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FRANZ KAFKA ERZÄHLUNGEN - odaha.com · PDF fileFRANZ KAFKA ERZÄHLUNGEN Roman INHALT ZWEI GESPRÄCHE AUS DER ERZÄHLUNG ÝBESCHREIBUNG EINES KAMPFESÜ Gespr−ch mit dem Beter Gespr−ch

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  • FRANZ KAFKA

    ERZHLUNGENRoman

    INHALT

    ZWEI GESPRCHE AUS DER ERZHLUNG

    BESCHREIBUNG EINES KAMPFES

    Gesprch mit dem Beter

    Gesprch mit dem Betrunkenen

    BETRACHTUNG

    Kinder auf der Landstrae

    Entlarvung eines Bauernfngers

    Der pltzliche Spaziergang

    Entschlsse

    Der Ausflug ins Gebirge

    Das Unglck des Junggesellen

    Der Kaufmann

    Zerstreutes Hinausschaun

    Der Nachhauseweg

    Die Vorberlaufenden

    Der Fahrgast

    Kleider

    Die Abweisung

    Zum Nachdenken fr Herrenreiter

    Das Gassenfenster

    Wunsch, Indianer zu werden

    Die Bume

    Unglcklichsein

    DAS URTEIL

    Das Urteil

    DIE VERWANDLUNG

    Die Verwandlung

    EIN LANDARZT

    Der neue Advokat

    Auf der Galerie

    Ein altes Blatt

    Vor dem Gesetz

    Schakale und Araber

    Ein Besuch im Bergwerk

    Das nchste Dorf

    Eine kaiserliche Botschaft

    Die Sorge des Hausvaters

    Elf Shne

    Ein Brudermord

    Ein Traum

    Ein Bericht fr eine Akademie

    IN DER STRAFKOLONIE

    In der Strafkolonie

    EIN HUNGERKNSTLER

    Erstes Leid

    Eine kleine Frau

    Ein Hungerknstler

    Josefine, die Sngerin oder Das Volk der Muse

  • GESPRCH MIT DEM BETER

    Es gab eine Zeit, in der ich Tag um Tag in eine Kirche ging, denn ein Mdchen, in das ichmich verliebt hatte, betete dort kniend eine halbe Stunde am Abend, unterdessen ich sie inRuhe betrachten konnte.Als einmal das Mdchen nicht gekommen war und ich unwillig auf die Betenden blickte, fielmir ein junger Mensch auf, der sich mit seiner ganzen mageren Gestalt auf den Bodengeworfen hatte. Von Zeit zu Zeit packte er mit der ganzen Kraft seines Krpers seinenSchdel und schmetterte ihn seufzend in seine Handflchen, die auf den Steinen auflagen.In der Kirche waren nur einige alte Weiber, die oft ihr eingewickeltes Kpfchen mit seitlicherNeigung drehten, um nach dem Betenden hinzusehn. Diese Aufmerksamkeit schien ihnglcklich zu machen, denn vor jedem seiner frommen Ausbrche lie er seine Augen umgehn,ob die zuschauenden Leute zahlreich wren. Ich fand das ungebhrlich und beschlo, ihnanzureden, wenn er aus der Kirche ginge, und ihn auszufragen, warum er in dieser Weise bete.Ja, ich war rgerlich, weil mein Mdchen nicht gekommen war.Aber erst nach einer Stunde stand er auf, schlug ein sorgfltiges Kreuz