10 Tipps für das Lösen von Konflikten

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    27-Jul-2015

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<p> 1. DAEFLER.DE PROF. DR. MARTIN-NIELS DAEFLER 10 Tipps fr das Lsen von Konflikten https://www.flickr.com/photos/pedrosimoes7/8578279742 2. Impressum &amp; Copyright Die private Nutzung dieses Tutorials ist kostenlos und nicht an Bedingungen geknpft. Die kommerzielle Nutzung der Inhalte ist jedoch untersagt. Verantwortlich: Prof. Dr. Martin-Niels Dfler DAEFLER.DE 3. Ich begre Sie herzlich zum Tutorial 10 Tipps fr das Lsen von Konflikten! Mein Name ist Martin-Niels Dfler. Ich unterrichte als hauptamtlicher Professor im Fachbereich Kommunikation an der FOM Hochschule in Frankfurt/Main. Ich wnsche Ihnen viele Einsichten und Erkenntnisse! Ihr Martin-Niels Dfler 4. Der Begriff Konflikt entstammt dem lateinischen Terminus conflictus, was so viel wie Zusammenprallen bedeutet. https://www.flickr.com/photos/tambako/7460999402 5. Ein Konflikt kann in Anlehnung an den sterreichischen Konfliktforscher Friedrich Glasl deniert werden als eine (lnger andauernde) Situation, in der Ziele, Bedrfnisse, Erwartungen, Wertvorstellungen oder Handlungen der Betroffenen unvereinbar erscheinen. Bei Konflikten sind sich die Parteien in der Bewltigung der Situation uneins und entwickeln dabei negative Gefhle. Diese Gefhle verursachen einen starken Handlungsantrieb; die Aktionsbereitschaft ist bei Konflikten also sehr hoch. https://www.flickr.com/photos/tambako/7460999402 6. Generell gilt: (Fast) jeder Konflikt hat zwei Ebenen: Eine Sachebene und eine Beziehungsebene. In der Regel ist nur die Sachebene sofort zu erkennen (= Spitze des Konflikteis- bergs). Wenn man sich tatschlich nur ber Sachthemen uneins ist, dann liegt kein echter Konflikt, sondern lediglich eine Meinungsver- schiedenheit oder ein Missverstnd- nis vor. https://www.flickr.com/photos/aah-yeah/4738872663 7. Allerdings erkennt man das oft schwer, denn Beziehungskonflikte werden fast immer auf der Sachebene ausgetragen und erscheinen deshalb getarnt man streitet sich ber Sachthemen, in Wirklichkeit ist aber die Beziehung gestrt. Dann besteht die Gefahr, dass man an der falschen Ursache arbeitet. Dies wird nach kurzer Zeit einen Folgekonflikt verursachen, der in anderem Deckmantel erscheint, jedoch die gleiche Basis hat: die Beziehungsstrung. https://www.flickr.com/photos/tekkebln/7546061792 8. erysipel/pixelio.de Machen Sie sich klar: Das Leben besteht aus Konflikten 01 9. Aber: Konflikte haben nicht nur negative Seiten, denn sie helfen uns, Schwierigkeiten zu erkennen und uns weiterzuentwickeln sowie Beziehungen zu vertiefen. Ohne Konflikte/Streit und Auseinandersetzung kommt keine zwischenmenschliche Beziehung aus, denn die Funktion eines Streits liegt auch darin, Dinge klar zu legen, indem z. B. Worte ausgesprochen werden, die einem normalerweise nicht ber die Lippen kommen. Streit verbindet daher genauso wie er trennt. Konflikte knnen helfen, die Ursachen fr Unzufriedenheit zu nden und wirken deshalb wie ein (reinigendes) Gewitter. https://www.flickr.com/photos/9156081@N03/4933358816 Konflikte sind alltglich; sie werden zwischen Eheleuten, in Familien und Lebensgemeinschaften, zwischen Nachbarn, Geschftspartnern und natrlich auch unter Kollegen und mit Vorgesetzten ausgetragen. 