wort, heit es in der Bibel. Und das Wort war bei Gott. Ingo Rust, Staatssekretr im Finanz- und Wirtschaftsministeri-um, liest jeden Tag in der Bibel. Nicht nur deshalb erinnert der Protestant ein wenig an den Katho-liken Erwin Teufel, der ebenfalls in jungen Jahren Staatssekretr wurde und zeitlebens nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass es fr ihn entscheidend ist, woher die Politik ihre Mastbe nimmt. Teufel wurde spter Ministerprsident. Nicht nur das Wort im Buch der Bcher ist dem Genossen Rust ein hilfreiches Werkzeug, um im Alltag zu bestehen, sondern auch das Rstzeug des Ingenieurs, das er an der Hochschule in Ess-lingen erworben hat. Mich hat das Studium sehr geprgt, sagt er, weil ich dort das logische und ergebnisorientierte Denken intensiv gelernt habe. Seine Zeit an der Hochschule empfindet Rust im Rckblick als bereichernd, seine Professoren nennt er herausragend. Viele seien aus der Industrie gekommen und htten ihm praxisnah vermittelt, worauf es ankommt. Frage nicht, was nicht geht, sondern frage stattdessen lieber, wie es gehen knnte. Er nutzt das bis heute fr die Politik, in-dem er sich die Strategien des Hochschulstuden-

    ten in Erinnerung ruft, wie der Staatssekretr beim Gesprch im Ministerium erzhlte: Wenn ich ein groes Problem habe, dann zerlege ich es in kleine Probleme und arbeite sie ab. Apropos kleine Probleme. Andreas Hykade zaubert aus ihnen groe Geschichten. Tom und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig ist eine seiner Schpfungen. Fast jedes Kind in Deutsch-land kennt die Trickfilmreihe, die auf ihre Art die Welt erklrt. Gemeinsam mit dem Sdwestrund-funk schickte der preisgekrnte Trickfilmregisseur den kleinen Tom auf eine groe Reise. Bis heute fasziniert das Werk im Kinderkanal den deutschen Nachwuchs. Hykade ist ein Meister, wenn es dar-um geht, den Charakter von Figuren zu beseelen. ber alte Protagonisten und neue Projekte plau-derte der Knstler entspannt in seinem Bro in der Ludwigsburger Filmakademie, wo Hykade als Pro-fessor lehrt. Sehr zur Freude vieler Studenten. Das Lehren liegt auch Regina Birner im Blut, die ebenfalls in diesem Magazin portrtiert wird. Sie ist Professorin an der Uni Hohenheim und Wegbereiterin eines neuen Denkens und For-schens, das sich im Begriff Biokonomie foku-siert. Hinter der sperrigen Vokabel steht das ber-geordnete Ziel einer Abkehr von der bisherigen Wirtschaftsweise, die vor allem auf Erdl beruht. Als Ziel definiert die Biokonomie, den teuren Stoff aus der Erde, der die Welt noch immer schmiert, soweit als mglich durch Materialien zu ersetzen, die durch lebende Organismen wie Pflanzen und Mikroorganismen produziert werden. Regina Birner ist dafr eine gute Wortfhrerin, nicht nur, weil sie auf ihren Reisen als moderne No-madin der Wissenschaft viel gesehen hat und seit mehr als 20 Jahren in der entwicklungsorientierten Agrarforschung ttig ist, sondern auch, weil sie seit zwei Jahren dem Biokonomierat des Bundesmi-nisteriums fr Bildung und Forschung angehrt. Die Hohenheimer Lehrstuhlinhaberin gehrt zu 18 berufenen Experten. Sie bert die Bundesregie-rung dabei, wie man weg vom l und hin zu Roh-stoffen aus biologischen Ressourcen kommen kann. Irgendwann werden die alten Quellen nicht mehr sprudeln. Sptestens dann wird der Handlungs-druck immens. Wichtig ist, dass man eine Vision hat, sagt die Professorin, die sich ebenfalls Zeit ge-nommen hat fr die neunte Ausgabe des Magazins ber einen Hochschul- und Wissenschaftsstandort, der immer wieder Menschen hervorbringt, die nicht weniger im Sinn haben als die Welt zu verndern, sei es mit Worten oder mit Taten. Lassen Sie sich berraschen! Wir wnschen anregende Lektre.

    w

    Dr. Walter RoggGeschftsfhrer

    Wirtschaftsfrderung

    Region Stuttgart GmbH

    Prof. Dr.-Ing. Wolfram ResselVorsitzender Hochschul-

    und Wissenschaftsregion

    Stuttgart e. V.