und ging stoweisezum Becken. Ich stellte mich auf dem Wege zwischen Becken und Tr auf und wute, da ichihn nicht ohne Erklrung durchlassen wrde. Ich verzerrte meinen Mund, wie ich es immer alsVorbereitung tue, wenn ich mit Bestimmtheit reden will. Ich trat mit dem rechten Beine vorund sttzte mich darauf, whrend ich das linke nachlssig auf der Fuspitze hielt; auch dasgibt mir Festigkeit.Nun ist es mglich, da dieser Mensch schon auf mich schielte, als er das Weihwasser in seinGesicht spritzte, vielleicht auch hatte er mich schon frher mit Besorgnis bemerkt, denn jetztunerwartet rannte er zur Tre hinaus. Die Glastr schlug zu. Und als ich gleich nachher ausder Tre trat, sah ich ihn nicht mehr, denn dort gab es einige schmale Gassen und der Verkehrwar mannigfaltig.In den nchsten Tagen blieb er aus, aber mein Mdchen kam. Sie war in dem schwarzenKleide, welches auf den Schultern durchsichtige Spitzen hatte - der Halbmond desHemdrandes lag unter ihnen -, von deren unterem Rande die Seide in einemwohlgeschnittenen Kragen niederging. Und da das Mdchen kam, verga ich den jungenMann, und selbst dann kmmerte ich mich nicht um ihn, als er spter wieder regelmig kamund nach seiner Gewohnheit betete. Aber immer ging er mit groer Eile an mir vorber, mitabgewendetem Gesicht. Vielleicht lag es daran, da ich mir ihn immer nur in Bewegungdenken konnte, so da es mir, selbst wenn er stand, schien, als schleiche er.Einmal versptete ich mich in meinem Zimmer. Trotzdem ging ich noch in die Kirche. Ichfand das Mdchen nicht mehr dort und wollte nach Hause gehn. Da lag dort wieder diserjunge Mensch. Die alte Begebenheit fiel mir jetzt ein und machte mich neugierig.Auf den Fuspitzen glitt ich zum Trgang, gab dem blinden Bettler, der dort sa, eine Mnzeund drckte mich neben ihn hinter den geffneten Trflgel; dort sa ich eine Stunde lang undmachte vielleicht ein listiges Gesicht. Ich fhlte mich dort wohl und beschlo, ftersherzukommen. In der zweiten Stunde fand ich es unsinnig, hier wegen des Beters zu sitzen.Und dennoch lie ich noch eine dritte Stunde schon zornig die Spinnen ber meine Kleiderkriechen, whrend die letzten Menschen laut atmend aus dem Dunkel der Kirche traten.Da kam er auch. Er ging vorsichtig, und seine Fe betasteten zuerst leichthin den Boden, ehesie auftraten. Ich stand auf, machte einen groen und geraden Schritt und ergriff den jungenMenschen. Guten Abend, sagte ich und stie ihn, meine Hand an seinem Kragen, die Stufenhinunter auf den beleuchteten Platz.Als wir unten waren, sagte er mit einer vllig ungefestigten Stimme: Guten Abend, lieber,lieber Herr, zrnen Sie mir nicht. Ihrem hchst ergebenen Diener.