10. Im Berufsleben sorgen Konflikte fr gute Lsungen, wie Ron Friedmann darlegt: Gesunde Diskussionen regen die Mitglieder eines Teams zu grndlicherem Nachdenken an: Man neigt dann eher dazu, sich Gedanken ber Alternativen zu machen, und versucht, keinen voreiligen Konsens zu erzielen. Auch wenn viele Menschen Konflikte als unangenehm empnden, kann das Miterleben offener Diskussionen sogar anregend auf die Mitarbeiter wirken, weil sie dadurch bessere Strategien fr die Erledigung ihrer Arbeit entwickeln. http://www.harvardbusinessmanager.de/blogs/fuenf-irrtuemer-ueber-den-optimalen-arbeitsplatz-a-1028534-3.html https://www.flickr.com/photos/criminalintent/2744040362 11. Dennoch dominieren meist die negativen Aspekte man spricht dann von dysfunktionalen Konflikten. Diese haben eine enorme Bedeutung fr die Wirtschaft. Daniel Dana, US-amerikanischer Psychologieprofessor, behauptet, dass 65 Prozent der Performance-Probleme in Unternehmen aus belasteten Beziehungen zwischen Arbeitnehmern resultieren. Eine Umfrage zu Konfliktursachen und -kosten, die Martin-Niels Dfler (Quelle: www.prof-daefler.de) durchgefhrt hat, zeigt: 53 % der Befragten haben in den vergangenen 12 Monaten mindestens einen Konflikte am Arbeitsplatz erlebt, 16 % der Befragten haben in den vergangenen 12 Monaten wegen eines Konfliktes krankgefeiert und 10 % der Arbeitszeit gehen durchschnittlich durch Konflikte verloren. 12. Konflikte in der Arbeitswelt sind im Gegensatz zu privaten Auseinander- setzungen durch einige erschwerende Rahmenbedingungen gekennzeichnet: Das Arbeitsverhltnis ist fast immer materielle Existenzgrundlage. Das Arbeitsverhltnis ist wesentlicher Teil des sozialen Status. Hierarchie- und Machtstrukturen bedingen, dass es fr Arbeitnehmer kaum Ausweichmglichkeiten gibt. https://www.flickr.com/photos/14646075@N03/3048801532 13. Die Folge all dieser Aspekte ist ein hohes Angstpotenzial; Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor Fehlern, vor Konkurrenten, vor Autorittsverlust, vor Innovationen, vor berforderung oder die Angst davor, berflssig zu sein. Zusammengefasst: Konflikte gehren zum (Arbeits-)Leben dazu; sie haben zwar auch positive Aspekte, jedoch belasten insbesondere Auseinandersetzungen im Job die Betroffenen massiv, weshalb es sehr sinnvoll ist, sich mit Konfliktprventions- und -lsungsmethoden zu beschftigen. https://www.flickr.com/photos/allthingschill/187860560 14. Prfen Sie zuerst, ob nicht viel- leicht nur ein Missverstndnis vorliegt 02 Wolfgang Pfensig/pixelio.de 15. Oft lassen sich Auseinandersetzungen auf ganz einfache, akustische Missverstnd- nisse zurckfhren. Man hat das, was ein anderer gesagt oder geschrieben hat, einfach nicht korrekt verstanden. In Gesprchen hat man vielleicht nicht aufmerksam zugehrt oder es gab Strgerusche in der Umgebung. Deshalb: Hren Sie Ihrem Gegenber stets konzentriert zu und fragen Sie bei Unklarheiten sofort nach. Gleiches gilt analog fr die schriftliche Kommunikation. Rainer Sturm/pixelio.de 16. Auch neurologische Filterprozesse knnen zu Missverstndnissen fhren. Auf gut Deutsch heit das: Wir nehmen nur einen Bruchteil all der Informationen, die auf uns einstrmen, bewusst wahr. Das Nervensystem ltert von den eintreffenden 11 Millionen Bits, die wir pro Sekunde empfangen, nur ca. 200 heraus, die bewusst gleichzeitig wahrgenommen werden knnen. Diese 200 Bits sind das, was nach dem Filtern brig bleibt, nach dem Lschen der Informationen, die zu diesem Zeitpunkt nicht wichtig sind. So soll unser Gehirn vor berlastung geschtzt werden. https://www.flickr.com/photos/kainkalju/5894855297 17. Eine weitere Besonderheit unseres Gehirns sorgt dafr, dass jeder von uns die Umwelt anders wahrnimmt. Aufgrund von persnlichen Erfahrungen und Interessen bevorzugen wir nmlich bestimmte Informationen, whrend wir andere eher vernachlssigen oder vielleicht berhaupt nicht zur Kenntnis nehmen. Ganz deutlich ist unsere Fhigkeit zum Ausfiltern von Unerwnschtem beim sogenannten Cocktailpartyeffekt. Es ist unsere Fhigkeit, aus einer Geruschkulisse ein einzelnes Wort (wie etwa unseren Namen) herauszuhren. Das Murmeln und Glserklirren blenden wir einfach aus. https://www.flickr.com/photos/evert-jan/12285354 