    Thomas S. BoppVorsitzender

    Verband Region

    Stuttgart

    DIE WELT VERNDERN.

    Andreas Hykade | Filmakademie Baden-Wrttemberg

    BeseelteCharaktere Seite 4Artemis Alexiadou | Universitt Stuttgart

    Eine Forscherin auf dem Olymp Seite 8Peter Frschler | Hochschule Nrtingen-Geislingen

    Der Hrsaal als Bhne Seite 12Camilo Michalka | Universitt Stuttgart

    Don Camilo und die Favelas Seite 16Regina Birner | Universitt Hohenheim

    Feldversuch fr die Erde Seite 20Kristian Kuntz | Duale Hochschule Baden-Wrttemberg

    Zurck indas Leben Seite 24Julia Premar | Universitt Hohenheim

    Hieb- und stichfest Seite 28Ingo Rust | Hochschule Esslingen

    Der unverbogene Staatssekretr Seite 32

    Nach der Vorlesung: der persnliche Tipp Seite 36Studierende bers Studieren Seite 38Lehre und Forschung in der Region Stuttgart Seite 40Leben in der Region Stuttgart Seite 46Hochschul- und Wissenschaftsregion Stuttgart e.V. Seite 47Impressum Seite 47

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  • 5FORTSETZUNG

    DIE WELT VERNDERN.

    enn einer hinauszieht in die Welt, dann ist ein wenig Beistand nicht verkehrt. Im Fall

    von Andreas Hykade, Jahrgang 1968, mag die heilige Muttergottes hchstselbst Regie gefhrt haben, was natrlich eine Mutmaung ist, die al-lerdings auf dem belastbaren Umstand fut, dass in Alttting, wo beide ihre Wurzeln haben, seit je ungewhnliche Geschichten geschrieben werden und jene von Andreas Hykade ist so eine. In Deutschlands wichtigstem Wallfahrtsort, gelegen zwischen Inn und Alz, ist der Oberbayer herangewachsen. Ministrant ist er gewesen und als sich einst der Pontifex in Alttting ankndigte, fgte es sich gut, dass fr eine kirchliche Inszenie-rung nach menschlicher Gre gesucht wurde, oder besser gesagt nach einem Ministranten von entsprechendem Wuchs. Hykade hatte das ntige Ma und so kam es, dass Karol Jzef Wojtyla, bes-ser bekannt als Johannes Paul II., in Alttting dem halbwchsigen Andreas ber den Kopf streichelte, was natrlich gottsallmchtig prgt. Es ist ein Kreuz mit der Vergangenheit, wei Andreas Hykade, den fast 40 Jahre spter noch im-mer mancherlei mit der Gnadenkapelle zu Alttting verbindet. Wie sonst ist es zu erklren, dass er auf der Internetseite der Stuttgarter Film Bilder GmbH, fr die er heute neben seinem Amt als Kunstakade-mie-Professor kreativ ist, gleich im ersten Satz ber sich schreibt: Andreas Hykade, born in Alttting, Bavaria, center of the Holy Mary cult. Dass ihn der Marienkult bis in die Gegenwart bewegt, manifestiert sich freilich auch darin, dass die neueste Produktion des renommierten Anima-tionsfilmers in der Kapelle zu Alttting spielt und eine Liebesgeschichte im Dunstkreis der Religion ist. Mich treibt das autobiografische Erzhlen, sagt der Trickfilmregissseur. Er sitzt an diesem Nachmittag im zweiten Stock des Ludwigsburger Animationsinstituts und zeigt auf ein paar Skizzen, die ihm schon aus der Hand geflossen sind. Der Gnadenmuttergottes begegnet Hykade mit der Gnade eines Talents, das sich ihm berei