  • Ja, sagte ich, ich will Sie einiges fragen, mein Herr; voriges Mal entkamen Sie mir, das wirdIhnen heute kaum gelingen.Sie sind mitleidig, mein Herr, und Sie werden mich nach Hause gehen lassen. Ich binbedauernswert, das ist die Wahrheit.Nein, schrie ich in den Lrm der vorberfahrenden Straenbahn, ich lasse Sie nicht.Gerade solche Geschichten gefallen mir. Sie sind ein Glcksfang. Ich beglckwnsche mich.Da sagte er: Ach Gott, Sie haben ein lebhaftes Herz und einen Kopf aus einem Block. Sienennen mich einen Glcksfang, wie glcklich mssen Sie sein! Denn mein Unglck ist einschwankendes Unglck, ein auf einer dnnen Spitze schwankendes Unglck, und berhrt manes, so fllt es auf den Frager. Gute Nacht, mein Herr.Gut, sagte ich und hielt seine rechte Hand fest, wenn Sie mir nicht antworten werden,werde ich hier aufder Gasse zu rufen anfangen. Und alle Ladenmdchen, die jetzt aus denGeschften kommen, und alle ihre Liebhaber, die sich auf sie freuen, werdenzusammenlaufen, denn sie werden glauben, ein Droschkenpferd sei gestrzt oder etwasdergleichen sei geschehen. Dann werde ich Sie den Leuten zeigen.Da kte er weinend abwechselnd meine beiden Hnde. Ich werde Ihnen sagen, was Siewissen wollen, aber bitte, gehen wir lieber in die Seitengasse drben. Ich nickte, und wirgingen hin.Aber er begngte sich nicht mit dem Dunkel der Gasse, in der nur weit voneinander gelbeLaternen waren, sondern er fhrte mich in den niedrigen Flurgang eines alten Hauses unter einLmpchen, das vor der Holztreppe tropfend hing.Dort nahm er wichtig sein Taschentuch und sagte, es auf eine Stufe breitend: Setzt Euchdoch, lieber Herr, da knnt Ihr besser fragen, ich bleibe stehen, da kann ich besser antworten.Qult mich aber nicht.Da setzte ich mich und sagte, indem ich mit schmalen Augen zu ihm aufblickte: Ihr seid eingelungener Tollhusler, das seid Ihr! Wie benehmt Ihr Euch doch in der Kirche! Wie rgerlichist das und wie unangenehm den Zuschauern! Wie kann man andchtig sein, wenn man Euchanschauen mu.Er hatte seinen Krper an die Mauer gepret, nur den Kopf bewegte er frei in der Luft.rgert Euch nicht - warum sollt Ihr Euch rgern ber Sachen, die Euch nicht angehren. Ichrgere mich, wenn ich mich ungeschickt benehme; benimmt sich aber ein anderer schlecht,dann freue ich mich. Also rgert Euch nicht, wenn ich sage, da es der Zweck meines Lebensist, von den Leuten angeschaut zu werden.Was sagt Ihr da, rief ich, viel zu laut fr den niedrigen Gang, aber ich frchtete mich dann,die Stimme zu schwchen, wirklich, was sagtet Ihr da. Ja, ich ahne schon, ja ich ahnte esschon, seit ich Euch zum erstenmal sah, in welchem Zustand Ihr seid. Ich habe Erfahrung, undes ist nicht scherzend gemeint, wenn ich sage, da es eine Seekrankheit auf festem Lande ist.Deren Wesen ist so, da Ihr den wahrhaftigen Namen der Dinge vergessen habt und ber siejetzt in einer Eile zufllige Namen schttet. Nur schnell, nur schnell! Aber kaum seid Ihr vonihnen weg gelaufen, habt Ihr wieder ihre Namen vergessen. Die Pappel in den Feldern, die Ihrden Turm von Babel genannt habt, denn Ihr wutet nicht oder wolltet nicht wissen, da eseine Pappel war, schaukelt wieder namenlos, und Ihr mtet sie nennen Noah, wie erbetrunken war.Ich war ein wenig bestrzt, als er sagte: Ich bin froh, da ich das was Ihr sagtet, nichtverstanden habe.Aufgeregt sagte ich rasch: Dadurch, da Ihr froh seid darber, zeigt Ihr, da Ihr es verstandenhabt.Freilich habe ich es gezeigt, gndiger Herr, aber auch Ihr habt merkwrdig gesprochen.

  • Ich legte meine Hnde auf eine obere Stufe, lehnte mich zurck und fragte in dieser fastunangreifbaren Haltung, welche die letzte Rettung der Ringkmpfer ist: Ihr habt eine lustigeArt, Euch zu retten, indem Ihr Eueren Zustand bei den anderen voraussetzt.Daraufhin wurde er mutig. Er legte die Hnde ineinander, um seinem Krper eine Einheit zugeben, und sagte unter leichtem Widerstreben: Nein, ich tue das nicht gegen alle, zumBeispiel auch gegen Euch nicht, weil ich es nicht kann. Aber ich wre froh, wenn ich esknnte, denn dann htte ich die Aufmerksamkeit der Leute in der Kirche nicht mehr ntig.Wisset Ihr, warum ich sie ntig habe?Diese Frage machte mich unbeholfen. Sicherlich, ich wute es nicht, und ich glaube, ichwollte es auch nicht wissen. Ich hatte ja auch nicht hierherkommen wollen, sagte ich mirdamals, aber der Mensch hatte mich gezwungen, ihm zuzuhren. So brauchte ich ja jetzt blomeinen Kopf zu schtteln, um ihm zu zeigen, da ich es nicht wute, aber ich konnte meinenKopf in keine Bewegung bringen.Der Mensch, welcher mir gegenberstand, lchelte. Darm duckte er sich auf seine Knie niederund erzhlte mit schlfriger Grimasse: Es hat niemals eine Zeit gegeben, in der ich durchmich selbst von meinem Leben berzeugt war. Ich erfasse nmlich die Dinge um mich nur inso hinflligen Vorstellungen, da ich immer glaube, die Dinge htten einmal gelebt, jetzt aberseien sie versinkend. Immer, lieber Herr, habe ich eine Lust, die Dinge so zu sehen, w

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