Wiener Arbeiten zur Linguistik - .fundiertenVariationslinguistik, der interaktionalen Soziolinguistik

  • View
    215

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of Wiener Arbeiten zur Linguistik - .fundiertenVariationslinguistik, der interaktionalen...

  • Wiener Arbeiten zur Linguistik

    Band 1

    Herausgegeben von Daniel Bring,

    Alexandra N. Lenz und Nikolaus Ritt

    Advisory Board:

    Peter Auer, Universitt Freiburg, Deutschland

    Ina Bornkessel-Schlesewsky, Universitt Marburg, Deutschland

    Olga Fischer, Universitt Amsterdam, Niederlande

    Junko Ito, UC Santa Cruz, USA

    Hans Kamp, Universitt Stuttgart, Deutschland

    Johanna Laakso, Universitt Wien, sterreich

    Michele Loporcaro, Universitt Zrich, Schweiz

    Melanie Malzahn, Universitt Wien, sterreich

    Jim McCloskey, UC Santa Cruz, USA

    John Nerbonne, Universitt Groningen, Niederlande

    Peter Trudgill, Universitt Freiburg, Schweiz

  • Alexandra N. Lenz /ManfredM. Glauninger (Hg.)

    Standarddeutsch im 21. Jahrhundert

    Theoretische und empirische Anstzemit einem Fokus auf sterreich

    Mit 22 Abbildungen

    V&R unipress

    Vienna University Press

  • Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

    Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

    Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet ber

    http://dnb.d-nb.de abrufbar.

    ISBN 978-3-8471-0337-0

    ISBN 978-3-8470-0337-3 (E-Book)

    Verffentlichungen der Vienna University Press

    erscheinen im Verlag V&R unipress GmbH.

    Gedruckt mit freundlicher Untersttzung des Rektorats der Universitt Wien.

    2015, V&R unipress in Gttingen / www.vr-unipress.de

    Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschtzt. Jede

    Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fllen bedarf der vorherigen

    schriftlichen Einwilligung des Verlages.

    Printed in Germany.

    Titelbild: Ludwig Maximilian Breuer

    Druck und Bindung: CPI buchbuecher.de GmbH, Birkach

    Gedruckt auf alterungsbestndigem Papier.

    http://dnb.d-nb.de

  • Inhalt

    Alexandra N. Lenz (Wien) / Manfred M. Glauninger (Wien)Zu diesem Band . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

    Manfred M. Glauninger (Wien)(Standard-)Deutsch in sterreich im Kontext des gesamtdeutschenSprachraums. Perspektiven einer funktional dimensioniertenSprachvariationstheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

    Barbara Soukup (Wien)Zum Phnomen Speaker Design im sterreichischen Deutsch . . . . . . 59

    Eva Winkler (Salzburg)Intimitt in der ffentlichkeit Sprachliche Variation als kommunikativeStrategie im Radiointerview . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81

    Sara Hgi (Paderborn)Die standardsprachliche Variation des Deutschen alssprachenpolitisch-didaktisches Problem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111

    Joachim Herrgen (Marburg)Entnationalisierung des Standards. Eine perzeptionslinguistischeUntersuchung zur deutschen Standardsprache in Deutschland, sterreichund der Schweiz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139

    Sylvia Moosmller (Wien)Methodisches zur Bestimmung der Standardaussprache in sterreich . . . . 165

    Julia Brandsttter (Wien) / Sylvia Moosmller (Wien)Neutralisierung der hohen ungerundeten Vokale in der WienerStandardaussprache A sound change in progress? . . . . . . . . . . . . 185

  • Christa Drscheid (Zrich) / Stephan Elspa (Salzburg) /Arne Ziegler (Graz)Variantengrammatik des Standarddeutschen. Konzeption, methodischeFragen, Fallanalysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207

    Thomas Brooks (Wien)Diese bedingungslose Liebe zu den Sprachfehlern Sprachgeografische Betrachtungen zur wrde-Umschreibung am BeispielRobert Musil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 237

    Inhalt6

    http://www.v-r.de/de

  • Alexandra N. Lenz (Wien) / Manfred M. Glauninger (Wien)

    Zu diesem Band

    Was die Forschung zur deutschen Sprache in sterreich betrifft, ist der Beginndes neuen Jahrtausends durch neue Anstze gekennzeichnet: An die Seite vonArbeiten in der Tradition der philologischen Dialektologie, der Diskursanalyseim Paradigma der Wiener Schule oder auch der klassisch korrelativen So-ziolinguistik treten zunehmend Untersuchungen auf Basis der sprachdynamischfundierten Variationslinguistik, der interaktionalen Soziolinguistik sowie dermodernen Spracheinstellungs- und -perzeptionsforschung.

    Der vorliegende Band reflektiert die Dynamik des Forschungsfeldes und zeigt,dass unterschiedlichste Paradigmen einen gemeinsamen Gegenstandsbereich inKomplementaritt fruchtbar ausloten knnen. Im Zentrum der folgenden ins-gesamt neun Beitrge steht der standardsprachliche Pol des vertikalen Va-riettenspektrums des Deutschen, dem sich aus theoretischer wie empirischerPerspektive angenhert wird. Der Fokus liegt dabei auf sterreich, dessenstandardsprachlicher Variettenpol imKontext des gesamten deutschsprachigenRaums betrachtet wird.