18. Weitere so genannte Modellierungsprozesse sorgen dafr, dass wir Informationen verflscht aufnehmen. Unser Gehirn tilgt bestimmte Informationsanteile aus der Erfahrung wir vergessen vieles, was uns nicht ntzlich ist. Der Nutzen davon ist der Schutz vor Reiz- und Informationsberflutung, whrend der Nachteil der Verlust von spter eventuell wichtigen Detailinformationen sein kann. Die Generalisierung ist der Prozess, der es uns mglich macht, zu lernen, indem wir eine bestimmte Erfahrung verallgemeinern, ohne uns jedes Mal das individuelle Ereignis bewusst zu machen. Schlielich verzerrt unser Gehirn Informationen; es speichert unsere Wahrnehmungen anders ab und gibt sie anders wieder, als sie wirklich sind bzw. waren. https://www.flickr.com/photos/dianasch/12056703155 19. Alle diese Filterprozesse sind uns Menschen in der Regel nicht bewusst. So schafft jeder Mensch stndig blinde Flecken in seiner Wahrnehmung. Auf den Punkt gebracht: Auseinandersetzungen sind oft auf Missverstndnisse und nicht auf gegenstzliche Standpunkte zurckzufhren. Missverstndnisse knnen ihre Ursache darin haben, dass wir nicht aufmerksam zugehrt oder bestimmte Information nicht oder verzerrt wahrgenommen haben. https://www.flickr.com/photos/gogri/3855181622 20. So einfach wie treffend hat dies die franzsische Schriftstellerin Anais Nin (1903-1977) ausgedrckt: Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie so, wie wir sind. Deshalb: Bevor Sie anfangen, sich ber etwas aufzuregen oder zu streiten, sollten Sie prfen, ob nicht vielleicht ein Missverstndnis vorliegt, dass durch eine einfache (Nach-)Frage aus der Welt geschafft werden kann. Anais Nin von Elsa Dorfman. Lizenziert unter CC BY 2.5 ber Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anais_Nin.jpg#/media/File:Anais_Nin.jpg 21. Fragen Sie sich, ob Ihre grundlegenden krperlichen Bedrf- nisse erfllt sind 03 22. Oft haben Konflikte eine ganz banale Ursache! Unser Empnden bzw. unsere Reizbarkeit, sogar unser gesamtes Verhalten, hngt nmlich mageblich von unserer momentanen Verfassung ab. Und diese wiederum wird sehr stark davon beeinflusst, wie gut unsere grundlegenden krperlichen Erfordernisse erfllt sind, vor allem, wie hoch/niedrig unser Zucker- spiegel ist, ob wir ausgeschlafen sind und ob wir gengend frische Luft abbekommen haben. https://www.flickr.com/photos/williamafranklin/2599862613 23. Der Arzt, Kabarettist und Schriftsteller Eckart von Hirschhausen schlgt in seinem Buch Glck kommt selten allein (2009) einen einfachen Schnelltest vor, mit dem wir jederzeit berprfen knnen, ob unsere Grundbedrfnisse befriedigt sind. Wenn wir also an einem Tag huger als sonst bei anderen anecken, dann sollte die erste Manahme sein, diesen Test durchzufhren. Habe ich genug gegessen oder bin ich vielleicht unterzuckert? Habe ich ausreichend geschlafen oder bin ich vielleicht bermdet? Habe ich mich gengend (in der frischen Luft) bewegt oder bin ich vielleicht mangels Sauerstoff leicht reizbar? 24. Erkennen Sie: Konflikte haben viel mehr mit uns selbst zu tun, als wir (zunchst) denken 04 https://www.flickr.com/photos/jaumescar/5759589756 25. Was den einen am anderen strt oder auf die Palme bringt, lsst einen Dritten vllig kalt. Sicherlich haben Sie das schon selbst erfahren: Ein Kollege berichtet Ihnen ber das unmgliche Verhalten von Frau Decker, Sie knnen aber berhaupt nichts Schlimmes daran nden. Warum ist das so? Weil wir alle unterschiedliche Persnlichkeiten mit verschiedensten Meinungen, Vorlieben, Interessen und Werten/Prinzipien sind. Zudem unterscheiden wir uns in charakterlicher Hinsicht der eine ist eben extrovertierter oder ordentlicher oder gutmtiger oder ... als der andere. Wer mehr ber Persnlichkeitstypen wissen mchte, dem empfehle ich den kostenlosen Big