    Am Beginn des Bandes steht der umfangreiche Beitrag von Manfred M.Glauninger, in dem eine Thematisierung der deutschen (Standard-)Sprache insterreich aus der Perspektive eines originren soziolinguistischen Ansatzesfunktionaler Sprachheterogenitts-Dimensionierung erfolgt. Dabei interpretiertGlauninger Sprachvariation zum einen als eine Form der (meta(sozio)semi-otischen) Zeichengebung und somit als kommunikative Ressource, zum an-deren als einen Mechanismus prozessualer Selbstreferentialitt. Sein theoreti-scher Ansatz, der traditionellen Sichtweisen teilweise diametral entgegensteht,will der Diskussion um die Variation der deutschen Sprache in sterreich ausfunktionaler Sicht neue Impulse verleihen.

    Auf die Funktionalisierung sprachlicher Variation geht auch Barbara Soukupim Rahmen eines Speaker-Design-Zugangs ein. Auf der Basis von Fernseh-diskussionen analysiert die Autorin die Intra-Sprecher-Variation im sterrei-chischen Deutsch und fokussiert hier insbesondere den bewusst interaktionell

  • und rhetorisch eingesetzten Kontrast zwischen sterreichischer Standardspracheeinerseits und bairisch-sterreichischem Dialekt andererseits.

    Wie Soukup whlt auch Eva Winkler ffentliche Interviews als empirischeBasis fr ihre Analyse von Codewechsel- und anderen Variationsprozessen undihren Funktionen in konkreten medial ffentlichen Kommunikationssituatio-nen. Am Beispiel sterreichischer Rundfunkmitschnitte zeichnet sie die dis-kursstrategische Funktionalitt sprachlicher Variation im Spannungsfeld vonStandard und Non-Standard nach.

    Auf potentiell sprach(politisch-)didaktische Probleme, die die standard-sprachliche Variation des Deutschen mit sich bringen kann, geht Sara Hgi ein.Ihre Analyse von Lehrmitteln aus dem Deutsch als Zweitsprache-Unterrichtdeckt die Problematik in der didaktischen Vermittlung standardsprachlicherHeterogenitt des Deutschen sowie das fehlende Bewusstsein fr selbige auf undformuliert (am Beispiel des Deutschen) Lsungsvorschlge, wie einem pluri-zentrischen Ansatz auch im Kontext von Sprachvermittlung Rechnung getragenwerden kann.

    Der Frage, wie es um die Wahrnehmung (intendierter) Standardsprechspra-che vonseiten (nicht linguistisch geschulter) Laien steht, geht Joachim Herrgenauf der Basis eines Perzeptionstests nach, in dessen Rahmen Hrerurteile ausDeutschland, sterreich und der Schweiz zu Sprachproben aus ebendiesenLndern erhoben wurden. Als besonders bemerkenswertes Ergebnis stellt sichdabei der lnderbergreifend hohe Wert an subjektiver Standardsprachlich-keit dar, den gerade die bundesdeutsche Sprachprobe eines geschulten Stan-dardsprachesprechers von Beurteilenden aller drei Lnder erhlt und der dieGleichwertigkeit der Oralisierungsnormen in Deutschland, sterreich und derSchweiz auf Hrerseite in Frage stellt.

    Die Tatsache, dass sich auch in sterreich die Schulung von Standard-sprechsprache vornehmlich an bundesdeutschen Normen ausrichtet, wird imBeitrag von Sylvia Moosmller kritisch hinterfragt und mit der Forderung kon-frontiert, die sterreichische Standard(aus)sprache nach Kriterien der Akzep-tanz zu definieren. Die Argumentation wird durch perzeptionslinguistische Er-gebnisse gesttzt.

    Phonetisch-phonologische Charakteristika des sterreichischen Standard-deutsch stehen auch im Mittelpunkt des zweiten Aufsatzes von Sylvia Moos-mller, den sie gemeinsam mit Julia Brandsttter verfasst hat. Auf Basis einerumfangreichen akustisch-phonetischen Analyse bei Wiener Standard-Spre-cherinnen und -Sprechern weisen die Autorinnen eine zunehmende Neutrali-sierung der hohen ungerundeten Vokale nach.

    Whrend die Beitrge von Herrgen, Moosmller sowie Moosmller undBrandsttter primr phonetisch-phonologisch ausgerichtet sind, fokussierenChrista Drscheid, Stephan Elspa und Arne Ziegler in ihrem gemeinsamen

    Alexandra N. Lenz / Manfred M. Glauninger8

    http://www.v-r.de/de

  • Beitrag Aspekte der Grammatik und damit Phnomene einer bislang in derForschung zur standardsprachlichen Variation des Deutschen eher vernachls-sigten Systemebene. Anhand ausgewhlter Analysebeispiele stellen sie das ak-tuelle Projekt zu einer Variantengrammatik des Deutschen dar, das alsD-A-CH-Forschungsprojekt die grammatische Variation des standardsprachli-chen Pols in sterreich, Deutschland und der Schweiz anvisiert.

    Einem speziellen grammatischen Phnomen, dessen Standardsprachlichkeitnach wie vor diskutiert wird und das lange insbesondere als Merkmal ster-reichischer Umgangssprache bzw. als (Nonstandard-)Austriazismus angese-hen wurde, widmet sich Thomas Brooks. Ausgehend von Auseinandersetzungenrund umText und Edition vonMusilsDerMann ohne Eigenschaften diskutiert erFragen der Sprachnormierung und des Sprachwandels im Kontext des wrde-Konjunktivs.

    Wir danken Timo Ahlers fr seine tatkrftige Untersttzung im Zusam-menhang mit der Herausgabe des vorliegenden Bandes. Gemeinsam mit einemzweiten aktuellen, von Alexandra N. Lenz, Timo Ahlers und Manfre