Five-Persnlichkeitstest: http://de.outofservice.com/bigve/ https://www.flickr.com/photos/theaterderkuenste/13266828414 26. Hinzu kommt, dass uns Erfahrungen aus der Kindheit, (verdrngte) traumatische Erlebnisse und der Einfluss von Partnern, Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen, Lehrern ... formen. Folglich ist es nur zu verstndlich, wenn wir im Alltag immer wieder mit anderen zusammenrauschen weil eben unterschiedliche Persnlichkeiten aufeinandertreffen. Dies ist uns allerdings oft nicht klar bzw. verstehen wir Zweierlei nicht: Erstens, dass andere Menschen ein anderes Weltbild haben als wir und zweitens, dass uns nur ein Bruchteil unserer Persnlichkeit bewusst ist. Wir wissen oft selbst nicht, warum wir etwas tun/sagen bzw. warum uns etwas/ein anderer strt. Das heit: Die wahren Konfliktursachen liegen eigentlich in uns und nicht in unserem Gegenber. https://www.flickr.com/photos/roberlan/3235653539 27. In Konflikten wird oft etwas von dem inneren Ringen, das jemand mit seinem Licht und Schatten erlebt und nicht ganz bewltigt, nach auen verlagert: Wenn ich mir nicht eingestehen will, dass mich meine eigenen Schwchen rgern, dann kann es unbemerkt geschehen, dass ich diese Schwchen desto deutlicher im Gegner sehe und heftig an ihm bekmpfe. Die Aggression gegen den Schatten des Feindes ist die nach auen geleitete Kraft, die eigentlich nach innen meinem eigenen Schatten gilt. Darum sind soziale Konflikte immer eine existentielle Herausforderung an unser Selbstbild. Quelle: Glasl, F. (2011). Konfliktmanagement (10. Aufl.). Bern/Stuttgart/Wien: Paul Haupt Verlag, S. 38 28. Da also das, was wir an anderen Menschen wahrnehmen und was uns an ihnen strt, sehr viel mit uns selbst zu tun hat (das nennt man brigens Resonanz-Gesetz), knnen Sie jeden Konflikt dazu nutzen, etwas ber sich selbst herauszunden. Konflikte zu vermeiden, beginnt daher mit einer ehrlichen Selbstanalyse, mit dem Versuch, mehr ber sich und seine Persnlichkeit zu erfahren! Vielleicht kommt dabei heraus, dass Sie mit sich selbst nicht zufrieden sind? Dies wrde vermutlich manche konfliktre Situation erklren. Kurt Tepperwein formuliert das prgnant so: Wie wollen Sie andere lieben, wenn Sie sich selbst nicht mgen? Alles, was Sie an anderen kritisieren, ist schlussendlich Selbstkritik. https://www.flickr.com/photos/mendhak/3106880823 29. Nicht nur generell sollte man sich analysieren, sondern auch ganz spezisch, wenn man sich ber einen anderen aufregt oder rgert. Stellen Sie sich dann diese Fragen: Warum reizt mich das Verhalten des anderen so sehr? Welcher meiner Werte wird hier verletzt? Was ist mein Anteil? Was habe ich zu der Situation beigetragen? https://www.flickr.com/photos/gagilas/3189652498 30. Erkennen Sie frhzeitig Konfliktsymptome 05 Tim Reckmann/pixelio.de 31. Konflikte ben auf die meisten Menschen eine Wirkung aus wie ein Fluss im Gebirge: Wir geraten in den Strudel der Konfliktereignisse und merken pltzlich, wie uns eine Macht mitzureien droht. Konflikte beeintrchtigen unsere Wahrnehmungsfhigkeit und unser Denk- und Vorstellungsleben wir sehen die Umwelt nicht mehr richtig; unser Auge ist getrbt: Wir betrachten uns sowie die Konfliktpartei verzerrt und vllig einseitig. Unser Denken und Handeln folgt Zwngen, deren wir uns nur zu einem kleinen Teil bewusst sind und uns kaum entziehen knnen. Petra Dirscherl/pixelio.de 32. Auch unser Gefhlsleben wird stark beeinflusst wir sind anfangs hin- und hergerissen zwischen Verstehen und Ablehnung. Allmhlich breiten sich jedoch nur noch negative Gefhle aus, von denen wir uns immer schwerer lsen knnen. Ebenso unser Wille: Wir xieren uns immer mehr auf unsere vermeintlichen Interessen und sind zunehmend weniger an Kompromissen/Lsungen interessiert. CFalk/pixelio.de...</p>